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Neue jüdische Presse · 1910-03-04 · Heft 9 (4.3.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 9 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. berg an der Kemp euer Simnltanschnlc freigewordene Stelle, ist Lehrer Witt-Murowana gewählt worden. Budapest. In Saboraljaujhely verschied — 79 Jahre alt — Oberrabbiner Kalman Weiß. — Die „Allg. Jüd. Ztg." berichtet von folgendem merkwürdigen Vorkommnis: Ein mit seiner Gemeinde im Unfrieden lebender Rabbiner hatte dem Dorbeter verboten, den Gemeindevorsteher bei der Thoravorlesung aufzurnfen. Daraufhin verfügte der Vorstand, baß der Rabbiner, der stets an dritter Stelle aufgernfen wurde, ferner nicht aufgerufen werde. Der Rabbiner rief nun nicht die orthod. isräelit. Landesrepräsentanz an, wie es selbstverständlich gewesen wäre, sondern wandte sich direkt an den Kultusminister, daß dieser verfüge, daß er allsabbatlich zur Thora aufgerufen werde. Bunte Chronik. Der Alkohol, die Bibel und die Rabbinen. Psychologisch-Historische Skizze. Don Dr. med. Rainer, Wiesbaden. Es berührt einen. eigentümlich, wenn man das altehrwürdige hygienische Vademecum der Israeliten — das älteste der Menschheit — durchblättert. Ueberall begegnen uns darin so gesunde, vernünftige Maßregeln, deren sich die neueste Forschung nicht zu schämen braucht. Für heute mag die Alkoholfragc an die Reihe kommen. Daß der Hohepriester weder Wein noch andere berauschende Getränke, bevor er ins Heiligtum zu treten gedachte, genießen durfte — dies war bei Todesstrafe verboten! —, ist wohl allbekannt (Leviticus IX, Vers 8, 9). Die beiden Söhne Arons starben ja deswegen nach Erklärung der Rabbinen, weil sie gegen dieses Verbot verstoßen hatten. (Daselbst). Daß aber die Bibel die Wirkung des Alkohols auf Mutter und Kind kannte, ist wohl bisher nicht beachtet worden. Und doch verhält sich es so! Im Buche „Richtet, Kap. XIII. wird erzählt, daß die mit dem Riesen Simson schwangere Frau des Monauach den Engel fragte: „Was soll aus dem Künftigen Kinde werden, und wie soll ich mich verhalten?" Die Llntwort war: „Alles, was dem Rebstock entstammt, darfst Du nicht essen; Wein oder berauschende Getränke darfst Du nicht trinken; alles Unreine sollst Du vermeiden!" — Da haben wir die Diätetik der Schwangerschaft! Die Mutter kann den Embryo durch Gifte und Unreinlichkeit schädigen. Und hier sollte doch der Riese, der Schrecken der Philister, geboren werden! Die Rabbinen fragen im Traktat Erubin: Ist es nicht ein Widerspruch, wenn es einmal heißt: Wein und berauschende Getränke sollst du nicht trinken, das andere Mal (Proverba Salamonis): Der Wein erfreut des Menschen Herz? Antwort: Mäßig genossen, erfreut er; übermäßig schädigt ec. Hinzugefügt wird noch der Ausspruch: „Wo des Weines Geist eingetreten, da ist der Weisheit Geist ausgetreten.. Also die moderne Mäßigkcitsbestrcbnng, wie sie leibt mid lebt. Kunst und Literatur. Ahasver in der Weltliteratur von Theodor K a p p st e i n. 157 Seiten. Berlin. Georg Reimer. “ Ahasver gehört jenen Gestalten der Sage an, die dank ihrer Gewalt unvergänglich bleiben. Sie sind ewig bleibende Typen, die in sich bestimmte große Ideen repräsentieren. Und doch! Wie alles Große, so ist auch die Auffassung dieser Gestalten gar mannigfaltig, und ein jeder vermag in ihnen eine andere Idee verkörpert zu finden. Es ist also ganz natürlich, daß sich die Poesie dieser Gestalten bemächtigt, und so ist auch Ahasver ein Name, der in den Literaturen fast aller Völker und aller Zeiten wiederkehrt. Es ist nun eine interessante, aber überaus schwierige Aufgabe, den Spuren Ahasvers in der Weltliteratur nachzugehcn und darzustellen, wie verschieden ihn die einzelnen Dichter aufgefaßt und behandelt haben. Kappstein hat sich dieser Aufgabe unterzogen; aber so, wie er sie erfüllt hat, hat er alle Schwierigkeiten mühelos überwunden. Er hat nicht etwa alle Dichter, die die Ahasvergcstalt je behandelt haben, berücksichtigt, vielmehr hat er nur die in sein Buch ausgenommen, die er in seinen Mußestunden — deren nicht viele sind — kennen gelernt hat; so ist das Buch keineswegs erschöpfend und vollständig und erhebt auch gar nicht den Anspruch darauf. Trotz dieses Mangels aber, den der Autor wohl einsieht und zugibt, ist das Werk doch empfehlenswert. Denn bei der großen Anzahl von Dichtern, die Kappstein behandelt, ist es sehr lehrreich und — was vielleicht noch mehr gilt — sehr anregend, weil man auf dieser Art selbst dazu kommt, sich in die gewaltige, fast dämonische Gestalt Ahasvers zu versenken. Dr. A. Briefkaste«. D. K. Der geborene Jude, spätere Protestant und jetzt wieder Jude, Privatdozent Dr. Theodor Lessing in 'Hannover, der in der „Allg. Ztg. d. Indent." und in der „Schaubühne" antisemitische Schmähartikel veröffentlichte, ist für die jüdische Oeffentlichkeit abgetan. Frau L. G. Der Grund, daß in der Verbrechcrsprache zahlreiche hebräische Ausdrücke Vorkommen, dürfte der sein, daß die Verbrecher zur gegenseitigen geheimen Verständigung nach einer Sprache suchen mußten, die niemand versteht. Daraus auf einen hohen Prozentsatz der Juden unter den Verbrechern schließen zu wollen, ist Unsinn und widerspricht der Statistik, die gerade das Gegenteil beweist. Allgemeine Mitteilungen. Der „Israel. Männer-Kr ankeüvcrein Biebrich-Schier st ein -Fraen st ei n" feierte jüngst sein 70. Stiftungsfest. Das übliche Festessen fand im Restaurant Deutsch in W i c s'b a d e n statt. Küche und Keller des Herrn Deutsch befriedigten derart, daß beschlossen wurde, die Festlichkeit alljährlich bei Herrn Deutsch abzuhalten. — Nachhilfe — und Unterricht in Dentsch — Englisch — Französisch — Bechnen etc. täglich v. 3-7 Uhr. Honorar monatl. 15.— Ulk. Lehrer W. Knorz, Kaiserstr. 3. Bereius-Kaleuder. Samstag. „M o n t e f i o r e" - Be r e i n , 11 Uhr, Scilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschiin (Dr. B. May). — Verein „Mekor Chajim", 3% Uhr, Schützcnstr. 2: Mikro - Vortrag (Schachnowitz). — R. P. Beth-Hamidrasch, 5 Uhr,Rechneigrabenstraßc 1211: Vortrag (Rabb. Howscha aus Schkudh). — Verein selbständiger israelitischer Handwerker, 8% Uhr: Frankfurt-Loge: Bortrag über „Altjüdisches Handwerkerleben (Dr. I. Heinemann). Sonntag. Verein „Mekor Chajim", 61/» Uhr, Schützcnstr. 2: „Schulchan Aruch" - Vortrag (Rabb. Dr. Breuer). — Pr o f. Dr. Werner S o m b a r t, Vortrag über „Judaismus und Kapitalismus" (8 Uhr, Großer Saal des Kaufmänn. Verein). — Verein „Tifcrcs Bachurim, 9 Uhr, Hermesw. 25/7: Das Karäertnm (Dr. Freymann). Montag. Hatchijoh: Vortrag fällt aus. Dienstag. Jüd. Frauenvereinigung, 4 Uhr, Cafe Kursaal (Milani): Gemütliche Zusammenkunft. Mittwoch. „Montefiore"-Bercin, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Frankreich im 19. Jahrhundert (Dr. Werner). — Sie teilt „N achlaß Z w i", 9 Uhr, Langestr. 26: Die Rabbinerschulcn in Ungarn (Steinberger). Sigmimd Singer, Bsrnepiatz 23 empfiehlt Stoffe kür Herren-Anzflge und Paletots zu billigsten Freisen. Infolge einer technischen Störung im Druckereibctrieb. infolge Umbaus mußten einige Seiten redaktionellen Textes für die Nächste Nummer verschoben werden. ►a s CO g d »gm© p CW g Mineralbrunnen RHENS AmKonigss|uhlzu Berztlich anerkannt bei Gicht,Rheumatismus,Blasen- und üierenleiden, ferner bei Katarrhen der Luftwege, sowie Störungen . im Magen-Darmkanal. Zu haben in sämtlichen einschlägigen Geschäften. zli Liter-Masche ä 18 Pfg., bei 25 Fl. 17 Pfg., bei 50 Fl. 16 Pfg. '/- .. .. ä 14 Pfg., .. 25 .. 13 Pfg., „ 50 „ 12 Pfg. Das Glas wird mit 15 Pf*, berechnet und wieder zorückgenommen. Jetzt Schillerstrasse 2$ “H werden Strohhüte nach den neuesten Formen schnell nnd billigst fa^oniert, gewaschen und gefärbt. qm ßertrand, _früher Btbergasse 10. 9. Frohmann Hachf.. 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