Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 31 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2692297-2692665-2692696--05587-2700516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
: 1 >-■* w_l-w , JtTRT *}ClUIUfi UfUfCWX 1 HsdchHri-A AAst ^<s<hLft»ftstks: ( hl i Jnsertionspreif«: "b-: Astonnennutspmis Pr» Vierteljahr: A» Frwch. fnrt n. M. Mst I.— frei ta$ HauA VA ber Post Ntonutem tm 8» uud Ikuskwih IM LU lrt»> trmktwt IHlkkitboie 4/6» Cdr «eichlkaße Li» diergrspaltra« Petitzeil«.SS Psg. Li« AeNamezeil«.100 „ »EE - r wm * M.fc -* -a > — . Mw>. | mm ■ V__ MMggMyn tnn^r ■gMgM^ «•£•#•» 10&07. Platz. «Bt Dotiwvmschllst ogat Bmgftchvchsiit. Dinlfchlnnh uud Oesterreich. Nutzern ML L.&Ö, Beilag«: fMVgettBbccfltLS.— — Preis auch llebertiukuust. 9rrit*(, tat 7. Aw 5670 (1%. «igift 1910). «r. 81. U-» Artikel: Bo» der Welt der »ed«»kt«. — Brief an» Rußland. — Die Aufforstung Palästina». — Kal aller Welt. — Feuilleton: Wage n» Nage. —. Der brennende Tempel. — Wochen- Kniender. — Familien»,chrtchte». — - Allgemeine «ttteilangen. . Sil ier fielt Itr SeNitei. <Betr«chtnngen and Besprechaagen.) BonBen-Koheleth. o. Die Bibelkritik. Di« Forderung vollständigster Objeklinitiit von jedem wissenschaftlich«» Werke ist «er jener Bemeiuplätze, durch deren sortwüh- Wiederholung jeder Spießbürger einen genügenden Bavei» seiner Bildung geben zu können glaubt. Und wie gar viele Gemeinplätze, die —rsses ihr«-»»glichen Wiederholung wegen nicht trttijch zn betrachten für nötig hält, ist 'auch die Forderung vollständigster Objektivität in der Form, in der sie ausgesprochen wird, ein Kons«», die auch tatsächlich nie erfüllt wird, »veil sie eben gar nicht erfüllt werde» kann. Denn um ibr voll uud gaa» nachzukonnueu, müßte der Bekehrte sich all seiner Anschauung«», seine» ererbte» Temperament», seiner Erfahrung, seiner gangen DeukuugSarr, kurz uud gut alle» dessen, wo» seine spezifische Individualität anSmacht, entledigen und zu einer Maschine werben. Und doch ist diese Forderung nicht ganz und gar falsch, »ielwehr steckt in ihr. wie i» allen falschen Gemeinplätze». ei» Gern Wahrheit, die eben durch die übertriebene Form, in der sie au»g«- sprochen wird, falsch wird. Wa» man von einem Gekehrten fordern kann und muß. ist die F e r ntzoltüng von bewußter Einseitigkeit . und Ungerechtigkeit, nicht aber der nnoewupte», «u $m »uimimh D«t uulft >m Kräfte» liegt Ten» de» gleiche» Aster!, den da» danntze Denke» an unseren Anschauungen und H-n-k sagen ninnsr. hsr dar sadrsuvte Fühle», dessen Tätigkeit »vir allerdings nicht verspüre». weil e» eben »«« unbewnßt ist. Man wird daher niemale ei» Buch finde», von dem man sage» Biilr, daß t» vollstärchig objektiv sei, uno fall» «O «in solche» gäbe, wäre e* seiner Nnnatürllchkeit wegen zn verwerfe»«. Diese Tatsache, daß nämlich kein Mensch; stn-r twtOtndige» Objektivität fähig sei, ist der -Hongägrnnd für die Behauptnug, die schon oft gnmi» aber nar selten «ertannt »nrde. daß »üniSch ei» Historiker die Beschicht« sremde» Volle» nie so gut »er« KHetze» tänne, wie der Sohn de» be- Mneffende» Volke«, »ich bare» «»schließend AtXwde schm» No» manche» Drulrr» die Fo»de»u»g ^'kcheie». ßsß dfeGeschicht-f-rschnng tint* Ptoff«# ut *#« dessen eigene« Söh- Nk«A de^rtedck» »erd«« solle. Will man ^pr Mt dteochksgUNW stlkser Fmch»e»nig onch eine» Beweis, aus der Praxis haben, so wird wohl die msdcrne alttestamentliche Wissenschaft hierfür, am geeignetste» .sein. Man braucht nur einige Erzeugnisse dieser Wissenschaft gelesen zu haben, um zu erkennen» wie sehr bei vielen Forscher« auf diese» Gebiete der Wunsch, dem jüdische.» Bolle seinen Rimbu» zu nehmen. ans ihre Forschung und Darstellung bestimmend wirkt, und wie sllbst bei jenen, die objektiv sein wolle», die unbewußte feindselige Stellung uns«em Volke gegenüber zum Au»druck kommt. - Besonder» auffallend macht sich diese fast ausnahmslose, bewußte oder unbewußte Antipathie gegen da» Mische Volk seiten» der nichtjüdikchen Bibelkritiker in ihrer Behandlung der jüdischen Beistesgeschichte und der großen Denker unsere« Volke» bemerkbar. Wer eine Geschichte der Tulstchiing und Entwicklung der jüdischen Religion oder '.eine Darstellung der prophetischen Ideen — denn um diese handelt e» sich vornehmlich — twn einem nichtjüdischen Gelehrten liest, wird mft Leichtigkeit wahrnehnien, wie überall da» Bestreben zutage tritt, die Bedeutung de» jüdischen Volkes für da« religiöse Leben der Menschheit zu verkleinern. Da versucht man nach- Mveisen, dag die jüdische Religion vor der Entstehung de» Christentum» gar nicht so erhaben gewesen war> daß die Propheten, — deren Größe man ja mir schwer bestreiten kann — einzelne hervorragende Persönlichkeiten gewesen »oaren, die vom Volke gar nicht verstanden wurden; oder man erzählt die bekannte Märe von der Erstarrung der erhabenen prophetischen Ideen durch die Engherzigkeit und Kleinlichkeit der Pharisäer (die» ist die gebräuchlichste Theorie); oder endlich, man sucht den Leser zu überzeugen, daß die Juden allihre religiösen Vorstellungen und Besetze überhaupt von den Babyloniern, «ssyrerm, Aegypter» oder anderen Völkern entlehnt baden fmon denke-an Delitzsch und Genossen). Wir aber die Theorie» lauten, ihr Jweck nt immer derselbe: die Verkleinerung und Hcrabsetz« senung de» jüdischen Volke» und seiner geistign? Produkte. Diese Tatsache konnte bi» heute nicht in ihrem ganze» Umfang empfunden werden, weil man wohl einzelne Zurückweisungen der besonder» ff allenden Gehässigkeiten, aber fast keine vollständige Beschichte de« jüdischen «eiste« — besonder« der prrphetischeu Ideen — von j üdischer Seite besaß, die auch auf per vasi« der Btbelkritik beruhte. Eine solche ist nun im vorigen Jahre erschienen,*) und et ist uagemein nttevessmtt, zu beobachten, welche» Nnterschied e» ««»»acht, ob ein bewußter Jude oder ei» Nichtjudaunsere »lüste Beistrsgeschichte darstellt. Der Verfasser der in hebräischer Spmch« geschriebenen Geschichte ist der bekmnte *) HißAtoß -Jfteett», v»n Dr I. «lautner. 's. TM: V»n ß«aätttste» Zeir bis zn den Makk». bäern. - '/VT"" hebräische Schriftsteller D r. I. Klausner. Seine» bidelkritischen Srandpunkte» wegen ist da» Werk für jeden orthodoxen Inden natürlich unannehmbar, und dennoch kann ich e» auch diesen empfehlen, nicht damit sic etwa daran» eine einwandsfreie Kenntnis der alten Beschichte holen, sondern nur. damit sie daran sehen, wie groß der Unterschied zwischen oies in von einem Juden geschriebenen uno anderen nilyr» jüdischen bidelkritischen Werken ist. Die Lektüre diese» Buche» kann ihnen auch al» weiterer Beweis für meine Ausführungen im vorigen Artikel dienen, ivo ich auf die Notwendigkeit der Beteiligung von Inden an der altteftamentliche» Wissenschaft hinwies. Man wird mir von orthodoxer Seite «ntgegenhalten können, daß es ja gar nicht erwünscht ist. daß Jude» die bidelkritischen Behanptungrn anerkennen, und daß Schriften von Mänixern wie Klausner nur der Verbreitung dieser Behauptungen dienen. Dieser Eimoaii» gegen meine Behauptung ist aber durchaus hinfällig. Denn selbst der ortdodoreste Juoe muß doch mit der Tatsache rechnen, daß nun einmal ein großer Teil unseres Volkes ans bibelkritischem Standpunkt steht, und -» ist doch kür diesen Teil, selbst von orthodoxem Standpunkt au» betrachtet, besser und nutzbringender, wenn er seine Geschichtskcuntni» au» Werken jüdischer Autoren al» au» solchen nichtjüdischer, meist dem Judentum feindlicher Gelehrten schöpft. Und wa» die Verbreitung bibelkritischer Theorien anbetrifst, nun, die wird auch nicht dadurch aufgehalten, daß jüdische Belehrten keine bibelkritischen Werke verfassen werden. Gibt e» doch die llnmenge von nichtjüdischen Autoren, die,ur genügende Verbreitung schon sorgen. Bibel kritische Werke also, die bewußte Juden »» Autoren haben, »verde» btm Judentum nicht schaden, vielmehr uhiden sie da» jüdischeGefühl und die Hochachtung vor dem Judentum, die beiden * r.*« .*» utr« .... UU| * <%..w durch die Lektüre der mchtiüd,scheu Autoren zum große» Teil geschwunden ist. nur stärken und wiedererwecken. Zn« Beweise dieser Behauptung braucht man nur da» Werk Klausner» zu lesen und den Einfluß sestzuftellen. den es aus ocn Leser au»übt: er wird nie eia anderer al» oie Stärkung de» jüdische» Setbftbewußtsein» und der Liebe zum jüdischen Volke und seine« geistigen Güter« sei«!*) *) Wir könne» den Ausführungen de» gekch. Schreiber« nur deipfticheeu. besonder« bezüglich de» Buche» .Historivh Isweki» (Beschtchw Israel» - Da» KlauOnerfche «uch. da» die Zelt bt« zur Zerstsrung des erste» Tempel« tu aeosteu lapidaren Züge», die Zett MM bahglontiche» Wrtl tu zum Auftreten der -aMuauser ledoch audsühektch lchtld-rr — sowohl uoch der wirtschaftlichen und sozmteu. als auch auch der getsttgeu Beim hin - «uthätr «unberbare ZtttUv. geradezu Perlen kutturbistveischer Aevoedukttone» nu» t» unzneifeid^t dazu Btk* Plnvundiruug wc der griit setuer tattsx abzuringen und chm uv». «e»o fsr da» ttldtkche v« geistig», Gchätza etnzuimpftu. -s»