Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1910-07-22 · Heft 28 (22.7.1910) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 28 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692665-2692693--05558-2700478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Matic M ilt. 28 iffes fmnftfatfet WMfikm IflniiKenfilftttes. Offenes Schreiben an Herrn Rabbiner Dr. Raphael Brener in Aschaffenburg*) Von Dr. SigmundJamPel, Karlsruhe i. B. Die den religiösen Charakter des B u ch e s E st h e r u n d d e s P u r i m f e st e s betreffende Frage, welche ich im ersten Kapitel meiner Schrift „Das Buch Esther auf seine Geschichtlichkeit kritisch untersucht. Frankfurt a. M. 1907" eingehend behandelt habe, ist zweifellos von der weittragendsten religionswissenschaftlichen Bedeutung. Handelt es sich doch hierbei nicht lediglich mir eilt rein dogmatisches Glanbensmomcnt, sondern auch um eine praktisch-religiöse Betätigung in Synagoge und Hans. Wie herzlich! würde» cs daher alle für rcligionswissenschäftlichc Fragen sich interessierenden Leser begrüßt haben, diese ungemein nächtige Frage in einem populär-wissenschastlichen Organe nochmals ruhig und sachlich behandelt zu sehen. Statt der ertvartctcn sachlichen Auseinandersetzung finden aber, die Leser nur Schmähredcn, die die eigentliche Streitfrage fast in den Hintergrund drängen, in Ihrer Kritik (Israelit Nr. 14, 16, 18, 19, 23, 25, 27), rmd so sind Sie cs. verehrter Herr Doktor, ganz allein, der bcu Lesern diese bittere Enttäuschung bereitet hat. Sie habeil auf meine ruhige Aufforderung (Israelit Nr. 14), Ihre in der Einleitung zu Ihrem Esthcrkommentar (Frankfurt a. M., Hofmann 1910) gegen mich geschleuderten Vorwürfe näher zu motivieren, in einem Tone erwidert, als wenn nicht ich von Ihnen, sondern Sie von Nlir ohne nähere Begründung beschimpft worden wärcll. Wie peinlich ich jedem nicht rein sachlichen Momente ans dem Wege gegangen bin, geht genügend daraus hervor, daß ich in meiner genannten Aufforderung, nicht nur im Tone der Rechtfertigung, statt in dem der Anklage gesprochen habe, sondern vielmehr noch, daß ich Ihre Verspottungen und Verhöhnungen prinzipiell verschwiegen habe, wobei ich auch den Chilul-haschem vermeiden und den Namen Brener, der in manchen Kreisen mit einer gewissen Orthodoxie fast identifiziert wird, nicht mit ausgelassenen Kinderpossen in Verbindung bringen Ivolltc. Wer Ihre Kampfesweise kennt, lvciß, daß Sie dem gegenüber, der sich dazu vcrsticge, Ihnen einen unmotivierten Vorlvurf zll machen, im deutschen Lexikon nicht genügend Schmähworte fänden. Ich dagegen habe Ihr Vorgehen noch beschönigt und in ein besseres Licht gerückt, indem der Leser, nach meinen Worten urteilend, glauben mußte, cs handle sich für Sie, fern von alleni Persönlichen, lediglich um die Verteidigung des Heiligtums, während jede Zeile, ja jedes Wort Ihres Esther komm entars de nt Leser die Ueberzengung auf zwingt, daß Ihnen das ganzeStreitobjekt nur Mittel zu g anz anderen Zwecken ist. Wenn ich z. B. gegen die Bemerkung der Kritik, daß die allznhäufige Wiederholung der Zahl 7 im Estherbuchc (7 Eunuchen, 7 Fürsten, 7 Dienerinnen, vergl. Esther 1, 10. 14., 2, 9 u. a.) auf Rechnung der Phantasie des jüdischen Verfassers, dem diese Zahl heilig war, zu sehen sei, nachgcwicscn habe, daß diese Zahl auch bei den Persern sehr beliebt >var, so bezeichnen Sie meinen Nachweis als ein „Flicken seines brüchigen Glaubens durch Altertumsgeschichte", obgleich Sie diesen frappierenden kritischen Einroand nicht ignorieren un'd meine Behauptung von der Beliebtheit dieser *) Da die Redaktion des „Israelit" vorgibt, die Esther-Kontroverse zwischen Breuer und mir nicht fortsctzen zu wollen, und mir dadurch die Möglichkeit nimmt, niich gegen Breuers Angriffe zu verteidigen, so habe ich als mehrjähriger Mitarbeiter des Franks. Israel. Familienblattes dessen Güte in Anspruch nehmen müssen. Zahl bei den Persern wohl akzeptieren. Soll etwa mein Vergehen darin bestehen, daß ich eine auch Ihnen innewohnende Ucberzcugung durch zeitgenössische Dokumente bekräftigt habe? Aber dies tun Sic ja auch, wo Sie es können. Wenn ich ferner gegen den von der Kritik betonten Widerspruch zwischen Esther 1, 13., wo der König seine Angelegenheiten dem Beschlüsse des Ratsherrn vorlcgt, lind 3, 13., >vo er die Vertilgung eines ganzen Volkes selbstäirdig beschließt, auf Herodoth 3, 31., wo in dem Handeln eines Vorgängers des Ahasvcrns genau derselbe Widerspruch zu beobachten ist, hingclviesen habe, s o bezeichnen Sic höhnisch diese Frage als einen „aufgcstöberten Widerspru ch", obgleich dieses Moment auch vom Midrasch hcrvorgchoben lvird, und nennen meine Antwort eine „ü b e r g c l c h r t e Wissenschaftlichkeit", obgleich ihr Resultat, daß nämlich diese beiden Widersprüche, in Esther wie in Herodoth, aus Konto der Tyranncnlaunc zu setzen seien, wörtlich in i t der des Midrasch n b c r e i n st i m m t. Ihre Meinung, daß Esther 3,13. gar keinen Widerspruch zu 1, 13. enthalte, lvcil die Anwesenheit des großmächtigen Haman die Heranziehung anderer Räte ausschließt, ist ja grundfalsch; denn Hainau, als Großvezicr. war nichts mehr als seine Vorgänger und Nachfolger im Amte, und ohne Großvezicr ivar ein orientalischer Despot niemals. Ilebrigcns ist Hamans direkter Vorgänger, der sogar ein Prinz war, uns wohl bekannt. Außerdem aber ist doch 1, 13. das Befragen der Ratsherrn als eine allgemeine Hofsatznng genannt. Wenn Sic aber auch Ihre Auffassung für richtig halten, — dürfen Sie deswegen meine urkundcnmäßige Belege ohne jeglichen Grund verlachen? Oder wenn ich gegen den kritischen Einwurf, daß ein Gastmahl von der Dauer eines halben Jahres (Esther 1, 4.) etwas ungeheuerlich klinge, auf die Interpretation anderer Gelehrter, wonach in diesem Texte keinesfalls von einem halbjährigen, sondern nur von einem siebentägigen Gastmahlc die Rede ist, hingewiescn und diese Deutung wegen ihrer zahlreichen, zwingenden Beweise als dje allein mögliche bezeichnet habe, so wußten Sic einerseits ebenso genau, daß ich dies nicht zu meiner Ehre betone, da ich hier doch nur im Namen anderer spreche, wie cs Ihnen andererseits bekannt >var, daß ich dies der Kritik gegenüber, welche jede apologetisch klingende Auslegung als eine religiöse Gebundenheit bezeichnet, hervorheben nrußte, — das alles hindert Sic aber nicht, mir „E n g h e r z i g kc i t" z u m V o r w u r f z u mache n. Wenn ich ferner gegen den Einwurf der Kritik, daß die Wintcrcreignisse von Esther 2, 16. sich nicht in Susa zugctragcn haben können, weil diese Stadt bekanntlich nur eine Sommcrresidenz der persischen Könige war, eine ältere Quelle zitierte, aus der hervorgeht, das;?lhasverus und sein Vater Darms auch im Winter in Susa residiert haben, so können Sie, obgleich Sie meine Widerlegung annehmen, cs trotzdem nicht unterdrücken, spöttelnd zu bemerken, daß ich zu einem „überraschenden. Sie und mich befriedigenden Ergebnis gelangt bin . . . und so das bedrohte Vaterland gerettet habe". Und warum diese Verhöhnung? Weil ich schon anderweitig gegen den Haupteinwaud: „warum die persische Altcrtumsgeschichte vom Esthercrcignis nichts weiß" nachgcwiesen habe, daß die persischen Quellen über die Vorgänge in: Palaste des Ahasveros seit seinem siebten Regicrungsjahre versiegen. Älber das Versiegen der Quellen bezieht sich ja lediglich auf die Vorgänge im Harenr, zweitens reichen ja die vorhandenen Quellen bis dicht vor den Eintritt Esthers, und schließlich gilt doch die Angabe der Klassiker betreffs der Sommerresidenz Susa in der Geschichte als allgemeine Regel für alle altpersischen Könige. Weil ich also, statt mich vor derKritik durch eine holprige, kindliche Antwort lächerlich zu machen, ihr eine schlagende, sichere, urkundenmäßigc Widerlegung biete, ziehen Sie mich durch sophistische Bekrittelung ins Lächerliche und sind zu diesem edlen Zwecke dev Verkleinerungssucht unwahrhastig und höhnen mit überlegener Miene über mein „Kopfzerbrechen" und mein „reiflich es Grübeln", während ich in Wirklichkeit diese ganze Frage mit einigen wenigen Worten in einer Fußnote (114) erledigt habe. (Forts, folgt.) Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Sonntag, den 11. und Montag, den 12. September, findet hier in den Räumen des Kaufmännischen Bereinshauses der dicsiährige Delegiertentag der.Zionistischen Vereinigung fürDentschland statt. Man erwartet über 100 Delegierte aus ganz Deutschland: auch die Parteileitung, das Engere Aktionskomitee, wird auf der Tagung vertreten sein. Während des Delcgiertentags ist ein Kommers und eine große Propagandaversammlung geplant, sowie eine Führung durch die jüdischen sozialen Anstalten und sonstigen Sehenswürdigkeiten. Bad Rauheim. Das Tagesgespräch unter den hier zur Kur weilenden zahlreichen Juden, bildet seit gestern der Zionismus. Das hat die zionistische Reunion bewirkt, die gestern, vom G r n p v e n v c r b a n d für Hessen n. Hessen- Nass an veranstaltet, hier stättfand und zu welcher etiva 2—300 Kurgäste erschienen waren. Die Leistungen der einzelnen jugendlichen und vielversprechenden Künstler: der harmonische Klaviervortrag des Herrn MaxBertnch, die präzise Wiedergabe komplizierter Biolinsolo durch Herrn Danny Hirsch, verbunden mit formvollendetem Liedervortrag des Herrn Adolf Girdisky, soloie die ausdrucksvolle Rezitation jüdischer Gedichte durch Fräulein H. Jacoby rissen die Zuhörerschaft zu lebhaftem Beifalle hin. Dieser erhob sich zu jubelnden Zustimmungskundgebungen nach dcni inhaltlich wie der Form nach vollendeten Referats des Herrn Rechtsanlvalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a. M. und den beaeisternden Worten des Herrn L- Perlmutter. Frankfurt a. M. Die Aufführung eines Dranras von Goldfaden und Rezitation des Herrn Lappe aus Werken von S ch o l a u in A l e i ch e m, bildete den Schluß des in allen Teilen wohlgelungenen Abends'. Pretzvurg- Der hiesige „Ahawat Zkon"- Berein hat die Lostrennung des Misrachi kn Ungarn nicht gutgeheißen und beschlossen, im Landesverband zu verbleiben. Pittsburg. Die 13. Jabresversammlung der Am er i kan. Zionist. Föderation war so glänzend arrangiert, daß ganz Pittsburg unter ihrem Eindruck stand. 300 "Delegierte waren erschienen. In seinem Berichte konstatierte Präsident Dr. Harry Friedenwald (Baltimore), daß die Mitgliederzahl ständig wachse: zu bedauern sei aber, daß die Föderation mit Schulden arbeiten niüsse. Der Eröffnungssitzung schloß sich ein Massenmeeting an, auf dem der Bürgermeister von Pittsburg die Delegierten im Namen der Stadt begrüßte. Ein Teil der Verhandlungen wurde durch die Personenfrage in Anspruch. genommen, da. Präsident Friedenwald erklärt hatte, eine Wiederwahl abznlehnen: es ist gelungen, ihn von seinem Entschlüsse abzubringen. Aus der Lehrerwett. Lffenbach a. Glan. Lehrer Isaak Stein, erhiüt den Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern. Pinne. Die diesige jüd. Volksschule bleibt trotz der sehr kleinen Schülerzahl erhalten, und die Lehrerstelle wird bei einem demnächst zu erwartenden Zuwachs an Schülern neubeseht werden. Preßburg. Der Jahresbericht deraus einer 6 ktaffigeii Knabenschule und Massigen Mädchenschule bestehenden Orthod. israelit. Elementarschule (Direktor: Wilhelm Kohn) verzeichnet eine Frequenz von 262 Knaben und 233 Mädchen, von denen 124 Knaben und 112 Mädchen 'unentgeltlich unterrichtet wurden. Die Muttersprache ist bei 206 Knaben und 196 Mädchen die ungarische. Der hebräische Unterricht umfaßt bei den Knaben: Pentateuch, Josua, Richter, Samuel und das erste Buch der Königes HSr. .Grammatik mit allen Konjugatjpiien;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.