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Neue jüdische Presse · 1910-06-24 · Heft 24 (24.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 24 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 sich in einen.Redestrom und schwatzte unaufhörlich, ohne erst eine Antwort abzuwarten. Hin und wieder fuhr er mit den Händen hastig in seine Taschen, während seine Blicke nach allen Richtungen schweiften. Eben hat er nach einem Stück Papier gegriffen, das auf dem Rasen lag, um cs aber nach einem flüchtigen Blick wieder enttäuscht wegznwerfen. Alma war froh, daß er auf ihre Aufmerksamkeit keinen Anspruch erhob; sie hatte genug zu tun, um ihre eigenen Gedanken zu ordnen. Volkmanns Worte klangen ihr wie eine süße Melodie, und bei jedem Schritte schienen die Blumen neue Farben zu entfalten und die Sonne neuen Glanz anszustrahlen. Sie dachte nicht mehr an den Schatten, der die Sonne ihrer jungen Liebe gestreift, der doch eigentlich groß genug war, uni ihr ganzes Leben zu verfinstern. Die heilige Offenbarung, die ihr vorhin geworden, hatte jeden Zweifel und jede Ungewißheit verscheucht, oder sie verwandelten sich — nach Volkmanns Angabe — in unermeßliche Freuden. Sie war froh, daß sie ihn anfänglich tatsächlich gefürchtet, sonnst wäre ja ihre Liebe nicht so stark, nicht so abgrundtief geworden. Am Hause angelangt, verabschiedete sie sich von den Herren; Karol sah ihr mit einer Miene nach, als hätten sich eben große Geheimnisse vor seinen Augen offenbart. „Mir ist etwas sehr Unangenehmes passiert," sprach er jetzt zu Volkmann mit veränderter Stimme. „Was denn, Vetter Karol?" fragte dieser gedankenlos. „Vetter Karol!" schnarrte dieser höhnisch. „Noch bin ich es nicht!" „Ich bitte tausendmal um Entschuldigung. Ich hörte Sie so oft so nennen, daß es mir unbewußt entschlüpft ist. Natürlich galt meine Frage dem Herrn Leutnant Larmorin." „Na, wir wollen die Sache nicht so tragisch nehmen. Ich weiß, ich bin heute etwas ungenießbar. Haben Sie vielleicht einen Brief mit einer französischen Marke irgendwo gesehen?" „Ich kann mich wirklich nicht entsinnen." „Ich habe nämlich einen Brief verloren, und es wäre mir mehr als peinlich, wenn er in unberufene Hände geraten und von Fremden gelesen werden sollte. Darum habe ich ja auch Krax niit mir genommen, damit er mir suchen hilft. Ich ließ ihn nämlich vorher an meine Tasche riechen, in welcher ich den Brief getragen, und dann zeigte ich ihm einen Briefumschlag und begab mich mit ihm auf die Suche. War das nicht eine kluge Idee von mir? Nur schade daß Krax den Brief vergaß und mich nach dem Gartenhaus führte. Was haben Sie eigentlich dort init meiner Kousine verhandelt? Aber lassen Sie cs nur gut sein. Sie brauchen es mir nicht zu sagen, denn ich bin wirklich nicht neugierig. Nebenbei, Volkmann/ hat -das jüdische Mädchen Ihnen etwas von mir erzählt?" „Nicht, daß ich wüßte." „Ich meine, hat sie Ivieder nach Ihnen geangelt?" „Auch davon habe ich nichts bemerkt." „Ein wunderbares Weib! Hat Rasse. Prachtvoll, sage ich Ihnen! Sie müssen sie gelegentlich einmal genau ansehe». Kein Gänschen, wie mein . . Aber ich sehe. Sie wollen allein sein," unterbrach er sich endlich in feinem Redestrom. „Ofsengestanden, mir ist heute wegen des Briefes auch etwas katzenjämmerlich zu Mut. — Ich will daher wieder einmal nach der Stadt gehen, und jeder Jude, dem ich begegne, soll von mir einen extra Fußtritt bekommen, daß der Stiefelabsatz zur andern Seite herauskommt." Die letzte Bemerkung entfachte wieder das Feuer in Volkmanns Seele. Unsanft wurde er wieder aus dem Halbschlaf gerüttelt, in welchen die betäubende Liebe ihn versenkt hatte. Ja, aber ■ was soll mit seinem Vorhaben. geschehen, das jetzt der Verwirklichung harrt? Er fühlte sich wieder aus der Höhe seines Glückes zu Boden geschmettert. Fast hatte er im Liebesrausch ver- @m, daß die zehntausend Karols sich vielt jetzt schon fertig machten, um hie Bluthunde auf das allzuschwache Wild zu hetzen. Und was soll mit ihm selbst geschehen? War er nicht durch gne Mitwissenschaft auch der Mitschuldige der ratows und der Karols geworden? Und wie ist es mit Niman? Er saß freilich müßig und faul am Strome, seinen philosophischen Cynismus mit Zitaten aus dem zerlesenen Horaz fütternd. — Ein heftiger Zorn stieg in Volkmann gegen den Freund auf. Warum blieb er denn untätig? Auch er muß helfen; die Sache ging doch ihm ebensoviel an wie Bolkmann. Nein, Niman war sogar am meisten beteiligt. Er, Volkmann, hat jetzt ein himmlisches Wesen auf Erden gefmiden. das er festzuhalten suchen muß. — Niman hingegen, er steht allein da, er hat weiter keine Aufgaben im Leben zu erfüllen, — darum muß er seine ganze Kraft einzig und allein seinem .Volke widmen. Fortsetzung folgt.) WKffüÄer MP MMÄnVlaÜ. Bunte Chronik. Eine interessante Reminiszenz. Das englische Volk erwartete im Jahre 1841. init Ungeduld die Geburt eines Prinzen. Königin Viktoria war jedoch schwer erkrankt und weilte zur Erholung in Italien. Auf Anraten der Aerzte sollte die Königin über die Zeit ihrer Entbindung in Italien bleiben, wozu auch die königliche Familie ihre Zustimmung gegeben hatte. Die Zeitungsnachricht hierüber hatte auch der damalige Rabbiner von Hannover, Rabbi Nathan Adler, gelesen. Er erbat sich eine Audienz beim Minister des Auswärtigen Amtes und machte denselben darauf aufmerksam, daß nach der englischen Verfassung nur derjenige königliche Prinz den Thron erben könne, der auf englischem Boden das Licht der Welt erblickt hat. Sollte nun die Königin von England in Italien einem Prinzen das Leben schenken, so wäre er nach der englischen Verfassung von der Thronfolge ausgeschlossen. Der Minister verständigte hiervon den Hof, wo diese Mitteilung große Ueberraschung hervorrief. Man hatte an diese Eventualität einfach vergessen. Ohne Rücksicht auf den schwachen Zustand wurde Königin .Viktoria nach England überführt, woselbst sie am 9. November eines Prinzen, des nachmaligen Königs Eduard, genas. Die königliche Familie hat diesen Dienst des Rabbis, von Hannover niemals vergessen, .und als der Rabbinerposten frei wurde, erhielt Rabbi Nathan Adler ans Hannover die Berufung nach London, woselbst er dann zum Chief-Rabbi von ganz England ernannt wurde. Jüdische Neger. Im Petersburger „Raßwet" wird die folgende Geschichte erzählt: Bor einiger Zeit wurde der Odessaer Arzt Dr. Sapir wegen „unbefugten" Sammelns für heu Jüd. Nationalfonds zu einem Monat Arrest verurteilt. Als er feine Strafe abbüßte, erzählt nun Dr. Sapir, 'traf er im Arrest mit fünf Negern zusammen, die mit einer Zonlödiantentrnppc nach Odessa kamen und der Polizei in die Hände fielen. Zn seiner großen Ueberraschung stellte cs sich im Lause des Gesprächs heraus, daß zwei dieser Neger Juden waren, von denen der eine Isaak und der andere Simson hieß. Isaak stammt aus Sierra-Leona in Westafrika. Sein Großvater, ein englischer Jude, der sich in Afrika niederließ, heiratete eine Negerin. Die Kinder, die dieser Ehe entstammten, waren braunsärbig, hingegen ist die ztveite Generation bereits ganz schwarzfärbig wie die.übrigen Neger und weist in ihren Gesichtern gar keine jüdischen Züge auf. Jfaak lourde gleich seinen Geschwistern der Beschneidung unterzogen, hat eine jüdische Erziehung genossen, versteht gut hebräisch und zeigt sich sehr stolz ans sein Judentum. Der zweite, Simson, ist der Sohn eines jüdischen Vaters der eine mohammedanische Negerin heiratete und seinen Sohn in der mohaimnedanischen Religion erziehen ließ. Beide Neger erzählten, daß sie mit jüdischen weißen Mädchen verlobt seien und nach ihrer Heimkehr heiraten ,wollen. Simson wird aii£ diesem Anlässe zum Judentum ^urückkehren. Christinnen wollten sie durchaus nutzt heiraten. Die beiden Inden-Neger erzählten Dr. Sapir, daß in Sierra- Leona viele Juden wohnen, die daselbst alle Rechte genießen. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Frau Erna Löwenstein scheint mich schlecht verstanden zu haben! Und sie muß schon die Schuld und Verantwortlichkeit dafür auf ihre eigenen Schultern nehmen! Sie will die galizischen Juden verteidigen! Sehr schön! Aber mir gegenüber ist es ganz gegenstandslos, da ich nicht die mindeste Absicht hatte und habe, meine Landsleute irgendwie in Anklagezustand zu versetzen. Auch will ich zur Antipathie des deutschen zu dem polnischen Juden meinerseits ebensowenig beitragen, als ich zur Erbauung des Auslandes über die Tugenden des galizischen Juden zu schwärmen die Absicht habe. Weder das Eine noch das Andere hat irgend welchen Wert bei ruhigein und möglichst objektivem Studieren der Judenfrage in Galizien! lind ich gehöre bekanntlich weder zu den schwarz bebrillten Pessimisten noch zu den „himmelhochjauchzcnden" und in Wolken schwebenden Optimisten! Kann mich also ebensowenig über Menschengebrechen entrüsten, als über ihre Tugenden Lobeshymnen anstimmen! — Weil ich die Dinge nehme und sehe, wie sie sind und mir nichts „vormache", muß es mich wundern, daß Frau Erna Löwenstein ans meinem ziemlich langen Artikel einige Wortehcrausstreicht und sie zum Mittelpunkte einer Diskussion macht, die gar nicht zn den folgerichtigen Konsequenzen meines Aufsatzes paßt. Es sind die Worte . . . „verkauft zuweilen seine Tochter einem Mädchenhändler" . . . Glauben Sie, gnädige Frau, daß ich durch diese nebenbei hingeworfenen Worte den Anspruch erhebe, Prostitution und Mädchenhandel für galizische Juden zu monopolisieren?? Von „Vorwürfen" schon gar nicht zu reden, denn solche kann auch der „galizischeste" Jude ans meinem Artikel nicht Her- Leite 5. aussühlen! Einem Volke kann überhaupt nichts „vorgeworfen" lverden. Daß die Juden in Galizien ein tüchtiges und regenerierungssähiges Element bilden und durch entsprechende, weit angelegte Bolkspolitik für gesundes und schönes Leben gewonnen werden können, das ist doch meine, Ueberzeugnng, die ich öfters und auch in dem angegriffenen Artikel Gelegenheit hatte auszusprechen. Es wird auch niemand weder die von Ihnen ausgesprochenen noch die gefürchteten Schlüsse ans meinem Artikel ziehen, denn das hieße mir Gedanken und Absichten in die Schuhe schieben, Gedanken, von denen ich selber absolut nichts weiß. Ihre Befürchtungen sind grundlos! Ich will nicht stechen, ich will auch nicht mit Honig streichen, ich will die Wahrheit sagen und immer nur die Wahrheit, weil ich kein Erbarmen suche und Mitleid wecke, niemandem auch Tränen aus den Augen und Almosen aus der Tasche presse. Bei jeder Unternehmung, bei einer Volksarbeit erst recht, müssen die Mittel den faktischen Verhältnissen angepaßt werden. Und da muß die Wahrheit, auch die böse, unbequeme ihr ruhiges Urteil sprechen — ohne Schönmacherei! Denn „Mit Worten läßt sich trefflich streiten. Mit Worten ein System bereiten; An Worte läßt sich trefflich glauben. Von einem Worte darf man keine Jota rauben." — Sapienti sat! Marek Margulies. nateer ft'rtedrlch Quelle - Offenbach a. M. — " - Gegen Gicht und Bhenmatlgmns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 71. “TCD Bad Harzbnrg. ")t£D Pension Parkhaus, 58 Salons und Familien-Depenilance, Solilosa Prinzenhof mit 28 Salons* Streng rituelle Häuser X. Banges unterBabbin&ts- Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober. Prospekt gratis. Max Hochtm Wocherr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luaeh.) Samstag, den 25. Juni (— 18. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 49 Min.» in Berlin 9 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: Schelach-lecho. — Die Kleingläubigkeit des Volkes. Trotz der göttlichen Versicherung, daß Palästina ein gutes Land ist, senden sie zwölf Kundschafter dorthin, angesehene Männer, darunter Josua und Kaleb. Nach 40 Tagen kehren diese heim, bringen riesengroße Trauben mit, auch Datteln und Feigen. Sie loben das Land, flößen aber dem Volke Furcht und Grauen ein vor den riesengroßen Ureinwohnern. — Das Volk murrt, will eine neue Regierung einsetzen und nach Egypten zurück. Josua und Kaleb suchen zu beruhigen; das Volk will sie dafür steinigen. — Da erscheint Gottes Herrlichkeit. Wie bei der Sünde des goldnen Kalbes soll die ganze Nation vernichtet werden, um auf Moses allein ein anderes, besseres Volk aufzubauen. Moses fleht inbrünstig. Die Straje wird gemildert. Das ganze lebende Geschlecht — Josua und Kaleb ausgenommen — soll in einer vierzigjährigen Wüstenwanderung die Sünde abbüßen; nur das jüngere Geschlecht wird ins gelobte Land kommen. Die Lügenkundschaster starben sofort. Trotz Verwarnung will das Volk auf eigene Faust hineinziehen. Zn spät — sie werden geschlagen. Der Wochenabschnitt enthält ferner Vorschriften für die Speise- und Genußopfer. — Vom Teige ist eine Hebe für Gott — Challo genannt — abzusondern. Lehre daraus: Weihe des täglichen Genusses. — Sühne für Vergehen durch Götzendienst und abgöttliche Berehrungsarten. —. Ein Sabbatentweiher wird betroffen, interniert bis zur göttlichen Entscheidung über die Art seiner Bestrafung. Er wird schließlich gesteinigt. — Schluß dqr Sidra ist „Parschas Zizis", bekannt aus dem täglichen Gebete. Die Schausädcn an den Kleiderecken lehren, mit dem tierischen Körper auch das Tierische zu verhüllen, die Leidenschaften und bösen Triebe zu zügeln!__ Offenbaeber Druckluft-Anlage Telefon 123. Oflanbacha.il. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tapplchralnloung. Karnilieiurachrichte». Geburten. Einen Sohn, Herrn Heinr. Rothschild (Seligmann), Mülhausen i. Elf. Einen Sohn, Herrn Max Oppenheimer (Strauß), Frankfurt a. M. Einen Sohn, Herrn Jos. Ansbacher (Rosenbaum), Frankfurt a. M. Einen Sohn, Herrn Eugen Freudenthal (Bleibtreu), Charlottenburg. Einen Sohn, Herrn Sigm. Gutmann (Schild), Straßburg. .! *■: '!Ä->:

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