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Neue jüdische Presse · 1910-02-25 · Heft 8 (25.2.1910) · page 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3. Nr. 3. Jüdische Jugend. gehen immer mehr unserer Brüder und Schwestern von hier nach Palästina. Dort klingt jetzt wieder die Sprache unserer Väter, die Sprache, iir der der weise König Salomo redete." Ruwimtschik sah seiner Großmutter ins Gesicht und bemerkte, daß ihre sanften Augen ganz besonders sröhlich strahlten. Seine Großmutter kmn ihm plötzlich viel jünger vor. „Großmutter", sprach er gerührt, „ich möchte so gerne den blauen Hiurmel, die dichten Wälder, die duftenden Rosen, die Berge und Täler Zions scheu." „Wenn Gott cs nur will, mein Kind, so wirst Du sie sehen. Wir alle werden sic scheu. Aber liebst Du denn auch das Land?" „O, ich werde keinen einzigen Mandelbaum aus meiner Heimat hergebcn! Aber, Großmutter, kann man auch mit den Vögeln und Bäumen sprechen lernen?" „Gewiß kann nian's! Man muß die Vöglcin und Bäume nur lieb haben." „Großmutter, in welcher Sprache unterhielt sich denn der König Salomo mit ihnen?" „Hast Du denn noch nie Bibel gelernt, mein Kind?" „Freilich habe ich gelernt! Ich weiß auch jüdische Lieder auswendig. O, welch herrliche Lieder: Sic erzählen von den Töchtern Zions. Die saßen an den Usern des Euphrat und weinten bitter, weil man sie gezwungen hatte, Zion zu verlassen. Ihre Harfen hängten sie au Weidenbäumc. Und die Feinde lachten sie aus, neckten sic und, sprachen zu ihnen: ,Singt jetzt die Lieder Zions!' Doch die Töchter Zions erwiderten: ,Jm fremden Lande werden wir nie unsere herrlichen, heiligen Lieder singen!' — Weißt Du, Großmutter, wenn ich nach Zion koimne, will ich mit den Bäumen und Blumen ebenso sprechen, wie der König Salomo. Ich werde zum Jordan gehen und seinen Erzählungen lauschen. Durch ihn führte doch, wie durch trockenes Land, Josua die Inden, als sie nach dem Lande Kanaan zogen- — Dann will ich mich nach dem Ort begeben, wo der Tempel einst stand. Ich habe gelesen, daß dort noch eine Mauer vom Tempel vorhanden ist. Die weiß sicher auch viele schöne Märchen. Sie wird mir vom Tenipel erzählen, von den Liedern, die die Jünglinge und Jungfrauen Zions sangen, von großen Helden und von weisen Propheten. Ich werde alles behalten und mir aufschreibcn. Dann werde ich ein dickes Buch mit Erzählungen über Zion haben. Ich werde mir cincit schönen Einband anschafjen und mit großen goldenen Buchstaben darauf schreiben: .Erzählungen über Zion. Seiner innigstgcliebten Großmutter in dankbarer Erinnerung 'gewidmet von ihrcni Enkel Ruwimtschick.'" „Prächtig, prächtig, mein Kind! Lies nur öfter die heilige Bibel, und Du wirst bald ebenso gut hebräisch sprechen können wie der König Salomo." „Großmutter, drüben auf dem Schrank liegt ein alter Luloiv. Der Vater sagte mir, der sei aus Palmzwcigen. Dieser Palmbauni tvächst doch auch in Zion. Der arme Lulow ist ganz mit Staub bedeckt. Ich glaube, er trauert über seine ferne Heimat. Ich will ihn herabholen, Großmutter!" Und che ihm die Großmutter irgend ctivas erwidern konnte, stand Ruwimtschik schon mit dem Lulokv da. „Großmutter! Wir wollen doch die Früchte aus Zion zum neuen Jahre beglückwünschen.. Mag auch der arme Lulow unser» Glückwunsch vernehmen!" Und Ruwimtschik sprach laut und freudig: „Feigen, Datteln, Mandeln, Nüsse und Palmzwcigc Zions! Ich und die Großmutter beglückwünschen euch zum neuen Jahre!" „Mein liebes, teures Kind!", rief die Großmutter, preßte ihren Enkel fest an ihre Brust und überschüttete ihn mit zärtlichen und herzlichen Küssen. qmzhseh _^Mineralbrunnen Am Konigsstuhl zu RHENS Kgl.Preuss.Staafsmedaille fterztlich anerkannt bei Hiebt,Rheumatismus,Blasen- und Nierenleiden, ferner bei Katarrhen der Luftwege, sowie Störungen im Magen-Darmkanal. 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