Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 17 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 17. was noch vorher als lächerlich galt, wird plötzlich heilig. Womit diese Erscheinung zu erklären ist, kann hier nicht auseinandergesctzt werden. Aber, daß sie vorhanden ist, wird man nicht bestreiten können. Und ein drastisches Beispiel für diese Erscheinung ist der Artikel des Herrn Max Speier über Perez. Würde Herr Max Speier das logische Denken auch bei diesem Thema anwenden, er würde zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sein. Er würde nämlich aus den Schilderungen der Nachtseiten im jüd. Leben des Ostens durch Perez gelernt haben, daß die a n o r m a l e L a g e unseres Volkes schon so furchtbar geworden ist, daß sie der jüdischen Sittlichkeit und G e s i n n u n g s r e i n h e i t gefährlich 3 u w e rden beginnt. Bcn Amidai. Personalien. Berlin. Dr. Moritz Licht, Schwiegersohn des jetzt hier wohnenden Philosophen Prof. Dr. Ludwig Stein, wurde zum besoldeten Stadt rat in Schöneberg gewählt. Köln a. Rh. An Stelle des verstorbenen Amtsgerichtsrats Hugo Fleck wurde Landrichter Koppel in den Vorstand der Synagogen-Gemeindc gewählt. Breslau. Im 82. Lebensjahr verschied der Stadtälteste Fedor Pringsheiin. Er war lange Jahre unbesoldeter Stadtrat und Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemcinde. Kommissionsrat Sch. Schlesinger, Ehrenbürger der Stadt Trachenberg, verschied im 92. Lebensjahre. . . Hardhelm (Baden). Nach längerem, schweren, in Geduld ertragenem Leiden, verschied dahier ain ö. Nissan Kaufmann Abraham U r s p r i n g c r. Durch jeinen Heimgang verliert die isr. Gemeinde eines ihrer besten Gemeindemitglieder; die politische und ganze Umgegend eine allgeniei» beliebte Persönlichkeit. Ein beredtes Zeugnis dieser Beliebtheit gab die Teilnahme während der Krankheit, sowie das große Trauergeleite aus allen Schichten der Bevölkerung. 'Der Entschlafene war mehr als 3 Dezennien Synagogenrat, 10 Jahre Synagogenvorsteher, 30 Jahre Vorstand der Chewra Kadischa, viele Jahre beim Bürgerausschnß in der politischen Gemeinde. Nach bestem Wissen und Können hat Herr Urspringer diese Vertrauens- und Ehrenposten verwaltet; die Erstellung mancher nützlichen Gemeinde-Institutionen wurden während seiner Amtierung ausgeführt. Rücksichtlich des Frühlingsfreudennionats mußte von einem eigentlichen Hesped Abstand genommen . werden. Bezirks rabü. Dr. Löwen st ein.- Mosbachs Schwager, und JosefWürzburger -Rappenau, Neffe des Verstorbenen, sowie Lehrer E. Wertheimer gedachten im Trauerhause in entsprechendem Rahmen der Vorzüge des Heimgegangenen. E. W. Wien. Hofrat Dr. Leopold Oser, Vorsitzender des Niederösterr. Lmidessanitätsrates, Direktor des Spitals der Israel. Kultusgemeinde usw., feiert demnächst sein 25 j ä h r i g e s Pro s c s q s orenjub iläum. Wien. Baron Rothschild hatzurErinneiung an seinen im Jahre 1909 plötzlich verstorbenen Sohn 100 000. Krönen für hervorragende astronomische Arbeiten gestiftet. Budapest. Bernhard Munkacsy, der jüdische Schulinspektor Pests, wurde zum korrespondierenden Mitglied der ungarischen Akademie gewählt. — An der Universität wütet ein wilder Kampf, der sich gegen die Person des Historikers M a r c z a l i richtet. Trotzdem sich tausende 'Universitätshörer für den beliebten Meister einsetzten und mit dem jus talionis das Treiben des „akademischen Huligaus" vergolten haben, ist es doch den „geschwärzten.- Hunderten" gelungen, die Vorlesungen des Universitätsprofessors» der sein Judentum nie verleugnen wollte, zu verhindern! Z i o ii i. Zürich Rechtsanwalt Dr. David Farbstein ist mit großer Mehrheit in den Stadtrat wiedergewählt worden. New-Aork. Der Philanthrop Schiff hat für die Hansbibliothek des in Berlin geplanten amerikanisch e n Instituts 25 000 Dollars gestiftet. Ans der Lehrerwett. Fulda. An die Stelle des in den Ruhestand versetzten Lehrers Spiro tritt Lehrer Möller aus Lübeck. Metz. Oberrabbiner Dr. Netter erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. (L) Posen. Kantor Josef Feld mann an der Synagoge des Vereins der Wohltätigen Freunde ist als zweiter Kantor nach Dresden berufen worden. Der Hilfslehrer der städt. Knaben- und Mittelschule Stern begeht am 6. Mai sein 25jähriges Amtsjub i l ä nm. Reitze. Kantor Nathan Kempner tritt am 1. Mai nach 38jähriger Tätigkeit in den R u h c - st a u d. New-Aork. Louis Marshall u. Geschwister spendeten 20 000 Dollars für das I ü d. - T h e 0 - logische Seminar. Ans den Vereinen. t. Metz. Der Klub junger jüdischer Mädchen durfte vor kurzem auf eine einjährige Tätigkeit zurückblicken. Gegründet wurde er März 1909 auf Veranlassung der Lothringen-Loge (im Ul. O. B. B.), an deren Spitze der die jüdische Jugendvereins - Bewegung fördernde Oberrabbincr Dr. Netter steht, zu dem Zwecke, jüdische junge Mädchen jeden Standes zu guten Jüdinnen mit vielseitiger Bildung zu erziehen. Dem Klub, dessen Leitung Frl. Irma Schiff und einem Komitee von 10 Damen anvertraut war, gehören 50 junge Mädchen an, denen Vorträge auf allen Gebieten gehalten wurden. Hauptsächlich zu erwähnen sind folgende Vorträge: Dr. Bruno Weil über „Lohcngrin" mit Erläuterungen am Klavier und über „Tristansagen", Gerichtsassessor Loeb über „Ethik des Judentums" und „Die Frau im modernen Rechtsleben", Referendar Julius David über „Jüdisches Wollen" und „Zionismus" und Referendar Kahn-Köln über „Das Wollen der jüdischen Jugendvereinc". Ferner wurden Unterhaltungsabende, musikalische Abende und gemütliche Teeabende veranstaltet. Nach diesem erfolgreichen einjährigen Bestehen des Klubs hat Frau Schweizer, an der Spitze eines aus 20 Damen bestehenden Komitees, die Leitung des Vereins übernommen. Die Klubränme werden von der Lothringen - Loge bereitwilligst zur Verfügung gestelltdie auch den Verein .ständig in materieller Beziehmig unterstützt. Bunte Chronik. Wissenschaft und Handwerk. Von Dr. med. Ratner-Wiesbaden. Bei uns Juden ist in wissenschaftlichen Dingen nie nach dem Stand gefragt worden. „Beachtet sorgfältig die Kinder der Armen, denn ■ aus diesen gehen Leuchten der Lehre hervor", sagen unsere Waisen. Ter Tanaite Rabbi Jochanan wird „Hasandlcr" — der Schuster — nnumwenden bezeichnet. Rabbi Jehöschnah war Köhler oder Schnncd — Pachim. — Der große Hillel, dessen Bescheidenheit und Güte vielfach gerühmt wird, war Lohnarbeiter. Er verdiente täglich ein „Tcrpzek," gab die Hälfte davon dem Torwächter des Lehrhauses, während er die andere Hälfte für seine und seiner Familie Ernährung verwandte. In viel späterer Zeit war es nicht anders. Rabbi Salomon Loria, unter der Abbreviatur „Marschal" bekannt, soll zu.feinem Nachfolger einen armen Schnapskrämer bestimmt haben, weil er zufällig von der eminenten Gelehrsamkeit dieses bescheidenen Mannes sich zu überzeugen Gelegenheit gehabt hatte. Der Talmudgewaltige Reb Löb Schaagath-Arjeh, nachmals Oberrabbincr voy Lothringen, war in seiner Heimat Polen so bettelarm, daß er seine bahnbrechenden Werke nur auf Pavierschnitzel schreiben konnte, die sein Nachbar, ein' Buchbinder, vor die Türe fegte. Und mit diesem Schnitzetwerk debütierte er in Metz — und Ivard zum Oberhaupt einstimmig gewählt. Auch bei der Wahl des Hohepriesters wurde nicht auf Wohlhabenheit gesehen. War er arm, aber würdig, dann mußten ihn seine Priesterkollcgen beschenken, damit er auch hierin der „Größte unter seinen Brüdern" wäre. Diese und ähnliche Tatsachen zeugen laut davon, daß im Judentume die Plutokratie in ernsten, wissenschaftlichen Dingen nicht ausschlaggebend war. „Liebe die Arbeit und verabscheue die Herrschsucht," heißt cs in den Sprüchen der Väter! Spende«. Bei der Geschäftsstelle gingen für den Nationalfouds ein: Frau Sarah Goldflam anläßlich der Verlobung von Max Goldflanr 2,— Jt. Verlorene Wette Gilwan 1,— „ I. M. 0,40 „ Telegramm. Kiew. Die Ausweisungen sind in. letzter Minute inhibiert worden. St 0 - l y p i n hat sie auf ein Jahr verschoben. Bereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor-Chajim", 12 Uhr, Hörsaal Friedbcrger Anlage: Vorlesung aus „Sefer Schcmuel" (Prof. Weyl); 41/4 Uhr, Schützeustraße 2: Mikro-Vortrag (Max Meyer). Eisscliränke mit Luftzirkulation System „Hinrich“ Patent in Deutschland und Ausland. Trocken, Geruchlos'und Eisersparnis. Rituell für Milch und Fleisch eingerichtet. Höchste Auszeichnungen. Feinste Referenzen. ’ Alleinige Fabrikanten Kersting & Mayer, Höchst a. M. 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