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Neue jüdische Presse · 1910-05-20 · Heft 19 (20.5.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 19 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 siedelte er nach Petersburg über,!vo er bis zu seinem Tode lebte. Passowcr war ein ausgezeichneter Verteidiger, ein glänzender Redner. Er trat Besonders in Zivilprozessen hervor. Weit über die Grenzen 'Rußlands hinaus war ec berühmt. In den größten und bedeutendsten Zivilprozesscn wurde ihm die Verteidigung anvertraut. Aber Passower war nicht nur Advokat, Passowcr war auch ein bewußter Jude. Er stand an der Spitze der jüdischen Abordnung, die anläßlich der Pogrome im Jahre 1881 vor Alexander III. erschien. Wenn er nur selten bei 'Anklagen gegen die Inden seine Stimme zur Verteidignng der Ehre seines Volkes erhob, so ist es sicher, wie ein Redner am Grabe des Verstorbenen trefflich bemerkte, nur dadurch zu erklären, daß Passowcr die Anklagen gegen sein Volk als Anklagen gegen sich selbst ansah, und kein Advokat verteidigt sich vor Gericht, wenn gegen ihn selber Anklagen erhoben werden. L. K. Grodno (Rußland). Elise v. Orjeszko, geb. PawlowSka, die bedeutendste polnische Schriftstellerin ist, 68 Jahre alt, g e st v r b c n. Sie hat gern und mit Verständnis das Leben in -er jüdischen Gasse geschildert. Schznzin (Gouv. Lomza, Rußland). Im 77. Lebensjahre verschied Frau Z. L. S ch ö n b e r g , die wohlhabendste Frau unserer Gemeinde. Sie war eine sehr wohltätige Frau; so speisten jeden Montag und Donnerstag etwa 12 Bachnrim der Jeschiwah bei ihr. Konstantinopel. Großrabbiner Nah um wird auf seiner R c i f c n a ch Palästina von M crz - l i a h, dem Deputierten von Smyrna, und Jakob M o d i a n o, dem Präsidenten der Saloniker Gemeinde, begleitet werden. — Unter den neuen in die Leibgarde des Sultan eingestellten Rekruten befinden sich zahlreiche Juden. Dies ist ein bedeutsames Ereignis, da die Türken selbst bei der Frage der persönlichen Sicherung des Padischahs die Religivnsnnterschicde beseitigen. Jaffa (Palästina). Direktor Hubert Auhagen, der iin plus trage der deutschen Regierung bereits vor 3 Jahren hier weilte und unter den Publikationen des Kaiserlichen Auswärtigen Amtes in Berlin die gediegene Studie über die landwirtschaftlichen Verhältnisse Syriens und Palästina veröffentlicht hat, ist nun zum zweitenmal hier eiugetrvsfc». Er beabsichtigt, einige agronomische Probleme, insbesondere den Einfluß des Taufalls auf einige palästinensische Kulturen zu studieren. Aus der Lehrerwett. Berlin. Dem 28. Berichte der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums entnehmen wir folgendes: . Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Svmmerscmester 12, im Wintersemester 10. von denen etwa 3/i Reichsdeutsche waren. Unter den ausländischen Hörern waren Iviederum Amerikaner und Engländer, die seit jeher gerade die Lehranstalt zur Erweiterung und Vertiefung ihrer jüdisch-wissenschaftlichen Kenntnisse ausgesucht haben. Ohne das Zeugnis der Reise waren 10 Hospitanten zngelassen, darunter 3 Damen, sowie 1 Lehrer. Für ein größeres Publikum war auch in dem letzten Wintersemester eine Abcndvorlesnng eingerichtet — Herr Dr. Elbogcn las einmal wöchentlich über „Judentum und Urchristentum". Von den Hörern, die im Berichtsjahre ihr Rabbinatsexamen bestanden hatten, wurde ein Teil sofort in ein Rabbinat berufen; ein ehemaliger Hörer wurde als Dozent in das ncngegründcte Dropsie College in Philadelphia gezogen. — Die Bibliothek der Lehranstalt hat durch Geschenke und durch Kauf reichen Zuwachs erfahren; sie ist zwar i» erster Linie für die Hörer der Anstalt bestimmt, steht aber in vollem Umfange allen jüdischen Gelehrten, auch den außerhalb Berlins wohnenden, zur Verfügung. — Das Vermögen der Anstalt wuchs von 750 000 auf 763 000 JL, die Anzahl der Einzelinitglieder stieg von 536 aus 715. Von den in den altherkömmlichen Montags- Vorlesungen zu Gunsten des Stipendienfonds der Anstalt gehaltenen Vorträge sind die des Geheimen Rcgicrungsrates Professor Hermann Cohen aus Marburg über: „Innere Bczichnngc» der Kantischen Philosophie zum Judentum" und die des anierkanischen Austanschprofessors an der Berliner Universität Professor Dr. George F. Moore über: „Die Eigenart der hebräischen Geschichtsschreibung im alttestamentlichcn Zeitalter" deni Bericht beigegcben. Karlsruhe. Die Generalversammlung der israelitischen Religionslehrer Badens fand in Baden-Baden statt und ivnrde von T h a l m a n n - Wertheim geleitet. F r i e d m a u n - tzockcnhcim hielt einen Vortrag über: „Die soziale und rechtliche Stellung des israelitischen R e l i g i v n s l e h r e r s." Redner betonte in diesem Thema, daß die Stellung des jüdischen Lehrers, trotzdem diese in Baden durch die vom Großen Oberrate getroffenen Verordnungen eine, gesicherte sei, sich noch heben müsse, und zwar auch noch durch eine bessere Bezahlung. Rosenberger-Sinsheim las von seinem Thema: „Der Unterricht in der nach¬ Frankfurier JsraÄMsches FamilienNatt. biblischen Geschichte" nur die aufgestellten These» vor, die allgemeinen Beifall fanden. Hiernach wurde bei Wahl des Vorstandes der Gesamtvorstand per Akklamation wiedergcwählt. Am Schluß hielt noch S c l i g m a n n - Müllhcim einen kurzen, aber interessanten Vortrag über: „Förderung der israelitschen Jugend zur Handfertigkeit und zur l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n B e t ä t i g n n g." Ems. Der Vorstand des K u r a s y l s für Lehrerinnen beschloß, nicht allein Lehrerinnen und Erzieherinnen, sondern auch sonst wenig bemittelte Damen, die einen liberalen Berns — Medizin, Gesang, Musik nsw. — ausüben, ohne Unterschied d e r K o n s c s s i o n n n d R a t i o n Auf-- nahme zu gewähren. Dieser Beschluß ivnrde mit Rücksicht darauf gefaßt, daß der Besuch des Heims seitens der Lehrerinnen in den Monaten M a i und September nicht zahlreich genug ist. Es wird nur der Pensionspreis mit JL 3.— bezahlt. Alles andere ist frei. Wegen Verbilligung der Reise, der Kurtaxe und der Kurmittel hat man sich direkt an die Kgl. Kurkommission zu wenden. Die Gesuche um Anfnahmc sind unter Beifügung eines ärztlichen Ältestes, daß Tuberkulose ausgeschlossen ist, an den Vorsitzenden Dr. med. Aronsohn zu richten. Köln a. Rh. Das plötzliche Hinscheiden des Herrn M. Goldsch inidt, Lehrers der Religivnsschule und Vorstandsmitglieds der Chcwrah Gemilus Chassodim, erregt allgemeine lebhafte Teilnahme, denn ein prächtiger Mensch ging mit ihm dahin. Ludwigshasen. Die Jahresversammlung der israelit. Lehrer und Kantoren der Pfalz faßte folgende Resolution: ,Aie am 5. Mai zu Ludwigshasen versammelten Mitglieder der Freien Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz erkennen eine Revision des Juden cd iktes vom 10. Juni 1813 in Verbindung mit der G r ü n dnng einer Z c n t r alias s e im Interesse der israelitischen Kultnsgemcinden und der israelitischen Lehrer und Kantoren als unbedingt notwendig an. Die Versammlung beauftragt den Ausschuß, mit der Vorstcindschast des israelitischen Lehrervcreins in Bayern in Verbindung zu treten und gemeinsam mit demselben die geeigneten Schritte zu nnternchmen." ReckarbischofSheim. Unser langjähriger Lehrer und Kantor N a t h a n Nieder m a n n wurde znm großen Leide der gkinzeii Gemeinde aus dieser Welt abbcrufen. Eiir schivcrcs Leiden hatte ihn vor einem halben Jahre mitten aus seiner Tätigkeit heraus aufs Krankenlager geworfen, und wenn es Manchmal ihm auch wieder zu gelingen schien, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen, so >var die Besscrnng nur eine scheinbare. , Mit ihm ist ein bescheidener, friedliebender! Manu, der über 21 Jahre treu und gewissenhaft seines Amtes in unserer Gemeinde gewaltet hat, ins Grab gesunken. Erft 18 Jahre alt, ist er heimgegangeu, fast seine ganze Lebeirsarbeit gehörte der.hiesigen Gemeinde, er war nur kurze Zeit vor seinem Hierhcrkvmmen Lehrer in Oberscemen. Ein Schüler des Würzburger Seminars, hatte er dessen Traditionen nicht vergessen, in Lehre und Leben war er, das muß heutzutage besonders betont werden, ein Bekenner des traditionellen Jndentums. Nie wird sein Gedächtnis erlöschen bei allen denen, die ihn gekannt haben. (I,.) Posen. Am 16. Mai fand hier die 22. I a h r c s v c r s a m m l n n g des Vereins j n d. L e h r c r in d e n O st p r o v i n z e n statt, der gegenwärtig 52 Mitglieder zählt. Die Referate ..Der Borbetcr in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" (Schiveitzer - Glogau, H.'imann - Bromberg) und „Die Bedeutung der Bibel für die religiössittliche Bildung der Jugend" (Eohn-Wreschcn) ernteten lebhaften Beifall. Lemberg. Am 2. und 3. Mai fand hier die 5. G e n e r a l v e r s a m m l u n g des H e b r ä i - scheu L c h r e r v e r b a n d c s Galiziens statt. ES wurde u. ä. der Beschluß gefaßt, einen Verlag für Herausgabe hebräischer Schulbücher zu gründen. Ans ver zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Wie uns Herr Professor Wehl, der Vorsitzende der Misrachi-OrtSgruppe, zu unserm Bericht über die 'Generalversammlung dieser Ortsgruppe mitteilt, bestanden Differenzen nur in der technischen Formnliernng eines Antrages, über das Verhältnis der Miscachi-Ortsgrnppe zur Zionist. Ortsgruppe herrschte aber im wesentlichen fast vollständige Einstimmigkeit.*) Frankfurt a. M. Der Grupvenverbands» tag der z i o n. Ortsgruppen Hessens und Hessen-Nassaus war sehr gut besucht. *) Durch die bedeutend schärfere Tonart des Herrn Stern gegenüber der des Herrn Professor Wehl, eine Tonart, die, wenn ~ sie die ausschlaggebende sein würde, unseres Erachtens zu einer reinlicheic Scheidung führen müßte, mußte jeder Uneingeweihte in der Versammlung den Eindruck gewinnen, daß zwischen Herrn Stern und Herr» Professor Weyl auch sachliche Differenzen bestehen. Die Redaktion. Seite 11. Parteisekretär B l u nr e u s e l d - Berlin verbreitete sich über die Nengestaltnng der Grnppenverbände. Die Zentrale wolle in Sacheir der Agitation ausschließlich mit den Grnppenverbänden korrespondieren. Jeder Gruppcnverband müsse im Jahre iniudestcus dreimal Gruppcuverbandstagc abhaltcn, an denen jede Ortsgruppe Bericht erstattet. Die Leitung des GruppenvcrbandS habe ii^ci. eine Büchcrzcntrale zu unterhalten und die Sammeltätigkeit für Paläftinazwecke zu konzentrieren. Die straffe Organisation sei notwendig, damit es z. B. nicht Vorkommen könne, daß der Verbleib des größten Teils der NationatfvndSbüchsen nicht zu eruieren ist, wie es in Deutschland geschah. In einem zweiten Referate führte sodann Herr B l n m e n f e t d folgendes aus: Der deutsche Westen ist schuld daran, daß die „Zion. Vereinigung für Deutschland" in den letzten Jahren nicht vorwürtSgekommcn ist. Der Zionismus bedarf Leute, die wirklich von der Idee ergriffen sind, denen der moralische Wert des Zionismus voll und ganz bewußt ist. Die Zentrale hat es daher als ihre vornehmste Aufgabe ins Auge gefaßt, die .deutschen Zionisten zu erziehen. Sie korrespondiert daher heute mit jedem einzelnen -Zionisten, besonders mit den zerstreut wohnenden Gesinnungsgenossen, die 5 Mark Jahresbeitrag an sie zahlen. Sie hat mit dieser Neuerung bereits außerordentlich günstige Erfolge erzielt. Den Referaten schloß sich eine Debatte an, in der n. iv. folgende -Herren sprachen: Dr. G o t t l i c b (der Vorsitzende), Raphael und Gabor Strauß- Heidelberg, Fritz Sondh e i in e r , S a l y Geis, Bär- Karlsruhe, K a r l R v s e n h e i m e r, Dr. i c g f r. S ch >v a r z - s ch i l d, I. L. G o i t e i n , Isidor Hirsch, Dr. Dannenberg-Metz und Dr. I. Fenchtw äuge r. Als geschäftsführender Ausschuß des Gruppenvcrbandes wurden gewählt: Dr. Gott lieb (Vorsitzender), Georg F r e u d c n st e i n, M a r t i n L c v i g a r d, Leopold Perlmutter und Fritz Selka. Karlsbad. Im Restaurant Kirsch (Ege, straffe) finden jeden Mittwoch 'Abend 8 Uhr zionistische Versammlungen statt. Ans den Vereinen. Kisfingen. Der Verein „K u r h o s p i z für a r m e I s r a e l i t e n" verausgabte 1900 an 75 Personen in Summa 2823 JL Er vereinnahmte an Mitgliedsbciträgen und Spenden 7872 JL und an Zinsen 1110 JL Das Vermögen beträgt 26000 JL Es ist die Eriverbnng eines Bauplatzes, um ans diesem später das Hospiz zu errichten, in Aussicht genommen. Konstantinopel. Das Gesuch des jüngst unter großer Beteiligung gegründeten hebräische» Sprachvereins „I iv r i a", für seine rein kulturellen Portrüge die Synagoge herzngeben, wurde vom Großrabbincr N a h n m mit der Begründung, daß „hinter der Maske der Propagierung des Hebräische» eine andere Propaganda verborgen sein könne", abgelehnt und an den Mischlisch verwiesen. Spenden. Bei der N a t i o n a l f o n d s - K o m m i j > i o n gingen ein: Dr. med. Wvlf, Obertshausen 20,— JL Sammlung, anläßlich des Gruppen Verbandstag 11,56 „ Folgende gratulieren Herrn Fritz Sondheimer n. Frau anläßlich der Geburt ihrer Tochter David Hamburger (statt Telegramm) — ,50 „ Bertram Kern, .Wiesbaden (statt Telegc.) —,30 „ Martin Levkgard (statt Telegramm) —,50 „ Karl Rosenheimer (statt Telegramm) — ,50 „ Ans Büchsen gingen ein: Hotel Ullmann 2,35 „ Ä. Leivisohn 1,— „ F. sö. spendet anl. der silbernen Hochzeit * von Herrn und Frau A. Leivisohn auf deren Namen 1 Oelbaum 6— „ 18,71 JL Bnnte Chronik. Bj ö r n s o n üb e r d e n Z i o n i s m n s. Auf eine im Jahre 1800 von dem zionistischen Zcntralorgan „Die Welt" an eine Anzahl bedeutender Männer gerichtete Rundfrage, antwortete als erster Björnson und zwar wie folgt: „Ich verfolge die Beivegnng mit dem größten Interesse, ich erwarte das 'Allerbeste davon für die Juden wie für uns alle. Denn, daß ein Volk durch die Früchte seiner Arbeit den heimatlichen Boden nach 2000jähriger Abwesenheit zurückzugewinnen sucht, das zählt unter die g r ö ß t e n moralischen Impulse aller Zeiten."

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