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Neue jüdische Presse · 1910-07-08 · Heft 26 (8.7.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 26 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 26 grfflirpaiier jjfEatijniHPt» AVmuenoimr. und bfe Tochter eines Koratow erst recht nicht —: Barnch kann nichts dafür. Er hatte also dem Freunde ein bitterschweres Unrecht zugefügt, und darum ist er ihm eine Genugtuung schuldig, eine Genugtuung, die der Größe der Beleidigung entbricht. Neben der größten Tat seines Lebens, die er morgen vollbringen wird, hat er noch vorher dafür zu sorgen, daß Barnch das Weib seiner Liebe heimführt; aber nicht, wie Baruch denkt, als nebensächlich — um Kvratows Haß zu beschwichtigen -— ba§ wird er schon selbst besorgen —, sondern als Denkmal der allbezwiugenden Liebe, als einen Triumph des standhaften Herzens, das gekämpft, aber auch siegreich aus dem Kämpf hervorgegangen ist. Solche Siege müssen geschaffen werden, schon um den versinkenden Optimismus wieder an die Oberfläche zu bringen. Niman wollte jetzt neben dem „stärksten Menschen" auch der größte Moralist werden. Um aber ein solches weithinleuchtendes Siegesdenkmal zu errichten, muß gekämpft, muß gelitten, muß auch ein Opfer gebracht werden. Wer aber wäre für ein solches Opfer besser geeignet als Koratow? — Durch sein schwarzes Herz hat er ja bereits drei mächtige Flammen eiäfacht: Baruchs Liebe, Nimans Rache und die Gefahr seiner Stammesgenossen, und es wäre ein Wunder, wenn er aus diesem dreifachen Wtarfeuer unversehrt hcrvorgehen sollte. Mit Gelassenheit und Ueberlegung, ohne Spur von Haß und Verwirrung verfolgte Nimmt diesen Gedankengang immer weiter, fest überzeugt, daß er zum Ziele führe» wird. Als. er etwa eine Stunde später sich von seinem Platze erhob, geschah es mit einer Entschlossenheit, die keinen Zweifel zuließ. Seine Gedankenkette war vollendet, und nun wollte er nur noch das letzte Glied fertig schmieden — Malka. Noch ein einziges Mal wollte er sie sehen; nicht etwa, um sich abermals zu überzeugen, daß sie ihm weltenfern entrückt, unerreichbar 'war, sondern, um sich noch den letzten Aufschwung zu der großen Tat zu geben, der ihn mit vogelartiger Leichtigkeit über den breiten Abgrund hinwegträgt, der die menschliche Unmöglichkeit von der ewigen .Unabänderlichkeit trennt. Malkas Anblick sollte ihm die Kraft verleihen, auch das scheinbar Unmögliche zu vollbringen. Mit festen Schritten, wie es dem jleberbringcr einer wichtigen Botschaft geziemt, betrat er die wacklige Treppe, die zu Malkas Stübchen führte. „Ich h<we es Dir doch streng verboten, hierher zu Lammen," begrüßte sie ihn bei seinem Eintritt. Er behielt seine Ruhe und sprach: „Ich habe einen besonderen Grund für mein heutiges Kommen. Ich muß noch eine Frage an Dich richten." Sie sah ihn mißtrauisch an. „Dann frage schnell." „Hast Dü schon das Reisegeld beismnmen, um Baruch nach Odessa begleiten zu kömien?" „Warum willst Du das wissen?" „Vielleicht ändern sich Deine Pläne und Du sparst Dir das Geld, wenn Du erfährst, daß er seine Rückreise in Begleitung seiner Frau machen wird." „Seiner Frau? — Lügner! — Niederträchtiger Lügner!" Er zuckte gleichmütig die Achseln. „Das bin ich nicht, Malka. Außer, daß Baruch seinen Spaß mit mir getrieben, als er mir seine Absicht mitteilte, Kvratows Tochter zu heiraten." Ein Gemisch von Liebe, Reue und Mitleid stieg in ihm auf, als er sah, wie sie in stillem Schmerz sich wand und krümmte. Ein wildes Verlangen kam über ihn, sich ihr zu Füßen zu werfen und ihre Verzeihung anzuflehen, daß er der Ueberbringer dieser Trauerbotschaft war. Wer er besann sich noch zur rechten Zeit. Das war gerade, was er nicht tun durfte, um nicht wieder schwankend zu werden, um nicht alles wiä»er zu verderben. So schwer es ihm auch wurde, Malka in diesem Zustande zu sehen, er mutzte sich beherrschen und seine Rolle zu Ende spielen. Malka beachtete ihn kaum und nahm sich gar keine Mühe, ihren Schmerz zu verbergen. Doch dauerte dieser Zustand nur wenige Minuten, und die wilde, ungebärdige Widerspenstigkeit in ihr gewann bald wieder die Oberhand. Ihr sehniger Körper straffte .sich zur vollen Höhe, und ihr totenbleiches Gesicht hob sich scharf ab von dem Kranz schwarzer Haarmassen, die sich nach allen Seiten niederringelten. Niman sah plötzlich mit Schaudern eine Medusa vor sich, in der sich das Herrliche und Schreckliche einten und zu einem wundervollen Ganzen formten. „Warum hast Dü mir dieses gesagt?" unterbrach sie das Schweigen. Er blieb ihr die Antwort schuldig. „Wenn Du .es' mix nicht sagen willst, dann sollst Dü es von mir hören." Ihr Zorn hatte jetzt den Siedepunkt erreicht. „In erster Reihe weil Dein hündisches Herz in meiner Qual schwelgen wollte, und dieses wollüstige Vorhaben ist Dir auch vortrefflich gelungen. Sodann wolltest Du in" meiner grenzenlosen Niedergeschlagenheit, jn dem bitter» Aufruhr meiner Seele mich abfangen und für Deine verwerflichen Zwecke ausnutzen." Er fühlte, wie sein Blut bei ihren Worten wieder zu kreisen begann und lächelte befriedigt. Sie war also kein versteinertes Bild, sondern ein Wesen von Fleisch und Blut, doch für ihn unerreichbar. Wahrlich, Malka konnte nichts besseres sagen oder tun, um ihm .sein Vorhaben zu erleichtern. Geduldig wartete er auf die Fortsetzung. „Aber ich werde Dir etwas ' Mitteilen, was ich Dir bisher noch nicht gesagt habe." Sie war wieder tn Raserei geraten. „So wisse es denn: Ich habe Dich stets gehaßt, mit der ganzen Kraft und Fülle meiner Seele! Wenn ich nur Deine Teufelsfratze erblickt, wenn ich nur Dein faunisches Lächeln gesehen, war ich des Entsetzens, des Ekels voll, und jedes Wort, das ich für Dich auf meine Lippen bringen mußte, war eine gewaltige Anstrengung, gegen welche mein Herz sich auflehnte und empörte." „Stur weiter, Malka," rief er trotzig. „Jawohl, ich will weiter sprechen," und ihre Stinune steigerte sich jetzt zu einem Kreischen. „Und wenn Du tausendmal auch für mich gestorben wärest, ich hätte kein Mitleid, kein Erbarmen für Dich empfunden, Iveil Du mich meines Baruchs beraubt. — Ja, Du — Du hast ihn mir geraubt. Wärest Dü nicht mit Deinen Verlockungen gewesen, so wär er in der Heimat geblieben, und im Laufe der Zeiten hätte meine flammende Liebe seine kalte Gleichgültigkeit überwunden, oder jch wäre ins Grab gesunken und brauchte nicht diesen gallenbitterN, stechenden Schmerz zu erdulden. Statt dessen aber saß ich hier voller Verzweiflung, hoffend und betend, daß die Zauberkraft meiner Beständigkeit seine Veränderlichkeit besiegen möge, und jeden Augenblick, den ich meinen Gebeten abstehlen konnte, habe ich dazu verwendet, um Dir zu fluchen! Ja, ich habe Dich verflucht, seit ich nur denken kann." „Wirklich? Fahre nur fort, Malka." „Ja, Du sollst noch mehr hören! Schon in jenen Tagen, als wir' drei Kinder am Strome saßen, als Du mich beständig mit Deinen stumpfsinnigen Fischaugen angeglotzt, während Baruch, auf dem Rücken liegend, mit offenem Munde Deinem end- und sinnlosen Geschwätz zugehört, — da — da — hätte ich Dich schon mit meinen kindlichen Händen erwürgen mögen! Immer hast Du es verstanden. Dich wie einen Keil zwischen uns »zu schieben, so daß meine Finger sörmlich juckten, um Dich an dje Kehle zu fassen und jeden Lebensatem aus Dir herauszupressen; ja. um Dich dann .weit, weit in den Strom zu schleudern, wie ein schädliches Gewürm, um mit Baruch allein zu sein. . . ." Sie mußte sich selbst unterbrechen, um Lust zu schöpfen,''um nicht zu ersticken. „Das war unrecht von Dir, Malka," sprach er leichthin. „Warum hast Dü mir nicht die geringste Andeutung gemacht, — ich wäre sortgeblieben." „Das war es ja gerade, warum ich Dich noch mehr verabscheuen mußte," brach es wieder von ihren Lippen. „Zu meinem Schmerz mußte ich wahrnehmen, daß Dü das einzige Bindeglied zwischen Baruch und mir warst. Er kam ja nur, wenn Du riefst; wärst Du fortgegangen, so wäre auch er svrtgevlieben; durch meine Bemühungen hätte ich ihn nimmer zurückhalten können. Du warst darum für mich eine böse, verabscheuungSwürdige Notwendigkeit. Darum loderte die Flamme meines Hasses noch mehr empor, wenn ich sehen mußte, wie bereitwillig er Deinen Worten lauschte, während er sich nur widerstrebend zu einer Aeußerung mir gegenüber entschließen konnte. So vergingen meine Tage, so verging meine Jugend. — Ach, Gott! Wie oft habe ich seitdem daran denken müssen! Aber, so oft ich daran gedacht, so oft habe ich Dich bis in de» Abgrund verflucht!" Niman schien für einen Augenblick die Ruhe zu verlieren. Er trat einen Schritt zurück 'und sagte mit erkünstelter Ruhe: ,>Du hast mir geflucht, Malka? Dann lvundert cs mich gar nicht, daß mein Leben so geworden ist, wie es ist," „Ja, Du hast eigentlich recht, Du Ungeheuer!" „Ja, ich habe es verkehrt gemacht, das sehe ich jetzt erst ein. Jch hätte für Dich beten sollen, dann hättest Du die glänzende Stellung erlangt, und ich wäre Deiner für immer losgeworden. Baruch aber wäre mit enttäuschten Hoffnungen, mit seinen vernichteten Plänen zu mir zurückgekehrt, um sein müdes Haupt 'in meinen Schoß zu legen. Verkrüppelt, todeswund, mit blutendem Herzen wäre er zu mir gekommen, aber — er wäre gekommen. Aber das, Niman, überstieg meine Kraft! Wie hätte ich ein Gebet für Dich über meine Lippen bringen, wie meinen Mund zu einem Fluch für Baruch austun' können! — Nein, ich habe für ihn gebetet und er ist in seiner ganzen Herrlichkeit zurückgekommcn — und darum für mich verloren!" Niman hatte schon längst aufgehört zu lachen, denn jetzt war er bereits in der Verfassung, die er .für seine Riesentat gebrauchte; jetzt trug er nur noch einen sühllosen Stein in der Brust; jetzt bedurfte es. nur noch, einer einzigen Drehung der Schraube, und auch die Seele war herausgepreßt. . „Malka," sprach er mit unheimlicher Ruhe; „ist cs Nicht komisch, daß all diese Herrlichkeit, wie Du Baruch nennst, die Du jo inbrünstig für ihn . erfleht, das Glück einer andern begründen soll?" ’ Doch diesmal hatte er über das Ziel hinausgeschossen. Er sah den. Tigerblick, den sie ihm zuwarf, er sah auch den Griff nach der langen, spitzen Schneiderscheere, — aber er legte die Hände auf den Rücken, um.den Stoß nicht aufzuhalten. — Warum denn nicht? Die'Sache könnte auch so zu Ende geführt werden. — Doch nein: sein Tob allein wird das Unheil seines Volkes nicht aufhalten. Dadurch wird Kvratows Haß nicht aus der Welt geschafft werden. Nein, es muß bei seinem Vorhaben bleiben. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedlich Quelle — — Olfenbach a. Ä. ■ Gegen Gicht und Rheumatismus bewahrt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrioh Stahl, Frankfurt a. fl., Stallborgstr. 9. Tel. 259 u. 71. 1V2 Bad Harzbnrg. 1D2 Pension Parkhaut, 58 Salons nnd Famllien-Dependance, Sohloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng ritnelle H&nstr L Bangeg unter Babblnats- Aufslcht, an aohönster Waldlage. Geöffnet April bla Oktober. Prospekt gratis._Max HBCht. Wochw-Kalender. (Zettangaven nach dem Luaeb.) Samstag, den 9. Juli (= 2. Tamue): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min., in Berlin 9 Uhr 27 Min. Wochenabschnitt: Chukas. — Das Gebot der „roten Kuh." Eine vollständig rote Kuh, durch den Hohenpriester als Sündopser dargebracht, wird zu Asche verbrannt, und in den Brand wird Zedernholz, Ysop und Karmesinwolle geworfen. . Der opfernde Priester, ebenso wer sie verbrennt, wird dadurch tome (unrein). Die Asche der Kuh, die in Urnen aufbewahrt wird, dient aber zur „Reinigung" der Unreinen (unrein ist jeder, der einen Toten berührt, mit ihm unter einem Dache geweilt, ein Grab, einen Knochen oder.sonstige Teile eines Toten berührt hat usw.). Man warf von der Asche in ein Gefäß mit lebendigem Quellwasser und besprengte die „Unreinen" damit am 3. und 7. Tage. Erst dann durften sie wieder in's Heiligtum treten oder verschiedene Opferteile genießen. (Dies Gesetz führt an das größte Problem unseres Daseins: den Gegensatz zwischen Leben und Tod. Es wird verschieden gedeutet, doch stets im Grunde uns rätselhaft bleiben.) — Mirjams Tod in Kadesch. Dort murrt auch die Gemeinde wegen Wassermangels. Mosche soll dem Volke Wasser geben, indem er einen' Felsen anredet. In seinem Zorn schlägt er jedoch zweimal den Felsen. Er verscherzt sich so die Erlaubnis und das Glück, das gelobte Land betreten zu dürfen. Ebenso sein Bruder Ahron. — Ahron stirbt auf dem Berge Hör in Gegenwart Moses und. seines Sohnes Eleasar. Letzterer wird Nachfolger im Hohenpriesteramt. Das Volk betrauert Ahron. — Das Volk will durch Edom ziehen. Es erhält hierzu nicht die Erlaubnis und macht nun einen Umweg. — Das 'Volk murrt über den langen Weg. Gott schickt giftige Schlangen, deren Biß viele tötet. Mosche betet. Auf Gottes Befehl soll er eine kupferne Schlange fertigen und sie auf eine Stange setzen. Wer sie anschaute, blieb am Leben. (Sinn: Der Aufblick zu Gott schafft Leben!) Israel besiegt zwei mächtige Reiche: Emori und Basan. Siegeslieder über die Kämpfe in Ostjordanien. — Offtnbacber Druckluft-Anlage : Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. ünflbertroffenebewährteste Tapplchralnlimiip. Kamitte»«achrichre». Geburten. Eine Tochter, Herrn Emanuel Landau (Hirsch), Frankfurt, Ostendstraße 5. Eine Tochter, Herrn Siegm. E. Stern (Nathan), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Walter Bacher (Bick), Halle. Einen Sohn, Herrn C. Nathan (Schubach), Frankfurt. Einen Sohn, Herrn Max Hamburger (Wachsmann), Gleiwitz. Einen Sohn, Herrn Dr. Julius Glogauer (Meyer), Berlin IV. 15. Einen Sohn, Herrn Rechtsänw. Saul (Nassau), Duisburg. Einen Sohn, Herrn Max Heilbrunn (Oppenheimer), Hanau. Berlatte. Paula Weil —- Dr. Fritz Strauß, Karlsruhe. Regina Michel, Frankfurt — Gabriel Eschwege, Fulda. Herta Jacoby, Insterburg — Rechtsanwalt. Dr. Davidsohn, Breslau.

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