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Neue jüdische Presse · 1910-06-17 · Heft 23 (17.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 23 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. Leite 5. Art notdürftig ernähren und trotzdem glücklich und zufrieden im Kreise ihrer Familie ihr Leben beschließen? Das sind Märtyrer, die das größte Mitleid und die Sympathie aller edeldenkenden Juden oerdienen. Wo .gäbe es einen Ort auf der ganzen Erde, wo nur auserlesene Menschen sich befinden? Und da sollte man einem ganzen Volke einen Vorwurf daraus inachen wollen, weil auch unter ihnen Auswürse der Menschheit existieren, welche vor keiner Verwerflichkeit znrückschrecken. Gibt cs in anderen Nationen, deren Verhältnisse geregeltere sind, nicht mich Eltern, die ihre Töchter verkaufen, — wenn auch nicht direkt an Mädchenhändler? Jeder ausländische Leser genannten Artikels, welcher galizische Zustände nicht genau kennt, muh den Eindruck gctvinnen, - daß das Verkaufen der Töchter dort zu Lande zu Alltäglichkeiten gehört, und solche Eindrücke lassen sich nicht so leicht verwischen, als sie hervorgcrusen werden. Will man jemandem nützen, müssen auch seine guten Eig.cn sch aften her vor geh oben werden, denn mir mit Demütigungen und Erniedrigung kann man eher das Gegenteil erreichen. Hier kann ich den bekannten Spruch zu erwähnen nicht unterlassen, der ans die Biene angewendet, heißt: „Ich verzichte lieber auf Deinen Honig und will nicht Deinen Stich." Der galizische Jude besitzt eine angeborene Intelligenz, er ist klug, bescheiden, genügsam, heiter und guten Mutes, auf Gott vertrauend und liebt seine Familie über Alles. An der Armut krankt die ganze Nation und der Jude nur mit ihr. Die Judenfrage bleibt so lange unbeantwortet, bis sie als nationale Frage gelöst wird. Erna Löwcnstein. In .einein Städtchen Westpreußens, Br. . . . genannt, hat sich vor kurzem folgendes zugetragen: Ein alter, solider und angesehener Großindustrieller und größter Steuerzahler am Orte ist infolge der rückgängigen Konjunktur iu Zahlungsschwierigkeiten geraten und wurde durch zwei Glaubensgenossen, welche hei einem F-inanzinstitut die ersten Acmter bekleiden, gewaltsam zuin Konkurs gedrängt, obgleich die Aktiva, welche hauptsächlich in Liegenschaften ^.bestehen, um ein Bedeutendes die.Passiva übersteigen. Bei der ersten Gläubiger-Versammlung erschien ein Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, welches ein ausgesprochener Feind des Kridars ist, mit Vollmacht als Vertreter der Synagogen-Gcmeinde, die die rückständigen Geineindesteuern zur Masse angemeldet hatte. In diesem Terniin hat der Herr Vorsteher die ganze Schale seines Hasses gegen den Kridar und dessen Familie ausgegossen, durch Anträge, die er zum Nachteil des Kridars und auch der Masse selbst gestellt hat, aber von den verständigen Vertretern der andern Gläubiger, namentlich Christen, durch Majoritätsbeschluß abgelehnt wurden. Diese Manipulation seitens des Vertreters der jüdischen Gemeinde hat einen solchen Eindruck auf die im Termin anwesenden Gerichtsbeamten und andere christlichen Herren gemacht, daß es dem Judentum im allgemeinen nicht zur Ehre gereicht. Bisher war unter den Christen die Meinung vorherrschend, daß die Juden sich gegenseitig unterstützen. Dieser Fall hat jedoch das Gegenteil bewiesen. Ich sollte meinen, daß Leute dieses Schlages nicht an die Spitze der Gemein d e g e h ö r e n. Ein altes Gemeindcmitglied. Allgemeine Mitteilungen. „Detectiv-Jnstitute". Kein geringerer, als der Geheimrat Professor Dr. Franz von List hatte sich s. Zt. der Frage über die Berechtigung .der Detectiv-Jnstitute angenommen und in einer Vorlesung, welche eigentlich die Frage behandelte, wieweit die moralischen und rechtlichen Pflichten eines Verteidigers gingen, mit Rücksicht auf den Sternbcrgprozeß folgendes gesagt: Der Verteidiger ist der rechtliche Beistand des Beschuldigten, der diesem Zu dem Zwecke gegeben ist, die berechtigten Interessen hes Beschuldigten wahrznnehmen. — Das Gesetz erwartet gerade davon, daß der Verteidiger den einseitigen.Parteistandpunkt mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln vertritt, eine auf andere Weise nicht zu erregende mittelbare Mrderung - der Wahrheitsforschung. — Es wäre dje schlimmste Pflichtverletzung, wenn dev Verteidiger als Gehülfe der Staatsanwaltschaft auftreten würde. >— Mit Rücksicht darauf, daß die Anklagebehörde bedeutende offizielle Mittel hat. um die Beweise für die Schuld eines Angeklagten §u erbringen und verpflichtet ist, diese Mittel, Kriminalpolizei usw., in Anwendung zu bringen, ist der Verteidiger verpflichtet, sich derjenigen privaten Mittel, allerdings auf Kosten seines Mandanten, zu bedienen, welche bekanntlich in der Institution der Privat-Detektiv-Institute bestehen. Es wird unschwer sein, sich hei den Aussichts- WmrfüÄer Jsra'elKWs FÄnAÄnblatt. vehörden diejenigen Büros auswählen zu lassen, welche durch ihr bisheriges, jahrelanges, korrektes Verhalten sich ausgezeichnet haben und welche im wesentlichen ihre Tätigkeit darauf richten, die Wahrheit zu ermitteln und klarzustellen. — In diesem Sinne hat der Begründer der Detektivbranche, ein Herr Caspari-Roth R o f f i, bereits im Jahre 1880 das Aelteste Detektiv-Institut begründet, welches seit 1907 mit dem nächst ältesten des ehemaligen Polizei-Kommissars F. W. Pelzer zusammengelegt worden ist. — Caspari-Roth Rosst ist bekanntlich ca. 20 Jahre lang neben seinem Geschäft Vertrauensmann der politischen Polizei für Auslandssachcn gewesen, und man kann annehnien, daß diese Behörde sich keines Privatmannes bedienen werde, wenn derselbe nicht eine gewisse Autorität in Ermittelungssachen und sozusagen bis auf die Knochen zuverlässig wäre. — Zum Teil auf seine Anregung ist der Betrieb von Detektiv - Büros vom 1. Januar 1900 an von der Erlaubnis der Polizei abhängig gemacht worden. — Anstatt aber den Befähigungsnachweis von denjenigen zu verlangen, welche, sei es als Inhaber von Detektiv- Büros oder als Einzeldetektivs, das Gewerbe treiben wollten, hat man eine Reihe von bürokratischen Vorschriften erlassen, die bei dem eigentlichen Endzweck der Maßregel meilenweit vorbeischießen. — Die Folge davon ist, daß es unter den Inhabern von Privat-Detektiv-Büros Personen giebt, die manifestiert haben .und kein Stück der Äüroeiurichtlmg ihr eigen nennen, andere wieder, 'die ans dem Ermittelungswescn sehr fern liegenden Berufen hervorgegangen sind, während doch die Ausübung des Detcktivgeschästes eine kriminalistische Vorbildung erheischt, welche um so notwendiger ist, als das .Privatdetektivwesen mit .noch mehr Akkuratesse behandelt werden muß, wie die Kriminalangelegenheiten. — Es steht zu hoffen, daß dem Wunsche des Herrn Caspari-Roth Roffi als. Begründer der Branche, dem übrigens alle sachverständigen Kollegen beipflichten, über lang - oder kurz von gesetzgeberischer Weise aus Folge gegeben wird. I. Bad H a r z b u r g, Pension ParkhauS und Dep. Prinzenhof, Besitzer Max Hecht. — Lieber Leser! Du staunst und bewunderst. Welch herrliche Lage mitten in banmreicher Allee! Was für ein wunderbarer Rundblick auf die grünen, schattenreichen Berge des Harzes! Du glaubst kaum, daß Du Dich wirklich in eineni streng koscheren Hotel befindest. Alles aufs komfortabelste und aufs modernste eingerichtet, wie kein christliches Hotel ersten Ranges sich dessen zu schämen brauchte. Und gar erst der Antiquitätensaal! Sollte es wirklich eininal regnen, was Ja bekanntlich nicht ausgeschlossen ist, so ist es ein wahrer Kunstgenuß und eine erhebende Anregung, das gute Wetter in diesem Saal abznwarten. Ein Prachtflügcl findet stets jemanden, der durch die Macht der Töne über die Ungunst des Wetters hinweghilst. Und wie interessant die Gesellschaft. Als ob die gesamte jüdische Geistes- und sonstige Aristokratie Europas sich hier ein Rendezvous gegeben hätte. Und von der weltbekannten, erstklassigen Verpflegung garnicht zu reden. Sie bedarf keiner Erwähnung, sie hat sich ihren Ruf bereits fest begründet. Der liebenswürdige Wirt sorgt in jeder Weise für das leibliche Wohl und die Unterhaltung feiner Gäste. Und trotz aller dieser Vorzüge sind die Preise so mäßig, wie wohl in keinem anderen gleichartigen jüdischen Pensionat. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Segen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. 81., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 71. "TO3 Bad Harzbarg. ~)B? Pension Parkhaus, 53 Salons und Familien-Dependance, Schloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häus-r I. Banges unter Itabbinats- Anfslcht, an schönster 'Waldlage. GeöSnet April bis Oktober. Prospekt gratis. MltX Hecht. Wochen-Kaleu-er. (Zeitangaben nach dem LoadO SamStag, den 18. Juni (— 11. Siwani: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min., in Berlin 9 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: B e h a a l a u s ' ch o. — Die Weihe der Leviten, die, nachdem diese ihr Haar geschoren und ein Opfer dargebracht hatten, durch Ahron selbst geschah. Die Borbereitungszeit für den Dienst währte fünf Jahre, vom 25. bis zum 30. — Der goldene Leuchter soll sieben Lichter tragen, täglich gespeist von reinstem Olivenöl, ein Bild des reinen Gottesgeistes und Thoralichts, das stets in Israels Mitte strahle. — Wer durch einen Unfall verhindert gewesen, am 14. Nissan das Pesachopser zu bringen, der darf zum Ersatz ein solches am 14. Jjar bringen. Auch dieses sogen. Pesach- Scheini muß mit ungesäuerten Broten und bitteren Kräutern genossen werden. — Die Zugsorduung beim Aufbruch des Lagers. Erhob sich die Wolkeusäule, so brach man die Stiftshütte ab. Wo sie sich nieoerließ, stellte man das Stiftszelt wieder auf. Trompetensignale zeigten an, ob sich die ganze Gemeinde oder nur die Fürsten versammeln sollten, oder ob die Stiftshütte aufbrechen soll. Je nachdem stieß man in eine oder zwei Trompeten mit geradem oder schmetterndem Ton. — Das Volk ist mißmutig. Gott bestraft es mit Feuertod. Das Volk murrt, verachtet in seiner Undankbarkeit selbst das köstliche Manna und lobt die egyptischen Zeiten. Moses ist bis zur Verzweiflung empört, verwünscht sich das Leben. Gott gibt ihm 70 Männer zur Mitregierung, darunter Eldad und Medad. Diese, durch besonderen prophetischen Geist ausgezeichnet, weissagen. Das erregt die Eifersucht Josuas, Moses treuen Dieners. Moses beruhigt ihn mit den schönen Worten: „O, wäre doch das .ganze Volk prophetisch nsw." — Das lüsterne Volk stirbt nach dem Genuß von Wachteln. Der Ort ihres Begräbnisses fährt dauernd den Namen „Kiwraus Hataawoh," Gräber der Lüsternheit. — Moses Demut zeigt sich wiederum, als Ahron und Mirjam seine Prophetie geringschätzig beurteilten. Moses, der „bescheidener war, als alle Menschen aus der ganzen Erde", beachtet die Herabsetzung nicht; Gott aber tritt für ihn ein und erklärt ihn für den größten Propheten; rede er doch mit ihm von Mund zu Mund. Mirjam wird mit siebentägigem Aussatz bestraft. Nach ihrer Wiedergenesung zieht das Volk weiter. Offftttbaebtr Druckluft-Hnlaa* Telefon 123. Offanbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchrslnlgun||. Briefkasten. L. B. lieber Dr. Magnes Predigt brachten die größeren Tageszeitungen Amerikas ausführliche Berichte. Die Kernstellen der Predigt waren folgende: „Die reichen Reform-Gemeinden machen wohl äußerlich Eindruck durch die künstlerische Verschönerung und die Ordnung des Gottesdienstes. Kann aber alles dies die Leere und Seichtigkeit des jüdischen Lebens verdecken? Unsere Jugend empfindet keine Freude mehr an ihrem Judentum. Nur als eine Last erscheint es ihnen, da es ihnen im gesellschaftlichen Verkehr Schranken auferlegt. Wenn sie je jüdische Religion oder jüdische Institutionen prüfen, so fragen sie nur in kriecherischer Weise: Ma jaumru Hagojim? Ich sage Euch, was Euere nichtjüdische Umgebung mit Recht von Euch sagt, daß unsere Jugend das Judentum nicht kenntdaß sie in religiöser Beziehung gefallen ist, daß sie ihre Moral verloren hat, daß sie keinen Stolz besitzt, keine Selbstachtung, keinen Ahnenstolz, keine Tradition und keine Hoffnung für ihr Volk und seine Zukunft." „Die Beibehaltung des Status quo bedeutet den allmählichen Verfall. Ein neuer Geist muß Euch bewegen, wenn Ihr leben wollt! Und das Hilfsmittel ist in erster Linie das Studium der Quellen des Judentums, der Thora, der gesamten jüdischen Literatur, der jüdischen Sprache und Geschichte, der Ueberlieferung und Gebräuche, der Gesetze und der jüdischen Ideale. Der bisherige Religionsunterricht der Jugend ist absolut unzureichend, und auch die Alten müssen sich mit Liebe dem Studium widmen. Das alte traditionelle Gebetbuch muß wieder zurückgebracht werden, das durch die Heiden und Hoffnungen und die religiöse Jnbrrmst der zahllosen Geschlechter unserer Ahnen geheiligt ist. Alte Formen und Zeremonien müssen wieder eingeführt werden» wenn sie an sich schön «der kraftvoll, wenn sie uns eine Idee repräsentieren, schließlich, wenn sie nur dazu dienen, unseren Gottesdienst als spezifisch auszuzeichnen." Bereins-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 4Vt Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Rektor B. Falk). Mittwoch. „Montefiore"- Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Versicherung der Privatangestcllten (Ignatz Bergcnthal). Familieinrachrichte«. Sevurle«. Einen Sohn, Herrn Eugen Oppenheimer (Epstein), Frankfurt, Kantstraße 3. Eine Tochter, Herrn Rechtsanw. Kahn (Bach). Zweibrückcn. Einen Sohn, .Herrn Robert Roscnthal (Blany, Nürnberg. Eine Tochter, Herrn S. Bein (Löwenstein), Beelitz. Eine Tochter, Herrn Willy Samson (Friedlaender), Essen. Eine Tochter, Herrn Max Klebe (Silbermann). Eisenach.

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