Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 26 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Nr. 26. MisSfüMr NraSWsMS FsmillettAati. Die Deutsche Palästiua-Bank. In meiner letzten Antwort ans den Artikel des Herrn Trietsch habe ich schon seine Klage wegen vermeintlich nngenügender Ergebnisse der Anglo Palestine Company als unbegründet bei Seite gelegt. Jetzt wird die Muttergesellschaft, die Jüdische Kolonialbank, mit hineingezogen, und Herr Trietsch giebt seinem erneuten Angriff die Form einer Bitte um Belehrung, für welche indessen diese Stelle wohl schwerlich der geeignete Platz ist. Ich verstehe nicht, weshalb Herr Trietsch, der in der vorigen Woche doch' an der Jahreskonfercnz in Berlin teilgenommcn hat, in der Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbauk, die zur selben Zeit stattfand, die Gelegenheit zur Belehrung unbenützt gelassen hat. Ich gebe ihm die Versicherung, daß in der nächsten Generalversammlung ihm gerne jede gewünschte Auskunft erteilt werden wird. Hoffentlich wird er in der Zwischenzeit nicht unterlassen, sich über die Geschäfte der Deutsche Palästina Bank genau zu erkundigen. Haag, 3. Juli 1910. I. H. Kann. Aus -er Lehrerwell. Budapest. Der AufsichtSrat des Stiftungs- Oberghmnasiums der isr. Knltusgcmeinde hat den Auftrag zur Fertigstellung des Bauprogramms, der Pläne und der .Pistenvoranschläge erteilt und den auf die Organisation, die Studieneinrichtung und den Lehrplan bezüglichen Entwurf des Universitätsprofessors und Mitgliedes des Aussichtskomitees Dr. Moriz Kärmän angenommen. Da die Teilnahme des bei» xinstügen Leiters der Anstalt an den Organisationsarbeiten unbedingt erforderlich ist, wird das Aufsichtskomitee für die rechtzeitige Anstellung der hiezu geeigneten Lehrkraft Sorge tragen. Das Aufsichtskomitee beabsichtigt eine öffentliche Konkurrenz für diese Stelle nicht auszuschreiben, fordert aber all jene, die sich uni diesen Posten bewerben wollen, auf, im Rahmen des von Dr. Moriz Kärmän verfaßten Elaborats oder aber auf Grund eigener Ansicht .ihr Gutachten über die Studienmcthode der Anstalt zu erörtern und ein von ihnen für richtig und zweckmäßig gehaltenes detaillirtes Programm darzulegen. Diese Arbeiten werden als Konkurrenzwerke gelten. Das von Dr. Moriz Kärmän verfaßte Elaborat wird vom Schriftführer des Aufsichtskomitecs (Budapest, Lip-utcra 12, Parterre Nr. 1) Interessenten auf Wunsch ausgefolgt. Das als Konkurrenz dienende detaillierte Programm ist bis einschließlich 31. Oktober beim Präsidenten des AussichtskvmiteeS, Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn (Budapest, VII. Bezirk, Hvllügasse 4) einzureichen. der dazu berufenen gesetzlichen Stelle, Nämlich der nächsten Generalversammlung des Vorschußvereins E. G. m. u. H. zu Briefen West-Pr., geben. Wir möchten nur noch bemerken, daß unter den angeblichen „Gcrichtsbeamten" nur 1 Sekretär in Frage kommt. Bezüglich des Verhaltens der Synagogen-Gcmeinde wollen wir nur darauf Hinweisen, daß die Anmeldung der laufenden Steuern durch den Vorstand, einerseits wegen der durch das Amt bedingten Pflichten, andererseits aber auch aus dem Grunde erfolgt ist, weil ein Zwangsvergleich von vornherein als ausgeschlossen galt. Eine Vollmacht für den ersten Termin wurde nur deshalb zu den Akten überreicht, weil ein Mitglied des Vorstandes in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Vorschußeins den Termin wahrzunehmen hatte. Eine aggressive Absicht lag dabei sowohl dem Vorstande, als .auch dem denselben vertretenden Mitgliede vollständig fern. Damit ist diese Angelegenheit, soweit die Presse dabei»in Frage kommt, für uns erledigt. Briefen, West-Pr., den 30. Juni 1910. gez.: Fabian Kiene Vorsitzender des Aufsichtsrats des Vorschußvercins E. G. m. u. H. gez.: Sally B e r n st e i n Kontrolleur des Vorschußvercins E. G. m. n. H. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Erwiderung! In Nr. 23 befindet sich ein Eingesandt aus dem Städtchen Br. Die in diesem Eingesandt gegebene Darstellung des Sachverhalts widerspricht in allen wcscntlicheu Punkten der Wahrheit, und gibt die Tatsachen völlig entstellt wieder. — Da uns die Person des Einsenders zufälliger Weise bekannt geworden ist, halten wir es nicht mehr für absolut erforderlich, gerade an dieser Stelle all die in dem Eingesandt befindlichen Unrichtigkeiten durch eine der Wahrheit die Ehre gebende Schilderung aufzudecken. Zu diesem Entschluß leitete uns die Erwägung: 1. Daß eine „Berichtigung" auch bei möglichster Beschränkung einen Umfang erhalten bezw. einen Raum einnehmen müßte, der uns trotz größter Loyalität der verehrlichcn Redaktion wohl kaum zur Verfügung gestellt werden könnte. — 2. weil es unserem ästhetischen Einpfindcn widerspricht, schmutzige Wäsche in breitester Oefsentlichkeit zu waschen. — Wir überlassen es d.aher zunächst den, die tatsächlichen Verhältnisse kennenden näher Interessieren, sich ihr objektives Urteil über die Einsendung selbst zu bilden. Eine objektive Darstellung des wirklichen Sachverhalts werden wir Bunte Chronik. Die Juden in Bagdad. Eine interessante Rolle im Bägdader Handel spielen die Juden. Sie monopolisieren sozusagen den Bäumwollhandel, der einen sährlichcn Wert von einer Million Pftmd Sterling repräsentiert. Ueber zwanzig Bagdader Firmen haben Vertretungen in Manchester und London. Die politische Revolution hat in Bagdad noch wenig Veränderungen hervorgebracht. Die christlichen und jüdischen Gemeinden, denen die Konstitution viel Nutzen gebracht hat, zählen zu deren aufrichtigsten Verfechtern. Die religiöse Intoleranz hat in Bagdad niemals Wurzel fassen können, trotzdem schwebt die vorherrschende Stellung der Mohammedaner stets wie ein Damoklesschwert über den „Ungläubigen." Die freiheitliche Acra hat auf die Juden, deren Zahl auf 50 000 geschätzt wird, den günstigsten Einfluß geübt. Die Bessersituierten vertausche» allmählich ihren Wohnsitz im alten Judenviertel mit vornehmen Häusern im Innern der Stadt, kleiden sich imincr mehr europäisch, nehmen westeuropäische Sitten an und opfern sehr viel für die moderne Erziehung ihrer Jugend. In einer dieser jüdischen Schulen wird derselbe Lehrplan eingehaltcn, wie in den staatlichen Militär - Lehranstalten. Einer der Hauptzwecke dieser Schulen ist die Vorbereitung der türkischen Sprache. Die überwiegende Majorität der Bevölkerung von Bagdad ist jedoch die arabische, die von den politischen Acnderungcn in: Reiche und von der Gleichstellung aller Konfessionen nicht entzückt ist. Im Araber lebt fest der Glauben, daß Mekka mit den Vorgängen in Konstantinopel nicht einverstanden sein könne, und diesem fanatischreligiösen Panislamismus entspringen auch alle Unruhen unter den Arabern, alle Opposition gegen die Kulturbestrebungen der freiheitlichen Richtung, an deren Spitze die Juden marschieren. „Timest" belehrt, sich ergänzt und berichtigt haben; wie sie die Wahrheit suchten und neue Ergebnisse fanden, wie sie darüber stritten und darum litten. Der Talmud ist gleichsam das getreue photographische Bild des geistigen Lebens unseres Volkes, kein Gemälde, welches Künstlerhand harmonisch zusammensügt, abgerundet und abgetönt hat. Darum zeigt er uns die Menschenseele in der ganzen ursprünglichen Natürlichkeit ihres Denkens, Empfindens und Wollens und läßt neben dem Ringen nach den höchsten Erkenntnissen und der wärmsten Hingebung an das Ideal unparteiisch auch ihre Schwächen, Jrrtümer und Leidenschaften schauen. Alles, bas Kleinste und das Größte, das Wichtigste und Unwichtigste, wird in bunter Abwechselung zur Betrachtung herangezogen. Auf die Erwähnung geringfügiger Zeitereignisse folgt die Mitteilung wertvoller astronomischer, geographischer, naturwissenschaftlicher Erfahrungen. Mathematische Lehrsätze und medizinische Anweisungen wechseln ab mit geistvollen Schriftauslegungen zu erbaulichen Zwecken, mit Märchen, Anekdoten und Legenden. Und der gesamte Wissensstoff wird natürlich nach Form und Inhalt harmlos in derselben Weise vorgetragen, in der ihn die Zeit des Berichterstatters besaß. Die talmudischen Lehrer, deren mehr als zweitausend namentlich ausgeführt wurden, standen in ihrem profanen Wissen durchschnittlich niemals höher und niemals tiefer, als ihre jeweiligen Zeit- und Landesgenosscn, und sie sind die allerletzten, die von jedeni Juden in jeglichem Geschlecht verlangen möchten, daß er für jede ihrer gleichgültigen Bemerkungen, die auf die religiöse Praxis keinerlei Beziehung haben, mit Feuereifer eintrete. Eines aber setzten sie von jedem Glaubensbruder voraus: nämlich die gleichmäßige Wertschätzung aller göttlichen Gesetze. Nach dem Talmud sind alle ohne Unterschied ein Ausfluß des göttlichen Willens, vor dem es nichts Großes und nichts Geringes, kein Haupt- und kein Nebengebot gibt. Der Talmud ist der Erzieher, der Zucht- und Lehrmeister des jüdischen Volkes geworden; er hat seinen Verstand erleuchtet im finstersten Ghetto, sein Herz erhoben in Elend und Druck. Er ward in seiner Hand zum unverwelklichen Wunderstabe, der noch reiche Knospen trug und neue Blüten trieb, nachdem er Israels einziger Wanderstab geworden war. Um 20 Gulden. Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben von S. Luß, Mannheim, Verfasser des „Schamsche." 114 Seiten. Mannheim, Selbstverlag des Verfassers. Eine jüdische Kleinstadtgemeinde, die fernab von dein Gewühl der großen Welt ihr Leben dahinträunit, uinfängt den Leser. Doch wo sich keine großen Interessen kreuzen, .stoßen kleine auseinander, und im Kleinen wird das Kleine groß. So auch hier! Zwanzig Gulden zerstören die engen Freundschaftsbande zweier seit Jahrzehnten miteinander verwachsener Familien, die grundlose Entfremdung wird zur bitteren Feindschaft, wächst hinaus aus dem Kreise der beiden Familien und spaltet schließlich die ganze Gemeinde in zwei gegnerische Parteien. Der Erzähler .hat mit feinem Ohre und mit offenem Auge die Charaktere dem Leben abgelauscht und weiß mit solcher photographischen Treue zu schildern, daß der Leser unwillkürlich glaubt, all das selbst milcrlebt zu haben, und bei der endlichen friedlichen Lösung des Konfliktes erleichtert aufahnet. Knust und Literatur. Buchprobe aus Geschichte der Juden und ihrer Literatur von Dr. M. Braun. Erster Teil: Vom Auszug aus Aegypten bis zum Abschluß des Talmud. 3. Auflage. 246 Seiten. 2 JIL Breslau, M. u. H. Marcus. Seite 232: Der Talmud ist eine literarische Erscheinung, mit der sich keine andere vergleichen läßt. Er ist bas Werk des ganzen jüdischen Volkes während eines vollen Jahrhunderts seiner Geschichte, und es werden uns darin nicht vergangene, abgeschlossene Tatsachen episch erzählt oder fertige Erkenntnisse lehrhaft mitgeteilt, sondern mit dramatischer Lebendigkeit die Szenen vorgeführt, wie die Menschen mit einander verhaiüielt und gesprochen, wie sie ihre Meinungen und Gedanken ausgetauscht, einander Spenden. Bei dem Frkf. Isr. Finbl. gingen für den Nationalfonds ein: I. M. —,50 JL I. v. C. -,8V „ D. K . L. 10,- „ Saly Geis gratuliert Herrn und Frau Eduard Boas, Bremerhaven zur ~ silbernen Hochzeit 1,— „ Vereins-Kalender. .Samstag. Verein „M e ko r C ha j i m", 4>/i Uhr, Schützenstraße 2: Mikro-Vortrag (Leo Bodenheimer). IthSCHMIDT &WIECHMANN . Büro-FRANKFURTnM.Fabrik ^aweadcluaudic feeKai(uersir.80.~ Uhnslr.43. Die Pflege der Gesichtshaut durch Elektromassage des Gesichts, die Entfernung lästiger Haare (Damenbart) durch einfachste unschädliche Selbstbehandlung usw. erörtert Herr Dr. med. Th. Eisenbach in einer Abhandlung, die jedermann auf Verlangen — kostenfrei zugesandt wird vom Verleger G. Spangenberg, Frankfurt a. M. 23 Fabrik elektro-med. Apparate.__ Spezial-Geschäft in Obst, Gemüse und Südfrüchte. Bananen, Kirschen, sämtliches Einmachobst wie: Johannisbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen, Pfirsiche usw. zu billigst. Tagespr. Otto Gerling, flKer&eiligensteasse 4 Telephon 690. S. Mühlfelder, Tapezierer und Dekorateur, Frankfurt a. II., Redraelgrabenstrassa 7/15, Telephon 13563 empfiehlt sich für alle in das Fach einschlagenden Arbeiten. Reelle, prompte Bedienung. — Prima Referenzen. 9. Frohmann Hachf., Ludwig Steup Frankfurt a. IW., Tongesgasse 29. Schilder- und Stempelfabrik, Gravier- und Präge-Anstalt.