Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. FKMyuÄer JfmrWWS FamiÜenAatt. Nr. 4. Eindrtlck gemluljt, imd er wußte es auch; wie gut. Sie sich nicht von einer augenblicklichen Stinunung aber, das erfuhr 'fit erst beim Abschiede. I Hinreißen lassen. Wie bei unserer ersten Zusammen. ,Herr Volkmann, soll ich es Ihnen sagen, I kunft, sollen Sie sich auch jetzt vierundzwanzig warmn Sie mein Wohlwollen erlangt und warum I Stunden Bedenkzeit nehmen, ui» nach reiflicher ich Sie zu mir gebeten habe?" lUeberlegung mit sich selbst ins Reine zu konnncn." Er schwieg bescheiden und sah sie erwartungss „Gott im Himmel!" jammerte Baruch mit gevoll an. „Weil — weil — ich — einen Sohn verloren," sprach die Frau wehmütig, „der Ihnen nicht unähnlich war und dessen Bild mir durch Ihren Anblick wieder >in Erinnerung kam." rungencn Händen. „Exzellenz, ich bitte Sic, verlängcrn Sie nicht meine Qual und nehmen Sie jetzt schon meine Entscheidnng an." Mein, Volkmann. Für einen Mann in meiner verantwortlichen Stellung ist cs nicht angebracht. Baruch fühlte sich von diesen schlichten Worten! Ivenn auch nur bei geringfügigen Veranlassungen, tief ' erschüttert und' küßte gerührt die ihm dar-1 von einer erst gesaßten Meinung so schnell wieder gereichte Hand; 1 abzuweichen; Wankelmut ist der größte Feind des „Aber Sie kennen mich doch noch so wenig," I Gesetzgebers. Es svlt also bei der Bedenkzeit bleiben, stotterte er verlegen.! und wenn Sie mir morgen „Nein" sagen, dann weiß „Ein Fehler, den ich in nächster Zukunft gut-1 ich, daß Sie sich selbst haben Gerechtigkeit widcrzumachen gedenke," war ihre herzliche Erwiderung. I fahren lassen, und ich werde dann nicht weiter in Nach einem solchen Abschied war Baruch daher I Sic dringen." — gar nicht erstaunt, als er drei Tage später einen I Baruch wairktc aus dein Zimmer und, ohne eigenhändigen Brief vom Baron erhielt, der ihn > einen Augenblick zu verlieren, sing er jetzt schon an bat, sich in einer geschäftlichen Angelegenheit I nachzudenken, um, wie der Baron sagte, sich selbst zu ihm zu bemühen. I gerecht zu werden. Ihm erging es dabei, wie schon „Mein lieber Volkmann," wurde, Baruch von l Tausenden vor ihm: cs wurde ihin klar, daß dieses dem Präfekten empfangen, „Sie scheinen meiner I Nachdenken schon den Abstieg in das glühendheiße Frau einen Liebestrank eingeflößt zu habe». Glück-1 Höllenfeuer bedeute, >oo die Dämonen der Unterlicher-, oder auch unglücklicherweise ist sie alt genug, I weit einen lüsternen Hexcntanz mit schmeichlerischen um Ihre Großmutter sein zu können, so daß die I und blendenden Lockungen vor ihm ausführten, Schlange der Eifersucht nicht einmal das Spitzchen I mährend die guten Engel ihr Haupt verhüllend, ihres Schwanzes wird erheben dürfen. Doch, Scherz I trauernd abseits standen. Stunde um Stunde der bei Seite; die Sache ist näinlich die: Mein Privat-1 ging, und immer noch befand er sich auf der Folter sekretär ist nach Petersburg berufen worden, und > hank des Nachdenkens. Jetzt Ivußte er auch ganz da hat meine Frau mich gebeten, diesen Posten | genau, was einst die Marranen in Spanien empfunden. Dieser Gedanke machte seine Glieder heftig erbeben. Bedeutet nicht dieser Vergleich schon den ersten Schritt zur Nachgiebigkeit? Er mühte sich, von dieser falschen Fährte wieder schnell abzukommen und fing das Grübeln wieder von vorn an; er tastete sich wieder nach dem Anfang zurück, um abermals Ihnen zu übertragen. Baruch sprang taumelnd. auf. „Exzellenz treiben wohl Ihren Scherz mit mir!" „Ich scherze nie in geschäftlichen Angelegen heilen. Ich frage Sie daher im Ernst, wollen Sie diesen Posten annehmen?" _ _,, .., Dem Jüngling stieg das Herz bis in die Kehle I ins Stocken zu geraten. Müde, abgespannt und hinauf. Er öffnete die Augen weit, doch sprechen > hilflos hob er seine Hände zum Himmel empor, konnte er nicht. I während Der Baron sah seine Aufregung: er faßte Baruchs Hand und sprach mit ungewöhnlicher Milde: „Na, beruhigen Sie sich nur; ich sehe ja. Sie wollen die Stellung annchmcn und weiß auch,, was Sie mir sagen wollen. Ja, ja; ich bin überzeugt, daß Sie ein guter, pflichttreuer Beamter sein werden. Doch, warten Sie noch einen Augen seine Äugen' sich mit Tränen füllten. (Fortsetzung folgt.) AuS den Vereinen. Frankfurt a. M. Ueber „Die Stellung SW-""* -"" "-i- Baruch blickte erwartungsvoll auf, und als er tralverein isr. Ge mein de Mitglieder. -1 dilÄfß S«. r,‘t4"“Ts Plötzlich cm -rcht aus und er erbleichte. erfahren hat. Während man heute, kritiklos aus »Ich sehe schon, sie wisten, wohin ich ziele. I anderen Religionen auf das Judentum übertragend, Ja, lieber Volkmann, da cs eine verantwortungsvielfach in dem Rabbiner den Geistlichen sieht, war reiche Amtsstellung ist, die Sie bekleiden ,ollen, ist Ujg i„§ Mittelalter hinein der Rabbiner der eigcntes eine unerläßliche Bedingung, daß sie sich vorher liche erste Vorsteher der Gemeinde und der Vorvon all den Nachteilen befreien, mit denen Sie durch sitzende des Nichterkollegiums und wurde nicht entdas Unglück Ihrer Geburt behaftet sind." I föhnt. Im Mittelalter trat dann insofern eine „Gehört denn auch meine Religion zu diesem I Aenderung ein, als eine Bezahlung für die Mühe Unglück?" fragte er mit tonloser stimme leistung sich als notwendig erwies. In sein Heu „Ganz gewiß. Aber, bitte, bleiben Sie ruhig. I jjges Stadium trat der Rabbinerberuf erst mit der Wir sprechen ja als Männer eines ausgeklarten. Umwälzung durch die französische Revolution. In Zeitalters. Ich persönlich halte es für bcn haß-1 jjc„ 0xtl)obo£cn Gemeinden behielt freilich der Rablichsten Betrug, den es nur irgend gcbenkann. I gj^er die autoritative Stellung als Gcsetzeskenner Wer Sie wissen es ja selbst, die Welt will bc-1 mib -lchrcr, in den nichtorthodoxen Gemeinden trogen sein, ohne zu bedenken, daß der erste Betrug I nutzte er, da diese das jüd. Gesetz nicht mehr gegen die eigene Ueberzeugung bald tausend andere verbindlich erachten, zum angestellten Geist gegen Welt imd Menschen nach sich zieht. Trotzdem > lichen degradieren will die kindische oder scheinheilige Welt, zu ihrem Als Angestellten der Gemeinde sehen auch die eigenen Schaden, es doch nichts anders haben. Ich Väter des „Entwurfes eines Gesetzes betreffend die keime zwar nicht die Kraft und Liese Ihrer religiösen Verfassung der jüd. Religionsgemeinschaft in Preu- Ueberzeugung; aber dessen kann ich sie versichern, I ß^n" die rechtliche und religiöse Stellung des Rabdaß Sie keineswegs wie ein moderner saul aus I giners innerhalb der Gemeinde an, — und so Tarsus als lebendiges Wunder der Bekehrung m I braucht es nicht wunderzunehmen, daß die Prüden stragen Odessas hermnlaufen sollen. Aber I fungsordnung für das Rabbinerexamen von Laien es ,st notwendig, daß s,c mck einem neuen Etikett, festgesetzt werden soll und daß der Entwurf kein Mit entern neuen Einband versehenen ,md." Wort von dem Einfluß des Rabbiners auf den „Und der Einband soll über den Inhalt täu-1 Religionsunterricht enthält. Der Entwurf schafft in scheu?" fragte Baruch mit heiserer Stimme. „HerrIreligiöser Hinsicht eine Gemeinde-Anarchie, jede Baron, vermag auch der äußere Schein die innere I Gemeinde kann willkürlich Aenderungen im Gottes- Anklage zu betäuben, die innere Unruhe zu be-Idienste re. vornehmen, — und da ist denn das Beo scitigen?" I langen der Rabbiner, daß ihnen ein „Vetorecht" „Das ist Ihre Sache. Sie sind Herr Ihres! zustehen soll, berechtigt. Die nichtorthodoxen Nabeigenen Gewissens." I bin er, die dem Einzelnen das Recht gegeben haben „Ich war es bisher; doch fortan soll ich sein! im Juden tunt Aenderungen vorzunehmen — bisher Sklave fein," sagte er entschlossen, während seine I hatte» nur sie diese Aenderungen vorgenomnien —, Gesichtszüge eine strenge Härte annahmen. „Nein, I sind freilich schuld daran, wenn nun die Ga Herr Baron, ich danke Ihnen und der Frau Ba-1 meinden von diesem Rechte Gebrauch machen wollen ronin recht herzlich für das mich ehrende Vertrauen;! Redner schloß seine dem Thema allseitig gerecht allein unter dieser Bedingung kann ich cs nicht I werdenden Ausführungen mit der Zeichnung eines annehmen."! Rabbiners, wie er sein soll. — In der Diskussion „Ich will durchaus nicht Ihr GewissensrichterIbeleuchtete Dr. Heinemann, der Leiter der sein. Ich wiederhole es, es ist nicht mein eigener,! Versammlung, noch weitere Unsinnigkeiten des Entselbstsüchtiger Befehl, sondern der Welt gegenüber I Wurfes, der zeige, daß ihn Leute gemacht haben, eine unvermeidliche Notwendigkeit."! die mit dem jüd. Leben die Fühlung verloren haben. „Das weiß ich, und darum wird es mir um soI Franks«« a. M. Im Verein .Tis er es schwerer, von Ihrer Güte keinen Gebrauch machen«Bachurim" sprach Herr Dr. B. May über das zu können. Dessen ungeachtet wird meine Dankbar-!jüdische Erziehungsideal und führt dabei keit für Sic nie aufhören." l u. a. folgendes aus: „Wie Sie wollen, lieber Volkmann. Trotz all-I „Heilig d. h. sittl. vollkommen sollt ihr sein/ dem freue ich mich, Sie kennen und schätzen gelernt I lautet der oberste Leitsatz des jüdischen Erzu haben. Meine arme Frau wird sehr, sehr ent-! ziehungsideals. Das altgriechische Erziehungsideal täuscht darüber sein. Aber halt! Mir kommt jetzt! des Sokrates, das Streben nach dem Wahren, ein neuer Gedanke. Wir wollen die Angelegenheit! Guten und Schönen, und das epikuräische, das heute noch nicht endgültig entscheiden. Sie ist für! Streben nach Befriedigung, schließt das jüd. ein, Sie von zu großer Tragweite, und darum dürfen I überragt, sie aber darin, daß es den Menschen über die Grenze» des Irdischen zu einem tit allem — im Glück wie im Unglück — sich gleichbleibenden Gott hinstrcben heißt. Dieses Ideal hat seinen Ausgangspunkt in der Kindesliebe. „Jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater." Redner erörterte dabei die sonderbare Stellung: „Mutter und Vater" im Siniie unserer Weisen und besprach bei dieser Gelegenheit die sonderbare Ausdeutung des nach der Ansicht unserer Weisen überflüssigen „Mav": worin ausgesprochen sein soll, daß man auch den altern Bruder zu ehren habe. Und nicht nur hier, sondern auch an vielen andern Stellen finden wir diese merwürdige Erklärung aller Pronomina und Bindetvörter, die scheinbar überflüssig sind. Der Hauptvertreter dieser Erklärungsweise ist kein geringerer als R. Akiba, der jüngere Zeitgenosse des Apostels Paulus. — und damit gewinnt diese scheinbare Spielerei eine gewaltig ernste Bedeutung. Wie in den Paulus- Briefen überhaupt, so ist es insbesondere in dem 2. Korintherbriefe dem Apostel daruin gu tun, die neue Lehre ans der alten abznleiten und zu rechtfertigen. Um nun dein Vorwurfe der Entstellung zu begegnen, den ihm dieser Versuch von seiten der Inden eintragcn konnte und sicherlich eingetragen hat, wälzt er denselben auf die Juden ab, deren Sinne verstockt sind und „denen bis auf den heutigen Tag, wenn Moses gelesen wird, die Decke Mosis vor dem Herzen hängt." Die Beweisführung sür die Richtigkeit seiner Auffassung des Bibelwortes gipfelt in dem Satze: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber belebt." So verflüchtigt er durch seine alexandrinisch allegorisierende Brille gesehen den Inhalt der Bibel, vor allem der Thora, um das „Gesetz" zu bescitigen. Dem tritt R. Akiba mit der scharfen Erklärung gegenüber — „Auch kein Buchstabe der Thora ist überflüssig" — und rettet durch die Art seines Vorgehens die Thora nicht nur, sondern vor allem die Reinheit des monotheistischen Gottesbegriffs. Frankfurt a. M. In der Generalverammlung des Talmud Thora-Vereins wurde das ausscheidende Vorstandsmitglied Martin Meyer wiedergewählt und demselben für seine bisherige Tätigkeit gedankt. Die Freitagabend-Vorträge. und die Samstag- und Sonntag - Schiurim werden in der bisherigen Weise fortgeführt. Außerdem tvurde beschlossen, in gegebener Veranlassung an einem Samstag kurz vor Pesach einen Bortrag über die Dinim von Erew Pesach, weil derselbe auf einen Schabbos fällt, abznhalteu. Kaiser Friedrich Quelle ——— Offenbach a. M. —— Gegen Gicht nnd BhenmatiBmus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 714. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial-Gesehlft für Haiu. Zelehen-Utensllien. HoIzbrand-,Rer bschnl»-,Tarson. Batik-Artikel. Wochert-Salerrver. (Zeitangaben nach dem Lnaeb.) SamStag, den 29. Januar (= 19. Schwat); Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 45 Min. Savbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 05 Min. in Berlin 5 Uhr 30 Mn., Wochenabschnitt: Jisrau. — Jisrau führt seinem Schwiegersohn 'Moses Frau und Kinder zu. die er in Midjan zurückgelassen. Moses geht dem Schwiegervater entgegen, sie küssen sich, und Jisrau kehrt in Moses Zelt ein. Moses erzählt von dem wunderreichen Auszug aus Egypten; Jisrau freut sich darüber. — Moses setzt sich nieder, um in eigner Person das ganze Volk zu richten. Jisrau bemerkt, wie unpraktisch und ermüdend dies für beide Teile sei. Er rät, Beamte und Unterbeaucke einzusetzen. Es geschieht. — Jisrau kehrt wieder heim. — Israel betritt die Wüste Sinai, um auf dem Berg Sinai die Lehre ztl empfangen. Gott läßt das Volk verwarnen und vorbereiten. Das Volk verspricht Gehorsam. Sie waschen ihre Kleider und halten sich drei Tage heilig. Der Berg wird umzäunt. Während des Offenbarungsaktes darf ihn niemand berühren oder besteigen. Am drillen Tage gibt Gott das Gesetz unter furchtbaren Erscheinungen der Natur: Der Berg Sinai erbebte, flammte nyd rauchte. Eine dichte Wolke lagert über dem Berg, mächtiger Posannenschall ertönt. Moses allem hat dcir Berg bestiegen. Gottes Stimme kündet die „zehn Gebote." Das Volk fürchtet die allzngroße Nähe Gottes. Moses beruhigt das Volk. Den Schluß der Sidra bildet ein Abschnitt über Wesen und Bedeutung des Erdaltars. Aus Gründen der Sittsamkeit und Selbstheiligung sollte er nicht durch Treppenstufen bestiegen werden. Es führte eine schiefe Ebene, eine Rampe, zu seiner Höhe hinan. Bemerkung: In dem vorwöchentlichen Wochenkalender muß der Satz „Zu Minchoh wird