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Neue jüdische Presse · 1910-07-22 · Heft 28 (22.7.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 28 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 MWMsUMr ^MiWWWkS WMMMtvuM. Geite 5. gehegt-die Eitelkeit! Die Eitelkeit, die Dich dazu treibt, selbst ,in meinen Augen gerecht dazustehen." „Um Gottes Barmherzigkeit willen, Niman, hör aus mit Deinen cynischen Selbsterniedrigungen!" rief Bolkmann erregt. „Ja, ich Ivill gerecht sein auch in Deinen Augen! Noch mehr, ich will Dir gestehen, daß der Beifall der ganzen Welt mich nicht für Deine Borwürsc entschädigen könnte!" „Glaubst Du denn, daß sie unverdient seien?" Niman war .bemüht, einen Schimmer von Sanftmut in seine Frage zu legen. ^Wenigstens habe ich sie nicht von Dir erwartet," fuhr Baruch mit gleicher Erregung fort: „gemeine, niedrige Naturen könnten wohl meiner Handlungsweise solche selbstsüchtige Motive unterschieben; von Dir aber erwarte ich, daß Du sie zurücknimnist, erstens, weil Du mich kennst und zweitens, weil Du-Du bist!" „Barnch, nimm Dich in acht! Der zweite Grund klingt beinah wie ein Kompliment für mich." Baruch ging auf diese Bemerkung nicht weiter ein, sondern sprach mit vollem Ernst weiter: „Wollte Gott, ich könnte für meine Volksgenossen mehr als dieses tim, um mein Gewissen zu beschwichtigen. Doch nicht .in dem Sinne, wie Du es -meinst, daß es mir an Mut gebricht, für meine Taten ciiizusteheii. Was ich getan, steht und fällt iu.it mir selbst; ich suche dafür keine stellvertretende Vergebung. Die Rettung meines Volkes soll kein Schönheitspflästerchen für mich sein, sondern eine zloingende Notwendigkeit, aus der Stammeszugehörigkeit herausgcwachsen, ob auch die Kurzsichtigen mir darum fluchen sollten. Darum wiederhole ich Dir mein Anerbieten; da ich aber nichts ohne Deine Zustimmung unternehmen werde, so bedenke, welche Verantwortung Du Dir auserlegst. Bei alldem kann ich zwar nicht garantieren, daß meine Vorstellungen und Almas'Bitten Koratows Herz zum Guten werden wenden können. Aber es ist wenigstens ei» Hoffnungsschimmer; zumal auch Du nichts Besseres zu bieten vermagst. Willst Du mich aber trotz alldem mit dem Hintergedanken des Eigennutzes brandmarken, dann — könntest Du mich tatsächlich in diese Gemeinheit hineinpeitschen. Daun aber, Niman, lvenn das vergossene Blut unserer Brüder zum Himmel ausschreit, dann wirst Du Deine Hartnäckigkeit doch noch bereuen!" „Wenn ich also in meiner Hartnäckigkeit verharre, .— was willst Du dann eigentlich tun? Natürlich schweigen und Koratows Tochter heiraten!" „Nein, reden und Koratows Tochter aufgeben! Eins bedingt ja das andere, oblvohl ohne Almas Unterstützung meine Vorstellungen nutzlos sein werden. Ich werde ihm wohl alle seine Schurkereien ins Gesicht schleudern, doch welche Maßregeln könnte ich noch ergreifen, um weitere zu verhindern? Darum, Niman, bedenke wohl, ehe Du mich von Dir weisest." „Baruch, so lvahr Gott lebt, Du bist ein ganzer Mann!" rief Niman, mit leidenschaftlicher Begeisterung. „Spare Deine Lobeserhebungen. Ich verlange Gerechtigkeit." „Die sollst Du haben, Barnch. Du sollst sic haben; doch heute nicht," sprach Niman, mit einer Zärtlichkeit, die gerade bei ihm überwiegend wirkte. „Morgen sollst Du .Genugtuung haben, so laut und deutlich, wie Du sie selbst nicht besser wünschen könntest. Der morgige Tag," fuhr er mit bebender, doch klarer Stimme fort, „der morgige Tag wird unserer Freundschaft eiir Siegeslied singen, das Dir Dein ganzes Leben nachklingen wird. Ich verspreche Dir dieses, so wahr und so heilig, als läge ich bereits auf meinem Totenbett! Bist Du zufrieden?" (Fortsetzung folgt.) Jules Huret über die Jude«.*) Bon Dr. N. Subjektiven Reisebeschreibungen und persönlichen Reisebeobachtnngen stehe ich im allgemeinen mit einem gewissen Mißtrauen gegenüber. Denn wer bürgt mir, daß der Reisende richtig und wahr beobachtet, wer bürgt mir, daß er nicht den Sitten und Einrichtungen des fremden Landes mit Vorurteilen gegenübersteht, daß er nicht die Verhältnisse entstellt und verzerrt, so daß der Leser, der doch aus' dieser Reisebeschreibung das Land kennen lernen will, ein ganz falsches Bild von seinen Zuständen erhält. So trat ich auch an die Lektüre des vorliegenden Buches Huret's — das doch ein Produkt seiner Reise in Deutschland ist — mit Mißtrauen heran, das noch durch die Nationalität des Autors gesteigert wurde. Ein Franzose, der über Deutschlands über Berlin, schreibt — man denkt unwillkürlich an nationale Vorurteile, an instinktive Abneigung, kurzum, an Gefühle, die dem Autor die Fähigkeit rauben, objektiv zu sein. Nun, mein Mißtrauen war in diesem Falle gänz¬ *) Jules Huret: Berlin. Antor. Uebersetznng aus dem Französischen von Mina Knobloch. München, Verlag Albert Langen. 4.— Ji lich nngerechtsertigt. Wohl legt Huret hie und da manche Vorurteile an den Tag, aber schließlich ist auch er nur ei» Mensch, der durchaus nicht seine subjektiven Gesühle verleugnen will; im allgemeinen jedoch ist das Werk durchaus objektiv und wahrheitsgetreu gehalten. Doch diese Eigenschast ist nur etwas selbstverständlich zu Forderndes , und noch durchaus kein besonderer Vorzug des' Buches. Doch auch an diesem fehlt es dem Werke nicht, und da sind es vor allem zwei Vorzüge, die das Buch über den Durchschnitt der Reisebeschreibungen erheben und es — im wahrsten Sinne des Wortes — zu einem K u l t u r d o k n m c n t machen. Der eine Vorzug besteht in 'der glänzenden Beobachtungsgabe des Autors, eine Eigenschast, der Huret überhaupt seinen literarischen Ruhm zu verdanken hat. Er besitzt einen ungemein scharfen Blick, der bis in die verborgensten Winkel hineindringt, der ihn nichts übersehen läßt, der ihm die seltene Fähigkeit verleiht, präzise, genau und umfassend wahrzuuehmcn. Man lese nur die Kapitel: „Das 'Nachtleben," „Der Spreaioald," „Die Sonntage des Bürgers und des Arbeiters," „Typen der Gesellschaft und des Snobs", und man Ivird staunen, wie es einem Ausländer gelungen ist, mit seinem Blicke so tief in die Lebensvcrhältnisse aller Gesellschaftsklassen einzudringcn. Macht diese Eigenschaft Huret als Schildercr, als Beobachter, als Schriftsteller so groß, so bekundet er in seinem Buche noch eine andere Eigenschaft, die ihn uns als Menschen näherbringt. Ich meine seinen Mut, seine Wahrheitsliebe, seine Offenheit, die manchnral an Indiskretion grenzt und dazu seine edle Gesinnung. Diese Vorzüge seines Wesens nimmt inan vor allem in dem Kapitel wahr, das uns Juden noch besonders interessiert: e r A n t i s c in i t i s in n s". Ich empfehle dieses Kapitel all jenen Lakaicnseeleu, an denen die deutsche Judenheit leider so reich ist, zur ganz besonderen Lektüre. Vielleicht werden die Worte eines Christen und eines Ariers auf sie mehr Eindruck machen als die Mahnungen und die Kritik ihrer jüdischen Volksgenossen. Für den Fall jedoch, daß sie daß Buch nicht lesen, wollen wir ihnen hier einige Auszüge bieten, die auch für die treu au ihrem Volkstum haltenden Juden sicherlich Interesse haben werden: „Wer „Israel devant les 'Nations" von Anatole Leroy-Beaulien gelesen hat, kann kaum mehr länger Antisemit sein. Jni Gegenteil, niit jeder Seite dieses prächtigen Buches wächst die Bewunderung, die Hochacht u n g für dieses tüchtige, begabte und lebenszähe Volk der Hebräer. Mit immer regerem Interesse folgt man den Wandlungen seiner tragischen Geschichte und fühlt Mitleid mit seinem Geschick. Indes verhilft dieses Werk auch zu besserem Verständnis dem Antisemitismus gegenüber. Es legt zugleich die einstige Hoheit und Größe der jüdischen Rasse dar und die heutigen Fehler, die ans ihrer Vermischung, den Verfolgungen, die es zu dulden hatte und ans ihrer wirtschaftlichen Lage entstanden sind. Sodaß man zugleich bedauern muß, daß es nicht mehr jener heldenmütigen Juden gibt, an denen die Vergangenheit Israels so reich ist. und daß an ihre Stelle so viele „kleine" Juden mit ihrer Eitelkeit nndZudringlichkeit getreten sind, mit den vielen, im Laufe der Zeiten erworbenen unangenehmen Eigenschaften. Ich für meinen Teil bringe den Nachkommen alter jüdischer F a m i l i e n, die kultivierter, liebenswürdiger, intelligenter und urteilsfähiger sind als wir, große Sympathie entgegen und habe solche in Frankreich, England, auch in Deutschland, vor allem aber in Rußla nd kennen gelernt. Sie scheinen, wie zugegeben werden muß, nicht die geringste Verwandtschaft mit jenen ungehobelten, habgierigen, geschmack- und taktlosen Menschen zu haben, die die Antipathie und die Geringschätzung, unter welcher die ganze Rasse zu leiden hat, manchmal begreiflich und entschuldbar machen". Nachdem Huret gezeigt hat, wie sich der Antisemitismus im sozialen Leben Deutschlands dokunientiert; wie sich die Juden an die aristokratischen Salons herandrängen, wie feindselig der Adel ihnen gegenübersteht, der jedesmal in Aufregung gerät, wenn der Kaiser einen Juden adelt, fahrt er fort: „Weshalb diese Aufregung?" fragte ich diejenigen, die sich über diese Erhebung enttüsteten. „Sollten die Deutschen nicht etwas zuviel Wert darauflegen, sich adelig nennen zu dürfen! Ob ein arjmer, an der Bibel, am Talmud und an moderner Philosophie gebildeter Rabbi nicht adeliger ist als ein adliges Herrchen in zweierlei Tuch, das seine Schulden nicht zahlt und bereit ist, bei Hofe als Bedienter zu fungieren?" „Jedenfalls denken diese ehemaligen Wucherer und Kohlenhändler nicht so, da sie aller Charakterlosigkeiten fähig sind, um ein „von" vor ihren lächerlichen Namen .setzen zu dürfen. Und kaum ist diese Sehnsucht gestillt, lassen sie auf allen ihren Koffern, auf aller ihrer Wäsche das Adelszeichen anbringen." Huret gibt im iveiteren Verlauf eine vorzügliche Charakteristik verschiedener Kategorien von Wutschen Juden. Nachdem er zuerst die vordringlichen Juden geschildert hat, fährt er fort: »Diesem Juden steht die große Menge der ängstlichen Juden gegenüber, des Juden, der sich vor seinem eigenen Schatten fürchtet, der Angst hat, eine Meinung zu äußern» zu widersprechen, sich b to ßzustellen> nur einen Wunsch kennt, nicht zu mißfallen, der sich cinbildet, je mehr er sich in den Schatten -stelle, umsomehr Syinpathie erwecke er, ein Hasenfuß, der beim Rascheln der Blätter zusammcnfährt, nur daran denkt, sich zu demütigen, und einstweilen nichts Besseres verdient, als gedemütigt zu werden. Diese Sorte findet sich vor allem in einer dritten Kategorie von Juden, der minderwertigsten, in dem Renegaten, der von den Inden selbst niehr noch als von den Christen verachtet wird. Doch neben diesen Renegaten gibt es den Juden, der stolz auf seine Abstammung ist. Seines eigentlichen und - seines relative» Wertes bewußt, in der Geschichte seines Stammes und berühmter Stammcsgenosfen bewandert, hebt er stolz das Haupt vor den gerinanischen Barbaren, die nur die Kraft und die numerische Ueberlegenheit vor ihm voraus haben. Er fühlt sich den Besten unter ihnen ebenbürtig, oft noch erhabener als jene, die ihn zu demütigen gedenken, und bietet alle Kräfte auf, sich zu erheben; im Gefühl seines Stolzes und seiner Würde ist er bestrebt, tugendhaft und anständig zu bleiben in dem Lebenskampf. Dieser Typus ist selten, er verdient volle Hochachtung, Sympathie und Bewunderung." Also spricht ein Franzose, ein Christ über die Judenfrage. Dieses Kapitel allein würde schon das Buch — für uns Juden besonders — sehr lesenswert machen. Zieht man noch all die anderen Vorzüge des Buches in Betracht, so wird ein jeder dieses glänzende Werk des mutigen und wahrheitsliebenden Schriftstellers nur warm empfehlen können. Kaiser Friedrieh Quelle - Olfenbach a. M. - Gegen Gicht und Bhemnatismns bewährt- Alleinlger General-Vertreter: Friedrich Stahl* Frankfurt a. M., Staliburgstr. 9. Tel. 259 n. 71. 1272 Bad Harzbarg. 1272 Pension Parkhaus* 53 Salons nad Familien-Depentlance, Schloss Prinaenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häus-r I. Banges unter Babbinats- Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober Prospekt gratis. Max Hecht. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 23. Juli (=16. Tamos): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 2Ü Min-, in Berlin 9 Uhr 19 Min. Wochenabschnitt: Pinchas. — Pinchas, der Sohn Eleasars, ersticht in heiligem Eifer den jüdischen Stammfürsten Simri nebst einer midjanitischen Stammfürstin, da sie öffentlich den Wfall zeigten durch Vermischung Israels mit den Heidenvölkern. Daraufhin erfolgte eine Zählung Israels nach den Einzelstännnen. Es wird ver Verteilungsmodus für das einst in Besitz zu nehmende Land Kanaan mitgeteilt, die Stammes- und Familienzahl bilde den Maßstab. — Zelofchads Töchter beanspruchen einen Landanteil für ihren verstorbenen Vater. Moses befragt Gott. Der Anspruch wird als gerechtfertigt erachtet. Das Erbfolgerecht wird dabei fixiert. Moses bestellt zu seinem Nachfolger den Josua. Er autorisiert ihn durch „Händeauslegen" und stellt ihn der ganzen Gemeinde vor. — Den zweiten Teil der Sidra bilden die Opferabschnitte: Das beständige Opfer und die sogenannten „Zugabeopser" für Sabbat, Neumond und Fasttage. Lehre: Das beständige Opfer lehrt die beständige, d. h. alltägliche Lebensweihe; die Zugabsopfer lehren die gehobene Weihe des betr. Tages. . Sonntag (17. Tamus): Schiwo-Osor-be- Tamus, erinnernd an die Eroberung Jerusalems durch die Römer. Ganztägiger Fasttag. Einschaltung von Selichaus und Aneinu im Morgengebet. Vorlesung des Abschnittes Wajechal. Mit dem 17, Tamus beginnen die sogen. „3 Wochen", bis 9. Äw dauernd. Haarabnehmen, Hochzeiten, auch sonstige Vergnügungen unterbleiben. Die Benediktion „Schehechijonu" spricht man, wenn Gelegenheit dazu geboten, nur am Sabbat. Offenbacfter Druckluft - Anlage Telefon 123. Offanbacll s» ü. Telefon 123; Unübertroffene bewährteete Tap plchrelnlgunfl.

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