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Neue jüdische Presse · 1910-02-04 · Heft 5 (4.2.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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beite 10. erklären ließe. Wir können, die Darbietungen des Abends nochmals überblickend, dies entschieden bejahen. Aus allem, was wir bei dieser Veranstaltung hörten, sprach ein starkes, warmes Empfinden, und daß eine Betonung des Gemütlichen, Empfindsamen (im besten Sinne des Wortes!) eine Stärke des jüd. Wesens ist, dürfte wohl über jeden Zweifel erhaben .sein. Besonders ausgeprägt war diese Eigenart in einigen schriftstellerischen Produkten/ deren Sujet aus jüd. Quelle geschöpft war: in einer biblischen Skizze von Leonie Meyerhof-Hildeck („Das Werb des Hiob"), die durch Reichtum an Bildern und Art der Sprache trefflich den biblischen Ton traf, bann in einer feinsinnigen, äußerst wirkungsvollen Legende aus der Feder Clara Berg's und schließlich in einer, dem Leben entnommenen und lebemng schildernden Skizze („Liebe") von Arthur Freund. Bei Marie Waldeck klang die gemeinsame Note vornehmlich aus ihrem Gedichte „Die Alkohol-Steuer", mit seiner stark ethischen Tendenz, aus Bertha Pappenheims Märchen lugte deutlich die sympathische Gestalt der bekannten, sensitiven, jüd. Philanthopin hervor. Unter den musikalischen Darbietungen schienen die im Gepräge etwas orientalisch anmutenden Lieder von Clara Maier am meisten von jüd. Art zu zeugen, doch war deren Beurteilung durch den unbefriedigenden Vortrag sehr erschwert. Das stärkste Echo in den Hörern weckten jedenfalls die populär gehaltenen, sehr sanglichen Lieder von Rosh Geiger-Kullmann, besonders das starkromantische „Unter'm Machandelbaum." Großen Beifalls erfreute sich auch das melodiöse Lied von Emil Sulzbach. Musikalischere Naturen dürften von der feinen, einen starken Musiker verratenden Art in Max Wolffs „Mädchenlied" gefesselt worden sein. Von den Instrumental-Kompositionen konnte man eine ungetrübte Freude an den seinen, duftigen „Musikal. Skizzen" für Klavier von Beruh. Sekles haben, die von tonschöpferischcr Individualität Kunde gaben. Ein Violin-Konzert von Max Vertuch zeichnete sich durch ein ansprechendes Thema und einige hübsche Variationen aus, bedarf aber noch der Feile und wurde nicht einwandsfrei gespielt. Bon den reproduktiven Künstlern des Abends seien rühmend erwähnt Frl. Hedwig JacobY. die vorzüglich rezitierte, Frl. Alice Lewns als gut geschulte, verständnisvoll und sehr sympathisck singende Sopranistin, Frl. Clara Maier als eine mit brillanter Technik und starkem Empfinden spielende Pianistin, Herr Weindel von der Oper mit seinem strahlenden Tenor und Herr Rich. Kahn, der zwei kleine ansprechende Cello-Stückchen von Rosh Geiger-Kullmann mit warmem Tone vortrug. Frankfurt a. M. Verein .Mekor Chajiin". In dem weiteren Vortrage seines Zyklus zeigte Rabb. Dr. Bondi-Mainz zunächst, daß die Ansicht, mit dem Siege der Makkabäer sei der Hellenismus abgetan gewesen, falsch ist. Hellenistisch gesinnte Juden waren es gewesen, die Antiochus Epiphanes zu seinem Vorgehen gegen die jüd. Religion angefacht hatten; nach den: Sieg der Makkabäer konnten sie vorläufig wohl nicht mehr offen Hellenen sein, doch sie schlossen sich der Sekte der Sadduzäer an und machten diese bis dahin unbedeutende Sekte, die das Wohlleben zu ihrem Prinzip gemacht hatte, zum Sainmel- Frankfurter Israelitisches FaunlienUatt. Punkt der herrschenden .Klasse. Wie überall, so verbanden sich auch hier Fürst und Adel — dieser Geldadel war auch erst ein Produkt des Hellenismus, vorher War nas jüdische Reich stets durch und durch demokratisch gewesen —, und so sehen wir zum ersten Male einen jüd. Fürsten — Johann Hyrkan — Söldner in seinen Dienst stellen und müssen es erleben, daß ein jüd. Fürst — Alexander Jannai — die Mitglieder des Sanhedrins abschlachten ließ, um Sadduzäer in das Sanhcdrin zu berufen. Redner benutzte seine Ausführungen auch zu einem Ausfall gegen den Zionismus. Er sagte nämlich: das Gemeinsamkcitsgefühl führt das jüd. Volk leicht irre. So haben sich fromme Juden dem Zionismus angeschlossen, ohne zu beachten, daß der Zionismus gegen die Religion ist. Frankfurt a. M. Der Klub Freundesbund 1909, eine Vereinigung jüdischer junger Leute, veranstaltet am 12. Februar 1910 in. den Räumen der Frankfurter Loge eine Abendunterhaltung mit darauffolgendem Ball. Das Programm scheint ein sehr vielversprechendes zu werden. Unter anderen: wirken die Herren Konzertsänger Theo Bachenheimer, Opernsänger Josef Gareis und Gustav Groß vom Schauspielhausc mit. Ferner gelangt zur Uraufführung das von den Herren Bernhard Marx und Sally David verfaßte Lustspiel „Uebcrraschungem" Nach Schluß der Veranstaltungen ist Ball. — Karten (3 JL und 2 JL) sind schriftlich zu bestellen bei Herrn Emil Marx, Eiserne Hand 41,1. Berlin. Dem Berichte, den Dr. Max Ginsberg in der Generalversammlung des Vereins „I ü d. Lesehalle u u d B i b l i o t h e k" erstattete, 'entnehmen wir: Seit dem 1. November ist das Institut wochcntäglich von 10 Uhr früh bis 9 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Die Bibliothek umfaßt jetzt 6620 Bände jüd. Inhalts und wurde im Berichtsjahr 1912 mal von' 336 Entleihern in Anspruch genommen. Die Lesehalle hatte eine Besuchszifscr von 24 856 Personen. Aas der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M., 2. Febr. Die gestrige Versammlung der Misrachi-Ortsgruppe eröffnete Prof. Wcyl, der Vorsitzende, mit einem Nachruf auf Osias Fadenhecht-Kolomea u. Dr. Adler-Nordrach, zwei hervorragende Gesinnungsgenossen. Lehrer Stern referierte .sodann au Hand der neuen Statuten, über die erst ein kommender Misrachikongreß endgültig zu entscheiden hat, über die neue Organisation des Misrachi. Darauf behandelte Joseph Hackenbroch die Stellung des Misrachi innerhalb der zion. Organisation. Der Misrachi solle alle Zionisten zusammen>chließen, die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, er solle die Forderungen des gcsetzestreuen Judentums innerhalb des Zionismus zur Geltung zu bringen trachten, solle kulturell tätig sein, /Schulen rc. errichten und schließlich auch die Initiative bei allen Bestrebungen der gesetzcstreuen Judenheit geben. Den Referaten schloß sich eine längere Debatte an. Hamburg, 2. Febr. Die folgende Notiz erschien heute in sämtlichen Hamburger Blättern, einschließlich den antisemitischen „Hamburger Nachrichten": Nr. 5. --4*----- „Eine antizionistische Organisation in Hamburg.Altona. In einer gestern, 31. Januar, stattgefundeneu Versammlung von hervorragenden Mitgliedern der Israeliten-Gemeinden Hamburgs und Altonas ist beschlossen 'worden, eine Organisation „Moriah" zu gründen. Sie verfolgt das Ziel, ein Gegengewicht zum Zionismus zu bilden, alle kleineren Kolonisationsvereine zu einer großen Palästina- Organisation zusammenzuschließen und die Israeliten in allen Ländern zu einer lediglich praktischen Arbeit auf dem Boden Palästinas heranzuziehen. Es ist zugleich beschlossen worden, in alle» Zentren der jüdischen Gesamtheit gleiche Organisationen zu schaffen." Wir erfahren .hierzu aus zuverlässiger Quelle, daß das Haupt dieser im Entstehen begriffenen, rein orthodoxen antizionistischen „Organisation" der Oberrabbiner von Altona Herr Dr. Lern er ist, der seit Jahren an dem Plane arbeitet und sich bisher in Ungarn und Rußland vergeblich um Anhänger bemüht hat. Der über Erwarten große Erfolg des Kongresses und insbesondere das rapide Anwachsen des Misrachi in Hamburg-Altona, hat den Herrn Oberrabbiner' veranlaßt, jetzt an Ort und Stelle seine Wirksamkeit zu entfalten. Eine kleine Anzahl Orthodoxer hat sich daraufhin zur Bekämpfung des Zionismus zusammengefunden; man will sich ausschließlich an die Strenggläubigen wenden, um sie vor dem siegreichen Misrachi zu warnen und um die Misrachisten selbst niit allen Mitteln zum Abfall von der Gesamtorganisation zu bringen. Man erwartet Hülfe aus Frankfurt a. M. Köln N. Rh. Das engere Aktionskomitee faßt in seiner Tagung vom 24. und 25. Januar u. a. folgende Beschlüsse: Das Komitee für die Verwaltung des Oppenheiiner'schen Siedlungsgenossenschastsfonds bilden Dr. Franz Oppenheimer, Pros. Marburg und Dr. Bodenh e i m e r. Die David u. Fan nh Wolffs oh n- Stiftung soll als Grundstock zur Schaffung eines Fonds für den Bau von Arbeiterhäusern in Palästina verwendet werden. Innerhalb des Zentralbüros wird ein besonderes Dezernat für Sch eckelein zieh ung und Propaganda eingerichtet. Köln a. Rh. Für den I ü d. Nationalfonds sind im vergangenen Jahre 405 638 JL gespendet worden, davon 80567 JL für Oelbäume. Lffenbach. Sonntag Nachmittag 5 Uhr findet bier Wilhelmsplatz 8, eine zionistische Versammlung statt. Personalien. Hamburg. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israel. Gemeinde wählte Jakob Alexander zu seinem 1. Vorsitzenden und Dr. H. C. P l a u t zu seinem 2. V o r s i tz e n d e n. Distr Auskünfte! Uiuai. Mwnuwuvi obiohtongen. EnnltteluiMWn an allen Plätzen der Wett. Qrone OeteettT-Znitralelll Telepbon 4359. MT Salzbans 6, I. -MW * .. GustavJSchmidt'Bangel beeidigter Taxator nnd Sehadenabsehätzer vieler Versieberungen. Taxations- und Kommissionsbüro Karlstrasse IV, II. wenige Sclnitte vom .A-lliert Schurnan ~n - T3n.ea.ter_ pBemupg jaxauunen ftompl. Hobnoniiseinriclitur gen und Einzelner Stücke bei Nachlässen, Versicherungen, Konkursen, Bilanzen. Billigste Bezugsquelle für Kontormöbel, eich. Diplomatenschreibtische von M. 63.— an. Handgeknüpfte Smyrnateppiche in 3 Qualitäten. Kleiderständer 6,30 M. Copiermaschinen und Pressen. Prima Referenzen. Telephon 10 851. 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