Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 18 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Leite 5. scheu Unternehmungen der HandelSvereinigung vcrluenbet, läßt sich von außen nicht beurteilen. Jedenfalls scheint das in starkem Maße der Fall zu sein; so wurde erst dieser Tage gemeldet, daß sich die D. P.-B. die Majorität der Kuxe der Gewerkschaft Alwine gesichert habe. Tatsache ist auch, daß sich in den letzten Jahren mit dem wachsenden Kapital der Umfang des Unternehmens wesentlich erweitert hat." Die Franks. Ztg., die wir, ohne Herrn Trietsch zu nahe treten zn wollen, in Handelssachen für kompetent halten, vermag also nicht zn erkennen, wie weit die Erhöhung des Umsatzes der D. P.-B. ans dem palästinensischen Geschäft herrührt. Als Tatsache bleibt lediglich der größere Umfang des Unternehmens infolge der größeren Kapitalien bestehen. Und dies sollten wir uns gesagt sein lassen und dafür sorgen, daß wir die Position unserer Anglo--Palestine Co. durch Absatz von Shares mindestens ebenso stark machen, wie die der Deutschen Palästina - Bank. Der Share-Klub. I. A.: Karl Rosenheimer, O leuÜMon. 0 Auge tun Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). xrn. Während die beiden Ehepaare bei dem üblichen Kartenspiele saßen, konnte Alma ein lautes Gähnen der Langweile nicht unterdrücken. Ihr Vater hatte es bemerkt, und da er den ganzen Abend schon gute Karten bekam, war er sehr gut gelaunt und rief ihr darum scherzend zn: „Geh nach der Veranda, Alma; dort kannst Du die Sterne zählen. Das ist ein interessanter Zeitvertricb für junge Mädchen." Der Baron stimmte ihm heiter lächelnd bei und fügte noch hinzu: „Bolkmann hat nur noch zlvei Briefe zu schreiben, und schließlich wird Karol wohl auch bald wieder zum Vorschein kommen." „Seid nur unbesorgt nieinetlvegen. Schließlich kann ich das Sternenzählen auch ganz allein fertig bringen." Bolkmann, der eben das Zimmer unbemerkt betreten und Almas letzte Bemerkung gehört hatte, blieb einen Augenblick auf der Schwelle stehen. Er wollte warten, bis Alma sich nach der Veranda begeben, ehe er ihr dahin folgte, um ihr auf diese Weise den Rückweg abzuschneiden. Ihr Benehmen ihm gegenüber in den letzten Tagen ließ ihn dieses vermuten. Alma wurde ihm immer unbegreiflicher und ihr ganzes Gebahren immer rätselhafter. Damals, iin Sommerhause, da glaubte er, einen bleibenden Eindruck auf sie geinacht zu haben, und er war froh, dadurch seinem Ziele einen Schritt näher zu sein; seit damals aber war er auch nicht einen Zoll weiter gekommen. Im Gegenteil, er konnte es sich nicht verhehlen, daß sie mit auffallender Aengstlichkeit beinüht war. ihm auszuweichen. Ja, sic ging oft so weit, seine Anwesenheit vollständig zu ignorieren. Dieses erfüllte ihn aber mit großer Besorgnis. Wie, wenn sie diese Kälte noch weiter beibehielt? Ueber eins war er sich klar geworden, sie war nicht die Puppe, für die er sie anfänglich gehalten; sie hatte schon oft unzählige Beweise von der Kraft ihres Scharfsinnes gegeben. Ein einziger Monat war daher keine genügende Frist, um über einen solchen Charakter den Sieg davonzutragen. Wie nun, wenn ihr Mißtrauen dennoch durch irgend etwas wachgerufen ist? Er durfte keine Zeit verlieren, um sich Gewißheit, zu verschaffen. . Er gab sich einen energischen Ruck und trat mit festest Schritten zu ihr hin. Sie stand da über eine Blumenvase gebeugt und hatte sein Ko'mmen überhört. Sie fuhr daher leicht zusammen, Es er sie begrüßte, und schickte sich an, nach dem Zimmer zurückzukehren. Jhre-Micke begegneten sich aber und — sie blieb. Beide bemühten sich, Gleichgültigkeit zur Schau zn tragen. „So ganz allein, Komtesse," begann er die Unterhaltung in leichtem Tone. „Wo mag nur Ihr Vetter hingeraten sein?" „Bis jetzt hat er es, noch nicht für angebracht gefunden, mir über sein Tun und Lassen Rechenschaft abzulegen. Doch wenn es Sie besonders interessiert, so steht es Ihnen natürlich frei, ihn selbst zu fragen." „Offen gestanden, Komtesse, interessiert es mick ganz und gar nicht. Seine momentane Abwesenheit ist für mich nur insofern von Bedeutung, als ich dadurch wieder einmal Gelegenheit habe, ungestört mit Ihnen plaudern zu können." Sie warf ihm einen sprühenden Blick zu und schwieg. ’; ‘ „Wenn ich mich recht erinnere, sind es fast zwei Wochen, seitdem ich diesen Vorzug genossen." „Ich bin noch nicht überzeugt, daß dieses einen wirklichen Berlnst für Sie bedeutet. In jedem Falle FraUkfurker jUraEsthM FämMEnblatt. tut es mir leid, daß verschiedene Abhaltungen die Schuld daran tragen." „Etwa die Anwesenheit der Näherin?" warf er sarkastisch ein. „Gewiß. Es war für mich eine günstige Gelegenheit, meine Handarbeitfertigkeit wieder anfzufrischen." „Sicherlich aus demselben Grunde wie damals iin Gartenhaus das Französische, mit Rücksicht auf das Schulgeld Ihres Herrn Vaters." „Sie dürfen glauben und annehmen, was Ihnen beliebt, Herr Volkmann," sagte sie gelassen. Er merkte jetzt, daß dieser Scherz übel aufgenonlinen wurde, llnr seine Verlegenheit zu verbergen, sprach er unvermittelt: „Das Kartenspiel scheint Sie nicht besonders zn interessieren; vielleicht aber interessiert es Sie, zn erfahren, daß ich im Billardspiel große Fortschritte gemacht habe. Mein Ansehen ist dadurch in den Augen Ihres Herrn Vetters gewaltig gestiegen." „Ich habe es durch einen andern Umstand bereits erfahren, daß mein Vetter Sic sehr, sehr hoch achtet." „Hat er es Ihnen etwa selbst gesagt," war seine überraschte Frage. „Er hat es mir nicht gesagt; aber ich weiß es, daß er Ihnen das größte Kompliment machte, das ein Mann dem andern mache» kann." „Sie gefallen sich in Rätseln, Komtesse." Sie blickte sich vorsichtig nach allen Seiten um und sprach dann mit fester Stinrme: „Er hat es Ihnen ja damals im Walde gezeigt, daß für Sie beide nicht Raum genug 'vorhanden ist in dieser Welt." Er wich einen Schritt zurück; doch sic winkte ihn durch eine 'Handbewegung wieder näher zn sich heran. „Ich weiß alles, Herr Bolkmann. Ich hatte schon von Anfang an einen leisen Verdacht, daß sich etwas Besonders im Walde ereignet haben muß. Ihr Bericht stimmte nicht überein mit dem meine» Vetters. Durch meine zufällige Anwesenheit in der Apotheke am Tage nach dem „Unfall" ist mein Verdacht zur Gewißheit geworden." „Dabei begreife ich immer noch nicht, warum Sie mich für die Torheit Ihres Vetters büßen lassen, indem Sie mir absichtlich ans dem Wege gehen."— „Weil ich meinem Vetter keinen Anlaß zn weitern „Torheiten", wie Sie es nennen, geben möchte. Vielleicht haben Sie es bemerkt, daß ich, ungewollt, das Vergnügen habe, seine Aufmerksanikeit erregt zu haben." Volkmann nickte sck)weigend. „Er glaubt sich berechtigt, ein gleiches Interesse für seine Person auch meinerseits voraussetzen zu dürfen, und in dieser irrigen Annahme dürfte er 51t allem fähig sein, wenn sich der Erfüllung seiner Wünsche ein Hindernis entgegenstellen sollte." Sie schauerte leicht zusammen und fuhr dann schnell fort: „Der Gedanke, jemand in der Verloandtschaft zu haben, der seine Hand mit Menschenblut besudelt, könnte mich rasend machen, wäre für mich gräßlich, unerträglich! —" Er beugte sich zu ihr nieder und sprach langsam und deutlich, als wollte er ihr jedes Wort noch besonders einprägen: „Wenn ich aber doch entschlossen wäre, im Bewußtsein eines höher», heiligen Zieles, auch ferner de» „Torheiten" Ihres Vetters mich ausznsetzen, könnte dieses Sie geneigt machen, Ihre bisherige Kälte gegen mich fallen zu lassen?" „Nein! Auch dann nicht!" war ihre entschiedene Antwort. Sein Schreck wurde durch seine Ungläubigkeit ein wenig gemildert. „Ist es vollständig ausgeschossen, daß Sie Ihre Ansicht ändern werden, Fräulein Koratow?" „Vollständig. Ich werde überhaupt nicht mehr daran denken. „Sollte ich auch das Recht verwirkt haben, Ihre Gründe dafür zu erfahren?" rief er, erregt durch ihre Beharrlichkeit., „Weil jede Freundschaft zwischen Ihnen und mir ' ganz unmoglichr ckst. ,Spll id) noch, . mehr sagen, Herr Bolkmann?^; „Dnrchaus^icht- Ihr Wort genügt mirvollständig. Und nun, habe ich die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen." Er verbeugte sich leicht und tat, als ob er sie verlassen wollte. Sein Herz schlug daher zum Zerspringen. Er wußte, daß der'ncichste Augenblick die Entscheidung bringen mußte. Er wußte, daß er jetzt alles aufs Spiel gesetzt. Er sah ihr in die Augen und-gewann. „Bitte, bleiben Sie," hörte er wie einen leise» Hauch von ihren Lippen. Er stellte sich kalt rmd wollte anscheinend ihre Unentschlossenheit nicht bemerken. „Ich weiß es, daß ich Ihnen durch mein Benehmen das Recht gebe, mich für ein launisches Weib zu halten. Unglücklicherweise blieb mir kein anderer Ausweg, wenn ich nicht als Narr in Ihren Augen dastehen wollte." „Sie gebrauchen, starke Ausdrücke," bemerkte er etwas freundlicher. “ „Sie sollen es selbst beurteilen, ob diese berechtigt sind. Sie erinnern sich vielleicht noch. was ich Ihnen damals iin GartenhSuSchen von Eindrücken gesagt, die Sie zu machen scheineir. Ich gab mir redliche Mühe, meine damalige Ansicht als Scherz aufzusassen; aber es war alles vergeblich Ich konnte jene unglückselige Empfindung nicht los werden. Sie haben es wohl bemerkt, daß ich in den letzten Tagen nicht viel zn Ihnen gesprochen; aber — verzeihen Sie die Offenheit — Sie haben es nicht bemerkt, daß ich Sie viel beobachtet habe." „Und Ihre Folgerung?" fragte er gespannt- „Ihr Benehmen in diesem Hanse gleicht einem beständigen, wachsamen Lauern und Anspassen, es ist ein „arriere — pense". — Sie sehen, ich suche inein Französisch ein wenig zu lüften. Bor wenigen Minuten erst sprachen Sie — allerdings ■ mit ausgesuchter Höflichkeit — doch in unverkennbarer gehässiger Weise von den Pflichten, die ich meinem Vater schulde. Und als ich vorhin meinen Abscheu gegen jemand zum Ausdruck brachte, der seine Hände mit Menichenblnt besudelt, — da war es ein bösartiges Lächeln, das sich auf Ihre Lippen gedrängt.Soll ich fortfahre», Herr Volkmann?" ,Hch bitte darum. Es wäre mir lieb, alle meine Sünden zn erfahren," erwiderte er mit scheinbarer Ruhe, cisensest entschlossen, seine innere Erregung nicht dnrchschimmern zn lassen. (Fortsetzung folgt.) flkalser fYleorlcn yueiie - Offenbach s. M. — — Gegen Gicht and Bhenmatiamna bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedriol» Stahlt Frankfurt a. M., Stallbnrgatr. 9. Tel. 259 n. 71. “IE73 Bad Harzburg. 1273 Pension Parkhau*, 53 Salons und Families-Dependance, Schloss Prinaenhof mit 38 Salons» Streng rituelle Häuser I. Ranges unter Rabbinats- Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober. Prospekt gratis. MaX HoCht- Deutsches letecüvlu.lilut Frankfurt a. M. Nene Zell öS, 1. -Tel. U301.- Beobachtungen pr. St 1 Mk. Ermittelungen, Recherchen n. Auskünfte v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ausführung n. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizein. Kriminalbeamte gesichert Wocheu-Kalender. ({JCBongaoen nad) oem Lasch.) SamStag, den 14. Mai (= 5. Ijar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr — Min., in Berlin 8 Uhr 43 Min. Wochenabschnitt: Emaur. — Priester-Gesetze. Der gewöhnliche Priester darf sich an sieben der nächsten Verwandten „verunreinigen", d. h. sie als Leichen berühren. Der Hohepriester darf dies selbst an den nahen Verwandten nicht. Nur ein jungfräuliches Mädchen darf letzterer ehelichen, nicht eine Witwe. Keinerlei Körperverletzung wegen eines Toten machen. Lehre daraus: Israels Priester stehen nicht unter dem Bann eines „Totenkultus", sie gehören voll und ganz dem Leben an! .— Leibesfehler (am Auge, Fuß, an der Hand usw.) werden aufgezählt, welche den Priester zum Dienste untauglich machen. Auch „Tumo" oder „Unreinheit" schließt vom Genuß heiliger Opsergaben aus. Kein Nicht-Priester genieße heilige Heben und ' Gäben, ausgenommen des Priesters Frau, Kinder und Knechte; jedoch auch diese unter gewissen Umständen nicht. — Leibesfehler an Tieren, die diese von der Verwendung als Opfer ausschließen. Neugeborenes darf erst nach achttägigem Alter geopfert werden. — Abhandlungen über sämtliche Hauptfeste: Namen, Bedeutung, Datum des Festes, Festopfer (Kap. 23). Dieser Abschnitt ist Borlesungskompendium an verschiedenen Feiertagen. —^Dergoldne Leuchter, der mit reinem Olivenöl täglich.gespeist werden sollte, ein Symbol des rein strahlenden Thorageistes in Israel; der galdne Tisch mit den 12 Schäubroten, in, 2 Schichten ä 6 geordnet^ alljabbatlich enHuärt^^.dies Weihe auch des irlibyschen Genusses-darstellend. — Zum Schluß die Geschichte eines' Gotteslästerers, der zur Strafe für sein Vergehen gesteinigt wurde, nachdem Moses hierüber Gott besonders gefragt hatte. Mau liest den 2. Perek. Montag und Donnerstag der nächsten Woche und Montag der nachnächsten Woche: Taanis scheut chamischi scheut. Halbsasttage. Beim Morgengottesdienst werden bei der lauten Wiederholung der Schmono-Esrei „Selichaus" eingeschaltet. Doppelter Grund: 1. wegen der Sünden, die wir an den länger andauernden Festen getan haben könnten, besonders durch Entweihung der Chaul-hamauedtage. (Daher diese Fasttage auch nicht nach dem Schownausfeste, bas nux 2 Tage währt.) 2. wegen der Krankheiten, besonders Kinderkrankheiten, die gewöhnlich in den Uebergangsjahreszeiten häusiger auftreten. (Herbst und Frühling.) ffifenbacbtr Druckluft-Anlage Telefon 123. Offünbach M. M. Telefon 123. j Unübertroffene bewährteste TapplehralnlffUIlff.