Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1910-04-01 · Heft 13 (1.4.1910) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692665-2692678--05320-2700220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

" „ M Nr. 1Z rfes DailkWer IWiftfdieii lamiMfaffes. Rabbiner Br. Marcus Horovitz s. A. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Für den Verband gesetzestreuer Rabbiner brachte Rabb. Dr. Kohn-Ansbach den Abschiedsgrüß, dabei besonders die tiese Bescheidenheit des Dahingegangene» hervorhebend. Für die Gemeinde Cöln sprach Rabb. Dr. R o - senthal, hcrvorhcbend, daß Rabb. Horovitz für die jüngeren Rabbiner Deutschlands als der unbedingte Lehrer galt, dessen Wort und dessen Namen ein Programm war; denn dieser Gottbegnadete war unt Urim und Thumim als echter Levit ausgestattet, in ihm hatten sich gepaart die Milde und Güte der Thumim und die Gelehrsamkeit der Urim. Wie ein Friedensengel stand er stets dort, wo Streit und Hader zu zersplittern drohten, verstand er es, auszngleichen, und wo man nicht mehr einen Ausweg fand, da dachte mau an ihn, überzeugt, daß er schon einen Ausweg sinden tverdc. Die Gemeinde Hamburg vertrat Rabbiner Dr. Nobel, der besonders dadurch .tiefen Eindruck machte, daß er seinen Nachruf in einem klassischen Hebräisch vortrug. Redner führte aus, daß die Judenheit tiefgebeugt sei über diesen unersetzlichen Verlust, der jie betroffen, sodaß man keine Worte und kein Herz habe, um all das dem Manne nachzusagen, was er gewesen. Seine einzige Bitte sei nur, daß der große Dahingegangene ein Fürsprecher für Israel im Jenseits sein möge, wie er es im Diesseits war. Es sprachen serner: Rabb. Dr. Freymaun- Hvlleschan, dem tiefen Schmerz der weitverzweigten Familie beredten Ausdruck gebeitd, Rabb. Dr. Neuw ir t h-Bingen, den Verewigten als Goaun, Kodausch, Zaddik und Chossid würdigend und konstatierend, daß er, dem die Jiroh einziger Maßstab tvar, sein ganzes Handeln nur aus Leschem schomajim betätigte, und der Ueberzeugnng Ausdruck gebend, daß jetzt, >vo alle Mißgunst verstummt ist, die wirkliche Größe des großen Mannes in ihrer Klarheit zur Geltung kommen wird, Jakob Ueber Rabb. Horovitz Lebensgang sei zum Schluß noch kurz folgendes berichtet: Geboren am 5. März 1844 in Ladany bei Tokay in Ungarn, besuchte er die Rabbinerschulen Njhely, Berbö und Eisenstadt, iu welch' letzterer Stadt damals der spätere Berliner Rabbiner Dr. E. Hildesheimer wirkte, erwarb sich in Preßburg das Abiturium und bezog dann die Universitäten Wien, Budapest und Berlin und promovierte in Tübingen mit einer Arbeit über Rabbi Jochanan bar Nabcha. Er vermählte sich mit der Tochter des berühmten Altonaer Oberrabbiners Ettlinger, in ihr eine verständige und ebenbürtige Lebensgefährtin findend. Er bekleidete zuerst die Rabbinate in Lauenburg und Gnesen und wurde 1876 nach Frankfurt berufen. Seine Werke betiteln sich „Die Frankfurter Rabbinen" und „Grabsteine des Franksurter FriedhofS". Außerdem veröffentlichte er eine Studie über den Ursprung der ungar. Juden (in ungarischer Sprache), mehrere Predigten und ein großangelegtes Responsenwerk „Matte Levi". Die jüd. Haushaltungsschule in Frankfurt a. M. Die Wirksamkeit der jüd. Haushaltungsschule erstreckt sich nach 3 Richtungen hin: Kochschule, Mädchenheim und Mittagstisch. Die Koch schule bildet die ihr anvertrauten Schülerinnen in all den Obliegenheiten aus, die sie sowohl in häuslichen Stellungen, wie später als selbständige Hausfrauen zu verrichten haben. Der Arbeitsplan umfaßt: Kochen und alle Küchenarbeiten. Waschen und Bügeln, Zimmerarbeit, Servieren und Flicken. Stets sind 6 Mädchen in der Küche, 3 in der Waschküche und im Bügelzimmer, 3 in der Hausarbeit und beim Servieren beschäftigt. Allwöchentlich wird die Arbeit .gewechselt. Die Kurse dauern 6 Monate und beginnen je am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November. Den ausgebildeten Schülerinnen Elemente der jüdischen Küche eingeführt werden. Die finanziellen Mittel für diesen Schulküchen - Unterricht sind bereitwilligst vom Vorstand der Jüd. Gemeinde, von der Frankfurt-Loge und vom Israel. Hülfsverein bewilligt worden. Es ist der Anstalt, die so mannigfache und dringende soziale Aufgaben erfüllt, von Herzen zu wünschen, daß ihr das Interesse weitester Kreise der jüdischen Bevölkerung stets ungeschwächt erhalten bleibe! Die erweiterte Sitzung des Zentralkomitees der Zion. Bereinigung für Deutschland. Letzten Sonntag und Montag fand im Saale des Börsenhotels zu Berlin eine erweiterte Sitzung den Zentralkomitees statt. Bon den Mitgliedern des Zentralkomitees waren Dr. Bodenheimer. Dr. Friedemann, RechtsanwaltGronemann, Dr. H alpcrn, Dr. H an tke, Dr. I un gm ann, Dr. Kalmus, Dr. Kolken scher, Dr. Sei» zynski, Zahnarzt Schachtel, Julius Simon. Rechtsanwalt S t c i n i tz, Hermann Struck, Arnold Wiener und Max W o l l st e i n e r erschienen. Die Ortsgruppen Königsberg, Insterburg. Dtsch. Eistan, Posen, Schönlanke, Filehne, Kattowitz, Tarnowitz, Gleiwitz, Ratibor, Breslau, Eberswalde, Guben, Halberstadt, Hannovver, Dessau, Hamburg, Lübeck, Köln, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mannheim, München, die Berliner Zionistische Vereinigung, die Ortsgruppe Charlottenburg, die Jüdisch-nationalen Frauenvereinigungen Berlin und Lübeck, der.Herzl-Klub-Berlin, die Gruppenverbände Posen, .Oberschlesien und Mitteldeutschland, die der Landesorganisativn ungehörigen Misrachigrüppen Berlin und Hamburg, das Präsidium des K. Z. B. und des B. I. C. und die Verbindung „Hasmonäa" hatten Vertreter entsandt. Vom Engeren Aktionskomitee war Professor W a r - Kochküche. Waschküche. «NS rüg >&' >! mm S. Pos eit , der der Hoffnung Ausdruck gab, daß des Verewigten meisterliches Wirken im Rabbinatskollegium, dessen Mitglied Redner ist, auch künftighin die Arbeit dieser Körperschaft bestimmen werde, Heinrich Rothschild als Vertreter des Synagogenvorstandes, Sanitätsrat Dr. Jaffe für den Verband der Deutschen Juden, welchen Verband der Verewigte mitbegründen half, Dr. jur. B ä r w a l d für die Jca, für die Alliance Jsraelite Universelle und für das Frankfurter Hilfskomitee zur Unterstützung der notleidenden osteuropäischen Glaubens» genossen, Dr. F e l i x K a u f f m a n n für die Frankfurt-Loge und die Großloge des Bnei-Bris- Ordens, I. B e t t m a n n für den Israel. Hilfsverein, I. B. L e v y für die Beamten und den Chor der Synagoge, Direktor K. Herzberg für die Markus und Herz Oppenheimersche Stiftung, Dr. I. Heinemannfür den Verein Lemaan Zion und für den Talmud - Thora - Verein, Lehrer Schwab für die israel. Religionsschule und für das Lehrerseminar für die osteuropäischen Juden, Professor Dr. S u l z - b a ch für den Verein zur Erziehung jüd. Waisen in Jerusalem und Dr. Gustav Löffler für den Montefiore-Verein und für.den Verein Tiferes Bachurim, welch' beide Vereine der Verewigte begründete. Nun bewegte sich der Zug nach der Grabstätte. Hier wurde zusammen mit dem großen Verewigten eine Thorarolle in die Gruft gesenkt, ein Brauch, der nur bei den größten Lehrern in Israel geübt wird. — werden durch den Vorstand passende Stellungen zugewiesen. Seit dem Bestehen der Anstalt — seit 11 Jahren — haben 320 Mädchen die Schule besucht; die meisten davon nahmen häusliche Stellungen an, ein großer Teil — etwa 60 — hat sich schon verheiratet, gewiß ein Beweis, daß die ehemalige Hausgehilfin von den heiratslustigen Männern gern begehrt wird. Das Mädchenheim gewährt im Beruf stehenden Mädchen oder solchen, die sich noch für einen Beruf vorbereiten wollen, ein angenehmes Heim, Wohnung und vollständige Verpflegung gegen 5.— JL monatlichen Pensionspreis. Von den jetzigen Insassen sind 7 als Buchhalterinnen, 4 als Verkäuferinnen, 5 als Schneiderinnen und 2 als Putzmacherinnen beschäftigt, 4 junge Mädchen besuchen die Handelsschule, 2 das Kindergarten- Seminar. Junge Mädchen, die außerhalb des Heims wohnen, können auch nur am Mittagstisch teilnehmen und haben dafür 24 M. pro Monat zn zahlen. Außerdem richtet die Jüd. Haushaltungsschule von Ostern 1910 ab in ihren Räumen eine Schulküche für die jüdischen Bolksschülerinnen der letzten Klasse ein, genau nach dem Muster der stÄ>tischen Schullüchen, damit auch die jüd. Mädchen schon vor der Schulentlassung in die bürg erschienen. Insgesamt nahmen etwa 100 Personen an den Verhandlungen tell. Die Debatten erstreckten sich über beide Tage und ergaben eine umfassende und aufklärende Aussprache über die jetzige Lage des Zionismus. Di» Verhandlungen schlossen mit der Annahme folgender Resolutionen, die eine aus den Vertretern der verschiedensten Parteischattierungen zusammengesetzte Kommission vorbereitet hatte: . 1. Die Versammlung konstatiert mit Genugtuung: Alle Redner haben sich dahin ausgesprochen, daß die praktische Arbeit in Palästina nach Kräften zu fördern ist. Allgemein ist als wünschenswert erachtet worden, daß jede Chance einer Arbeitsmöglichkeit in Palästina und für Palästina ausgenutzt, insbesondere die Schaffung des Agrarkreditinstitutes unter Heranziehung aller Freunde Palästinas mit allen Mitteln unterstützt werden muß. Des weiteren erscheint es als dringend notwendig, für die landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas eine planmäßige Tätigkeit in die Wege zn leiten. 2. Die Versammlung hält es für wünschenswert, daß die Vertreter der .in Betracht kommenden Landesorganisationen und Föderationen mit einander zwecks Ausspache in Fühlung treten. Das Zentralkomitee wird beauftragt, die vorbereitenden Schritte einzuleit»«. 48

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.