Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Diese Zeitung erscheint wöchentlich. NbonnementSPreiS pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei inS HauS. Bei der Post abonniert im In» und Ausland Mk. 1,02 (ein. schließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,5V, sonstige Litnder Mk. 2.— Frankfurt a. IR., vildtkerstraße 4/6, Ecke Lirichstraße H«r«sou 10L07. HerauegeSer: Kalg chsi». -- Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petttzeile. 35 Pfg. Die Reklamezeile. 100 .. Platz- und Datrn-Borschrist ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunst. 8. Jahrgang. Freitag, den 7. Mar scheni 5670 (18. März 1910). Rr. 11. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Ein grandioses Werk, ein Werk des nationalen Gedankens. — Ein Arbeitsamt für jüdische Akademiker. — Die Demission des „Doyen" Lyon-Cahn. — Aus aller Welt. — Feuilleton: Auge um Auge.— Wochen-Kal en der. — Familie nn ach richten. Ein grandioses Werk, ein Werk des nationalen Gedankens. Gar vieles schafft der nationale Gedanke bei den Völkern, gar vieles schuf er auch bei uns Juden. Und wie schafft dieser Gedanke? Kernig, urwüchsig, frisch und lebendig sind seine Schöpf-1 ungen. Hier ein Beispiel statt vieler: Gar viele sind die hebräischen Wörterbücher, die von Westlern und Oestlern geschrieben, wurden; manche hatten sogar bedeutende Fachgelehrte zu Verfassern; allein kein einziges von all diesen bietet etwas Ganzes, Vollkommenes. Die einen beschränken sich auf den knappen Wortschatz der Bibel, die anderen, deren Arbeiten sich auch auf die spätere Literatur erstreckt haben, taten sie halb und lückenhaft und ließen die neue Literatur ganz unbeachtet. Für die einen hörte das jüdische Schaffen mit dem Verlust der jüdischen Selbstständigkeit und Noch früher auf, für die anderen wiederum etwas später. Beide jedoch zogen in den Bereich ihrer Arbeit nur das Einst, nicht aber das Jetzt. War doch fiir sie alle das Volk tot und sein Schaffen dahin,— und so trugen auch' selbst ihre Werke die Schatten des Todes; kein Leben, keine Frische, alles vergilbt, und sogar dies Bischen von Dagewesencm war in einer gesuchten, gewundenen, leblosen Sprache erläutert. Für Nichtjuden oder Juden mosaischer Konfession waren ja auch derartige unzulängliche Werke gut genug. Um aber ein lebendiges, ganz- und gesundgliedriges 'Geschöpf zu schaffen, bedurfte es eines von einem lebendigen Gedanken getragenen Meisters! Es ist kein bloßer Zufall, daß gerade Ben Jehuda, der zuerst im smolenskischen „Haschachar" den nationalen Imperativ: „Nihjc kechol Hagajim bes Jisroel (Gleich den anderen Völkern müssen auch wir Juden eine Heimat, ein Land besitzen)" ausrief, daß gerade dieser Mann zuerst den Gedanken faßte, dem wiedergeborencn jüdischen Volke seine Sprache, sein Hebräisch, zu geben. Land und Sprache gehören zu einander, und zur Wiedergeburt eines Volkes gehören alle beide. Ben Jehuda war stets ein Mann der Tat gewesen, und so ging er nach Palästina, und nach langjährigen umfassenden und gründlichen Studien in der gesamten hebräischen Literatur und Sprache, sowie in den andern verwandten semüischen Sprachen machte er sich, ausgerüstet mit ungeheuerem Wissen, an die Abfassung eines allgemeinen, umfassenden hebräischen Wörterbuches, das die ganze hebräische Sprache von den Wurzeln aus bis in ihre letzten feinsten Verästelungen verfolgt und ausführlich behandelt. Ben Jehuda wußte, wie lückenhaft all die Werke auf diesem Gebiete sind; er wußte, wie sehr sein erst eben zum neuen Leben aufcrstandenes Volk ein allumfassendes Wörterbuch benötige, und auch das wußte er, daß niemand außer ihm die Kenntnisse und die Befähigung zur Abfassung eines solchen Werkes besitzt. So stellte er es sich denn zur Pflicht und Lebensaufgabe, dieses Werk zu vollbringen. — Ist es nun Ben Jehuda gelungen, sein Vorhaben ausznführen? Vor uns liegt der erste Band,*) der bis nahe an das Ende des Buchstaben „Bes" reicht, und da müssen wir auf Grund eingehender Prüfung sagen, daß selten ein Werk so vorzüglich gelungen ist, wie das epochemachende Wörterbuch Ben Jehudas. Man steht geradezu vor einem Rätsel! Wie war es inöglich, daß ein einziger Mensch das, was die französische Akademie für die französische Sprache, die Grimms-Gesellschaft fiir die deutsche Sprache geleistet haben, allein unternahm und aussührte?!! Man vergegenwärtige sich, welche gigantischen Kräfte dazu gehören, einen Wortschatz aus einer tausendjährigen riesenhaften Literatur, wie die jüdische es ist, aus der Bibel, den heiligen wie den nichtheiligen Schriften, aus Talmud, Midraschim usw., aus allen Zweigen der mittelalterlichen Literatur — der religiösen, gesetzlichen und pocti- *) Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache voll Elieser Ben Jehuda. Berlin-Schöneberg, Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung. scheu Literatur, wie auch der philosophischen und andere» exatten Wissenschaften —, aus allen Gebieten der neuhebräische» Literatur zu heben, nach allen Nuancen und verschiedenen Anwendungen auch nach den etymologischen, grammatikalischen Formen der hebräischen Sprache und der Aehnlichkeiten in den verwandten Sprachen zu ordnen und zu erklären und dazu noch mit deutscher, französischer und englischer Uebersetzung zu versehen! Und wo es an Ausdrücken fehlt, da prägt er vollständige Wortbildungen. Und all das aus der Hand eines einzigen Mannes! Ist das nicht fast übermenschlich? Wäre das große Werk ohne den großen Gedanken der nationalen Befreiung denkbar? Vor uns liegen eine Anzahl anderer hebräischer Wörterbücher, und indem unser Blick von den anderen auf dieses eine fällt, überkommt uns ein Gefühl, das einst den Propheten Ezechiel beim Anblick der verdorrten Gebeine, die zu einem lebendigen und markigen Volke geworden und auferstanden sind, überkommen ist. Wir glauben, es erübrigt sich, mahnende Worte an unsere Brüder um Unterstützung der Ausführung dieses großen nationalen Werkes zu richten; für jeden Juden muß es eine Ehrensache sein, sich dem Langenscheidt'schen Verlage dankbar zu zeigen. Wir werden noch Gelegenheft nehmen, eingehend auf die wefteren Lieferungen zurüctzukommen. S. H. G—n. Ein ostafrttanischeS Semitenvolk. Junge Mafai. 2 und 4 reinblütig. 3 mit Negerblut gemischt. 1 zweifelhaft. ' *■*-