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Neue jüdische Presse · 1910-06-24 · Heft 24 (24.6.1910) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 24 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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MflflB M ilc. 24 des FüMjurier IsmckWm MMMaM. AvannemknisvekeUunren auf das „Frankfurter Israelit. Familienblatt" nehmen sämtliche Po st an st alten des JnundAuslandeszu MK. 1,02 (inltl. Lieferuus frei ins Laus) für das dritte Vierteljahr 1910 entgegen. — Streifvandzusendung für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Man 1.50, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Die heutige Nummer ist die letzte des laufenden Quartals. Lag-baomer in Petach-Tikwah. (Ans dem Brief einer ehemaligen Frankfurterin). .... Lag-baomer ist hier das Fest der Kinder. Da es in diesem Jahre auf einen Freitag fiel, so hatte man alle Vergnügungen auf den Nachmittag und Abend des Donnerstag verlegt. Der Kindergarten und die beiden Schulen machten Spaziergänge in die Umgebung der Kolonie. Ein Teil zog nach dem Walde, den die Petach-Tikwaher selbst vor Jahren gepflanzt haben, um die Gegend zu sanieren. Und hübsch >oar es zu sehen, lvie die Schuljugend mit fröhlichen Gesängen, festlich und hell gekleidet, die Mädchen alle mit Blumen und Kränzen geschmückt, in Reih und Glied auszogen und heimkchrteu. Aber das Hauptvergnügen war ani Abend die „H a d l a k a h", das A n z ü n d e n eines großen Feuers. In Deutschland ist dieser Brauch bei uns Juden unbekannt, hier in Palästina wird er in vielen Kolonieen und auch in Jerusalem geübt. DaS Vorbild zu dieser Sitte hat lvohl Miron bei Zephat gegeben. Bekanntlich pilgern am Lagbaomer Tausende Juden dorthin, um am Grabe des wundertätigen Tanaiten Rabbi Schimon-bcu- Jochai zu beten. Dabei bringen sie die kostbarsten Gegenstände zur Weihe dar, indem sie sie in die Flammen werfen und so einen mächtigen Brand unterhalten. Die Jugend war es, die sich diesen Brauch in veränderter Form auch an andern Orten angccignet hat, und auch hier im Petach-Tikivah ist cs Sitte, daß am Lag-baomer von der Schuljugend eine Hadlakah veranstaltet wird. Alle Vorbereitungen zu dem Unternehmen und die ganze Ausführung desselben liegen in der Hand der Kinder, und sie betreiben ihre Sache mit wahrhaft staunenswerter Energie und Wichtigkeit. Schon zwei Wochen vorher fingen sie an, Brennmaterial herbeizuschaffen. Mit einem kleinen Karren zogen sie Abends nach der Schule — der Unterricht dauert hier täglich, außer am Freitag, bis 5 Uhr — von Haus zu Haus und baten um Beiträge zur Hadlakah. Was wurde da nicht alles zusammengeschleppt! Dürres Holz und Dornen und Stroh, alte Körbe, Stöcke und Latten und was nur immer zum Verbrennen geeignet war. Wie mancher vollbeladene Karren zog'an meinem Fenster vorbei, geschleppt, geschoben und umringt von einem lustigen Schwarm singender und jauchzender Buben. Sicherlich gehören diese Vorarbeiten mit zum Hauptvergnügen einer Hadlakah. Diese selbst wäre ihnen in diesem Jahre fast vereitelt worden, und das kam so: In ihrem Eifer, diesmal eine ganz besonders großartige Hadlakah zu veranstalten, hatten die Kinder des Guten zu viel getan und eine so ungeheure Menge Brennmaterial angehäust, daß die Anwohner des freien Platzes, auf dem alljährlich die Hadlakah stattsindet, diesmal eine Fcuersgesahr für ihre Gebäude befürchteten und das Anzünden verlvehrten. Die Kleinen kämpfen aber hartnäckig um ihr Recht und wollten nicht weichen. Schließlich schickte man zum Rosch-ha-waad, dem Oberhaupt der Kolonie. Der sandte einen „Vertreter der Polizei". Das Brennmaterial wurde besichtigt, ein leichter Wind. festgestellt, und der Befehl erging, daß die ^Hadlakah hier nicht stattfinden dürfe. Aber erst, nachdem er die Namen der Kinder notiert und den Eltern eines jeden, das sich beim Anzündcn beteiligen würde, eine Geldstrafe angedroht hatte, fügten sich die Kinder. Aber, in welcher bitteren Enttäuschung und Niedergeschlagenheit standen die Aermsten da! Es war nicht anders als eine kleine Tragödie. Plötzlich kam Leben und Bewegung in die erstarrte Masse. Ein Junge hatte einen rettenden Gedanken — „von Gott", sagten die andern alle —, er schlug vor, die Hadlakah auf den „Goren" zu verlegen. (Der Goren ist der hochgelegene weit ausgedehnte freie Platz zwischen unserer Kolonie und dem benachbarten Ein-ganim, der Tummelplatz der Jugend, die Promenade der Kolonie am Sabbat-Nachmittag, und wie geschossen für große Veranstaltungen im Freien). Dort war selbst die größte Hadlakah ungefährlich, und niemand von den Großen hatte etwas dagegen einzuwenden. „Auf den Goren! Auf den Goren!", erscholl es laut von allen Seiten. Aber wie sollte nun diese Unmenge Holz so schnell dorthin geschafft werden? Mir schien das Unternehmen unmöglich. Aber ich kannte die hiesigen Kinder noch nicht. Im Nu hatte sich jeder, selbst der kleinste Knirps, mit einem Bündel Reisig und. dgl. beladen, und nun entstand in der Abend-' dämmerung ein geschäftiges Hin- und Herlaufen,, ein Treiben und Hasten sondergleichen. Der Karren wurde lvohl zehnmal hin- und hergefahren, ein Vater lieh einen Esel zum Ziehen, ein andrer mitleidiger Kolonist gab einen großen Leiterwagen her, und nun ging die Arbeit schon rascher von statten. Nach einigen Stunden angestrengter Arbeit, die aber auch unter fröhlichen Liedern und munteren Scherzen vor sich ging, war auch der letzte Rest nach dem Goren gebracht, und endlich, in schon vorgerückter Stunde, kam der große Moment des Anzündens heran. Man goß Petroleum auf den hochgeschichteten Haufen, und bald flammte ein mächtiges Feuer zum Nachthimmel enipor. Inzwischen hatten sich zahlreiche Erwachsene auf deni Goren eingefunden, um an dein Fest der Kinder teilzunehmen und ihr Werk zu bewundern. In weitem Kreise umringten die Kinder und die jungen Burschen den brennenden Holzstoß, man tanzte und sprang um das Feuer, einige beherzte Jungen liefen mitten durch die Glut, andere schwangen sich an langen Stäben darüber hin. Auch ' erzeugte man auf primitive Weise allerlei pyrotechnische Effekte, Blitze, indem man Petroleuni durch brennende Fackeln blies, einen prachtvollen Funkenregen durch kunstgemäßes Aufrühren der verglimmenden Asche und dgl. m. Immer neue Brennstoffe wurden nachgelegt, und stundenlang loderten die Flammen zum Himmel empor. Es war ein phantastischer Anblick, den die vielen dunkeln Gruppen auf der weiten Fläche in der malerischen Beleuchtung des Feuerstoßes boten. Nur schwer trennte ich mich gegen Mitternacht von dem seltsamen Schauspiel, und mehr als einmal wandte ich unterwegs noch den Blick nach rückwärts. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Berlin. Gerüchtweise verlautet, daß Geh. Justizrat B: Timendorfer, der Präsident der deutschen Kvnferenzgemeinschast der Alliance Jsraelite Universelle, und M. A. Klausner, der Geschäftsführer derselben, demissioniert haben. Falls sich die Nachricht bewahrheitet, dürfte dieser Schritt mit dem Bestreben mancher Kreise, die deutsche Abteilung der Aliance von der Mutterorganisation zu trennen und mit den Borwürfen, daß von den 90 000 Mark Jahreseinnahmen in Deutschland zwei Drittel durch die Zeitschrift „Ost und West" und Verwaltungsspesen verschlungen werden, zusammenhängen. Berlin. Justizrat Berthold Timendorfer- Berlin und Jnstizrat Dr. Berthold Geiger- Frankfurt a. M. sind zu Geheimen Jnstizr ä t e n ernannt worden. — In Köslin verschied im 75. Lebensjahre Beruh. Jacob, der langjährige Vorsteher der dortigen jüd. Gemeinde. Breslau. Die dieser Tage verstorbene Frau Paula Heimann, Witwe des Geh. Kommerzienrats und Vorstandsmitglieds der Synagogen - Gemeinde .Heinrich Heimann, war die letzte eines alten jüdischen Hauses, denn ihre Söhne haben sich längst taufen lassen. Würde man eine Statistik aufstellen, von wievielen Vorstandsmitgliedern unserer Großgemeinben sich die Kinder .haben taufen lassen, ich glaube, man würde zu überraschenden Resultaten kommen. Hier liegt ein jüdisches Problem, — doch niemand wagt sich daran. Hamburg An Stelle des verstorbene» Dr. Gotthold wurde Dr. med. Lanzkron in das Delegiertenkollegium des Deutsch- Israelit. Synagogenverbandes gewählt. In dem Berlage von Rudolf Schick & Co., Leipzig (Funkenburgstraße 10) hat Schuldirektor Adolf Lehmann, Leipzig, farbige biblische Wandbilder nach Original-Steinzeichnungen Professor Franz Heim's in der Größe von 70 X100 cm erscheinen lassen. Die Bilder, die — auf Leinwand aufgezogen und mit Stäben versehen — 5 Mark kosten, dürfen, wenn sie alle in der Ausführung dem untenstehenden entsprechen, unseren Religionsschulen als Wandschmuck empfohlen werden. Sollte doch gerade beim biblischen Unterricht der pädagogische Wert der Anschauung mehr berücksichtigt werden! Selbstverständlich wäre jedes einzelne Bild daraufhin zu prüfen, ob es auch genau nach den geschichtlichen Tatsachen der Bibel gezeichnet ist und echt jüdischen Charakter trägt. Wir bringen nebenstehend mit gütiger Erlaubnis des Berlages eine Wiedergabe des Bildes Ro. 1. Hanna und Samuel bei Eli.

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