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Neue jüdische Presse · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 14 Jahren gab er den Umstand an, daß die Gleichberechtignng der Juden im Jahre 1865 von den deutschen Inden nicht erkämpft war, sondern ihnen als Geschenk verliehen wurde. Der Kampf für die Gleichberechtigung, die zwar auf dem Papiere steht, tatsächlich aber nicht gewährt wird, muß nun energisch ausgenommen werden. Zn diesem Kampfe um die Gleichberechtigung gehört auch der K a m p f gegen die Taufe. Als Gegenmittel gegen die Taufe bezeichnete auch er in erster Linie die Verachtung der Täuflinge, denn die Juden könnten vom Staat nicht verlangen, daß er die Getauften verachte, wenn sie selbst es nicht täten. Sodann sei eine Verbreitung der Kenntnis des Judentums, eine richtige Erziehung und eine Organisierung der Juden notwendig. Endlich müssen die Juden aller Welt zeigen, das; sie mit aller Kraft an ihrem Judciltume festhaltcn wollen und ivaruin sie cs wollten. Würden die Juden diese Maßregel» anwenden, so könnten sie sicher sein, daß sie im Kampfe gegen die Taufe und für ihre Gleichberechtigung Erfolg haben würden. Mit einigen wirkungsvollen Worten Einil Lehmann's schloß der Referent seine Rede, der ein lebhafter Beifall folgte. Nachdem der Vorsitzende nochmals zum Anschluß an den Zentralvcrein aufgefordert hat'te, schloß er die glänzend verlaufene Versammlung. * Diese Versammlung hat wieder gezeigt, wie sehr das j ü d. S e l b st b e >v u ß t s e i» b e i der deutschen In den heit in den letzten Jahren gewachsen ist. Es ist noch nicht sehr lange her, da matzte man nicht, sich stolz Jude zu nennen, da suchte ein jeder, nur ja sein Judentum zu verbergen, da fürchtete man sich, die Gleichberechtigung als ein natürliches Recht zu fordern, da getränte man sich nicht recht, das Judentum als dem Christentum gleichberechtigt zn erklären oder gar etwa höher zn stellen; da hat man noch nicht den Mut gehabt, die getausten Inden öffentlich als Feiglinge und ehrlose Menschen zn bezeichnen. Traten doch noch vor zwei Jahren Vorstandsmitglieder des Zcntralvcreins für einen getauften jüdischen Abgeordneten ei»! Und heute, — da wagt man dies alles, da beruft man eine Bersanrmlnng gegen die Taufe ein, und Tausende kommen und jubeln, wenn sic hören, lote rücksichtslos man gegen diese Verräter vorgeht! Wahrlich: ein neuer Geist weht durch die deutschen Juden! Doch wer hat diesen neuen Geist hervorgebracht? Wer anders, als die national-jüdische Bewegung? Vor zehn Jahren, da wagten die deutsche» Juden nicht, die jüd. Religion der christlichen gleichzustellen und sür sie dieselben Rechte zu fordern; und heute tun sie dies wohl und fordern laut und nachdrücklich ihre Rechte, aber nur als — Konf e s s io n s j n d e n, als Inden mosaischer Konfession. Wir hoffen, daß in weiteren zehn Jahren die deutschen Inden auch den Mit finden werden, die jüd. Rationalität den anderen gleichzustellen und als Rationaljndcn ihre Gleichberechtigung zn verlangen. •fcanffuvt a. M. Der Verein .Tis er es B a ch u r i in" veranstaltete am 3. April seinen ersten Hagadah -Abend. Bevor jedoch der Verein zum Thema übergehen konnte, schilderte der Vorsitzende, Herr Emil Gottlieb, in warmen und herzlichen Worten den unersetzlichen Verlust, den der Verein durch den Heimgang seines unvergeßlichen Meisters, Lehrers und .Führers, Herrn Dr. M. Horovitz s. A., erlitten hat. War es doch unser allvcrchrter Herr Rabbiner s. A., der den Verein ins Lebe» gerufen und ihm in wahrhaft aufopfernder Weise stets sein tiefes Wisscr zur Verfügung gestellt hat. Den Dank für das Wirken des Dahingeschicdcnen, dem der Verein ja hauptsächlich seine jetzige Blüte verdankt, kann der Verein nicht besser beweisen, als daß er stets in dem Sinne des Verklärten weiter arbeitet, dann wird er sicher sein, sich immer auf richtiger Pahn zn bewegen. Run nahm Herr Dr. I. H e i n e in a n ii das Wort, uni in bekannt meisterhafter Weise.' über Stzstem und Ursprung der Hagadah zu sprechen. Der Rcdiwr wies zunächst ans den hohen pädagogischen Wcrk^dcr Hagadah hin, indem dem Kind erst das Konkrete und dann erst das Abstrakte vorgeführt wird. Auch das System der Hagadah, das Kind zum Fragen zn bringen, decke sich vollständig mit den Anschauungen der modernen Pädagogik. Bei der .Frage nach dem Alter der Hagadah müsse man, so führte der Redner aus, unterscheiden zwischen dem Alter der einzelnen Teile und dem Entstehen der Hagadah in ihrer Gesamtheit. Wohl seien schon einzelne Teile recht alt, also z. B. aus der Zeit des Mikdosch und der Mischnah: die Hagadah in ihrer heutigen Zusammensetzung sei jedoch erst ein Werk des Mittelalters, da in jenen Zeiten noch die zahlreichen Schlußlicder hinznkamen. Der Redner endete mit einem herrlichen Schlußgedankcn von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz s. 9t., der das Ereignis von Bnc Brak mit unserem heutigen Goluslebcn vergleicht, Herr Jakob S. Posen nahm nun das Wort, um den Bortrag des Herrn Vorredners in einigen Pmikten zn ergänzen, und fügte noch ein paar interessante Bemerkungen hinzu. Ferner sprachen die Herren Rabbinatsassessor L.ipinski, der einige geistreiche Auslegungen mitteilte, Dr. Frankfurter JfraEisrhes Familirnblatt. Braun, der in feiner Weise wissenschaftlichen Standpunkt mit Drusch zu vereinigen wußte, Dr. May und E. G o t t l i e b. Frankfurt a. M. Zum ersten Male seit den 36 Jahren seines Bestehens versendet der B e r e i n „Meljor-Chajim" einen gedruckten Bericht. Ans diesem 9lnlaß schickt er die Worte voraus, mit denen Rabb. S. R. Hirsch s. A. am 28. Mai 1874 (12. Siwan 5634) die Lehrtätigkeit des Vereins eröffnete. Der Bericht selbst, erstattet von Herrn Marcus H i r s ch, verzeichnet eine Mitgliederzahl von 34g und konstatiert eine überaus vielseitige Betätigung auf dem Gebiete des Stndiunis unserer heiligen Schriften. Der Verein verlor im letzten Jahre durch den Tod zwei Gründer — Jakob Lazarus Posen und Raphael Ettlinger —, seinen Lehrer Julius Hirsch und sein Mitglied Hermann Lehmann, alles Persönlichkeiten, die ' er mit Stolz zu den Seinen zählte. Den derzeitigen Vorstand bilden folgende Herren: Nathan Ho m b n r g e r, Joseph Sänger, Josef Wolf, Nathan E s ch w e g c, Hermann G o l d s ch m i d t, David A n s b a ch c r, Julius L e w i n, Gabriel Plaut und Ludwig Bender. Lffenbach a. M. Der im Mai 1908 von jüdischen Ausländer» gegründete „Wvhltätigle i t s - V e r e i n G e m i l a u t h C h a s s o d i m" hielt am 27. März eine G e n e r a l v e r s a m m - lnng ab. Der Vorsitzende erstattete den Bericht und gab einen kurzen lieberblick über die Leistungen des Vereins seit dessen Bestehen. Bei einem Wochenbeitrage von 10 Pfennig seitens der Mitglieder hat der Verein in den letzten ly-. Jahren 71 Darlehen im Gesamtbetrag von JL 1497 (die einzelnen Darlehen betrugen JL 10—50) gewährt. Dieses Resultat ist gradczu bewundernswert, denn der Verein zählt nur einige zwanzig Mitglieder. Man sieht hier die Bedeutung der Selbsthilfe. Wieviel Nützliches und Gutes hätte aber noch mehr vollbracht toerden können, wenn jeder ausländische Jude in Offenbach sich dein Verein angeschlossen hätte. Auch Iväre es mit Freuden zu begrüßen, (ganz besonders in Frankfurt a. M.j» wenn die ausländischen Juden in anderen Städten Deutschlands dem Ofsenbacher Beispiele nachahmen würden. Es ist die Pflicht eines jeden ausländischen Inden, einen Verein, der zum Besten der Gesamtheit gegründet ist, materiell und geistig mit allen ihm zustehenden Kräften zu unterstützen. Mit Recht mahnten zwei Redner die 9lnwesenden, den Verein nicht zn vernachlässigen und bestrebt zu sein, demselben immer neue Kräfte zuzuführen, damit man auch imstande sei, einem in momentane Not geratenen ausländischen Bruder auch größere Beträge zur Verfügung zn stellen, da doch gerade solche Personen von den deutschen Inden in Frankfurt nicht gebührende Behandlung bekommen, die jeden ausländischen Juden (ohne Ausnahme) als gewerbsmäßigen Bettler betrachten und behandeln. Wenn wir ausländischen Inden derartige Vereine besitzen, dann werden hoffentlich unsere deutschen Briider uns ein wenig mehr achten, zu uns mehr Vertraue» haben und uns in unserer 9lrbeit auch ihre milde Hand bieten. Daher, Brüder, auf zur Arbeit! Wir sind doch alle „Rachmonim benei Rachmonim". B. T a u n e u b a u m. Kissingen. Am 27. März feierten die beiden Israelit. Wohltätigkeitsvereine der F raue n n n d M ä n n e r (Chewros gemilas chassvdim) ihre 50 j ä h r i g e n I u b i l ä e n. In der Synagoge fand im 9lnschluß an das Morgengcbet ein F e st g o t t c s d i e n st statt, bei welchem Rabb. Dr. B a m b e r g e r die Festrede hielt. Der Festakt begann um 10 Uhr in dein dekorierten Saale des Hotels Ehrenreich. Der 1. Vorstand N. Bretzfelder hielt die Begrüßungsansprache und gab den Festbericht. Die eigentliche Festrede hielt Lehrer L. S t e i n b e r g e r. 9llsdann wurden den noch lebenden Gründern und ersten Mitgliedern der beiden Vereine Diplome überreicht, in welchen die E h r e n m i t g l i e d s ch a f t zuerkannt werden; es sind das: Sabine Holländer, Jette Mainzer, H a n n ch e n G o l d - stein, Fanny Hofmann, Klara Wittekind, Joses Gutmann und Mayer Kissing e r. Frau Jeanette Kissinger wurde in Anbetracht ihrer 25 jährige» Tätigkeit als Borstandsdame ebenfalls zum Ehrcnmitglicde ernannt. Der Festakt war durch Harmoniumspiel und Chorgesang unter Leitung Rechtsanwalts Dr. Silbers ch m i d t verschönt worden. Mit einem Festmahle im Hotel Ehrenreich fanden des Abends die Feierlichkeiten ihren harmonischen 9lbschlnß. Hier sprachen Felix Ehrlich, A. Löwen thal j r. und toasteten M. H e r z s e l d, Albert Kissinger, Mayer L ö w e n t h a l, Julius H o f m a n n , Rabb. Dr. Baniberger, N. Bretzfelder. Bon den bei der Tafel verlesenen Glückwnnschdepeschen und -schreiben, sei das Schreiben des Bürgermeisters Hofrat von Fuchs erwähnt, das sehr warm gehalten war. Aus der ziorMischeu Beweg«««. Lffenbach a. M. Die hiesige Zion. Ortsgruppe ruft mif Sonntag Nachmittag 5 Uhr eine Versammlung ein. Lokal: 'Rheinischer Hof Seite 11. (Französ. Gäßchen). Referent: Dr. Gottlieb, Frankfurt. Köln. Während der Ostertage fanden verschiedene zion. Landeskonferenzen statt. Der W e st ö st e r r. Z i o n i st e n t a g in W i e n war stark besucht. Seine Resolutionen zn den inner» Fragen der zion. Organisation verlange» eine stärkere Betonung des demokratischen Prinzips innerhalb der Organisation und begrüßen das auf dem IX. Kongreß, in ofsizieller Form erfolgte Aufgeben des Chartergedankens. Der Order os 9lncient Maccabeans tagte in einer von mehr als hundert Vertretern besuchten Konferenz in Manchester und bestätigte die von seinen Delegierten ans dem Kongreß eingenommene Haltung. Besondere Beachtung kommt der Konferenz der g a l i z. Z i o n i st e n zu, einmal wegen der Bedeutung der galiz. Organisation als solcher, dann aber auch, weil dieser Konferenz Präsident W v l f f - s o h n beiwohnte. Die Tagung, die in L e mb erg stattfand, war von fast 200 Delegierten besucht. Sie behandelte sehr eingehend die Fragen der zion. Politik und der Stellungnahme zn den internen Angelegenheiten der Juden in Galizien und gipfelte in einer unter stürmischem Beifall einstimmig angenonimenen Vertrauenskundgebung für die gegenwärtige Leitung der zion. Organisation. London. Israel Cohen, der Sekretär der Engl. Zion. Föderation, hat sein 9lmt niedergelegt, um zum Kölner Zentralbüro überzugehen. Präsident Wolfssohn wird Mitte April hier erwartet. Ldeffa. Der Bürgermeister Timatschew erließ den Befehl zur Verhaftung der jüdischen Aerzte Sapir, Awinowitzki, Kohan und Lu polowe r wegen verbotenen Gelds a m m e l n s. Im Sommer des vorigen Jahres wurde nämlich L n p o l o w e r beim Geldsammeln für den jüdischen Nationalfonds auf dem jüdischen Friedhof mit einer Büchse angehalten. Die Polizei stellte alsdann fest, daß die Büchsen von Ko Han ausgetcilt und das gesammelte Geld Dr. Sapir abgeliefert wurde, der es dann Dr. Tschleiww nach Moskau schickte. 9luch bei Dr. Awinowitzki fand man eine Büchse, der aber, ebenso wie Dr. Sapir, behailptet, an dem Sammeln nicht persönlich teilgcnommen zn haben. Dr. Sapir hat sich an den Bürgermeister mit der Bitte gewandt, die Haft durch eine Geldstrafe ersetzen zu dürfen. ' L. Kadinsky. Aus der Lehrerwelt. Berlin. Der Deutsch-Israel. Gemeindebn n d veranstaltet am 3. Mai cr. bis zum Beginn der großen Ferien einen kostenlosen Kantor e n k u r s n s. Die Leiter desselben sind: König!. Musikdirektor Hanptkantor A. Friedmann und Professor William Wolf. Meldungen nimmt das Büro des D.-J. G.-B., Steglitzerstr. 85» entgegen. Berlin. Dr. Grzymisch ist zum Landesrabbi ii e r von Hoppstädten-Birkenfeld gewählt worden. — Julius Hirsch, Vorturner des Bar Kochba, wurde von dem Hilfsverein der Deutschen Juden als Lehrer für Turnen und Buchbinderei an dessen Schule in Konstantinopel berufen. Worms. Rabbiner Dr. Stein ist von seiner Gemeinde, mit Genehmigung des Großherzoglichen Kreisamts, zum Ehrenrabbiner ernannt worden. Auch alle jüdischen Vereine, denen Herr Dr. Stein während seiner langen und gesegneten Amtsführung angehört hat, voran der Zweigverein der 9llliance Jsraslite Universelle in Worms, Haben Herrn Dr. Stein , zn ihrem Ehrenpräsidenten gewählt. Der Großherzog von Hessen hat dem Rabbiner anläßlich des Abschlusses seiner amtlichen Tätigkeit das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. Lublin. Es wird so diel in der letzten Zeit vom., Schwinden der Liebe und , Achtung für die Thora und deren Träger bei uns ' in Rußland gesprochen; allein, wer den großartigen Empfkng mit angesehen hat, der Rabbi Elijahn Klatzkin bei seiner 9lnkunft zu seinem hiesigen Amtsantritt als.Rabbiner zuteil geworden ist, diese zujubelnde Begeisterung, der wird diese Meinung nicht teilen. Nun ist es zwar wahr, daß Rabbi Elijahn Klatzkin einer.der größten Gaonim unserer Zeit ist und diese außergewöhnliche talmndische Gelehrsamkeit mit umfassender profäner Bildung vereint, ein Fall, der bei den anderen russischen Rabbinen sehr selten anzutreffen ist. Doch dieser gewaltige Enthusiasmus der Zehntausende, diese Jubelrnfe, die nicht enden wollten, können nicht einzig und allein durch die hervorragende Persönlichkeit des großen Rabbi erklärt werden. Vielmehr ist dies eile Zeichen, daß die Liebe zur Thora innerhalb der jüd. Massen Rußlands noch lebendig ist. Schon an« Bahnhofe erwarteten ihn Zehntausende, und als der Zug einlies, wurde der Rabbi mit nicht endenwollenden Hedadrufen begrüßt. Alle Straßen rings um. den Bahnhof waren dicht besetzt, und auch sein Haus war von großen Massen fig=

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