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Neue jüdische Presse · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 7. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. In fcer Diskussion kamen noch die Herren Seegnll, Reüß, Cohn, Salinger, Levy, Dr. Fink, sind. Arnoldski und Sternberg zu Wort. Die Mitternachtsstunde war bei Schluß der Versammlung längst vorüber. WieSbadeu. Sonntag Abend sprach vor einem zahlreichen Znhörercoronä aus allen jüdischen Gesellschafts-Schichten Rabbiner Dr. E. Cohn aus Kiel im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur über „Jehudah H al e v i". In begeisterten und begeisternden Worten schilderte der talentvolle Redner und Halcviforscher das Leben und Schaffen dieses jüdischen Großen. Er rezitierte nicht ohne Geschick manche Perle Halevischer Poesie in eigener Uebertragung und trug zülcht eine bekannte Zionide in deutscher Uebersetzung vor. Geradezu packend war der mit feurigem Pathos an die Zuhörer gerichtete Appel: Nach dem Muster Jehudah Halevis ihre Erlebnisse nicht draußen, sondern im Judentum selbst zu suchen, denn das Judentum hat eine große Zukunft! Spektator. Wiesbaden. Wenn die Kinder die besten sind, von denen man am wenigsten spricht, so dürfte der jüdische Jugendverein", von dem bis jetzt nichts in die Oeffentlichkeit, d. h. in die Zeitmig drang, zu den besten Kindern des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine" gezählt werden. Im Mai v. I. gegründet, verzichtete er anfangs auf ein lautes Auftreten, warb vielmehr im Stillen neue Mitglieder und traf Vorbereitungen für die Winter- Saison". Zu Beginn des Winters zählte er bereits gegen 100 Mitglieder, für Wiesbaden, wo soviele der Ablenkungen vorhanden sind, und wo auch andere, sogar nichtjüdische Vereine infolgedessen nicht gut prosperieren, gewiß eine ansehnliche Zahl. Wie ernst der Vorstand seine Aufgabe auffaßte, zeigte er dadurch, daß er gleich daran ging, einen Kursus in jüdischer Geschichte einzurichten, den Bezirksrabbiner Dr. Adolf Kober leitete. In zehn Vorlesungen behandelte Dr. Kober die Geschichts- Epoche von Mendelssohn bis auf die Gegenwart, es meisterhaft verstehend, den manchmal trockenen Stoff interessant zu gestalten. In seinem Schlußvoxttag ermahnte er seine verhältnismäßig zahlreiche Zuhörerschaft, sich intensiver mit der jüdischen Geschichte zu befassen, um dadurch zu einer richtigen Wirdigung des Judentums zu gelangen. — Ein zweiter Kursus in hebräischer Sprache, den abzuhalten, sich das Vorstandsmitglied Lehrer Rosenberg-Bierstadt bereit erklärte, ist geplant. Am Channka veranstaltete der Verein seine erste größere Festlichkeit unter Mitwirkung Wiesbadener und, auswärtiger Künstler. Das Fest erfreute sich eines über alle Erwartungen starken Besuches; alle Schichten der Wiesbadener Judcnheit konnte man da sehen. Welcher Teilnahme der Jugendverein bei 'der hiesigen Judenheit sicher ist, zeigte sich auch darin, daß noch am selben Abend gegen 100 neue Mitglieder dem Vereine beittaten. — Im Januar hielt der Verein drei offizielle Vcreinsabende gb. Am ersten dieser Abende sprach Dr. Löffler- Frankfurt über „Björnson, ein Vorkämpfer idealer Weltanschauung". In anschaulicher Weise führte uns der , Redner den Dichter und sein Werk vor, zeigte uns, wie überall der Jugendmid Volkserziehcr zu uns spricht. Er erwähnte auch anfangs Björnsons Beziehungen zmn Judentum nird am Schlüsse erläuterte er Björnsons Stellung zum Sexualproblem und dessen Lösung, die auch vom jüdischen Standpunkte gefordert wird. Mit großem Interesse folgte die überaus zahlreich erschienene junge Zuhörerschaft den gediegenen Ausführungen. Im zweiten Vortrag sprach Herr G o ß l a r über die „Frauenarbeit im Handel" und der dritte Abend war geselliger Unterhaltung gewidmet. Es ist erfreulich, wenn auch die Wiesbadener Jugend sich allmählich daran gewöhnt, den jüdischen Jngendverein als ihr eigentliches Milieu, in dem sie sich heimisch fühlt, zu betrachten, und in diesem Sinne ist es ein gut Stück jüdischer Rcuaissancccarbeit, das in den Hugendvereinen geleistet wird. Mannheim. Am Sonntag, den 13. dss. veranstalteten die Herren Lulka u. Kag an, die ihre Kunst schon in England und einigen deutschen Städten bewährt haben, hier einen I a r g o n a b e n d. Es wurden verschiedene Szene.n aus dem jüdischen Leben zur Aufführung gebracht, aus dem nationalen wie aus dem örtlichen Ghettolcben. In die, durch Kostüme toirksäm. unterstützten vorwiegend huinoristischen Dialoge, die in Jargon, z. T. auch in leicht verständlichem Hebräisch gesprochen wurden, waren überall hebräische und Jargon-Lieder eingefügt. Auch einige echt chassidische Tänze trugen zur Belebung des Ganzen bei. Die stimmlich und mimisch geschickten Darbietungen fanden bei den recht zahlreich erschienenen Hörern eine dankbare Aufnahme. Die beiden Herren beabsichtigen, sich demnächst auch mit dem Frankfurter jüdischen Publikum bekannt zu machend Aus der Lehrerwett. Breslau. Ein merkwürdiges Bild bot die Repräsentanten!) ers ammlun g der jüd. Gemeind«, als sie über die Angelegenheit der Jn-ustrieschnle, einer seit 100 Jahren bestehenden jüd. Mädchen-Volksschule, beriet. Es handelte sich darmn, ob diese Schule der Stadt übergeben werden sollte, die sie naturgemäß in ejne 7 klassige ausbauen und dann event. ein Zwangseinfchulungsrecht jüd. Kinder ausüben würde. Statt nun froh zu sein, durch eine jüd. Volksschule den jüd. Interessen einer jüd. Gemeinde förderlich sein zu können, sprach sich eine Anzahl der Vertreter dieser Gemeinde gegen das Bestehen einer jüd. Schule aus. Der Repräsentant Stadtrat Marck vcrstieg sich sogar zu folgenden Worten: „Der Unterricht soll nicht Sonnabends, sondern Sonntags sein. Das bedeutet einen großen Eingriff in die Rechte der Eltern, die dadurch gezwungen werden, streng rituell den Sabbat zu halten. Das ist ein Eingriff in die Gewissensfreiheit der Eltern, welche nicht gewohnt sind, den Sabbat zu halten." Und solch ein Manu repräsentiert eine jüdische Gemeinde! Wilna. Nach einem langen Kampf zwischen der Wilnacr Intelligenz und der Orthodoxie wurde Rabbiner Rubinstein zum Kronrabbiney von Wilna gewählt. Die Orthodoxie blieb also im Kampfe Siegerin. Lida lRußland). Rabbiner Reines, der Ehrenpräsident des Misrachi, hat den Rabbinatssitz in Nowogrudok (Nawarudok) angenommen, und wird auch dorthin seine Jcschiwah verlegen. Sein hiesiger Nachfolger wird wahrscheinlich sein Schwiegersohn, der Lidaer Dajan. R a b i n o w i t s ch , der sich allseitiger Beliebtheit erfreut. Personalien. Berlin. Privatdozent Dr. Paul Schuster erhielt den Aitel Professor, Fabrikbesitzer! Georg Baschwitz, Professor Dr. Karewski, Stadtrat G i e m k i e w i e z und Frau Kommerzienrat Anna Valentin die R o t e K r c n z m c d a i l l c 3. Klasse. Mannheim. Die Eheleute Maier Maier in N n ß l o ch und Heinrich Maier in W i e ß - loch begehen nächste-Woche ihre goldene Hochzeit. Gnese«. Fabrikbesitzer Ignatz Rogowski erhielt den Titel K o nt m c r z i curat. Grünberg t. Schles. Bankier Louis Las kau der Vorsitzende der jüd. Gemeinde, erhielt den Titel K o m m e r z i e n r a t. Wien. Kammersänger Sontheim ist anläßlich seines 90. Geburtstages vom König von Württemberg durch Verleihung des Kronen-Ordcns in den Adelsstand erhoben worden. London. Die hiesige Kritik ist voll des Lobes über die glänzenden Leistungen des jungen Pianisten Benno Moiseiwitsch, eines Schülers Professors L e s ch e t i z k y in Wien. Der Künstler wurde 1890 in Odessa geboren. Salonique (Türkei). Rechisanwalt Emanuel Salem erhielt das Ritterkreuz des ö st c r r. Franz Joseph-Ordens. Kremenitz. (Rußland.) In allen Gebethänsern unserer Stadt fanden Gedenkfeiern anläßlich des 50jährigen T o d c s t a g e s des berühmten Gelehrten Rabbi Jizchok Bär Lcvinsohn statt. Auch an seinem Grabe wurde eine imposante Gedenkfeier abgehalten.*) New-Nork. Präsident Taft sandte als Erinnerung an seinen Besuch der „Rodeph Shalom"- Synagogc in Pittsburg dem Präsidenten dieser Synagoge Abraham Lippman» seine Photographie mit der Unterschrift: „To Mr. Lippmann, President of Rodeph Shalom, with best wishes and highest respect of Wm. H. Taft." — Sämtliche 500 Thealcrorchcster-Musiker Ncwyorks erwiesen ihrem Kollegen Sigismund Bernstein, die letzte Ehre, damit das Ansehen, das dieser unter ihnen genoß, dokumentierend. Bernstein besaß eine der wertvollsten Musikwcrke- Bibliothekcn der Welt. Rabbi Leiser Gordon s. A. Lon'don, 15. Februar. Ich habe eine Trauerbotschaft zu verkünden: Rabbi Leiser Gordon, Oberrabbincr von Tcls und Inhaber der zweitgrößten Jeschiwah Rußlands, ist nicht mehr unter den Lebenden! . In Rabbi Leiser Gordon verliert das jüdische Volk einen der scharfsinnigsten Talmudisten der Gegenwart, einen seiner geistesgeivaltigen Führer. Gestern noch, seines Volkes Licht und Leuchte, ist er nun feinem Volke jäh und unerwartet ans fremdem Boden entrissen worden. Seine stolze Jeschiwah ivar abgebrannt, und er kam letzten Donnerstag nach London, um den Wiedcrausbatt dieser gewaltigen Talmud-Universität zu ermöglichen, — und Samstag Nacht war er nicht mehr unter den Lebenden. Siebzigjährig und gebrochen dazu, durch Enttäuschungen erregt und durch die Strapazen der Reise körperlich nicht mehr widerstmtdssähig, erlag er Samstag Nacht einem Plötzlichen Schlagausall. Die Beisetzung findet wahrscheinlich heute statt. ,*) Eine Würdigung dieses große» Gelehrten -bringenwir-nächste Woche. - D. Rcdakt. - L. Lilienblum s. A. M. L. Lilienblum, einer der bedeutendsten und einflußreichsten hebräischen Schriftsteller der Gegenwart, ist im Alter von 67 Jahren in Odessa einem Krebsleiden erlegen. Eine eingehende Würdigung dieses bedeutenden Mannes werden wir in der nächsten Nummer bringen. Sprechsaal. (Ohne Verantwörtlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu welchen Kuriositäten die Willkür führen kann, mit der die Leiter der Hauptsynagoge an den rituellen Gebräuchen herumflicken, mag Ihnen folgender Vorfall beleuchten: Vergangenen Freitag Abend sollte eine Probepredigt eines Kandidaten für einen Lehrerposten stattfinde». Ein Vorstandsmitglied wollte nun deshalb dem Gottesdienste beiwohnen. Da er aber es sich nicht einrichten zu können glaubte, zur rechten Zeit zu erscheinen, wurde dieses einen Vorstandsmitgliedes wegen der Gottesdienst um etwa V» Stunde verschoben! Bisher richteten sich die M c n s ch e n nach dem Gottesdienste! — — — — X. Y. Bunte Chronik. Jüdische Kunst. I» dem Knnstbrief, den „Dr. Bloch's Oesterr. Wochenschrift" gelegentlich der Wiener Ausstellung der jüd. Kunstgewerbeschule „Bezalel" bringt, lesen wir: „Den einen Beweis hat Schatz uns sicher erbracht, daß wir überhaupt eine jiidische Kunst haben. Jüdische Kunst als Tatsache und nicht als Phrase, Der Deutsche Dürer machte seine Figuren streng imd nüchterit, die Südländer malten voll glühender Romantik für das heißeste Gefühl, die Griechen schwelgten in Schönheit, die Römer arbeiteten auf Größe des Eindrucks hin, — die jüdischen Künstler von jüdischer Rasse erfüllen eine Forderung, die Goethe aufstellte: Dem Beschauer etwas zu erraten, selbst za komponieren, selbst zu fühlen überlassen. Das sehen wir bei den jüdischen Malern der jüngsten Neuzeit, sehen wir beispielsweise bei Liebermann, Israels, sehen wir in der Ausstellung des Bezalel bei Struck und seinen Schülern. Die Juden sind in ihren Werken zum großen Teil Impressionisten. In der Mitte ein starker, mächtiger Eindruck, ringsherum verklingende Motive oder verschnörkelte Ornamente. Findet man darin nicht eine Beziehung zu den Heiligen Büchern und den Konmientarcn?" Spenden. Beim Frankfurter Israelit. Familienblatt gingen ein für die S i ed l un gs g e n o sscn sch aft in P a l ä st i n a: L. K. 3,— JL M. P. 10,- „ Hch. Wertheim 10,— „ 23— JL Für den I ü d. N a t i o n a l f o n d s: Hatchijoh 1 Oelbaum zum 25jährigen Todestag Perez Smolcnsky's 6,— JL Wolpe, Bergerftc. 53, aus Büchse 2,96 „ Wolpc, Bergcrstr. 53, anläßlich des 70. Geburtstages ihrer lieben Freundin Frau Johanna Stern-Bergs 1,— „ 9,96 JL Materialien von Frau Dr. Schapira, Frl. Henni Goldschmidt, Grete Lindenbaum, sowievon Josef und Moses Unna. Nachhilfe nnd Unterricht in Deutsch — Englisch — Französisch — Bechnen etc. täglich v. 3-7 Uhr. Honorar monatl. 15.— Hk. Lehrer W. KnOPZ, Raiserstr. 3. Vereins-Kalender. Samstag. „M ontcfiorc" - Bercin, 11 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kcdauschim (Dr. B. May). — Verein „Mekor Chajim", 3J/r Uhr, Schützenstr. 2: Mikro - Vortrag (Rektor B. Falk). Sonntag. Verein „Mckor Chajim", 6 Uhr, Aula der Israel. Realschule: Imponderabilien des Judentums (Rabb. Dr. R. Breuer, Aschaffenburg). — Verein „Tifcres Bachuri nr", 83/i Uhr, Hermeswcg 25/7: Die Sekte der Karäcr (Max Bender). Montag. Hatchijoh, 93/4 Uhr, Hcrmcsweg 25/7: Der Chassidismus (Goldmann). Mittwoch. I n d. F r a u e n v e r e i n i g u n g, 8y-> Uhr, Hörsaal Schützenstr.: Die Frau nnd das bürgerliche Gesetzhuch (Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild). — Verein „Nachlaß Zwi", 9 Uhr, Langestr. 26: Die zwei Jahrhunderte vor Mendelssohn (Rabb. Dr. I. Bondi, Mainz). — Verein für jüd. Ge-

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