Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 „Nun, Herr. Brummbär," sprach Alma, als Karol eine ganze Weile ^schweigend neben ihr herging. ..Die Damen kaben den Bortritt. Ich warte, bis Du den Anfang machst," sprach er mürrisch. „Was erwartest Du von mir?" fragte sie scharf. „Daß Du mich aufforderst. Euch zu begleiten." „Das hatte doch Mama schon getan, und Dn lehntest es ab." „Wenn Du es tust, werde ich es nicht ablehnen." „Ich will Dir offen gestehen, es war nicht meine Absicht." Mit einem Zoruruf wendete er sich von ihr. Sie aber hob beschwichtigend ihren Arm, und er verstummte. „Bitte, vielgeliebter Vetter, fasse die Sache nicht allzutragisch auf. Dn weißt doch, daß solche Einkäufe einen wesentlichen Bestandteil, ein großes Ereignis im Leben der Frauen bilden; aber es ist sehr peinlich, einen Alaun neben sich zu haben, der hinter einem höflichen, aber gelangwcilten Lächeln ein ungeduldiges Fluchen verbirgt. Das macht einen ganz nervös, und die ganze Freude wird einem dadurch verstört." „Sehr klug gesprochen, Kousiuchen," spöttelte er; „ich finde, daß Du in den letzten Tagen sehr klug geworden bist." „Seit wann hast Dn cs denn herausgefunden?" „Eigentlich erst seit heute, als Du mich zur Fähre schicken wolltest, damit ich Dir nicht im Wege bin." Ohne ein Wort zu sprechen, wendete sie sich von ihm und ließ ihn allein stehen. Er war bald wieder an ihrer Seite. „Ich kenne natürlich auch den Grund, tvarum Dn meine jetztige Begleitung ablehnst," bcharrte er weiter in seinen Vorwürfen; „weil Volkmann auch nicht dabei ist." Sie blickte ihn mit weitgeöffnetcn Augen erstaunt an. „Wäre er mitgekommen, dann wärst Dn freilich gezwungen, auch meine Begleitung zu dulden, um keine unliebsamen Bemerkungen .herauszufordern. Da er also nicht kann, so darf ich auch nicht," schloß er schadenfroh. Ihre Antwort bestand darin, daß sie ihre Schritte beschleunigte, um die andern einzuholen und das Alleinsein mit Karol abzubrechen. Doch zur rechten Zeit ergriff er ihren Arm und hielt sie fest. „Nein, fortlaufen darsst Dn mir nicht," sprach er hämisch; „wenigstens nicht eher, bis ich Dir alles gesagt habe. Siehst Du, Kousiuchen, trotz Deiner Superklugheit warst Du doch etwas ungeschickt zu Werke gegangen. Du hättest Dein Interesse für Volkmann etwas besser unter Verschluß halten sollen. — — llebrigcns, sage mir bloß, Alma," er versuchte einen moralischen Ton anzuschlagen, „was ist aus Deinem Mädchenstolz geworden, wenn Dn Dich mit einem solchen Menschen auf gleicher Stufe stellst? Ich weiß auch gar nicht, wie ein solcher hergelaufener Federfuchser sich für einen Edelmann halten kann und sich init uns an demselben Tisch setzen darf? Für Dich, Alma, scheint er allerdings noch gut genug zu sein! — — Schämen solltest Du Dich, Du, eine Komtesse Koratvw!" Mit einem energischen Ruck hatte sie ihren Arm befreit und sprach ganz gelassen: „Bist Du jetzt fertig?" „Ja, wenn Du versprichst . . . ." „Dann verbiete ich Dir, noch ein weiteres Wort zu mir zu sprechen." Er sah sie wie ein begossener Pudel an. Das hatte ec nicht erwartet. „Aber nein," besann sie sich wieder; „so weit will ich cs doch nicht treiben, da es ein Gefrage veranlassen könnte, und daun wäre ich ja gezwungen, Deine Dummheit, Deine Beleidigungen zu erzählen. Doch merke es Dir, sollte sich dieses tviederholen, dann allerdings, 'werde ich Mama bitten. Deinen Besuch abzukürzen." Jetzt kam seine feige Natur zum Vorschein, und er mußte. ein paarmal nach Luft schnappen, ehe er wieder sprechen konnte. „Aber, Alma, sei doch nicht gleich so aufgebracht," jammerte er demütig. „Auf Ehre und Gewissen, ich wollte Dich gar nicht beleidigen! Oder, glaubst Au, daß es mir Vergnügen macht, so unfreundlich zu Dir sprechen zu müßcn? Du weißt ganz gut, daß ich lieber sterben, als Dir Ivehtun könnte. Nun aber, sei wieder gut, Alma." Sie nickte schweigend, ohne ein Wort zu sprechen. „Die ersten drei oder vier Tage nach meiner Ankunft," fuhr er lveiter sort, „da >var es Karol hinten und Karol vorn; hin und wieder durfte ich Dir sogar auch einen Kuß geben. Jetzt aber hast Dn für mich die Parole ausgegeben: „Drei Schritt vom Leibe!" „Ich habe Dich heute noch genau so gern als Vetter, wie sonst," entnüchterte sie ihn mit ihrer Erwiderung; „aber Dil kannst in Zukunft mein Wohlwollen Dir nur erhalten, wenir Du zwei Bedingungen erfüllst." „Tausend, wenn Du befiehlst," rief er mit Extase, Frankfurker JfrarMWes Farnilirnblatt. „Also erstens," sie zögerte eine halbe Sekunde, „erstens darfst Dn nie mehr so gehässig von Herrn Volkmann sprechen. Abgesehen von allem andern, ist er unser Gast, und alle müssen wir nett und freundlich zu ihn: sein." ..Gewiß, gewiß," widersprach er sich in seiner kriechenden Unterwürfigkeit; „er ist ja auch ein ganz netter Mensch." „Und zweitens," fuhr sie unbeirrt fort, während ein feines Lächeln ihre Lippen umspielte, „zweitens darfst Du nie mehr von Deiner Liebe zu mir sprechen." Ganz bestürzt trat er einen Schritt zurück. „Ich soll Dir nie mehr von meiner Liebe sprechen! — Ich denke doch. . . ." „Du sollst 'auch gar nicht denken, — das macht Dich ganz häßlich. — Ah, da sind tvir ja schon am Wasser." Wie ein Fisch auf dem Sande, so klappte auch Karol seinen Mund auf und zu, ohne einen Laut hervorbringen zu können. Aber das hinderte ihn doch nicht, gerade das 31t tun, was sie ihm soeben verboten: zu denken! Und, merkwürdig, es ist gar nicht wahr, daß das Denken häßlich macht. Im Gegenteil, je länger er dachte, desto fröhlicher und leichter wurde sein Gemüt, und jemehr seine Gedanken zu einer festen Gestalt sich formten, desto lustiger und behaglicher wurde ihm zu Mute. Als alle bei der Fähre zusammen waren, betrachtete er Volkmann mit einer Entschlossenheit, wie er sich eine solche nie zugetraut hätte. Inzwischen lehnte Niman trotzig und knechtisch zugleich auf seiner Ruderstange, bis seine erlauchten Gäste eingestiegcu waren. Volkmann wußte nicht, ob Niman ihn überhaupt bemerkt hatte, da er seine Blicke verstohlen und anhaltend auf das nahe Gebüsch am Ufer gerichtet hielt. Wen mag er nur erwarten? Volkmann folgte seinem Blicke, und er sah Malka aus dem Gebüsch hervorkommen und auf Frau Koratow zuschreiten. Bolknianns Unbehagen nahm zu. „Gnädigste Frau Gräfin!" flehte Malka, ein Bild bebender Unterwürfigkeit in ihrer ganzen Gestalt. Die Gräfin raffte eilig ihre Kleider zusammen, als scheue sie sich, etwas Unreines zu berühren. „Hinweg mit Dir!" rief sie barsch. „Mit uns kannst Du nicht zusammen fahren; Du mußt warten, bis der Kahn zurückkommt!" „Ich will ja gar nicht mitfahren. — Ich bin eine arme Näherin nnd möchte um etwas Arbeit bitten." „Und darum mußt Dir mir hier auflauern? Eine solche Unverschämtheit! Warum kommst D» denn nicht ins Schloß?" Malka stand da, ein Bild stummer Verzweiflung. „Ich habe cs schon oft versucht: aber ich habe kein Geld, um den Diener zu bestechen." „Ist das aber eine vorlaute Person! Was meinst Du, Adele? Na, was hast Du denn dort?" wendete sie sich wieder zu Malka, ans das Päckchen in ihrer Hand deutend. „Einige Proben meiner Handarbeit. Wollen Eure Hoheit es nicht wenigstens einmal mischen?" Ohne eine Antwort erst abzuwarten, hatten ihre flinke» Hände schon die Hüllen entfernt. „Wie diese Menschen einen quälen," sprach die Gräfin resigniert. „Hoffentlich sind die Sachen sauber." Alma war näher getreten, um die Arbeit ebenfalls in Augenschein zu nehmen. „Haben Sie wirklich dieses selbst gemacht?" fragte' sie erstaunt. Malka nickte bloß, dem Mädchen einen mißtraurischen Blick zuwerfend. „Wunderbar!" rief Alma begeistert, „llnd noch dazu bei dem groben Stoff, den das arme Geschöpf verwenden mußte. Sie scheint wirklich eine Künstlerin zn sein." „Ja, sehr hübsch," sprach auch Frau Koratow herablassend; „komm morgen ins Schloß, und ich werde Dir Arbeit geben." (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. X. Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 n. 71. Deutsche« r» etectiv- Institut Frankfurt a. M. Neue Zell 53. 1. -Tel. 11391.- Beobachtungen pr. St 1 Mk. Ermittelungen, Recherchen u. Auskünfte y. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ausführung u. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizein. Kriminalbeamte gesichert Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem liusch. > SamStag, den 9. April (— 29. Adar scheut Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min., in Berlin 7 Uhr 35 Mn. Wochenabschnitt: Sasria. — Rcinheitsvorschristen für eine Wöchnerin, die ein männliches- Seite 5. ---— -«- oder weibliches Kind gebar. Gesetze über Aussatz oder Ausschlag, der an Menschen, Häusern oder > Kleider sich zeigt. Nur der Priester hatte das Urteil zu sprechen und zu bestimmen, ob der betr. Aussatz als „reiner" oder „unreiner" anzusehen sei. Dazu war oft eine Quarantäne von einer, zwei oder drei Wochen nötig, um die Symptome, die gleichfalls angegeben werden, zu beobachten. Der Unreine mußte außerhalb des Lagers weilen bis zur Reinheitserlangung. Ein „unreines Haus" macht den Eintrctenden und die Geräte dortselbst „tome." S ch a b b 0 s „P a r s ch a s - H a ch a u d e s ch." — Es wird eine zweite Thorarolle ausgehoben und darin 2. Bch. M., Kap. 12, Vers 1—20 verlesen. Inhalt: Bereitung des Pesachlammes. Jeder Hausvater für sich und seine Familie; gebraten am Feuer mit bitter» Kräutern und ungesäuerten Broten soll es genossen werden. Genüße nnd Besitzverbot von Gesäuertem aus die Dauer des ganzen Pesachsestes. — Jauzer-Einschaltung, auch bei Mussav! Einsegnung des Monats 4t i s s a n. Rausch-chaudesch: Sonntag, 10. April. Stets nur 1 Tag. Mit Nissan Beginn des Festjahres. (Also Pesach als 1. Fest.) Nissan — 1. Monat. Das eigentliche, d. h. bürgerliche Jahr beginnt im 7. Monat (Tischri). 4tissan ganz der Freude gewidmet. (Vom 1.—12. Nissan war die Einweihung der Stiftshiitte, und dann folgt das Pesachfest). Kein Tachanun, kein Jehi-rozaun vor Thora- Einheben am Werktag, kein Zidkoscho-Zedek Samstag-Nachmittag, kein Fasten bei Jahrzeiten, kein Zidduk-Hadin bei Beerdigungen. Offenbacber Druckluft-Jltilage Telefon 123. OHenbach a. H. Telefon 123. (Jnütertroffenebewährteste TopplchrelnlOUlig. Sigmnnd Singer, Bsmeplatz23 empfiehlt Stoffe für Herren-Anzüge und Paletots zu billigsten Preisen. 1 <m<«1 itc$«h ifatet ydia MlkptwC ÄrttjMRAet»' ivorleir jcuf ÄaL newoffenem! 3ieuc* wmt .ßftsite&r -affe SiqaHtcllaficttt - .— ffaßtifchiädezfcicfe.ßci' - . 65 Xai&cuhaoöc 65 Bunte Chronik. Alte j ü d i s ch e M ü n z e u i in B r i t i s.h M u s e u m. Das British Museum hat jüngst die wertvollsten Stücke seiner Münzensammlung in einer übersichtlichen Separatausstellung dem Publikum zugänglich gemacht. Die meisten dieser Münzen und Medaillons wurden erst in jüngster Zeit erworben. Zn diesen gehören auch einige Tetradrachmen und Denarien aus der Zeit des zweiten Aufstandes der Juden um 132 unserer Zeitrechnung, ein Silber-Schekel und Halbschckel aus der Zeit Judas Maccabäus, eine Geldmünze von unbestimmtem Wert aus der Zeit Menelaus, des Bruders Ptolemeus I., nnd eine Goldmünze des Antivchus IV., Königs von Syrien. Bemerkenswert sind auch goldene Medaillen, die Bespasian zur Erinnerung an die Niederschlagung der Juden prägen ließ. Familieuuachrichte». Sebnrten. Eine Tochter, Herrn Ignatz Risch (Schneller), Posen. Eine Tochter, Herrn Oberkantor B. Peissachowitsch (Dubowsky), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Dr. med. Sigm. Berlizheimer, Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Jak. Levi (Marxheimer), Windecken.