Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 31 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Cafe 4. «r 81. her letzte» Rächt so viele Gedauken darüber in mein Gebirn hineingepreßt, wie ich es hossentlich in Aukaust i» einem ganze» Jahre nicht mehr nötig habe» »erde." «Sie sehen auch ganz danach au», Bolkmann," sprach der Präfekt, teilnahmsvoll da» eingefallene» blasse Gesicht betrachtend. «Und darum bitte ich Exzellenz, meine Entscheidung at» unabänderlich anzunrhmen. Herr Baron, mir kehen nn» da» letzte Mal auk Erden, ich danke Ihnen aufrichtig. ««* h?r -TMe meine» aeanätten £vrj»M4r für all di, Liebe, iür da» große, unendliche Wohlwollen, da» Sie mir von der ersten S:e=Sf SriD:.'!?». Und wenn ich Ihnen je nabe gestanden, wenn mein bescheidene« Bemühen Ihnen je Zufriedenheit gewährt, dann betrachten Sie e» al» rin heilige» Wahrzeichen, al» eine göttliche Mahnung, daß mein Stamm nur in der religtöscn Auffassung von der Ihrigen sich unterscheidet, daß aber in-seelischer Hinsicht ein gemeinsame« Band alle Mechchrn umschlingt. Ich bin nicht der einzige meine« Stamme«, der ein dankbare« Ge- «ür befitzl. Mag die Trauer, dle in diesem Haufe seht ringezogen, eine Mahnung für alle Machthaber sein, daß Druck einen Gegendruck erzeugt. daß der Bogen nicht allzustrass gespannt «verden darf! Ich bitte Sie »och, Herr Baron, meine liesgesuhlte Perehrung auch der Kran Baronin übermitteln zu wollen." «Gewiß, mein Junge, gewiß," war alle«, was der Präfett mit eislickler «limine äußern konnte, i-br er sich so weit gefaßt batte, hatte Bollmann da» Zinimer verlassen. Der Baron blieb in gedrückter Stimmung zurück. Er tonnte e« noch nicht fassen, daß er >»«■«, iuuam Wann mit dein ehrlichen, freimütigen Wesen, in«l der beispiellosen $iiiti,mrm uno <lrbeit»freudigkeil, den er, wie einen Sohn liehgewonnen, für immer verlieren fottte. Seine Stimmung wurde auch nicht brifer, al« seine Frau zu ihm kam, nachdem e» ihr endlich gelungen war, die in wilder Raserei tobende Gräfin einigermaßen zu besihwichtigen und in» Beit zu bringen. «Wa» denkst Du davon?" fragte er sie, als er ihr Sollmann« Entschluß mitgeteilt Halle. «Wa» soll ich davon denken?" gegenfragte sie, nicht minder ernst. „Um aller Heiligen willen. Adele, behandele doch nicht die Sache, die doch, wie ich bestimmt weiß, auch Dich erschüttert, mit dieser afseklierten Gleichgültigkeit l Mache Du doch wenigsten» «ach eine« »ersucht Bei .dem großen Einfluß, den D» von jeher aus ihn ausgeübt hast, gelingt e» Dir vielleicht doch, ihm eine andere Meinung beizubriagen. Adele,' ich bitte Dich, tue r« mir »u Liebe." «Da» werde ich nicht tun, Sergi," sprach sie entschiede«: «wie wir beide Bolkmaun kennen, ist er lei» Schwächling, den. man mit Versprechungen »«der« und zu einer Sinuesänderung bewegen kau«, vielleicht ist e» auch besser so, wie e» gefoan»rr." «Unsere Ferien haben ein schöne» Ende ge- »■»(«. Lorolow tot und Boltmann fort . . ." «Du «wißt doch, Sergi. da» Sprichwort ist »atzr: El» Unglück kommt selten alles«. Uebrigrn«, so weh r» mir tut, weiß ich --.och nicht, pb Loratows Tod da» größte Unglück ist. — Bieltetcht dal er e» vorgezoge«, einem Leben voller Schmach »ad Schande. . «Adele' schrie der Baron förmlich, aus« tiefste erschüttert. „Sollte er etwa Selbstmo . . .V" ZU sab ftch ängstlich «ach allen Seiten um und »egte ihrem Manne die Hand aus den Mund. «Ach glaube «ich nicht zu täuschen. Aber sprich nicht «oeiter davon. Sergi. Seine grenzenLose T-..H"' »»rMi^iiniiafrii ist ia allgemein beton««: ebenso bekannt «ft auch, daß er keinerlei Bermögen befaß. Er war wenig geliebt, ad." izxLs inrtr ^es-r-chret W.-«n ich mim recht erinnere, sprach er auch etwa» von einer Inspektio» »der Revision leine» Distrikt», und wer weiß. »a» dabei herau»gelommen wäre. Alma er- UWir Mir auch, daß sie ein Werlpapier, ihr großmütterliches Erbteil, über yundernausend Rubel deseise». da» Loratow i» Berwahrung gehabt, und das plötzlich »»ertl»» geworben sein soll. — Sergi. Mir tcaiirc de» lNatschmäulern keinen Staff «eben. Alle» deute» ja ans ein Unglück hin, nav votzei fall t* bleche« Volkmann hat t» He Uatertnchung selbst In die Hand genommen — mm r» Mir scheinen will, nermulet auch rr etwa» —, ss* auch er »annle «ich«» entdecken, odwostl er de« ganzen Tag und die ganze Rocht nach hem Fährmann und nach dem »ahn suchen tieß, na» »an beiden Ist keine Spur zu ent- «Kreil ich. wen« dl» Sache» fa liege», müssen »na damit »ulrteben gchen," sprach er trüb; ir i < e-tstnan-, hnrchans fort will." «Aach iNudU Hfub Tu'TU; sbftnben mflftra: «■ »er traten «»» fchiv»» Ss«Ie»1ä«»Ie Ich feniw t«»t di» GesSbte der i»nden die Inden kein Geheimnis «acht, nnd wie ich ans Eurer Unterhaltung entnahm, war eS sogar seine Absicht, gerade heute . . . ." Der Baron sprang eutsetzt auf. Wie durch eine Erleuchtung war er btt Wahrheit »atzegrkonrtnen, und er begann jetzt, den Zusammenhang zu ahnen. Erst vor einige» - Tagen hatte Saratow ihm den famosen Witz von dem „akademischen Fährmann" mitgeteilt, and durch Bolkmann wieder hatte der Baron erfahren, daß Niman der Schulfreund sei, für den er damals die Gnade de» Präfekten anrief und welch unversöhnliche» Haß Niman gegen Loratow hegte. Die Baronin sah ihren Mann überrascht und sragenb an. «E» ist nicht«. Adele," sagte er mit erzwungener Ruhe. „Mir ist eben eingefallen, daß Volkmann mich bat, al» letzten Beweis unsere» Wohlwollen» für ihn, ihm, durch Deine Bermittluna, eine Zusammenkunft mit Alma zu verschaffen. Wil/st Du es tu»?" »Iitewiß. Hossentlich ist es die letzte, zu beider Glück." Boltmann wartete ln der Bibliothek mit angespannten Nerven, den Blick auf die Tür gerichtet. So sehr er sich auch für diese Zusammenkunft gewappnet und gerüstet hatte, fühlte er sich immer noch nicht vor einem Zusammenbruch seiner Srast gesichert. Nur der eine Gedanke stand klar und unerschütterlich vor seinem Geiste, daß er keinerlei Brrlange» mehr getragen hatte, Alma au' seine Anwesenheit zu crinlicrn, al» sie gestern den Heiimveg, gemeinsam und doch getrennt, zurücklegten. Der Grund für -seine Zurückhattüng war storatows Totengesicht. Es war sein ständiger Begleiter während seine» angrfürrngl?!, Forschen« nach der svnrlo» verschwundene» Leiche' seine» Freunde», es flammte zu ihm nieder au» dem düster« Firmament seine» verfehlten Lebens, es bohrte sich in sein Herz al« ein zweischneidige» Schwert bei dem Gedanken an Alma. Und all diese» Gräßliche sollte er ihr jetzt in» Gesicht sagen, um seinen gefaßten Entschluß zu rechtsertigen. Endlich kam sie, langsam, schleppend, die Augen niedergeschlagen, in Trauergewänder gehüllt, die da« bleiche, edelgesonnte Gesicht besonder» scharf hervorhobeu. Er mußte bei diesem Anblick alle seine Selbst, beherrschung zusammennehmen, mit nicht zu ihr binzustürzen und die gebrochene, schmerzgebeugte Gestalt an 7 seine Brust zu pressen. Aber auch in ihrem ganzen Wesen lag Zurück- »! und Zögcrn.undsieschien es ihm nahelegen en. daß etne. 'geräplchvolle Teilnahme seinereit« weder bön ihr verlangt noch erwartet wutde. Wortlos trat er an sie heran und wortlo» erfaßte er ihre eisigkolten. Hände,' was . auch sie schweigend geschehen' ließ. <Eii-dauerte, tinige Minuten, ehe er sich getraute, von seiner Stuyine Gebrauch zu machen. Uv.v,t.> ..7. 7-- „Ich tveiß ÄJÄsmch daß Deine'Mütter Dich kaum eine Minute entbehren kann. Aber," sprach er mit zärtlichem Vorwurf,.,.war es Dir denn gänzlich unmöglich,, mir-doch irgend eine Nachricht zutommen zu lassend /7-^ .7? . .Dimmtk. habe Erbarme« l" rief 'sie' schluchzend. „Gladve mir, Boris, ich habe Dir.eine unendliche Fülle von Minuten seit gestern gewidmet. Ich habe ja an. Deine.Botschaft durch Tante Abele unaus. horlich gedacht," setzte sie hinzu/müde mit der Hand über die Stirn fahrend.- ,Hat es Dir den» so viel Öüal bereitet, dieser nachzukommen?" fragte er, den Händedruck noch verstärkend, seine Stimme aber noch sanfter gestattend. „Freilich solche Schmerzen, als' wäre einem das Herz ausgerisse» worden, hat e» mir nicht bereitet," antwortete sie, mit einem schwachen Versuch zu lächeln; „aber sehr Weh getan hat es mir doch." „sprich Dich —Llel-llna vielleicht daß dieses Dich doch ein wenig erleichtert." „Ja. Vlettetch» schasst es mir Erleichterung und Gott helfe mir!" Ihre Worte kamen kaum hörbar über ihre Lippen. „Boris, meine Antwort aus Deine Botschaft ist die. daß wir vergessen müssen, alle« — hörst Du? - alles, was w»r einander gesagt, durch Wort und durch Blick. Alles müssen wir vergesse«, denn nicht» ist vorhanden,' da» die Scheidewand zwischen uns ntederreiße« könntet" Nervlo« ließ er ihre Hände au» -den seinigeu gleite». Das war das einzige äußere Merkmal seiner großen inner» Erregung. Den« dort, in seiner innerfte» Seele, da,erhob sich Steden seinem großen die- Gefühle «äch genau (M «Ach Richtung. ««fl folg» ) und 1-4, :-‘i4 ■--■»“-Tris.8...ihiV '*&• .<vv»i&iJ: Sie Löwe» hatten die Männer «nie» in der Stadt gekämpft für ihr Heiligstes» Anserlefenes. Und jetzt;? Da »nie» deckle» sie. schrecklich »erftümmelt, den Boden, be» sie sich erkämpft- Ihre Linder Lammert-n sich schreckensbleich, st«»« an sie» dis rauhe Hände eine» da, eines dort »it sich risse». In» Schwert stürzte» sich ihre greise» Bäter. Ihre Mütter weinten, rauften sich das Haar, flehte« zum Himmel, der ihnen die» gesandt hatte. Und ihre Seiber jammerte», sinnlos, stnmpt wiederholend: „Leiut Kisbrr! Leint um vjzc Bäter'" Der erste Lrandpfeil sauste aus sicherer Faust in de» heiligsten der heiligen 'Räume. Bebend, isaerid. «itternd steckte die eherne Spitz« des schwanken Rohres nur leicht haltenv im vergotdeien Zedernholz der Täfelung. Eine brennende Fackel flog in hohe» Bogen «ach. „Als wär's eine Strohhütte, so schleuderst Du das brennende Rohr in diesen Steinpalast" sagte ein römischer Soldat zu» Schützen. „Uebrigens weißt Du den» nicht, daß Titus seiner Geliebten versprochen, den Prachtbau für sie zu schonen?" So sprach der Legionär. Doch da prallte er entsetzt zurück. Bluligrot schoß aus dem Dache des Tempels die Flamme in die Höhe. Sich teilend,, verbreitend, fortwachseud, sich vereinigend mit Zischen und Farbenspiel. den Himmel stürmend. Beizender Qualm drang plötzlich, alles finster einhüllend, dicht geballt au» den Fensteröffnungen, aut de» hohen Portal, vom Rauche betäubt lagen die Legionssoldaten, in ihrer schweren Rüstung erstickend, vor dem heiligen Bau. Was unmöglich geschienen, war geschehen. Ein einziges Brandrohr, eine einzige Fackel halten diese ragenden Hallen, die zum größten Teil aus Gold, Erz und Riesenquadern bestanden, in unlöschvarcr zu,:: Jjiuanr! lockender Lohe «-»lodern lassen. Titus war um sein Geschenk, das keinem Triumpfe die ürone aussetzen sollte, betrogen. Unten in. der Stadt starrte der mordende Feind von kaltem Entsetzen geschüttelt da» Wunder de« brennenden Steinkolokied an. Mit tränenglänzendem Auge sah daS in Banden geschlagene Israel die heiß verlangend aussteigenden Glutwellen, in denen ihr Heiligstes zur Himmelshöhe sich hob. wo es für späte Zeiten ausbewahrt werden sollte - Heiß flehend, begehrend, wie jene züngelnden Flammen dort oben, hoben die Greise unter den Gefangenen, zu hart getroffen um weinen zu können, die mit klirrenden Letten beschwerten Hände auf zum ehern sich wölbenden, wolkenlosen Himmel: „Weint Linder; Weint um da« hehre Hau» de» Herrn!" Bis zum Mittag des nächsten Tages wütete der Brand, der statt eines reichen Steinpalaftes, Asche und wenige Trümmer zurückiieß. Dem Untergang, nicht der Schändung wollte dör Herr seine Wohnung preisgeben. yrleiricfc Uueftle 4U«iai«r Omwl-Tirtwi«: FrMrM Stahl Frukhrt «. JL, Stallkufitr. t. T«L S88 ■. TI 1D2 Bad Harxbnrg. "IV2 MGWMIGM ffpahlMtl SSiMMn» VwÄwMM^avM-rTpMMlnMl^MwMM^ UHtkt, u MIM» WiHIim IrihH Aff» M OkuW W»che»-K«le«Her. _ tat 11. Augnft (—8. Aw{: Sattat-Nnf«, in Frankfurt ». Ät. 7 lyr Lv PU«. Saddat-Ausgaog tu Fraurmn a. M. s rchr 4v «in. ta Bett« 8 Uhr »5 Btt». Dochenabschnitt: Hadeworim. — Moses wirft einen Rückblick auf die Küstenwanderung. berührt die manuigsache» Bersedlungen, wie die Sünde de, kkuudschafter, des goldenen Laibe», das vergehen bei den Haderwasser«, da» Verhalten gegen die stammverwaudkcn Sölker Edom. Moad und Ammon, die Besiegnng der Riesenkönige Sichon nnd Og und die Verleihung deren Länder an die dritthaib Stämme. Dieser LochenabsthuiN wird stet» am Sabbat vor de« ». Aw verlesen. Nach der Haftora de» Tages wird der Sadda« „Schabdos-Sdaisann" genannt. Au viele» Gemeinden schalte» man im Morgenaebet die „Avanw" vom Saddar vor dem Woche»- feste Tein: «Ans-ch» CM hasanm ttwinu." Etzens» als Sulas «deMnein» fchamanu." Wie am Satztzar vor Schsumans te auch heute das Geh« für tza» Andeuke» der Mckrtvrer:«A» Horachamim." Sin» desfelde,: U» der Thora »Men starheu die Srvmmea. ihr Tod ist gleichdedeuiend «1» de» Tempeln nierganq. ' Tisch«.h»a» ' ' Ms- 4*