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Neue jüdische Presse · 1910-06-03 · Heft 21 (3.6.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 21 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Seite 5. KMfu ckr JsraeMIßW FamAMblatt. Senat, das Zirkular zu bestätigen. Dieser hat sich jedoch geschämt, einen solchen Beschluß zu fassen, und erklärte daher, daß dieses Zirkular keine Bestätigung seitens des Senats verlangt. Das sieht äußerlich etwas schöner aus, heißt aber in Wirklichkeit, daß der Senat die Ausführung des Zirkulars sogar ohne seine Bestätigung gestattet. ,— Das Erscheinen der jüdischen Zeitung „Jewreißkyi Mir" mußte auf Befehl des Stadthauptmanns eingestellt werden. — Bei der Beerdigung der polnischen Schriftstellerin Elise Orjeszko in Grodno widmete auch ein Vertreter der Warschauer jüdischen Gemeinde der Verstorbenen seinen Abschiedsgruß. Ebenso wurde in vielen Synagogen der verstorbenen Künstlerin und Judenfreundin gedacht. — Der Minister des Innern hat 190 jüd. Kaufleuten, die aus Moskau ausgewiesen werden sollten, die Erlaubnis des Wohuungsrechts gegeben. L. K. Warschau. Die Stadt T e r e s p o l (Gouv. Sjedliz) ist zum großen Teil eingeäschert worden. Mehr als 200 jüdische Familien sind brot- und obdachlos geworden. Die Genieinde appellierte an die öffentliche Wohltätigkeit. Es erscheint aber sehr zweifelhaft, ob bei der allgemeinen gedrückten Stimmung die.jüdische öffentliche Meinung in Rußland in der Saison der täglichen Feuerbrünste einem neuen Brandunglück besondere Beachtung schenken wird. Kiew. Dieser Tage fand hier die konstituierende Versammlung einer Gruppe jüdischer Kapitalisten statt, die sich die Aufgabe gestellt hat, in Palästina eine Zuckerfabrik zu gründen. Es wurde ein Komitee gegründet, das' demnächst eine Expedition von sachkundigen Chemikern und Agronomen na.ch Palästina zu entsenden hat. An der Spitze des Unternehmens ' steht der bekannte Kietver Millionär Moses H a l p c r n. Als Motiv für diese Gründung war neben den günstigen tvirtschaftlichen Chancen des Unternehmens auch der Wunsch maßgebend, zur ökonomischen und kulturellen Hebung Palästinas und seiner jüdischen Arbeiter beizntragen. > Radomisel. Verschiedenes. Was dem «Verbände der echten Russen", dieser Großmacht im Zarenreiche, in dem fünfjährigen Zeitraum seines Bestehens schon alles gelungen ist, füllt Bücher aus. Hier nur einige Beispiele des Zweiges seiner Tätigkeit, der schuld an dem materiellen Ruin der Juden ist. In S h i t o ni i r hat der Verband ein ganzes Häuserviertel, in dessen Räumen er alles feilbietet, was es nur gibt, genau wie in einem großen Berliner Warenhause. — In Berdiczeff gibt es ähnliche Geschäfte des Verbandes, aber noch verschärft in ihrer Konkurrenz, denn da hängen Plakate mit der Aufschrift: „Kaust nicht bei den Juden!" Was können nun unsere Krämer anders tun, als zu verhungern. Sie wissen leider zur Genüge, daß es wertlos wäre, gegen die Warenhäuser des Verbandes anzukämpsen, — und so bleibt ihnen nur der Wanderstab. Lehrer I. I. Brau n. G Meton. 0 Auge um Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. lFortsetzung). Mit einem leisen Murmeln, has man sowohl als Dank, wie auch" als Verwünschung hätte ansfassen können, drängelten sie sich wieder aus dem Zimmer. Der Sprecher warf noch einen flehenden Blick zurück, ehe die Tür sich hinter ihm geschlossen, der aber spurlos an Koratow vorübcrging, da er immernoch eifrig mit deni Schreiben beschäftigt war. „Die Leute sind fort, Papa," sprach Alma ernst und traurig. Koratow nickte. „Nicht wahr, Papa, Du. wirst alles aufbieten, um ihnen zu helfen?" Auch jetzt bestand seine Antwort nur in einem Nicken. „Der Mann sagte doch, daß Du. ihnen vor zwei Jahren bestimmt Hilfe in Aussicht gestellt hast," fuhr sie beharrlich fort; „ist sie denn nicht gewährt worden? Mir ist es doch aber so. als ob ich gehört hätte, daß sie aus Petersburg hunderttausend Rubel geschickt hätten?" Koratow fuhr sich mit der Hand. über die Stirn, als wollte er etwas Häßliches wcgwischen; vielleicht geschah es auch, um dem forschenden Blick seiner Tochter zu entgehen. .. ' „Wo denkst Du nur hin, Kind!" war seine . ausweichende Antwort. „Es wurde wohl eine Untersuchung angestellt und viel hin und her geschrieben, zum Schlüsse aber blieb alles beim alten." „Das ist unrecht, grausam!" rief sie mit blitzenden Augen. „Gewiß! Natürlich!" stimmte er ihr gedankenlos bei. „Und das .ist auch gewiß der Grund, daß Du in der letzten Zeit so mißgestimmt warst. Nicht wahr, Papa?" „Ja, ja," war jetzt seine ungehaltene Antwort, uni die unbequeme Fragestellerin endlich los zu werden; „ja, ja, und darum muß ich ans Mittel sinnen, um den Leuten zu helfen." „Hast Du schon ein solches in Aussicht, Papa?" „In Aussicht schon; doch läßt sich der Erfolg nicht im voraus bestimmen. Nichts ist sicher im Leben, mein Kind." „Außer unserer Liebe, Papa. Bei dieser ist jeder Zweifel ausgeschlossen!" Sie küßte ihn mit besonderer Zärtlichkeit und ließ ihn allein. Koratow hatte die letzten Worte gar nicht mehr gehört. Sein Geist war jetzt vollauf mit dem Muschiks beschäftigt; nur daß er jetzt, da er allein war, nicht mehr nötig hatte, die Augen so ängstlich niederzuschlagen, damit das Schuldbewußtsein sich nicht in ihnen widerspiegele. Wenigstens brauchte er nicht mehr mit Alma Versteckens .zu spielen. Sie konnte er wohl mit leeren Redensarten abspeisen, sich selbst aber mußte er eingestehcn, daß er die Muschiks in Wirklichkeit betrogen, in ganz niederträchtiger Weise betrogen und daß ihr Elend erst durch seine Schurkerei so riesengroß geworden war. Es war eine gemeine Lüge, als er Mma sagte, daß seine Vorstellungen beim Ministerium erfolglos waren; denn in Wahrheit erhielt er dainals sofort hunderttausend Rubel geschickt, die er aber — für sich behalten. Von diesem Gelbe hatte er ja auch damals die prachtvollen Grauschimmel gekauft, die seine Frau seit Jahren sich gewünscht hatte. Nur schade, daß die Freude von so kurzer Dauer gewesen war. Durch Almas übermütiges, wildes Selbstkutschieren hatte das eine Pferd schon nach einigen Tagen das Bein gebrochen und mußte bald erschossen werden. Damals schon hatte Koratow darin ein böses Vorzeichen erblickt, und seitdem hatte ihm die Angst förmlich die Kehle zugeschnürt, daß die gefälschten Belege, die er der Regierung eingereicht, noch böse Folgen nach sich ziehen würden. Bei dem Besuche des Präfekten .glaubte er ein wenig freier aufatmen zu können. Glogowskh, sein Jugendfreund, war nicht nur sehr reich, sondern auch ein Günstling des Kaisers und dadurch sehr einflußreich. Bei .passenoer Gelegenheit wollte er sich ihm entdecken und um Hilfe bitten. Allein in' seiner Feigheit fehlte ihm der Mut dazu, und er verschob es von einem Tage zum andern. Seine Hoffnung sank mehr und mehr; der strengrechtliche Standpunkt des Präfekten in Verwaltungs - Angelegenheiten, den er so oft bekundet und — wie es dem Schuldbewußten vorkam — nicht ohne Absicht so oft betont hatte, machte eine freie Aussprache zur Uninöglichkeit. Und nun gar die heutige Deputation mit ihren Konsequenzen! Die Leute waren der Verzweiflung nahe, ihr Elend war groß und konnte nicht länger verheimlicht werden, eine Hungersnot war unausbleiblich, es war kein Gedanke, daß sie die Steuern entrichten sollten. Wie lange noch, und die Kunde davon jwird nach Petersburg dringen; die Behörden werden' Nachfragen halten, die seine Schuld ans Licht bringen werden. Dann. . . Er hatte sich dieses alles schon so oft in seinem Geiste ausgemalt, daß die Schrecken für seine eigene Person sich bereits zur Alltäglichkeit abgestumpft hatten. Doch der Gedanke an das traurige Schicksal seines einzigen Kindes war ihm gräßliche Höllenpein. Wenn er doch bloß einen Ausweg wüßte, um die Katastrophe wenigstens noch hinausznschieben, bis Alma anderweitig versorgt war? Wenn er doch bloß einen Ausweg finden könnte, um die Muschiks zu beschwichtigen, um für ihre verzweifelte Stimmung eine ylblenkung zu schassen? Er dachte lange und ernst nach: plötzlich aber sprang er wie elektrisiert auf. — Ja, das Mittel ist gut. Den Muschiks soll geholfen werden: sie sollen mehr Geld bekommen, als sie je von der Regierung hätten hoffen dürfen. — Das Mittel ist alterprobt und hat sich noch immer gut bewährt. — Die ausländischen Zeitungen werden freilich wieder einige Leitartikel schreiben und über das Unmenschliche in Rußland zetern, — aber an der Tatsache wird dadurch nichts geändert werden. — Und sollte es selbst zu einer Untersuchung kommen, nun, als Gouverneur wird er ja den Vorsitz führe». .— Wer kann es den. Landleuten verargen, wenn sie sich, in ihrer Verzweiflung, gegen diejenigen erheben, die Millionen mühelos znsammenschachern, die in den Städten sich eng miteinander verbinden, um der Landbevölkerung den sauererworbenen Verdienst abzugaunern? XV. Mit hastigen Schritten begab sich Koratow zu dem Präfekten, den er mit Volkmaim bei der Arbeit fand. „Sergi, kannst Du mir fünf Minuten Gehör schenken?" fragte er nach der Begrüßung. „Sogar fünf Stunden, wenn Du willst," lächelte dieser freundlich; „doch warum denn so geschäftsmäßig? Ich wollte Dir ohnedies einen längern Spaziergang Vorschlägen, da können wir ja lange plaudern." „Weil es tatsächlich etwas Geschäftliches ist, das ich mit Dir gern und bald erledigen möchte. Bleiben Sie nur ruhig da, Bolkmann," wendete er sich zu diesem, der Miene machte, diskret das Zimmer zu verlassen. „Ich bin ja absichtlich während der Arbeit hierher gekommen, Hamit auch Sie Gelegenheit haben, Ihre Ansicht zu äußern. Es betrifft ja eine Verwaltungs - Angelegenheit, und da dürfte cs für Sie, als jünger» Beamten, nicht ohne Nutzen sein, sich die Erfahrungen der altern anzueignen." Volkmaim verbeugte sich und nahm wieder seinen Platz ein. ,Dei den Muschiks im hiesigen Distrikt gährt es wieder nicht unbedenklich," leitete Koratow sein Vorhaben ein. „Ja, ich hörte davon, daß. heute eine Deputation bei Dir gewesen ist," bemerkte der Baron init großem Ernst. „Wo fehlt es denn?" „Sie jammern mir wieder den Kopf voll, daß. die Ernte zum Teufel sei, falls sie kein Geld bekommen, uni sich Ackergeräte und allerlei Zeug anzuschaffen. Sie sind dem Verhungern nahe und wollen, daß ich mich für sie bei dem Minister verwende." „Was Du natürlich tun wirst, da es als Gouverneur Deine Pflicht ist." „Das ist leichter gesagt, als getan. Ich habe allerlei Bedenken und sogar triftige Gründe, es nicht zu tun. Erstens bin ich fest überzeugt, daß es erfolglos sein wird; sodann aber müßte ich mich auf einen scharfen Verweis gefaßt machen, daß ich meinen Distrikt nicht besser verwalte. Als ob es die einzige Aufgabe des Gouverneurs sei, sich n>» die Kuhställe und Kartoffelkeller der Bauern zu kümmern." Fortsetzung folgt.) Kaiser Frledrlcls Quelle - Offenbach a. M. —... . Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stabil Frankfurt a. Sk., Stallburgstr. S. Tel. 259 u. 71. NM Bad Harzbnrg. NM Pension Parkhaus, 53 Salons and Familien-Dependance, Schloss Prinzenhof mit 38 Salons» Streng rituelle Häuser I. Banges unter Rabbinats- Aufsicht, an sohönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober« Prospekt gratis. Max HOCM. Deutsches Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- BaI AnfltT. telnngen, Recherchen u. Auskünfte vtvUUl v. 5 jjk an. Gewissenhafte Aus- Instttut führung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizeiu. 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Die andern Stämme lagerten entfernt von der Stiftshütte nach deren vier Seiten geordnet, eine Fahne bei jeder Himmelsrichtung, je drei Stämnie bei einer Fahne. Fahnenführende Stämme waren: Juda, Rüben, Efraim» Dan. Nach der Lagerordnung richtete sich beim Aufbruch des Lagers auch die Zugsordnung. Da der Stamm Levr sich nicht durch die Sünde des goldnen Kalbes verunreinigt hatte, wurde er anstatt der Erstgeborenen mit der Würde des Heiligtumsdienstes betraut. Man liest den 5. Perek. Mittwoch: Rausch-Ehandesch Siwan (stets nur 1 Tag). Offtnbacbcr Druckluft => JTnlagt Telefon 123. Olfanbach 8. 18. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TeppIchrallllffUIig. SCHMIDT aWlECHMANN , Büro-FRANKFURUm. Fabrik^ N5^Mäinzer5tr.80. —, UhP5!r,43.

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