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Neue jüdische Presse · 1910-05-20 · Heft 19 (20.5.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 19 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19. Bedeutungen unterschieben konnte, — -„werben wir wieder von einander gehen, ohne daß unser Lebensstrom sich auch iiur durch die kleinste Welle kräuseln wird. Und da muß ich fragen: Lohnt cs 'sich denn da erst, über korrekte Bewegungen, akkurate Ausdrücke und formvollendetes Mienenspicll das Lehen so schwer zu machen? Sicherlich nicht." Er brach mit einen: scharfen Klang ab und wendete sich weg. Er wollte sehen, wie sie den Gedanken der bald bevorstehenden Trennung aufnchmen, er wollte wissen, ob sein guter Stern an diesem Abend auch die zweite Probe bestehen wird, und seine Spannung war aufs Höchste gestiegen. „Gewiß nicht, Herr Volklnann," wiederholte sie, „falls jeder von uns auS der Erinnerung des andern spurlos verschwinde:: sollte." Nun brauchte er nicht länger zu warten. Blitzschnell drehte er sich 'wieder um. \ „Was soll ich unter den: „Falls" verstehen?" fragte er kühn. „Das muß ich Ihrer eigenen Deutung überlassen," erwiderte sie, das Gesicht so gewendet, daß das Licht aus den: Zi:n:::cr nicht darauf spielen konnte. — „Nein, Komtesse Koratow. Das letzte Wort muß ich Ihnen überlassen." „Und wer soll das erste haben," fragte sic, während ein sonniges Lächeln ihre Züge verklärte. „Ebenfalls Sie," sprach er bedeutungsvoll. „Vergessen Sie nicht :::eine Stellung in: Leben und daß ich das Stichwort von Ihnen erhalten n:::ß." Sie sah ihn ernst an, als wollte sic jede Faser seines Herzens durchforschen. „Ein Stichwort!" sagte sie sinnend. Beide Hände :::it einer lebhaften Bewegung ihn: entgcgenstreckend, fragte sic, abermals lächelnd: „Muß es ein Wort sein? Kann dieses nicht auch genügen, Herr Volkmann?" Ehe sie noch seine Absicht erraten konnte, hatte er sie umfaßt und fest an seine Brust gedrückt. Ueber und über errötend, entzog sie sich ihm schnell und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. Sie blieb jedoch auf halbem Wege stehen und flüsterte unt angstvollen Blicken ihn: zu: „Wir haben aber dabei ganz und gar an Karol vergessen!" — „Ich nicht," beruhigte er sie. „Und ich weiß auch bereits ein Mittel, wie wir seinen Späherblickcn entgehen können, und wenn er hundert Augen hätte: Papier und Feder und ein unbewachter Augenblick!" Kaum ausgesprochen, bereute er doch schon diese Kühnheit und war auf eine Ablehnung gefaßt. Er las ihre Gedanken, und darum entging ihm der Kampf nicht, der in ihrem Innern tobte. Um so größer war sein Triumph, als sie ruhig erwiderte: „Gut. Ich bin mit Ihrem Vorschläge einverstanden. Aber vergessen Sie nicht," fuhr sie ernst warnend fort, „daß es auf den Inhalt der Mitteilungen ankonimen wird, ob überhaupt eine Antwort erfolgt." Das Spiel im Zimmer war jetzt beendet und das überhob Volkmann einer weitern Antwort. Schweigend kehrten sie nach dem Zimmer zurück. Koratow schritt aus seine Tochter zu, und sie zärtlich streichelnd, sprach er: „Nun, Kleine, hast Du Herrn Volkmann genug gelangwcilt. Möchtest Du nicht noch ein wenig Mendelssohn spielen?" »Herzlich gern, Papa. So viel Du nur willst, bis — Du wieder, wie i:::mer einschläfst." Es war eigentlich nichts Befremdliches dabei, daß Vater und Tochter einander liebkosten. Aber Bolkmann hatte sich daran gewöhnt, überall eine Vorbedeutung zu scheu und, ohne daß er wußte warum, schien ihm auch dieser unschuldige Vorgang eine böse Vorbedeutung seines Vorhabens zu sein. — Dieser hinterlistige, feige Mörder, wird, wie jetzt, auch später, an Alma sich klaminern, um seiner Rache zu entgehen, um seinen Lebensplan über den Haufen zu werfen, der jetzt fertig in all feinen Einzelheiten in seinem Geiste sich entwickelt hatte. Gern würde er auch noch Almas entzückendem Spiele gelauscht haben; doch Koratows Anwesenheit veranlaßten ihn, sich mit einigen höflichen Worten zu verabschieden. Er empfand ein rnNviderstehliches Verlangen, allein zu sein, um die befriedigenden, aber auch nervenzerstörenden Ereignisse des heutigen Abends nochmals klar zu überdenken. Eigentlich hat er doch jetzt alle Ursache, mit sich zufrieden zu sein; jetzt hat er ja die unzweifelhafte Gewißheit erlangt, daß er die Macht besaß, mit den Gefühlen dieses Mädchens nach Herzenslust spielen und sie nach jeder Richtung beeinflussen zu können. Und dennoch! War::::: dieses Unbehagen, warum diese Unzufriedenheit? Wäre die Antwort nicht so absurd, .er könnte sagen, — weil ihn: alles so gut gelungen ist, weil er das Mädchen doch für seinen bösen Plan gewonnen. An diesen Gedanken klammerte er sich mit aller Gewalt, als er den dunkeln Korridor durchschritt, der reich an Nischen und Vorsprüngen, für einen Hinterhalt, für einen hinterlistigen Uebersall, wie geschaffen zu sein schien. .Es bemächtigte sich seiner eine trübe Ahnung, daß fortan eine solche dunkele Atmosphäre seine Umgebung bilden, daß Frünkfuckr MaWWW MüMffnblaL er sich in aller Zukunft in einen: solchen düster:: Element wird bewegen müssen, da er sich selbst aus dem Sonnenschein der Wahrheit verbannte. Gewaltsam mußte er einen Schmerzensruf unterdrücken, der sich aus seiner Brust entringen wollte. Großer Gott, was war nur mit ihn: geschehen? Wodurch war er nur plötzlich in einen solchen Zwiespalt mit sich selbst geraten? — Doch, nein! Kein Zagen, kein Schwanken! Ang' um Aug', und Zahn um Zahn! Ihr Vater für seinen Vater und für seine Mutter ... Er hielt plötzlich inne; ein krampfhaftes Beben zog ihm das Herz zusammen, daß er zu ersticken glaubte. Er biß sich heftig ldie Lippe», daß sie blutetem .Bald aber überwand er diese.Schwäche, und seine Züge nahmen wieder die eisige und eiserne Starre an. Nein! Keine Rücksicht, keine Schonung! .Was er sich vorgenommcn, das wird ec durchführen. — Er hätte es auch gar nicht anders vermocht, wenigstens jetzt nicht; denn ein strenger Mahner war ihn: nahe: Malka stand plötzlich vor ihm. „Ich habe Niman Deine Botschaft überbracht," sagte sie einfach. „Welche Botschaft?" „Daß Du bei der Arbeit bist, daß Du aber noch keine Zeit . . . ." „Ja, ja; schon gut," schnitt er ihr die Weiterrede ab. Warum war er aber auch so vorschnell :::it dieser Botschaft an Niman gewesen? Hätte er doch nur noch einen einzigen Tag gewartet, wer weiß, ob er ihm da nicht eine ganz andere Botschaft hätte zukommen lassen müssen. „Ich danke Dir," sprach er noch kurz und wollte wcitcrgehcn. „Möchtest Du nicht auch wissen, >vas Niman sagte?" Ihre Stiuune war nicht mehr so ruhig wie vorhin. „Und was sagte er?" „Er ist einverstanden und will warten, bis die rechte Zeit gekommen ist." „Ich danke Dir nochmals," war wiederum alles, was er ihr sagte. ) „Du hast eine feine Art, zu danken..." „Ich weiß es, Malka, daß ich ungezogen bin, aber ich bin wirklich sehr müde. Hast Du mir noch etwas zu sagen?" „Sehr viel!" sprach sie herausfordernd. Er blieb wie angewurzelt stehen. Ihm entging nicht das Drohende in ihrer Sti:nme, und er durfte sie nicht zum Aeußersicn treiben. „Na, laß hören," crn:ntigte er sie, mit erzwungener Freundlichkeit. „Der Dragoner-Offizier sagte mir, baß Du in die Komtesse sehr stark verliebt bist." „Dann hat er gelogen!" rief er mit einer Heftigkeit, die ihn selbst überraschte. „Dann -machte er mir noch das Anerbieten, mit ihn: nach Petersburg zu reisen," fuhr sie scheinbar gleichmütig fort, ohne seine Entrüstung bemerken zu wollen. Ihr Gleichmut stachelte ihn noch mehr auf; aber er war froh, bei einer andern und nicht hei seiner eigenen Angelegenheit sich Lust machen zu dürfen. Er ft:hr sie barsch an:!. „Hast Du Dich damals mit der Schneiderscheere nur bewaffnet, um jetzt mit einem Offizier nach Petersburg zu gehen?" „Wer sagt Dir denn, daß ich mit ihm gehen werde?" Er sah das Wetterleuchten in ihren Augen, :md es wurde ihm ganz unheimlich dabei. „Meine größte Sehnsucht ist cs," fuhr sie leidenschaftlich fort, „nur :::it Dir zu gehe»! Und nur, wenn Mu nicht willst, dann — dann —" „Malka!" unterbrach er sie schnell. „Nur keine Drohung jetzt! Du darfst nicht glauben . . . ." Auch er vollendete nicht. Ihm fiel es noch zur.rechten Zeit ein, welch gefährliches Material Malka sei; daß er sie sehr, sehr behutsam behandeln muß, wenn er nicht eine Katastrophe herbeiführen will. Er zwang sich zur Ruhe und fuhr beschwichtigend fort: „Ich kann jetzt unmöglich bestimmen und darüber entscheiden. Ich habe noch keinerlei Pläne für die Zukunft gemacht." „Es ist sehr freundlich von Dir» mir nicht die ganze Hoffnung zu rauben." Ehe er es verhindern konnte, hatte sie seine Hand :nit Leidenschaft erfaßt, die ..sie mit heißen Küssen bedeckte. Bald war sie verschwunden. Als Volkmann sein Zimmer betrat, beherrschte ihn nur' der Gedanke, der ihn gar nicht zur Ruhe kommen ließ: Karols niederträchtige Lüge, über sein Verhältnis, zu Alma! — War es aber wirklich eine Lüge? _(Fortsetzung folgt.)_ Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. —— Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Franhfnrt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 71. NV2 Bad Harzbarg. "M: Pension Parkhaus, 53 Salons nnd Familffen-Depentlance, Schloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häuser r. Banges unter Babbinats- Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober. Prospekt gratis. MOX Hecht. Seite 5. Deutsches Beobachtungen pr. St. 1 Mk. ErmitpfppfITTtelnngen, Recherchen n. Auskünfte llvtvUlIf v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ana- Wp Institut führung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizein. Kriminal- — reuLL— beamte gesichert. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem hu ach.} SamStag, den 21. Mai (= 12. Ijar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 llhr 10 Min., in Berlin 8 Uhr 57 Min. _ Wochenabschnitt: Behar. — Alle sieben Jahre soll ein sogenanntes „Brachjahc" sein. Weder Feld noch Weinberg darf bestellt werden. 'Nur das „Wildgewachsene" ist einzuheimsen. Dieser „Sabbat der Erde" im siebten Jahre lehrt wie der wöchentliche Ruhetag die Anerkennung Gottes als Herrn der Welt und Eigentümer aller Güter! Nach einem Zyklus .von sieben Brachjahren folgt das fünfzigste als Sabbatjahr, sodaß sowohl im 49. als im darauffolgenden Jahre die Feldarbeit ruht. Außerdem fällt km fünfzigsten Jahr aller veräußerter Grundbesitz wieder zurück an die betr. Familie nnd den betr. Stamm. Knechte können „frei ausgehen"» was übrigens auch in jedem siebten Jahre mitunter geschieht. Geldschuld verfällt. Diese soziale Gesetzesbestimmung schließt im jüd. Staat eine ungesunde Verschiebung des Besitzes, blendenden Reichtum auf der einen und drückende Armut auf der anderen Seite von vornherein aus, ebenso menschenentwürdigende Leibeigenschaft. Man liest den 3. Perek. * Am Freitag (27. Mai) ist „Lag - boome r", d. h. der 33. Tag im Omer. Man betet kein Tachanun. Haarabnehmen an diesem Tag wieder erlaubt. — Bedeutung: In den Tagen Rabbi Akibas wütete zur Qmerzeit eine schreckliche Pefk unter dessen Schülern; verödet und leer stand das Lehrhaus. Am 33. Omertage hörte das Sterben auf. Deshalb heute noch als Schülerfest begangen. Man reguliert die Kinder mit Leckerbissen (.Holetsch"), auch deshalb schon, um sie zum gewissenhaften Omerzählen anzuspornen. Offtnbaebtr Drucfcluft* Anlage Telefon 123. Offanbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TapplchPalnlDUlIff. Familiexnachrichte». Geburten. Eine Tochter, Herrn Robert Aron (Cohn), Frankfurt. Einen Sohn, Herrn Siegfr. Scegall (Laboschin), Wongrowitz. Eine Tochter, Herrn Fritz Sondheimer (Ettlinger), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Z. Ai. Hackenbroch (Schwarzschild), Frankfurt. verlobte. Berta Hochschild, Frankfurt, Kettenhofweg 113 — Alfred Philippsohn, Frankfurt, Feldbergstr. 14. Jenny Wolf, Niederstetten — Samuel Jacobowitz, Stuttgart. Laura Reiß, Mkngolshcim — Ludwig Hainebach, Seligenstadt. Claire Bodenheimer, Heidelberg — Albert Rüben, Cöln. Lina Heil, Dieburg — Ludwig Levy, Frankfurt. Trude Düring, Hannover — Dr. jur. Otto Cohen, Bochum. Rose Lehmann, Soest — Dagobert Bondm Elberfeld. Helene Sandheim, Gera — Bernhard Apelbanm, Berlin. Hertha Areus, Danzig — Dr. jur. Siegbert Auerbach, Bromberg. Bianca Freund — Max Hayum, Köln. Gerta Davidsohn, Charlottenburg — Edmund Ephraim, Hamburg. Betty Borchardt, Königsberg — Willy Dienstag, Beelitz. Clara Jsaac, Solingen — Siegfr. Simon, Linz an: Rhein. Käthe Reinheimer, Frankfurt, Am Schwimmbad 9 — Theodor Dewald, Wörrstadt. Else Loewenstein, Gensungen — Willy Sundheimer, Frankfurt, Oederweg p. Lilli Wassermann, Stuttgart — Ludwig Weil, Düsseldorf. Guste Rothschild — Richard Rosenberg, Köln. SterbefBle. Tlbraham Rothschild, 9V I., Schlangenbad. Samuel Thalheimer, 79 I., Würzburg. Kathinka Stern geb. Oppenheimer, 52 I., Frankfurt, Seilerstr. 30. Moritz Gebert, 90 I., Berlin. Benno Kristeller, 76 I., Berlin. Heinrich Levi, Mainz. Johanna Seckbach geb. Friedberg, 83 I., Frankfurt, Börneplatz 8. Moses Schwab, 72 I.; Frankfurt, Sandweg 46.

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