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Neue jüdische Presse · 1910-06-10 · Heft 22 (10.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 22 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seit» 5. Nr. 22 kennen, daß ich 'damals Ihr Anerbieten annahm, weil ich bestimmt darauf rechnete, in eine solche Lage wie die jetzige ju .kommen, um dann aber durch meine Stellung helfend und rettend eintreten zu können. Durch meine Stellung wollte ich kämpfen, von der Hoffnung beseelt, doch noch als Sieger hervorzügehen. — Doch nun kommt die Ironie des Schicksals und zwingt mich, nicht nur nicht gegen den Feind meines Stammes zu kämpfen, sondern auch noch sein Verbündeter zu werden." „Könnten denn die Juden nicht gewarnt werden?"' fragte der Präfekt, Volkmann gedankenvoll anblickend. „Wozu? Waren sie denn nicht auch das letzte Mal gewarnt? Sie würden ja nur die Qualen vorher kosten, ohne aber, daß sie ihnen erspart bleiben." „Könnten sie nicht fliehen?" ,Mohin? Zu einem andern Koratow?" sprach Volkmann bitter. „Was aber wollen Sie dennoch tun?" „Die Befehle ausführen, die der Herr Gouverneur mir wegen Exzellenz erteilt." — „Und was wären diese?" „Exzellenz für seine Pläne noch gefügiger zu machen." „Volkmann, Sie sind aufgeregt. Lassen Sie die Arbeit für heute." Volkmann verbeugte sich dankend und verließ das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Kunst nn- Literatur. Jahrbuch der I ü d i s ch - L i t e r a r i s ch e n Gesellschaft. VI. 1908 5669. Frankfurt am Main. I. Kaufniann. 1909. 416 24 S. 8°. Das sechste Jahrbuch der J.-L. G. zeichnet sich wie seine Vorgänger durch eine Fülle wertvoller Beiträge aus, welche, unbeschadet ihres wissenschaftlichen Charakters, fließend populär geschrieben, auch jedem Laien zugänglich und interessant, wirklich gelesen werden sollen. Den Ehrenplatz nimmt im „Jahrbuch" die jüdische Geschichte ein. „Aus dem ältesten Protokollbuch der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde in Hamburg" ist betitelt der erste Artikel zur Geschichte der einzigen portugiesisch - jüdischen Gemeinde in Hamburg von I. C. Das Gemeindearchiv ist im Jahre 1842 ein Raub der Flammen geworden, nur ein vom Feuer verschonter Teil des Gemeindebuches liegt in deutscher Uebersetzung ans dem Portugiesischen vor uns. Aber auch dieses Fragment gibt ein lebendiges Bild lvon der inneren Organisation einer Gemeinde, die für Thoraunterricht, Gemeindeleben und Wohltätigkeit vorbildlich gesorgt hat. Ein Blatt aus der neueren-Geschichte der deutschen Juden gibt Herr Leb er mann-Darmstadt in der interessanten Veröffentlichung „Ans der Geschichte der Juden in Hessen am Anfang des XIX. Jahrhunderts". Es handelt sich hier um ein Gutachten über die Juden, das. der hessische Staatsminister Du Bos Du Thil über die Verbesserung des bürgerlichen Zustandes der Juden auf Verlangen der Regierung abgegeben hatte. Mit erstaunlicher Wissensfülle — und Kenntnis der jüdischen Gegenwart und Vergangenheit, um welche ihn die meisten Gemeindevorsteher unserer Zeit beneiden können — beleuchtet Du Thil die damalige traurige Lage der Juden und erklärt die historische Entwicklung dieser Verhältnisse, um in humaner Weise die dringende Notwendigkeit der Mhilfe zU er- . örtern. Er macht dann verschiedene Vorschläge zur Besserung der Lage im Interesse der jüdischen Bevölkerung und des. Staateswelche von seiner Toleranz, staatsmännischen Scharfblick und Vorurteilsfreiheit bezeugen. „Man findet" — schreibt er an einer Stelle — „nur Gesetze wider, nicht für die Juden, und welche Wege, sich ehrlich zu ernähren, sind ihnen noch übrig." Die Herren „mosaischer Konfession" wird es besonders interessieren, in Du Thil ihren „geistigen Vater" zu finden. Er machte näinlich auch den Vorschlag, mit Rücksicht auf die Gesinnung der Menge, den Namen „Jude-- durch „mosaische Religion" zu ersetzen, denn „der große Haufe verbindet mit dem Namen „Jude" einen so verächtlichen Begriff, daß es zur Erreichung anderer Zwecke >schon ratsam ist, ihn außer Gebrauch zu fetzen." -Von tragikomischem Interesse sind die angeführten Bestimmungen über die „Ernennung" zum Schutzjuden, welche noch 1830 Geltung hatten. In den Schutz wurden nur reiche Juden ausgenommen, man mußte ein sicheres Einkommen von 1000—8000 Florin Nachweisen und einen strengeil Eid leisten, das angegebene Vermögen zu besitzen, und im Falle einer Verlobung „ein Attest beibringen, daß die Eltern der Braut die derselben bedungene Ausstattung wirklich zu geben vermögen" und „der Schutzbrief nur gegen geschehene Nachweisung, daß die' Trauung vollzogen und die Ausstattung entrichtet sei, ausgehändigt werden"^ _ , ' In folgender Arbeit schildert Dr. Lö wertst ein-Moßbach die Geschicke der uralten Gemeinde Fürth (Fiurda) und ihrer Rabbiner und Gelehrten in einer Periode, von über 200 Jahre (1607 bis 1830). Interessant find die abgebruckte Huldigungsadresse in Versen der Gemeinde Fürth an FürÜkfuÄer FftaÄMWM FinMMblatt. Moses Montefiore nach seiner Damaskusreise und die Antwort desselben vom Jahre 1840 (beide hebräisch). In „Schulden der Judenschaft in Polen" erörtert Dr. Landesberger -Breslau auf Grund verschiedener Archivdokumente die schwere Schuldenlast, welche die polnische Judeuschaft drückte, und beleuchtet nebenbei das innere Leben und Organisation der polnischen Judenschaft vor 2 Jahrhunderten und die Vierländersynode. Zurück zum Altertum greift K o t t e k - Hamburg in „Gesetz und Ueberlieferung bei den Juden Babyloniens in vortalmudischer Zeit" und versucht, auf Grund Halevys „Dorot Horischonim", festzustellen, daß schon in vortalmudischer Zeit die Kenntnis des Gesetzes und der Ueberlieferung, sowie ihre Befolgung in Babylonien beim Volke verbreitet und fest eingewurzelt ivar, und nicht, tote frühere Forscher behaupten, dort Unkenntnis und Unbefolgung ' des Gesetzes herrschten. Sehr annehmbar ist auch die Erklärung des Umstandes, daß uns nur sehr wenige babylonische Gelehrte bekannt sind, damit, daß sich dort keine Hochschule befand, von welcher ans in streitigen Fragen endgültige Entscheidung für ganz Israel ausgehen konnte, und ihre Gelehrte der Nachwelt größtenteils unbekannt blieben, ebenso wie die Namen der palästinensischen Gelehrten, die in der Periode des zweiten Tempels uns fehlen — nur die „Sugot", die Gelehrtenpaare, die in jedem Zeitalter an der Spitze standen, werden genannt —. Dr. Bond i-Mainz behandelt den „Hohepriester Jochanan" und ist der Meinung, daß wir es nicht mit Johann Hyrkanus, sondern mit Jochauon, dem Sohne Simon des Gerechten, zu tun haben. Zuletzt behandelt Frankl-Halberstadt die „Quellen zur Geschichte der Geonim". Hauptsüchlich kommen in Betracht Jggereth von R. Schrira Gaon, Sefer Hakabala und Tschuwot Hageonim. Literarisch - exegetischen Inhalts sind „Sachliches und Sprachliches aus dem Talmud" von Ehreutr eu-München, eine Reihe feinsinniger Erklärungen mehrerer agadischer Talmudstellen. Ferner „Die Assimilation der Paarworte in der Bibel" von L e w i n-Bern, ein interessanter philologischer Versuch, verschiedene grammatikalische Abweichungen in der Bibel dadurch zu erklären, daß unmittelbar aufeinanderfolgende Worte von einander beeinflußt werde». Einen Beitrag zur Bibelexcgese liefert Bieberfeld-Berlin „Zur Methodologie der talmudischen Exegese über die Beziehungen zwischen „Drusch" und „Pschat" in der talmudischen Bibelerklärung. — Rektor Hoff mann- Berlin in seiner „Einleitung in den Midrasch Tanaim zum Deuteronomium" erörtert die Methode, der er sich bei der Herausgabe seines „Midrasch Tanaim" bedient hat. — Interessant zum richtigen Verständnis vieler Talmudstellen sind die kurzen, aber vielenthaltenden „Beiträge zur Geographie des Landes Babel" von F u u k - Boskowitz. — In „Notizen zu den jüdisch-aramäischen Papyri von Assuan" stellt Epstein-Wien fest, daß die Verträgeformeln, speziell die der Eheverträge, während Jahrtausende dieselben unverändert geblieben sind, was bei der Unabänderlichkeit des Gesetzes auch natürlich ist. Das Jahrbuch schließt mit einer hebräischen' Abteilung, enthaltend „Ein Komnientar über Sefer Hoawoda von R. Josef ben Nechemias" von Bamberg e r - Schönlanke und „Beinerkungen zu Berachot von Maharam", herausgegeben von Prof. S u l z - b ach-Frankfurt. Bern. M. S a ck h e i m - I a r d e n i. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. M. — — »> Gegen Gicht und Bhenmatismns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 71. *1272 Bad Harzburg. “1272 .' Pension Parkhaus, SB Salons' und Familien-Sependance, Soliloss Prinzenhof mit 38 Salons. Streng rituelle Häuser I. Banges unter Itabbiuats- Aufsicht, an' schönster Waldlage. Geöffnet Aprü bis Oktober. Prospekt gratis. Max HCCht. Wochen-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Lnaeh.) SamStag, den 11. Juni (— 4. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min., in Berlin 9 Uhr 30 Min. W'ochenabschnitt: N o s a u. — Die Dienste der Leviten beim Tragen der Stiftshütte, als diese zum Weiterziehen abgebrochen wurde. Das Dienstalter der Leviten ist vom 30. bis zum 50. Lebensjahre bestimmt. — Aussätzige und andere „Unreine" sollen außerhalb des Lagers bleiben. — Wer „Untreue" begeht au den Heiligtümern Gottes, hat Ersatz zu leisten und ein Sühnopfer zu bringen. — Verfahren gegen das treulose Eheweib. — Der „Nasir" oder Enthaltsame. Gott zu Ehren meidet er Weingenuß oder sonstiges berauschendes Getränk, läßt fein Haar frei wachsen und berührt keinen Toten. Das Nasirgelübde kann sich auf Jahre hinaus erstrecken, mindestens aber auf 30 Tage. Wird die Nasirperiode durch Berührung einer Leiche unterbrochen, so verfällt die bereits beobachtete Zeit. Der Nasir schert sich, bringt ein Opfer. Beides auch mit einiger 'Abänderung am Schlüsse der regelrecht verlaufenen Enthaltsamkeitsperiode. (Nach dem Talniud ist ein Nasirgelübde überhaupt nicht löblich!) — Die Pflicht des Priestersegens (Jeworechecho rc., bei uns „Duchcnen" genannt). — Den Schluß der Sidra bildet die Aufzählung der Einweihungsopfer der Stiftshütte. Man liest den 6. Pcrek. S ch e w u a n s. Beginn in Frankfurt: Sonntag Abend. 8 Uhr 20 Min. Schewuaus-Wochenfest wegen der vorangegangenen Zählung von sieben Wochen: Auch- Chag-Hackozir oder Erntefest, weil die Ernte in vollem Schwünge war. Wegen der von neuem Weizenmehl bereiteten zwei Brote, die man als Speiscopser darbrachte, auch „Jaum Habikk u r i m" genannt, d. h. Tag der Erstlingsfrüchte. Im Gebete „Semau - mattan-Tauroseinu" genannt, Zeit unserer Gesetzgebung. Dem Vorlesen vom ersten Tage geht die in chaldäischer Sprache abgefaßte bekannte Introduktion „Akdomus - Millin" voran. Am 2. Tag wird das Buch Ruth gelesen, da die Begebenheit um die Zeit des Schewnaussestes spielt. — Beim Lichtanzünden und Kiddusch (abends!) beider Tage ist „Schehechijonu" zu sprechen. Offtnbacber Druckluft «Anlage Telefon 123. Offonbach 3. H. Telefon 123. (Jnflbertroffene bewährteste TeppiChrsllliSUIlQ. Spenden. Bei der Nationalfonds -Kominission gingen ein: Die Hinterbliebenen des sel. Herrn Jul. Overnzenner 50,— M N. N. 1,- Aus Büchsen: D. Pineas, Ostendstr. 1,52 „ M. L. Ettlinger, Windeckstr. 3,01 „ Herm. Ehrlich, Grünestr. 1,33 „ I. Moranz, Kronprinzenstr. 3,05 „ I. Broch, Kaiserstr. D. Wallach, Grünestr. 4,57 „ 1.21 „ S. I., Grünestr. 3,06 „ M. Goldschmidt, Hegelstr. 1,03 „ P. B., Baumweg -.20 „ Frau Dr. H. Louis Lippstadt, Wolfsgangstr. 19,03 „ Frau Feldmaim, Körnerwiese 5,36 „ W. St.. Rohrbachstr. 2_ David Baracker -.74 „ 46,68 Jk Bei Herrn Jacob Wodowski, Offenbach gingen für den Jüd. Natioualfonds ein: Aus Büchsen: S. Oppenheim 1,50 M. Geschwister Diamant 2.80 „ H. Plaschnick 1,35 „ I. Erbisfeld -60 „ Jntruligator .50 ,, Mitbrot 2.80 „ Baumann -.60 Liwarek 1.—.. Sammlung Oppenheim im Hause Getreide 3,40 „ Beim Vortrag v. 5. Juni gesammelt 3.60 ., 18,15 Jk Beim Franks. Israel. Familienbl. gingen ein: S. H. Goldmann (Wichse) 3,60 JOs Dr. D' 1.— Materialien von Johanna Loeb, Mauerweg. Briefkasten. Dr. Grünhut, Jerusalem. Wir nehmen zur Mitteilung in Nr. 19 unseres Blattes davon Notig, daß Sie nicht an der dortigen neuen Rabbinerschicke unterrichten. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim," 12 Uhr, Hörsaal Friedb. Anlage: Piudim aus dem Machsor von Schewuoth iDr. Joseph Breuer); 4Vi Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Meier Eisemann). Hatchijoh, 5% Uhr, Hermesweg 25/7: Schluß der Diskussion. Sonntag. „Talmud Thora"-Berein, 10 Uhr abends, Hermesweg 25/7: Schewuoslernen. Barmizwohs. Julius, Sohn des Herrrn Herm. Würzburger, Grürnestr. 12, in der Synagoge Börneplatz. Leo, Sohn des Herrn Naftali Loeb, Am Tiergarten 18, in der Synagoge Friedberger Anlage. Familiennachrichte». Gebürte«. Eine Tochter, Herrn Dr. Israel Roos (Cohn), Frankfurt. - ‘

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