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Neue jüdische Presse · 1910-07-15 · Heft 27 (15.7.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 27 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sette 5. Nr. 27. 0 (Feuilleton. 0 Auge um Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. Fortsetzung). Sic schic» seine Gedanke» zu erraten, — der Tigerblick verschlvand und die Scheere blieb ans ihrem Platze. Niman brauchte nichts mehr zu fürchten. Menschen mit Tränen in den Ungen begehen keinen Mord, und er sah, daß Malka weinte. „Niman, ist — ist — c-Z wirklich wahr?" Er zögerte eine Sekunde, che er sprach: „Malka, c-Z ist — ist — so lvahr, tote Dein Hast gegen mich!" „Dann' glaube ich es," seufzte sie kaum, hörbar. Auch er seufzte tief auf. Ach, welche Wonne zu lvissen, dast man nichts, rein nichts mehr zu verlieren hat! Endlich! Endlich! „Warum wartest Du noch?" fragte sie scharf. „Geh!" „Erst gib mir Deine Hand." „Nie! Nimmer!" „Gib mir Deine Hand, Malka!" Von seinem gebieterischen Beseht, den er mit knirschenden Zähnen gegeben, bezwungen, mnstte sie unwillkürlich gehorchen. Es war dieses sein erster Sieg über 'Malka und sicherlich auch sein letzter; aber csgenügte ihm. Er hatte sein Manncsrecht eingelöst, er hatte das Weib bezwungen. Vielleicht, wenn er diesen Weg schon früher eingcschtagen . . . Doch jetzt lvar es 'zu spät. XIX. Riman wartete noch eine Weile vor dem Hause, nicht ctlva, um Malka nochmals, zu sehen — der Bogen lvar bereits straff geling gespannt — sondern, um sich zn überzeugen, daß seine Menschenkenntnis ihn noch nicht im Stiche gelassen hatte, lind wirklich, — eine Minute später war das Licht in Malkas Stübchen verschwunden, und sie selbst, den Kopf mit einem dichten Tuch umhüllt, erschien ans der Straße. Ohne nach rechts oder links zu blicken, eilte sie die Straße entlang. Niman wußte, daß der Weg sie jetzt direkt zu Barnch führt, und — er mußte im stillen lächeln — bei MalkaS jetziger Stimmung, konnte sich Barnch ans eine böse Stunde gefaßt niachen. ' Aber Niman täuschte sich doch; Malka ging nicht zn Barnch. Wozu ihm noch Vorwürfe machen, die doch zn nichts führen? WaS könnte sie wohl jetzt noch erreichen? selbst wenn sie Nimans Worten noch immer keinen Glauben beimessen' wollte, so brauchte sic ja nur ihr eigenes Herz zil prüfen, so brauchte sic sich doch nur wieder jene Nacht in Erinnerung zu rufen, Ivo sie ihn im traulichen Zwiegespräch mit Alma ans der Veranda gesehen hatte, um die traurige Gewißheit ihrer verschmähten Liebe zn erlangen. Er war für sie verloren, — außer daß das Mittel erfolgreich sich erwies, welches sie anznwenden im Begriffe war. Freilich war es ein gefahrvolles Mittel, das gar traurige Folgen für ihn zeitigen konnte, Aber mag es; er muß es nur sich selbst zuschrciven. — Warum hat er sich denn niemals die Mühe gegeben, auch ihren innern Mechanismus, den man „Herz" nennt, auch nur der geringsten Prüfung zu unterziehen? — Er würde da leicht erkannt haben, daß sie nicht die Person sei, schüchtern und still dazustehen, wenn das einzige Glück ihres einsamen Lebens von ihr fliehen wollte, ohne alles anfznbietcn, es sestznhaltcn. Nein, auch jetzt noch will sie kämpfe», auch jetzt »och nicht den letzten Rest von Hoffnung aufgcben. Und es soll ein harter, schwerer Kamps werden, Barnchs Kraft, Barnchs Größe' entsprechend. War sie aber erst zn einem Kampf entschlossen, warum denn über die Wahl der Mittel erst lange zögern? Wiederum wie damals, in jener Nacht, verbarg sie sich in dem nahen Gebüsch. Sie hatte die Gewohnheiten aller Hausbewohner genau ausgekundschaftet, und sie wußte, daß der Dragoneroffizier allabendlich hier promenierte, Zigaretten rauchend und sehnsüchtige Blicke nach Almas Fenster werfend. Wie oft hatte sie darüber gelüchelt, — doch heute fühlte sie nicht die geringste Lust zu lachen, heute . . . . . Still! Hier kommt er, mit seinem schleichenden Schritt, wiederum nach dem Fenster spähend. Malka trat ans ihrem Versteck hervor und rief laut seiuen Namen. Er fuhr heftig zusammen, faßte sich aber sogleich, als er sie erkannte. „Na, Du fehlst mir gerade auch noch!" rief er mit einem bösen Fluch. „Mach, daß Du fortkommst!" Malka unterdrückte ihre Furcht und sprach leise: „Ich wollte nur einige Worte mit Ihnen reden." „Ich aber nicht mit Dir. Es soll wohl wegen Petersburg sein! Du kannst wobl die Zeit nicht mehr erwarten? Aber daraus wird nichts. Ich habe schon ein ganzes Dutzend, die dort ans mich lauern." „Es ist nicht wegen Petersburg." „Was ist es denn?" „Wegen Fräulein Alma." „Wegen — Alma? Was geht Dich die Komtesse Koratow an?" FrMkfmcker WürÄMWS FsnrilWÄaÜ. „Sie waren so freundlich, mir anzndeuten, daß die Komtesse nicht besonders entzückt sei von Ihren Huldigungen für sie." Sie bemerkte seine drohend erhobene Faust und fuhr darum schnell fort: „Ich erwähne dieses nnr, weit ich Ihnen vielleicht einen Weg zeigen kann, der einen besser» Erfolg verspricht." „Hexe genug wärst Du dafür. Ihr Juden vermöget mit Euren Teufelsküusten alles fertig zn bringen. Was ist es also?" „Falls Komtesse Koratow Herrn Vvlkmann Ihnen vorzieht, dürfte sie vielleicht doch ihre Anächt ändern, wenn sie erfährt, daß Barnch Volkmann ein — ein — Jude ist!" Karol machte einen Lnftsprnng, und da er, wie immer, nicht mehr ganz nüchtern war, so wäre er beinah der Länge nach auf den Rücken hingesallen. Er schlug die Hände zusammen und brach in ein wieherndes Gelächter aus. „Volkmann ein Jude!" rief er noch imincr lachend. Er konnte das llngehenre noch nicht fasse». Furchtlos trat sie jetzt dicht zu ihm hin, um ihrenr Worte noch ein größeres Gewicht zu geben. „Jawohl," erwiderte sic: „Volkmann ist ein Jude, hier geboren und erzogen. Wir spielten als Kinder zusammen, und sein Vater war ein Flickschuster und wohnte im zweiten Hanse in der schmalen Gajse." „Ein Jude! Der Sohn eines Flickschusters!" brüllte er imiitpr noch ansgelassen. „Das wird ja eine köstliche Neuigkeit für meine reizende, allerliebste Cousine sein!" „Das wollte ich Ihnen mitteilen," sprach sie und schickte sich au, wieder zu gehen. „Ach. nein, Lied der Lieder," sprach er übermütig, indem er sie an sich zog; „so darfst Du nicht von mir gehen. Du hast mir einen großen Gefallen getan; darum darfst Du cs nicht in der Art tun, wie man einem Hunde einen Knochen hinwirft. Freilich war ich vorhin etwas ungehalten; aber Du darfst auch nicht so zimperlich sein. Mir liegt nämlich gerade jetzt eine ganz faule Geschichte schwer im Magen. — Aber Du wirst sehen, sobald diese erledigt ist, schicke ich Dir Geld und lasse Dich Nachkommen, und che drei Monate um sind, schaffe ich Dir den schönsten Dragoner zum Mann." „Das ist sehr nett von Ihnen," sagte sie mit erzwungenem Lächeln, um seine Brutalität nicht noch mehr zu reizen und ängstlich bemüht, ihre Entrüstung vor ihm zu verbergen. „Du brauchst Dich gar nicht zu bedanken, Königin von Seba. Was ich verspreche, das halte ich auch. — Und nun, will ich die gute Neuigkeit meiner Cousine nicht länger vorenthalten!" Kaum war Malka wieder allein, als sie, vor Schani und Ekel über sich selbst, fast ohnmächtig nach dem Gebüsch stürzte. Jetzt erst, nachdem es geschehen war, kam ihr ihr Verrat, ihre ganze niedrige Gesinnung zum vollen Bewußtsein. Nun hätte sie sich umbringen mögen. Sie glaubte zn ersticken; sie riß das Kopftuch von sich und, unter heiser« Wutausbrüchen, zertrat sie es mit ihren Füßen. Aber dieser "Ausbruch dauerte nicht lange, und bald warf sie wieder den Kopf empor. Nein, es tat ihr nicht leid; gar nicht. — Hat er sie wicht stets als eine Fremde, ja als einen Feind behandelt? Hat er denn nicht auch ihr Herz, das unter seiner Pflege ein Blumengarten geworden wäre, mit Füßen getreten, zu einer elenden und öden Sandwüste gemacht? Nein, sic hat keine Ursache, sich Vorwürfe zu machen: -im Gegenteil, Loblieder müßte sie sich singen, daß sie eine solche Tat vollbracht: sie hat ihr Gewissen mit dieser Niedrigkeit belastet, um zu zeigen, wieviel ihre verschmähte Liebe ihr wert war. — Und als wollte sie sich selbst beim Worte nehmen, brach sie jetzt in ein hysterisches Lachen aus . . . Karols Fröhlichkeit war viel aufrichtiger, wenn er es auch einstweilen weniger demonstrativ zeigen wollte. Aber seine Augen flammten in boshafter Freude, sein Gang war federleicht, als fürchte er sich, den Gegner vorzeitig zu vernichten und sich dadurch den Hauptspaß zu verderben. Bald stand er vor Alma, die, wie sie ihm sagte, schon eine ganze Weile auf ihn gewartet hatte. „Wirklich?" fragte er mit einer gewissen Wollust. „Ja," erwiderte sie ruhig; „ich-muß nämlich mich bei Dir entschuldigen für ein Unrecht, das ich Dir angetan habe. Als Du am Nachmittag mit Krax nach der Laube gekommen warst, war ich der Meinung, daß Du ansfpionieren wolltest, wohin ich mit Bor . . mit Herrn Völkmann gegangen war. Inzwischen aber habe ich erfahren, daß Du nur einen Brief gesucht hast." „Hat er es Dir gesagt?" „Nein. Ich erfuhr es durch die Gärtnersfrau, die mir den Brief, den sie zwischen den Strauch er n fand, brachte. Ich habe nun das Vergnügen, Dir Dein Eigentum wieder zuzustellen, wobei ich aber großmütig auf jeden Finderlohn verzichte." Karol ,erbleichte ein wenig, bemühte sich jedoch seinen Gleichmut zu bewahren. Er zerknitterte das Blatt, ohne es zu lesen. „Ich danke. Dir recht schön, Cousinchen. Mer der Wisch verdient es wirklich nicht, daß Du Dich so sehr bemühst." „So? Mir schien er recht interessant zn sein." „Dann hast Du ihn wohl gelesen?" rief er erregt.. „Nur einen Teil." „Ein solches Benehmen hat wohl Herr Volkmann Dir bcigebracht? Seit wann gehört cs denn zum guten Ton, fremde Briefe zu lesen?'" „Mein lieber Karol, das war ein Unglück, vor welchem man sich mit dem besten Ton nicht schützen kaum- Ich will Dir die Erklärung nicht schuldig bleiben. Als die Frau mir den Brief gebracht hatte, las ich die Ueberschrift „Mein lieber Mann!" Ich glaubte natürlich nicht anders, als daß es ein Brief Mamas sei, den sie an Papa geschrieben, während er sich ans seiner letzten Inspektionsreise befand, und den er bei seiner ständigen Zerstreutheit verloren. Ich las den Inhalt, um den guten Papa gelegentlich zu necken. Aber jemehr ich las, desto unverständlicher wurde mir der Inhalt, der auf Sachen anspielt, die mir absolut unbegreiflich waren. Aus diese Weise, lieber Vetter, bin ich in Deine Geheimnisse hineingestolpert, ehe ich noch wußte, daß es solche waren. Nun aber, will ich Dir auch meinen Glückwunsch zu dem Besitz einer solchen interessanten Gattin abstatten und Dir zugleich meine Freude ansdrücken, daß Dein Töchterchen das erste Zähnchen bekommen hat." (Fortsetzung folgt). Kaiser JPriedrlcit f|nelle - Offenbach a. X. ■ Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 71. Bad Harzbarg. HtZD Pension Parkhaus, 53 Salons nnd Famillen-Depentlance, Schloss Prlnxenhof mit 28 Salons* Streng rituelle Häus**r L Banges unter B&bblnats- Aufslohtt an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober. Prospekt gratis,_dfax HeCMm Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lu ach.) SamStag, den 16 Juli (= 9. Tamns): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min., in Berlin 9 Uhr 20 Min. Wochcnabschnitt: B a I a k. — Balak, der Moabiterkönig, empfindet Grauen vor Israel, das die benachbarte» Riesenkönige Og und Sichon schlug und deren Reich eroberte. Er sendet Boten zi»n heidnischen Propheten Bileam in Midjan, der durch seines Mundes Fluch Israel unschädlich machen soll. Gott verbietet, mit Balaks Gesandten zn gehen. Der Moabiterkönig sendet wiederum Boten. Unter Vorbehalt darf Bileam mit ihnen gehen. Ein Engel stellt sich ihm hindernd in den Weg. Die Eselin sieht ihn, weicht mehrmals ans, wird dafür von Bileam geschlagen. Gott öffnet ihren Mund, sie macht Bileam Borwürfe. Er' erblickr nun den Engel, will nmkehren, doch zu spät; seine ßlcwalt ist unterbunden. Balak holt voll Ungeduld den Bileam ab, führt ihn auf verschiedene Höhen, von denen ans er das Lager Israels sehen konnte. Balak opfert jedesmal, Bileam aber segnet Israel dreimal mit den herrlichsten Worten. (Darunter das bekannte Matauwu usw.) Verzweifelt schlägt Balak die Hände zusammen. Bileam gibt seine Ohnmacht zn. Bor dem Weggehen gibt er den listigen Rat, Israel zum Abfall zu verführen, und zwar durch Einladung zu Götzenmahlen. Dies geschieht.- Sie vermischen sich mit den heidnischen Moabitern und Midjanitern. Selbst ein Stammfürst — Siiiiri — zeigt offen seinen Abfall. 24 000 Mann starben darauf an einer Seuche. Pinchas, Eleasars Sohn, erstach in heiligem Eifer Simri ebenso dessen Frau. Gottes Zorn wendet sich. Pinchas wird der F-riedensbund Gottes zngesichert. Offenbacber Druckluft «Anlage Telefon 123. OffaDbach a. H. Telefon 123. Onflbertroffene bewährteste TappIghralnlQUIlg. Spenden. Bei dein Franks. Israel. Familienbltt. ging für den Nationalfonds ein: 1 Oelbaum auf de» Namen Frl. Martha Arnstciil, Friedberg in Hessen von Jsi Stahl 6,— Jk Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 4V* Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Julius Seloin). Mittwoch. „M ontefiore"-Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Moses Mendelsohn (Dagobert Klang, Offenbach). Barmizwohs. Harry, Sohn des Herrn L. Goldschmidt, Röderbergweg 26 in der Synagoge Börneplatz. Manfred, Sohn des Herrn Professor Adolf Weyl, Rückertstraße 45 in der Synagoge Friedbergeranlage. HASSIA SPRUDEL E'VILBEL' Kur-tiTafeWasserLRanges" r: CW.HOFFMANN FrankfurtüM-l 1umboldtstrasse 70. Telefon-8369.

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