Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 25 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Frankfurter Israelitisches FamilicnblaÜ. Nr. 25 und des Geräusches ihrer verzweigten Geschäfte stets genug Zeit und Ernst gefunden haben, in die Tiefen des Jam-Hatalmud zu tauchen. Drittens, und last not least, weil es wirklich ein erstklassiges halachiiches Werk ist. Die Novellen, die sich auf 208 Gerten Lexikonformat erstrecken, liefern einen glänzenden Beweis für die große Gelehrsamkeit und den feinen Scharfsinn des Verfassers. In bescheidener Weise veröffentlichte Herr Horowitz einstweilen nur den ersten Teil seiner Chiduschim, er verspricht aber, den Rest zu drucken, sobald er gefunden hat, daß der erste Teil wohlwollend ausgenommen wurde. Daraus darf der geehrte Verfasser mit Bestimmtheit rechnen. Die Zahl der Kenner der halachischen Literatur mag sehr begrenzt sein, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß das Horowitz'sche Werk in diesem Kreise mit großer Freude begrüßt werden wird. Es verdient es. Hoffentlich veröffentlicht bald der Verfasser seine Novellen zu den übrigen vier Sedorim des Talmuds. Auch die äußere Ausstattung des Buches verdient lobend erwähnt zu werde». Dr. I. M. S—d., London. Au Independent Examination of the Assuan and Elephantine Aramaic Papyri (with eleven plates and two appendices on sundry items) by Dr. L. Belleli, London Luzac & Co. Dr. Belleli ist ein Polyhistor, er besitzt aber die Gründlichkeit und Tüchtigkeit eines Fachmanns ans jedem Gebiete, das in den Bereich seines Wissens kommt. Der alte biblische Spruch: „Mehr Wissen, mehr Schmerz" bewährte sich bei niemand so wie bei Belleli. In diesem Zeitalter, wo in ganz kurzer Zeit und mit ganz beschränktem Wissen dickbäuchige Bücher gemacht werden (natürlich, ist hier wie überall „Deutschland, Deutschland über alles"), ist es für einen Alümsser wie Belleli, der überall zuhause ist und ein jüdisch-orientalisches Temperament sein eigen nennt, unmöglich, Mund zu halten. Dies, verbunden mit einem kritischen Geiste und einer scharfen Feder, kann Schrecken anrichten. Belleli machte stets aus- , giebigen Gebrauch von diesen seinen Fähigkeiten und Eigenschaften. Erscheint ein Buch auf jüdischorientatischem Gebiete, das mit aufgebauschter Gelehrsamkeit operiert und auf die Schaffung neuer Theorien und Werte Anspruch macht, so kommt der griechische Jude Belleli, dessen Wissen besonders ungeheuer groß ist auf jüdischem und griechischrömischem Gebiete und zertrümmert erbarmungslos jede Illusion, jede Schcinwissenschaft. Belleli ist ganz besonders bitter, wenn es sich um das Werk eines professionellen Wissenschaftlers handelt, der irgend einer Klique angehört. Er hat auch Chnzpah, und er macht sich ein besonderes Vergnüge», gerade die Hochstehenden, die Gutbezahlten, die mit Ehren Bedeckten, die Anerkannten, sei es in der jüdischen oder in der allgemeinen Welt, ihres Gelchrtcnruses zu berauben. Es ist leicht zu begreifen, daß diese Gelehrtenhetzen nicht dazu angetan sind, Belleli populär zu machen. Er ist in' diesen Gelehrtcnkreisen sowohl gehaßt als gefürchtet. Er wird boykottiert und verschwiegen, was andrerseits ihn noch mehr erbittert macht. Das ist eine alte Taktik, die sich stets bewährt hat. Die Klique erhebt den auf den Mild, der ihr schmeichelt, und verhilft ihm zuni Ruhme oder zu einer guten Position und verschweigt die Starken, die cs gewagt haben, ihre Autorität anzugreifen. Aber Belleli scheint sickwenig darum zu kümmern, und setzt seine Gelchrtenjagden munter fort. Der Zweck seines letzten Buches ist, zu beweisen, daß die Dokumente, die als die Elep h a n t i n e Papyri und die 8 Assuan P a - pyri bekannt sind, nicht authentisch sind. Die Veröffentlichung dieser Papyri hat, wie bekannt, vor wenigen Jahren die Aufmerksamkeit der ganzen gebildeten Welt auf sich gelenkt, und die Geschichtsmacher versäumten keinen Augenblick, neue Theorien zu schmieden und „umwälzende" Schlüsse auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte zu ziehen. Belleli hält alle diese Dokumente für unecht. Dies beweist er durch verschiedene, sozusagen technische Umstände, die sich auf die Papyri beziehen, und durch Vergleiche auf' dem Gebiete der jüdisch-ägyptischen Kalenderrechnung. Die Beweisführung, besonders die letztere Art, die, nebenbei bemerkt, glänzend ist, wirkt überzeugend. Man mag über die Echtheit der Papyri denken, wie inan will, Freund und Feind werden aber zugeben müssen, daß ivir es hier mit einer Kritik zu tun haben, die, mag sie auch so scharf und beißend sein, mit der größten Sachkenntnis und Geistesschärfe ausgeübt worden ist. Die Nichtbeachtung dieses glänzenden Buches seitens der Gelehrten-Kotcric. verdient auch die schärfste Rüge aller Gebildeten, die für ein strenges unparteiisches Urteil in der wissenschaftlichen Forschung sind. Das Brüh enthält auch einen Appendix, indem der Verfasser mit seinen persönlichen Gegnern Abrechnung hält und daher galligbitter ist. Der Verfasser scheint ans diese -Abrechnung lange gewartet zu haben und wollte daher diese Gelegenheit nicht unbcnützt voriibcrgchcn lassen. Ich glaube aber, es wäre viel besser gewesen, wenn er von dem persönlichen Moment keine Notiz genommen hätte. Der Anhang entspricht nicht der Würde und dem Ernst des ganzen Buches. Seine Beweisführung ist unerschütterlich, und das genügt vollständig. Dr. I. M. S—d., London.. Heine. Sämtliche Werke. Band 1—4. Tempel-Verlag in Leipzig. In entzückendem grünem Leinenband bietet der Tempel-Verlag in Leipzig eine neue Heine- Ausgabe, von der die ersten 4 Bände erschienen sind. Die künstlerische Feinheit und Vornehmheit der Ausstattung verbindet sich mit sorgfältigster Textgestaltung und ausgezeichnetem Druck. Was in Heines Werken an Schätzen ruht, lvird hier .in kostbarer Truhe dargebotcn. Für die Leser dieser Blätter hat, abgesehen von dem großen Gesichtspunkte, daß ivir trotzalledem und alledem von Heine stolz sagen können „denn er war unser", von diesen Bänden noch ein ganz besonderes Interesse, daß sie die „Hebräischen Melodien" und den „Rabbi von Bacherach" enthalten, dieses Schmuckstück von Ghettoliteratur mit dem welthistorischen Hintergrund. Wir werden auf die Fülle von grimmiger Laune, bebender Innigkeit und konzcnticrtcm Humor bei lveitcrem Borschreiten ■ dieser Ausgabe noch zurückkommen und verweisen einstweilen nachdrücklich auf diese wundervollen Bände. _ Spenden. Bei der Nationalfondskommission gingen ein: Aus Büchsen: Nosi und Lilli Michael 4,12 JL I. H- .0,60 4,72 M, H AS SIAS FRU DEL IVert •VIL. BEL.• Kur-u.Tafel-Wasserl.Ranges. 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