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Neue jüdische Presse · 1910-04-01 · Heft 13 (1.4.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Uebrigens hast Du vielleicht recht," suchte sie sich selbst zu beschwichtigen; „drei Menschen mit gesunden Sinnen und kluger Weltersahrung werden sich schon selbst zurechtfindeu." „Und wenn Du dafür noch einen besonderen Beweis haben willst, dann sieh nur dorthin," flüsterte der Baron, nach der Tür deutend, durch welche Karol und Volkmann, Arm in Arm, das Zimmer betraten. Beide schienen sehr lustig zu sein. ,4ja, ha, ha, Präfekt!" lachte Karol überlaut. „Wollen Sie einen guten Witz hören? Doch nein, nein. Sie müssen Ihren Lachmuskeln schon eine lleine Geduldsprobe auflegen, bis wir allein sind. Was meinen Sie, Volkmann, ist das nicht der beste Witz, den Sie je gehört haben?" „Es kommt darauf an, ob man für solche Zoten auch den richtigen Sinn hat," erwiderte Bolkmann, durch Karols Ungezogenheit in Gegenwart der feinfühligen Baronin peinlich berührt. „Na, nur nicht zimperlich, Volkmann. Sie sollen den Witz hören, Präfektchen; doch nur unter der Bedingung, daß Sie Ihrem Sekretär einen freien Tag gewähren. Ich will ihn nämlich unter mein Kommando nehmen, um ihm zunächst das Scheibenschießen Leizubringen. Ich wlll einen richtigen Gentleman aus ihm machen, so daß, wenn er nach Odessa zurückkehrt, er sich selbst nicht wieder erkenne» wird." Die Baronin sah Volkmann eigenartig an; sie wußte nicht, ob sein Lächeln hösliche Zustimmung oder versteckten Spott bedeuten sollte. Dann aber blickte sie wieder auf den hübschen, strammen, gradegliederigen Offizier, wobei sie ihrem Manne recht geben mußte, daß jeder von ihnen, freilich jeder nach seiner Art, es schon verstehen werde, sich seiner Haut zu wehren. — DC Alma langweilte sich in ihrem Zimmer und blätterte in ihrem Album, für das sie nicht das geringste Interesse zu haben schien. Die andern Herrschaften, wenigstens die älter», hatten sich, zu einem Mittagsschläfchen zurückgezogen, und sie wußte nicht, was sie mit der Zeit anfangen sollte. Sie stand auf und begab sich nach dem dunkeln und kühlen Korridor, wo sic durch eine halbgeöffnete Tür ihren schnarchenden Vetter erblickte, der ungeniert auf dem Sopha lag, die erloschene Zigarette auf dem Perserleppich neben sich. Einen Augenblick dachte sie daran, dem Schlafenden irgend einen Possen zu spielen; sie ließ aber diesen Gedanken bald wieder fallen. Bei Karol konnte man nie wissen, wie er einen solchen Scherz aufnimmt. Statt dessen betrachtete sie ihn forschend, durchdringend und schließlich mit einem energischen Kopfschütteln, als wollte sie etwas Häßliches von sich abwehren. Sie ging wieder nach ihrem Zimmer zurück und stellte sich vor den Spiegel, der ihr ihre in Unordnung geratene Frisur zeigte; mit flinken Händen stellle sie diese wieder her. Man konnte ja nie wissen, wem man etwa im Park begegnete. — Karol allerdings nicht, der schnarchte ja weiter. Ihr siel jetzt ein, daß sie ihn in den letzten Tagen sehr schlecht behandelte; warum, wußte sie selbst nicht; sie konnte sich manches nicht erllären und sie verstand auch ihr eigenes Herz nicht mehr. Nein, an Karols Schmeicheleien lag ihr gar nichts, auch nichts an seiner Person. Sicherlich war es nur ihrem Schönheitsempfinden zuzuschreiben, daß sie in der letzten Zeit so viel Sorgfalt auf ihr Aeußeres verwendete. — Oder sollte etwa Volkmanns stillkritisierender Blick dieses veranlaßt haben? — Sie sann lange darüber nach, konnte aber zu keiner befriedigenden Antwort gelangen. Sie wußte nicht, was in ihrem Innern vorging, sie mochte sich sträuben, soviel sie wollte, ihre Gedanken llammerten sich immer wieder an den einen Punkt und legten allen andern Interessen und Begehren einen eisernen Riegel vor. Don einer iUnern Unruhe getrieben, lief sie nach dem Garten, ob auch die Julisonne glühendheiß niederbrannte. Sie hatte aber doch noch so viel Ueberlegung und nahm ein Buch mit sich, um wenigstens den Schein zu wahren, wenn sie jemand dort treffen sollte. Sie durchschritt verschiedene Gänge und Wege, und ihre spähenden Blicke richteten sich nach allen Seiten. Eine leise Unnrut malte sich in ihren Zügen. Endlich begab sie sich nach einem abseits stehenden Pavillon, der selten besucht wurde, uni, wie sie sich einredc» wolltedort ungestört lesen zu können. Sie stieß die Tür auf und — stand Vollmann gegenüber. »Ich — bitte — um — Verzeihung," stotterte sic verlegen; „ich möchte Sic nicht stören." „Sie stören durchaus nicht, Komtesse, vielmehr bin ich der Störenfried. Bei meiner ziellosen Wanderung durch den Park fand ich dieses herrliche Plätzchen unbesetzt und wollte cs mir für eine Weile — leihen." „Ich glaubte Sie bei der Arbeit mit dem Herrn Präfekten," sprach sie errötend, da sie wohl wußte, daß er nicht bei der Arbeit war. „Gnädiges Fräulein, haben Sie doch Erbarmen mit dem armen Herrn und gönnen Sie ihm eine lleine Erholung. Oder wollen Sie, daß er sich zu .Frankfurter Israelitisches Fanrilienblatt. Tode arbeitet?" rief er mit verstellter Verzweiflung. „Und bei dieser Gelegenheit soll ich wohl auch Erbarmen mit Ihnen haben und Ihnen die lleine Erholung gönnen, indein ich Sie wieder verlasse?" „Verzeihen Sie, Komtesse, wenn einer das Feld räumen soll, dann will ich derjenige sein, der dem rechtmäßigen Besitzer sein Eigentum wieder überläßt." Er stand auf und schickte sich an zu gehen. „Wie mir scheint, sind wir fvieder auf dem besten Wege, einen Streit zu beginnen," rief sie lachend; „und zwar geschieht es diesmal aus übertriebener Höflichkeit. Als „Besitzes kann ich Sie versichern, daß dieses Gartenhaus für acht Personen Raum bietet." „Dann will ich von Ihrer gütigen Erlaubnis Gebrauch machen," sprach er mit einer Bereitwilligkeit, die ihr nicht entging. Ohne weiteres Wort ließ sie sich nieder und winkte ihm, wieder seinen früheren Platz einzunehmen. Auf das Buch deutend, das sie neben sich gelegt, fragte er: „Darf man wissen, was Sie lesen?" „Maupassant," war ihre einfache Antwort; „ich will wieder mein bischen Französisch aus dem Pensionat auffrischen. Es wäre ja jammerschade, wenn Papa sein Schulgeld. umsonst gezahlt hätte." hoffentlich wird Ihr Herr Papa Ihre gute Absicht anerkennen und große Freude daran haben." Mit niedergeschlagenen Blicken und die Stirn in Falten gezogen, blieb sie jetzt ganz schweigsain. Auch, er stellte weiter keine Fragen und wartete, daß 'sic das Gespräch wieder aufnehmc. Nach einer Weile war dieses der Fall. „Ich habe soeben über das nachgedacht, was Sie von meinem Vater sagten," sie sah ihn dabei scharf an. „War es denn des Nachdenkens ivert?" war seine kühle Frage. „Die Worte selbst wohl nicht, nur die Art, wie Sie es sagten. Aber gewiß ist cs nur eine törichte Einbildung von mir. Oder — Hand aufs Herz — enthielten Ihre Worte keine versteckte Anzüglichkeit?" „Ich — ich — weiß cs nicht. Wie kommen Sie überhaupt darauf?" Die Frage klang sehr unbehaglich. „Ich sagte es Ihnen doch schon, daß cs eine kindische Einbildung meinerseits sein mag . . ." Sie brach ab und spielte verlegen mit dem Buche, das noch immer ungeöffnet vor ihr lag. Sein durchdringender Blick jedoch zwang sic, weiter zu sprechen. „Sehen Sie, Herr Volkmann, es macht auf mich den Eindruck, als wären Sie nicht gut zu sprechen auf meinen Vater, obwohl er doch keine seiner Pflichten als Wirt dem Gaste gegenüber vernachlässigt. — Ich habe öfter schon Ihre Blicke überrascht, in welchen ich einen ausgesprochenen Haß zu erblicken glaubte. Es erweckte in mir die Vorstellung eines Tigers, der sein Opfer belauert und sich zum Sprung bereit macht." „Komtesse!" rief er, verstört aufspringend. Sie hielt seine Bewegung für entrüsteten Widerspruch gegen ihre Anschuldigung, und darum brach sic in ein schallendes Gelächter aus. (Fortsetzung folgt.) Ealser Friedrich {Quelle —— Offenbach a. M. —— Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrieh Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 u. 71. Beobachtungen pr. St. 1 Mt. Ermittelongen, Recherchen u. Auskünfte IIVIvUUi v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ans •w Inetitnt fohrnng n. strengste Diskretion als FKe?eIZ»lfs^*l*" meh»jihriger Polizeiu. Kriminal- Tel. 11391, — beamte gesichert. Wochea-Kaleuder. (Zemmgaven nach dem boacb.) SamStag, den 2. April (— 22. Adar scheust: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 4b Min., in Berlm 7 Uhr 25 Min. Wochenabschnitt: S ch e m i n i. — Einleitend von dem Weiheopser, das Ahron am achten Tage der Einweihungsfeierlichkeit darzubringen hatte. Ahron sollte sich dadurch °— gleichsam offiziell — als von Gott eingesetzter Hoherpriester einführen. Am Ende der Opferhandlungen hebt Ahron die Hände gegen das Volk hin und segnet es. Auch Moses tut dies. Als Zeichen göttlichen Wohlgefallens verzehrt Feuer das Opfer auf 'dem Altäre. — Die Freude des Tages wird, getrübt durch den plötzlichen Tod der zwei Söhne Ährons, Nadab und Abihu. Es war die Strafe dafür, daß sie „gemeines Feuer" ins Heiligtum gebracht. Ahron zeigt bewundernswerte Standhaftigkeit, er schweigt beim Heimgang seiner Söhne. — Wein und berauschendes Getränk wird opfernden Priestern zum Genuß verboten. Verschiedene Opfertelle werden fixiert, zum Genüsse für die Priester bestimmt. — Es folgen nun die sogenannten „Speisegesetze". Von den Säugetieren sind die- Nr. 13 jenigen mit Wiederkäuung und gespaltenen Klauen zum Essen gestattet. (Ein Merkmal allein genügt nicht.) Fische mit Schuppen und' Flossen dürfen wir ebenfalls genießen. Von den Vögeln sind —- ohne Angabe von Merkmalen — nur 24 verbotene Arten genannt, deren Namen wir indes nicht mit Bestimmtheit angeben können, weshalb wir nur die wenigen uns aus der Ueberlieferung als erlaubt bekannten Arten genießen. — 8 Kriechtiere werden aufgezählt, deren Berührung unrein („tome") macht. Auch irdene und hölzerne Geräte, Gewänder aus Stoff oder LÄer, Ofen und Herd können „tome" werden. Es gelten für all dies ganz genau spezifizierte Vorschriften. — Bemerkung: die „Speisegesetze" gehören zu den sogenannten „Chukkim", Satzungen, von denen wir keinen Grund wissen, ihn nur vermuten können. Bei den Speisegesetzen ist nur angedeutet, daß ihre Beachtung von Einfluß auf die „Heiligung unserer Seele" ist. Parschas-Poroh: „Parschas Poro", der Abschnitt von der „roten Kuh", ist rätselhaften Inhalts. (4. B. M. Kap. 19.) Wir hören von einer vollständig roten Kuh, die als Sühnopfer geschlachtet werden sollte, um dann zu Asche verbrannt zu werden. In den Brand warf man Zedernholz, Vsop und Karmesinfaden. Die Asche wurde in verschiedenen Urnen aufgehoben. Wenn nun jemand eine Leiche berührte oder ein Grab, einen Leichenknochen, Leichenstaub oder Gefäße, die mit Toten in Berührung kamen, oder wer „mit einer Leiche unter einer und derselben Bedachung geweilt", der war „tome" (unrein) mindestens 7 Tage. Er wurde vom Priester „entsündigt" oder gereinigt: man füllte ein Gefäß mit Quellwasser, mischte darin von der Asche der roten Kuh und besprengte mit dieser Mischung vermittelst Mop - Stengelchen den „Unreinen" am 3. und 7. Tage. Erst dann war der Genuß gewisser Opfergaben oder eventl. der Eintritt ins Heiligtum gestattet. (Im Sinne dieses Gebotes gelten wir heutzutage alle als „Unreine", da wir kein Sprengwasser besitzen!) — Das Gebot der roten Knh, das zu den sogenannten „Chukkim" gehört, führt an das größte Problem unseres Daseins: Leben und Tod. Dunkel wie unser Kommen und Gehen, bleibt das Poro-Gesetz mit seinen eigentümlichen Vorschriften. So z. B. wurden alle „tome" (unrein), welche die rote Kuh bei der Opferung behandelten, und doch machte mau mit der Asche Unreine. rein! Das Jauchzer dieses Sabbats spricht davon, enthält n. a. auch einen schönen Vergleich mit der Sünde des goldnen Kalbes. Warum wird der Abschnitt jetzt verlesen? Israel sollte am Erev Pesach das Pesachlamm schlachten. Da sollte jeder rechtzeitig die Reinigung durck) „Sprengwasser" vornehmen, falls er „tome" geworden, also nicht das Heiligtum betreten kann. So sollte Parschas Poro rechtzeitig mahnen zur Vorbereitung auf das Pesachfest. Offenbacber Druckluft »Jlnlagt Telefon 123. Oflanbaeh a. II. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tapplchralnlgung. '• Sigmund Singer, Bemeplatz23 empfiehlt Stoffe für Herren-Anzfige und Paletots zu billigsten Preisen. , Familiearrachrichte«. Schürten. Eiue Tochter, Herrn Prof. Dr. M. Jaeoby (Nothmaun), Kattowitz. Einen Sohn, Herrn Salo Böhm (Israel), Bochmn. Einen Sohn, Herrn Georg Sachs (Herzfeld), Münsterberg. Einen Sohn, Herrn Emil Jeidel (Ehrenreick)), Kissingen. Einen Sohn, Herrn Paul Lissauer (Nadel), Lübeck. Einen Sohn, Herrn Lion Bukofzer (Schulmann), Oldenburg. Eine Tochter, Herrn Siegfr. Rosenbau», (Schnitzer), Pasewalk. Einen Sohn, Herrn Aron Baer (Dreysus), Cöln. verlebte. Rosa Gumperz, Hattingen — Max Joel, Berlin. Gertrud Treitel Baerwalde — Georg Levh, Schönlanke. Elli Hirschberg, Breslau — Moritz Lippman», Wartenburg. Lillie Levy, Hechingen — Siegln. Kaufmann, Berlin. Irma Klugmami, Kitzingen — Max Reineman», M.-Gladbach. Käthe Pinner, Berlin — Dr. med. S. Walter, Charlottenburg. \ Betty Klestadt, Wanne — Arthur Salzmann, Borbeck. Jda Rosenselder, Cannstatt — Arthur Mundstock, Leipzig. Rosa Spangenthal, Spangenberg — Moritz Rosenberg, Hann.-Mnnden. Jda Loewenstein, Höringhausen — Albert Freudenthal, Bodenfelde.

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