Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1910)
- Date
- 1910-02-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. «. t j Frankfurter Israelitisches Familienblatt. zipien des aktiven Zionismus zu kämpfen und nicht für Personen. Gens (Schweiz). Dr. Daniel Pasmanik. Zum IX. Zionisteukougrctz. Eine Erwiderung. Gestatten Sie auch mir"einige Bemerkungen zu he« Ausführungen des Herrn Simon. Meines Erachtens irrt Herr Simon, wenn er «eint, die Parteigänger Wolffsohn's hätten vergessen, um was es sich eigentlich handle. Der Kampfruf „hie Wolffsohn — hie russische Landsmannschaft" war nicht diesseits, sondern eher dem Verhalten der Russen zu entnehmen. Woraus will Herr Simon denn schließen, daß —. wie er sich «usdrückt — der Block, der sich in letzter Stunde der Durchführung der russischen Forderung entgegenstellte, es wagte, wertvolle Kräfte im Zionismus einfach das Recht zur Mitarbeit zu verweigern? Ich frage nochmals: Woraus schließt Herr Simon diese Behauptung? Herr Simon war doch im Per- «anenzausschuß, sollte also die Vorgänge doch kennen. Ich behaupte, daß der russ. Landsmannschaft, wenn sie dem Kongreß bessere Vorschläge gemacht hätte, «ls tatsächlich geschehen, ein großer Teil westeuropäischer Delegierter gefolgt wäre. Die russ. Landsmannschaft trat wohl in „unerschütterlicher Einheit «if, das stimmt; aber worin? mir schien es, um Rache für Haag zu üben! Sollten wir da mittun? Herr Simon vergißt, daß der Permanenz-Ausschuß in den 7 Tagen seiner Arbeit zu keinem raisonablen Resultat kommen konnte, weil die russ. Landsmannschaft wohl wußte, wen sie fort haben, aber n ich t, wen s ieandessenStelle fetzen wollte. Auch Herr Simon wird nicht glauben, daß Herr Prof. Marburg bei aller und höchster Wertschätzung seiner Person und seines Wissens als Führer der zion. Organisation in Betracht kommen kann. Herr Simon ist Kausinann genug, um zu wissen, daß an der Spitze einer großen Organisation ein Praktiker stehen muß. Er wird ferner wissen — und das darf wohl offen gesagt werden —, daß bei der strengsten Verurteilung der Form, die Mr. Cowen leider gewählt hat, in seinen Aussührungen doch ein Körnlein Wahrheit enthalten ist; das wird Herr Prof. Marburg auch nicht leugnen. Herr Prof. Marburg wird sich wahrscheinlich selbst nicht für geeignet halten, und ich gestehe, es verursachte mir auf dem Kongreß viel Kopfzerbrechen, zu ergründen, wie die altbewährten russ. Zionistenführer in Marburg ihren Mann finden konnten, wenn — was ich nicht glauben mag — sie nicht in Marburg den zu finden hofften, der nur nach ihrer Pfeife tanzen würde. Wenn Tschlenow auf die Bedeutung der Unzufriedenheit aller russ. Delegierten hinwies und dies in der bisherigen Leitung zu begründen sucht, —> warum zog er seine Kandidatur denn zurück? Ein E. A.-K. aus 5 Personen bestehend, unter welchen 3 — nämlich Marburg, Sokolow und Tschlenow — in Berlin domizilieren, hätte doch auch genügen -können! Hat er aber durch den Refus von Hantle und Sandler gefürchtet, die Mitarbeit der deutschen Zionisten zu verlieren,' schätzt er mithin dieselbe doch nicht so leicht ein, — dann hätte eine bessere Verständigung mit den deutschen Delegierten vorher gesucht werden müssen. Gewiß stimme ich Simon zu in seiner Behauptung, die Palästina-Idee steckte unseren Gesinnungsgenossen in Rußland vielmehr in Fleisch und Blut, es ist auch nicht vergessen, daß Tschlenow- Ussischkin n. a. bereits ein Lebensalter für den Zionismus wirken; — aber was war das Resultat ihrer Arbeit? Ich unterschätze bei dieser Frage gewiß nicht die Pionierarbeit der alten Chowewe-Zion (ich rechne mich selbst dazu); aber denken wollen wir auch daran, daß der große Zug erst in die Bewegung kam, als Herzl auf dem Plan erschien. Erst die aus Westeuropa stammende g r o ße „I de e" gewann die Massen auch in Rußland. Das sollten auch die Russen nicht vergessen! Sodann mag daran erinnert sein, daß auch Wolffsohn mit manchem seiner Freunde ein Lebensalter für den Zionismus wirkt. Herr Simon irrt ferner in seiner Annahme, man triumphierte über die russ. Landsmannschaft. Das tat wohl niemand, auch nicht über die Wahl Wolffsohn's: Den Ernst der Lage hatte wohl jeder erfaßt. Nur freier aufgeatmet haben wir in der Gewißheit, vorerst die Führung in einer starken Hand zu wissen, anstatt einer unerprobten, unerfahrenen, somit gefahrvollen Steuerung uns anverttauen zu müssen. Gewiß können und dürfen wir die Mitarbeit unserer Freunde aus gkußland nicht entbehren, und es muß — das sage ich wohl im Namen vieler Gesinnungsgenossen! — ein Weg zur gemeinsamen Arbeit gefunden werden. Dieser Weg wird gefunden werden, wenn auf beiden Seiten die Wertschätzung des Gegners mehr als bisher anerkannt werden wird. W. Wir schließen die Diskussion über den 9. Zionisten - Kongreß. Herr Julius Simon - Mannheim, der die Diskussion eröffnete, wird in einer der nächsten Nummern einen Schlußartikel bringen. D. Nedakt. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M., 3 Februar. .M o d e r n e jüdische Erziehungsprobleme" hatte Dr. Moses. Mannheim zum Gegenstand seines gestrigen Vortrages des „M ontesiore"- Vereins gewählt. Redner ging an sein Thema vom Standpunkte des Arztes. Nüchternheit, sittliche Reinheit, Individualismus und Lerntrieb seien die Rassencigcnschaften des jüd. Volkes geworden, durch die es sich in allen Zeiten ausgezeichnet habe. Ueber den Einfluß des Golus auf seinen Charakter sei man sich nicht einig; doch das eine sei sicher, daß das Golus ihm die nervöse Veranlagung gebracht habe, die durch die Emanzipation nicht gemildert worden ist. So kommt es denn, daß die Juden, die nur 1«/o der Bevölkerung Deutschlands bilden, 2,38°/» zu den Insassen der deutschen Irrenanstalten stellen und daß auch ihr Anteil an Selbstmord höher ist, wie er nach ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sein dürfte. Gegen andere Krankheiten als die des Nervensystems seien die Juden jedoch heute noch weit mehr gefeit, als ihre Mitbürger. Auf Grund der Situation der heutigen Judenheit verlangt Redner in der Erziehung Sport, Gewöhnung an Einfachheit und Lehren des 'Judentums und damit seiner traditionellen Werte. Frankfurt a. M. Der Centralverein isr. Gemeindemitglieder veranstaltet Samstag Abend 81/2 Uhr im Restaurant Härle eine Generalversammlung. Auf den Einladungskarten ist ein irrtümliches Datum angegeben. A«s der zionistische« Bewegung. Berlin. Der Verein .Oelbaumspende" erläßt folgenden Aufruf: „Eine schöne Anregung ist aus der Mitte der Arbeiter am Nationalfonds - Gute in Beth - Arif hervorgegangen: Perez den Moscheh Smolensk y gelegentlich seines 25. Todestages ein ewiges Denkmal durch Anpflanzung eines Oelbaum-Haines auf Nationalfonds-Boden in Erez-Israel zu errichten. Perez Smolensky war der erste, der mitten in der Aufklärungsperiode, in der an der Auslösung unseres Volkstums allseits gearbeitet wurde, den mächtigen Ruf zur Erhaltung der jüdischen Nation erhob. Ohne gegen die Fehler, die wir aus dem Ghetto mitgebracht haben, blind zu sein, gegen die xr in schärfster Weise ankämpfte, ahnte er doch die große Kraft, die noch in unserem Volke schlummerte, das er zu neuem Leben weckte, zu großen Taten drängte. Er war sder erste,' der den Ruf „Kadim a h!" — Vorwärts gegen Osten! — erschallen ließ, er begriff frühzeitig, daß die Wiedergeburt unseres Volkes nur in Palästina erfolgen kann. Dieses unermüdlichen Streiters wollen wir nun im Lande seiner Träume gedenken und seinen Namen durch die Bäume, die wir jetzt pflanzen, dem Andenken unserer Kinder und Kindeskinder für ewige Zeiten überliefern. Die Freunde und Kenner der hebräischen Litetur, für die Smolensky von bahnbrechender Bedeutung war, die zahlreichen Verehrer Smolenskys werden sich gewiß diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, und zur Verewigung seines Namens nach Kräften beitragen." Lffcnbach, 6 Febr. Heute fand hier vor überfülltem Saale eine vom Frankfurter Zionist. Verein veranstaltete Vorversammlung zur Gründung einer Ortsgruppe statt. Als erster Redner legte Herr Martin Levig a r d - Frankfurt a. M., ausgehend von der letzte» Kiewer Massenausweisung, in eindringlicher Weise die Notwendigkeit der Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk dar und skizzierte die zionistischen Institutionen, die verheißungsvollen Anfänge einer großzügigen Palästinaarbeit. In ansprechender Form schilderte dann Herr B e n d o r f Herzls Werdegang, die geschichtliche Entwicklung der zionistischen Bewegmig und schließlich die epochale Bedeutung der Kongresse. Die eindrucksvollen Ausführungen lösten eine ca. 3 stündige Debatte aus, die sich sehr lebhaft gestaltete und in der von den Herren Kantorowitz, Maier und Feinbaum teils vom sozialdemokratischen, teils vom speziell „üundistischen" Standpunkt aus der zionist. „Utopie" die Lösung der Judenfrage auf dem Wege des Klassenkampfes gegenübergestellt wurde. Ihnen antworteten unter allgemeinem Beifalle Herr Rabbiner Dr. Golds ch m i d t, der, früher Antizionist, nun im Zionismus den berechtigsten Ausdruck des jüdischen Selbsterhaltungstriebes erkannt hat, Herr Perlmutter, als gesetzestreuer Jude, sowie in begeisternden Schlußworten die beiden Referenten. Die Versammlung, die 18 Mitglieder dem Zionismus zuführtc, darunter eine der bedeutendsten jüd. Persönlichkeiten Ossenbachs, kann als ein äußerst günstiges Vorzeichen für die demnächst hier stattfindende öffentliche Zionist. Versammlung angesehen werden. P—r. Hamburg, 9. Febr. Dr. Klee- Berlin teilte am Dienstag in großer öffentlicher Versammlung mit, er sei zu der Erklärung ermächtigt, daß die offizielle Vertretung der deutschen Orthodoxie der antizionistischen Gründung des Oberrabbiners Dr. Lerner- Altona, genannt Moriah, durchaus fernstehe. Königsberg. Die Zion. Vereinigung veranstaltete einen Palästina-Kursus, der aus einem großen öffentlichen Borttage und füns Vorlesungen bestand. Dozent war Herr Davis T r i e t s ch. Bei den Vorlesungen waren Abend für Abend 60—70 Hörer zugegen. Die Veranstaltung kann in jeder Beziehung als gelungen bezeichnet werden und sollte daher von anderen Ortsgruppen nach geahmt werden. Nancy kFrankreich). Hier ist ein zionift. Studentenverein gegründet worden. Präsidium: Gertschikow, Lejkin und Barsach. Galatz (Rumänien). Nach Verhandlungen mit Prof. Marburg und Dr. Franz Oppenheimec-Berli« hat sich Hier eine Gesellschaft „Tikwat- Zion" zur Ansiedlung rumän. Juden in einer besonderen Kolonie in Paläst i n a gebildet. A«s der Lehrerwett. Augsburg. Im Alter von 75 Jahren verschied Dr. Heinrich Groß, seit 1875 Distriktsrabbiner von Augsburg, vorher Rabbiner in Groß-Strehlitz. Freiburg. Dr. Hermann Löb aus Bruchsal wurde als 2 Rabbiner nach hier berufen. Pose». Inspektor Nelken vom Latz'sche« Alters- und Siechenheim wurde als Kultusbeamte» nach Czarnikau berufen. Dt.-Kro»e. Nach 50 jähriger Tätigkeit verschied Hauptlehrer Braun. Budapest. Aufsehen erregt das Verschwinde« des Rabbiners »und Religionslehrers Dr. Joachim Wilheim. Wie die „Allg. Jüd. Ztg." berichtet, lebte der 50jährige Mann sehr slott, sodaß er mit seinem Jahresgehalt von 7000 Kronen nicht auskommeu konnte und Kollegen und Bekannte zu Gefälligkeitsakzepten veranlaßte, deren Gesamtbetrag auf 30 000 Kr. geschätzt wird. — Nachhilfe — und Unterricht in Deutsch — Englisch — Französisch — Eechnen etc. täglich ▼. 3-7 Uhr. Honorar monatl. IS.— Mk. Lehrer W. Knorz, Kaiscrstr. 3. - Vereins-Kalender. Samstag. „Montefiore"-Berein, 11 Uhr, Seilerstt. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May). — Verein „Mekor Chajim" 11% Uhr, 0 Hofpintoraph 8. H. d s Kaisers rd Königs. IQ Hofpbotograpb S. M. dis Kais°rs und Königs. 0 1 jetzt Kaiserstrasse 25, I Etg., Ecke Neue Mainzerstrasse n im Hause des Herrn Hofjuwelier Hoch ln Eingang Heue üainzerstrassa. -—- Eingang Neue Mainzerstrasse. i Telefon 4981. Geöffnet: Werktags 9—7 Uhr, Sonntags 10—1 Uhr. Telefon 4981. ö ~A