Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 28 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Ufa. 28. WackftttLr JfrEkWeS WaMtzMaS. bei den Mädchen: Übersetzung der gebräuchlichsten Gebete, Glaubens- und Sfttenkehrc, jüdische Geschichte bis zur Zerstörung des 2. Tempels. Mit der Elementarschule ist auch die 3klassige Talmud-Thoraschule verbunden, in welcher Talmud mit Tosscfot, Kizur-Schulchan-Aruch, Chaje-Odom unterrichtet wird. Dem Turnunterrichte wird große Pflege zugedacht. Lobenswert ist die Slöjd-Mteilnng, in melcher von den Kindern Tischlcrgcgenständc verfertigt werden. In administrativer Hinsicht leistet die Schule bewundernswertes. Der Freitisch für arme Kinder, und der Hellerverciu sind ein Segen für die ärmere Klasse. Im Schulgebäude ist auch eine Schulsynagoge eingerichtet. Aus Leu Bereiueu. Graudenz. Nach dem Rechenschaftsbericht des hiesigen Caspar Lachmann'schen Provinzial-Waise „Hauses (Vorsitzender: Justizrat Behrendt, Danzig) beliefen sich im abgelauseuen Geschäftsjahre die Einnahmen auf 44160 JL und die Ausgaben auf 32 92» JL Das zinslose Vermögen beträgt 186 300 JL und das zinstragende 2412000 JL Breme«. Es ist nach längeren Bemühungen gelungen, die beiden hiesigen jüdischen Jugendvereine unter dem Namen Jüdischer Jugcudbund Freundschaft (gcgr. 1901) Bremen znsammenzufasscn. Der neue Jugendbund Freundschaft, welcher dem Verbairde der jüdischen Jugend- Vereine Deutschlands augehört, nimmt seine Arbeiten unverzüglich auf. Uuskunftsstcllc des Vereins: Levy's Hotel, Brenlen. Posen. Eine vom Verein zur Förderung jüdischer Interessen einberufene, sehr gut besuchte Versammlung beschäftigte sich mit den „unblutigen Pogromen gegen die russischen Juden". Nachdem der Rabbiner Dr. Nobel über dieses Zchema einen cinstündigen Vortrag gehalten und man in der Diskussion zu den Ausführungen Stellung genonunen hatte, wurde eine Protestresolution einstimmig angenommen. Bunte Chronik. El« Jude aufgefordert, eine« Holigan zu verteidige«! Bei einem Pogromprozeß in Saratow hatte das dortige Gericht die Unverschämtheit, an den — jüdischen Advokaten A. M. Dunjewitsch das Verlangen zu stellen, den Anführer des Gesindels zu verteidigen. Dunjewitsch erwiderte hierauf: Obgleich ich weiß, daß ich nicht Las Recht habe, mich der Verteidigung zu cntschlagen, halte ich es doch für meine Pflicht, Eurer Exzellenz folgendes mitzuteilen: Alles, was ich während der Pogrome auf Juden durchgemacht habe, lebt noch frisch in meiner Erinnerung. Ich habe nicht nur mit meinen eigenen Augen das Unglück meiner Brüder mit angesehen, sondern habe auch selbst physisch unter dem Pogrom gelitten. Mein Gewissen zwingt mich deshalb, zu erklären, daß ich mich nicht für geeignet halte, den Angeklagten zu verteidigen. Wohl sagt es mir mein Verstand, daß der Angeklagte bloß das Opfer seiner Unwissenheit und der niederträchtigen Agitation ist, aber die Wunden in meinem Herzen und auf meinem Leibe brennen zu stark, als daß ich mir zmnuten könnte, die Interessen des, Angeklagten mit jener Kraft und Wärme zu vertreten, wie es Pflicht eines jeden Wvokatcu seinem Menten gegenüber ist. Ich bitte daher, mich des Auftrages zu entbinden." Auf diesen Brief hin wurde Dunjewitsch von der Verteidigung entbunden. Söuigi« Luise «uv Mendelssohns „Phädon". Anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Tages an dem Luise, Preußens populärste Königin, die Augen schloß, sei ein Brief an ihren Neligionslehrcr Lichthanmier in Darmstadt wiedergegebeu, in dem sie sich für Mendelssohns „Phädon" bedankt. Sic schreibt: „Ich reiße mich los von jenem herrlichen Buche, tvelches Ihre Güte niir vor einiger Zeit gab, uni nicht bloß meinen Dank Ihnen noch einmal mitzriteilen, sondern ich füge die Bitte hinzu, mir das Buch Mendelssohns von der Unsterblichkeit von Frankfurt kommen zu lassen. Sie könne» sich nicht vorstellen, wie sehr glücklich midji das Buch macht; die Lehren, die cs enthält, sind so wahr, so treffend und gut, daß es mir ein wahrer Schatz für meine Seele geworden ist. Meine Seele wünscht außerordentlich sich zu bilden und sich nützliche Kenntnisse der Menschen, des Geistes der vergangenen Welten zu sammeln. Verhelfen Sie mir dazu. Ich bitte Sie. Ich beschäftige mich immer, aber tvas ist eine Monatsschrift, eine hübsche Zeichnung, eine schöne Sonate für den Geist? Es zerstreut ihn tvohl, aber gibt chm keine Kraft, denn so gut wie der Körper nicht vonr Anschauen und Anhöreu lebe» kann, ebensogut kann die Seele keinen Fortschritt machen, wenn sie keinen Stoff zum Denken hat." . Kunst uud Literatur. Mitteilungen zur jüdischen Völkerkunde. Herausgegeben von Dr. Max Grumvald (Wien, XV., Mariahilfcrstraßc 167). 13'. Jahrgang. 3. Heft. Inhalt: M. Grunwald, Das Josefspiel. S. Weisscnbcrg, Josef und seine Brüder. I. Wellesz, Volksmedizinisches aus dem jüdischen Mittelalter; B. Wachstein, Jnlibris. N. Weldler» Kinderreime aus Galizien. — Bücherschau. — Berichtigungen von I. Löw und W'. Bacher. — Beilage: M. Grunwald, Die Familie Arnstein. Pauline Wengeroff, Memoiren einer Großmutter, Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. Jahrhundert. Band 2. Preis drosch. 3 JL, gcb. 4 JL Berlin, M. Poppclaucr. Wenn ich jemals von einer Neuerscheinung auf dem Gebiete der jüdischen Literatur gewünscht habe, daß sie in jedem jüdischen Hause Stätte finde, so ist es der zweite Band von Pauline Wengcroffs „Mcmoieren einer Großmutter". Dieses Buch spricht eine Sprache, die sich unauslöschlich eingräbt in das Denken auch des gleichgültigsten seiner Leser. Die ganze Geschichte der Judenheit seit ihrem durch die veränderten Verhältnisse der Neuzeit bedingten Niedergange rollt sich mit ihren innersten Fäden in der Lebcnsgcschichtc dieser einen Frau auf, drei Generationen umspannt das Leben der Autorin, und welche Werte wir Hingaben und tvelche wir ciutauschten, erzählt dieses Leben. BarmizwohS. Arthur, Sohn der Frau B. Schwanthaler Ww., Königswartcrstraße 3 in der Synagoge des Israel. Waisenhauses Röderbergwcg 87. Max, Sohn des Herrn F-crd. Schmidt, Tiergarten 18 in der Synagoge Börneplatz. Briefkasten. 0. 8. Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Ehrlich wurde 1854 in Strehlen als Sohn eines Kaufmannes geboren und verheiratete sich 1883 mit einer Tochter des Geh. Kommerzienrats Piukus in Neustadt (Obcrschlcsien). Er hat zwei Töchter: Frau Dr. Ernst Schwerin in Breslau und Frau Prof. Dr. Leopold Landau in Berlin. Für August uud September nehmen sämtliche Postanstaltcn ves Inunv Auslandes Abonnementsbestellungen auf das „Frankfurter Israelit. Familienblatt" zu Mk. —.68 (itttt. Lieferung frei ins Haus) entgegen. Wir bitte» »nsere Leser» ihren Bedarf unter Bezugnahme auf nufer Blatt bei nuferen Inserenten z« decken. Frankfurter Israel. Familienvlatt. 8. Frolunann Hachf., Ludwig Steup Frankfurt a. NI., Tongesgasse 29.? Schilder- und Stempelfabrik» Gravier- und Frage-Anstalt. Spezial-Geschäft in Obst, Gemüse and Südfrüchte. Bananen, Kirschen, sämtliches Einmachobst wie: Johannisbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen, Pfirsiche nsw.zu billigst. Tagespr. Otto Gerling, jfUlecbeiligenstrasse 4. Telephon 690. Stoppage Pran$ais Einwebung und Stopfung von Brandlöchern, Bissen, Motten- und Mäusefrass, Schnitten in Garderoben, Billard-Tüchern, Teppichen und feinet Wäsche. Paul Hermann, Frankfurt a. M., Altegasse 1, EckeSchäfergasse. .- - - — - ■ Karte genügt. ■■■=■■■ ■■ ■ ■ ■ =^-^- H. S EIT Z, Frankfurt a. M., Kaiserstrasse 64. Entresol. Kopfwäsche 1.35, Haararbeiten elegant ausgefixhrt u. billig. Telephon Nr. 13541. English spoken. 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