Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1910-07-01 · Heft 25 (1.7.1910) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 25 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692665-2692690--05508-2700428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sfrttttßf tttrf et Zstoelitischks Innilimlilnlt. (—> Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Franlfurt a. M. Mk. l.— ftei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Ml. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— L.-—-—» Frankfurt a. IN., vilbelerstraße 4/ö, Ecke Lleichstraße Gerefon 10507. H-erausgebep: Kakz; . Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile. 100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. ... -_... ' 8. Jahrgang. Freitag, den 24. Siwan 5670 (1. Juli 1910). Nr. 25. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Die Zionistische Jahreskonferenz. — Londoner Chronik. — Die Pariser jüdische Gemeinde. — Aus aller Welt. — Feuilleton: Auge um Auge. — EineFrühlingsnacht. — Sprechsaal. — Wochenkalender. — Briefkasten- — Vereins-Kalender. —Familiennachrichten. Die Zionistische Jayreskonferenz. (Eigener Bericht.) Berlin, 29. Juni 1910. Zur Zionistischen Jahreskonferenz, die Montag früh begann, hatten sich außer dem E. A.-C. (Wolsfsohn, Marburg, Kann) eingefunden: Prosessor Belkowsky, Herbert Bentlvich, Dr. Bodenheimer, 2(. Böhm, A. Boruchow, Dr. M. Braude, Dr. Frauzie Berenstein, Joseph Cowen, M. Feldstein, Dr. I. Feilchtinanger, Dr. Friedemann, Louis Frankel, I. L. Goldberg, B. Goldberg, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Arthur Hantle, Dr. Hans Gideon Heymanu, Leo Fasse, Dr. R, Katzeneisohn, I. Krenieuetzky, M. Lcvy, Dr. S. Lewin, Dr. Emil Margnlies, I. M. Magncs, Dr. 2l. Marmorek, A. Podlischcwski, S. Rosenbaum, I. Rososf, Dr. Rnppin, Julius Simon, Dr. Salz, N. Sokolow, Hermann Struck, Dr. Schlössinger, Löüel Taubes, Davis Trietsch, H. Urysohn. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der nächste Kongreß findet spätestens im Sommer 1911 statt. Das E. A. C. wird beauftragt, in wichtigen Fragen allgemeiner Natur einen ans dr ei M itg lie dcrn b est eh end cn B eirat ziizuziehen. Die Name» der Gewählten werden erst nach ihrer Zustimmung veröffentlicht werden. Die Sitzungen des Großen A k t i o n skomitecs sollen vonjetzt bis zum nächsten Kongresse mindestens alte vier Monate einmal stattfinden. Das E. A.-C. wird beauftragt, Maßnahmen ini neuen Organisationsstatut zu treffen, die dem Großen Aktionskomitee eine intensivere Mitarbeit an der Führung der Geschäfte ermöglichen. Insbesondere wird für das neue Organisationsstatnt vorgeschlagen, das; neben dem E. 21.- C. auch das Große dlktionskomitce aus seiner Mitte einen Vorsitzenden w ä hlcn soll, dem Sitz unt» Stimme int E. 21.-C. verliehen werden. Sieben dem E. A.-E. soll auch der Vorsitzende des Großen 2l k t i o n s k o m i t e c s berechtigt sein, Sitzungen desselben einzuberufen. Das Große Slktionskonntee soll nur bei 2lnwesenheit von mindestens 15 Mitgliedern beschlußfähig sein. Dem nächsten Kongreß sind folgende Vorschläge zu unterbreiten: 1. den Sitz desZentralbureaus nach einem größeren jüd. Zentrum zu verlegen, 2, zu veranlassen, daß am Sitz des Zentralbnreans mindestens drei Mitglieder des E. 2t,-E. ihren Wohnsitz haben, 3. daß der Präsident des 2lufsichtsrates des I. C. T. vollberechtigtes Mitglied des E. 2l.-C. ist, 4. daß das E. 2l.-C. ans fünf bis sieben Mitgliedern besteht. Die Jahrcskonferenz spricht die Meinung aus, daß eine gedeihliche 2lrbcit im E. 2I.-C. nur möglich ist, wenn dessen Zusammensetzung den verschiedenen Strömungen in der Bewegung Rechnung trägt, 5. daß das E. A.-E. den Vorsitzenden aus seiner Mitte wählt. Die Jahreskonferenz erklärt alle Mißverständnisse, welche in der Bewegung in letzter Zeit sich bemerkbargemacht haben, für geklärt und behoben. Die Jahreskonferenz macht es jedem Zionisten zur Pflicht, alle unliebsamen Vorkommnisse zu vergessen und mit erneuter Energie für die gcmeinsameil 2lufgaben des Zionismus zu wirken. Ganz besonders hofft die Jahreskonfercnz, daß jene Mitglieder der Bewegung, welche glaubten, sich von der aktiven zionistischen 2lrbeit zurückzicheu zu sollen, wieder zu derselben zurückkehrcn werden. Die Jahreskonferenz erwartet von der zionistischen Presse, daß sie durch ihren Ton und ihre Haltung zur Beruhigung der Gemüter beitragen wird. Die Mitglieder der Jahreskonserenz scheiden mit dem freudigen Bewußtsein, daß die zionistische Organisation geeint und gefestigt mit ernentcnl Kraftgcfühl ihrem hohen Ziele cntgcgenschreitet. Zunr Punkt 5 der Friedensbeschlüssc wurde folgende Erklärung eines Teiles der Jahreskonserenz von Herrn Dr. Hantke verlesen: Wir erklären, daß wir prinzipiell an unserem Standpunkte festhalten, den Präsidenten des 2lktionskomitees durch den Kongreß wählen zu lassen, um des Friedens willen aber bei der Abstimmung über Punkt 5 der Einigungsbedingungen uns der Stimme enthalten und bis zum nächsten Kongreß nicht gegen diesen Beschluß agitieren werden. * Das, wofür wir seit Monaten gekämpft haben, der Frieden in der Bewegung, ist nun eiueTatsache geworden! Ein Verdienst, das in erster Reihe Präsident Wolsfsohn zugeschrieben werden niuß, der sich der Hartnäckigkeit der Opposition gegenüber entgegenkommend zeigte. Der Friede wurde im wesentlichen auf der Grundlage der Organisationsvorschläge des Präsidenten herbeigeführt. Das Neue ist nur der Beschluß, daß das Große Aktionskomitee aus seiner Mitte einen Vorsitzenden zu ernennen hat, der Sitz und Stimme im E. 2l.-C. erhält und ebenso wie der Präsident des E. 2l,-C. berechtigt ist, Sitzungen einzubernfen. Unverständlich scheint uns die Forderung der Opposition, den Präsidenten nicht vonr Kongreß, sondern vom E. A.-C. wählen zu lassen, eine Forderung, die den demokratischen Prinzipien der Zionistischen Organisation widerspricht. Wenigstens ist ein vom Kongreß gewählter Präsident unabhängiger und genießt mehr Autorität nach innen und außen, als wenn er von seinen Kollegen im E. 2l,-C. gewählt ist. Londoner Chronik. Die König Eduard VII. - Stistung. — Die Hospital-Frage. — Ein Massenmeeting. — Die neueste Krankheit. Nach dem Tode König Eduards versammelten sich unsere Granden und beschlossen, den Namen des edclen und judensrcundlichen Souveräns zu verewigen, d. h. einer Stiftung seinen Namen zu geben. Die Stiftung soll erst ins Leben gerufen werden, und damit sich die ärmsten Juden an ihr beteiligen können, ist bestimmt worden, daß ein „sixpenoo" der allgemeine Beitrag werde. Unsere „Führer" glaubten, daß die „8ixpbnoes" regnen werden, daß jeder Whitcchapeler seinen Beitrag einliefern werde. Vier Wochen sind vorbei, seitdeni der Aufruf der Granden erschienen ist, und heute besitzt der Ausschuß knapp 4000 Mark, trotzdem einige Reiche 1000 sixpenves, d. h. 500 Mark, mit ctnenr Mal der Kasse zugeführt haben. Unsere Whitechapeler wußten wohl, daß die großen Herren eigene Wege gehen, und sic beeilten sich deshalb nicht, ihre sixvenoes in die Sammelbüchsen zu werfen. Die Herren des 2lusschusses dieses „Edward VII. Memorial" beeilten sich ihrerseits, mitzuteilcn, daß die zu errichtende Stiftung in keinem Falle ein jüdisches Krankenhaus sein wird. Die arnien Juden sollten das Geld geben und die Granden das Geld nach Gutdünken verwenden. 2lber unsere Whitechapeler sind nicht ans den Kops gefallen, und sie bedankten sich mit Recht für die ihnen erwiesene Ehre. Mittlerweile macht die jüdische Spital-Bewegung weitere Fortschritte trotz der offenen und ausgesprochenen Gegnerschaft des Lord Rothschild. Den Führern dieser Bewegung ist es bereits gelungen, 80,000 Mark zu sammeln und eine Bewegung zu organisieren, die ihrer 2trbeit und ihrem organisatorischen Talent alle Ehre macht. Am letzten Sonntag fand wieder ein Masse nmceting im hiesigen Pavillon-Theater statt, dem etwa 4—5000 Juden beiwohnten. Der Parlamcnts-2lbgeorduete des betreffenden Distrikts, ein Nicht-Jude, hielt eine längere Ansprache zugunsten eines jüdischen Spitals, in welcher er betonte, daß nur einer, der ohne Sprachenkenntnis in cineni fremden Lande lebt, den armen Juden in Whitechapel nachempfinden kann, warum sie ein jüdisches Spital errichten wollen. Die Glanzleistung des Meetings Ivar jedoch die Rede des Haham. Er sagte: „2lls wir vor 15 Jahren zu den Best-End-Juden kamen und sie baten, an der Gründung eines Heimes für heimatlose Inden in Palästina sich zu beteiligen, da antworteten sie, die eine Heimat zu haben glauben: „Die Juden haben keine neue Heimat, nötig." Wenn wir heute zn ihnen, den West- En8-Juden, kommen und sie bitten, uns ein Heim für kranke Juden gründen zu helfen, sogeben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.