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Neue jüdische Presse · 1910-01-21 · Heft 3 (21.1.1910) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zsrartkfitrter Kedaktion imd chefchLftsst-lke: Srsnlcfurl 2. IR., vildelerstraße 4/6, Lcke Lleichstraße P-L-fo« 10507. cherau-geber: Kaks Kek». 8. Jahrgang. Freitag, den 11. Scliwat 5670 (21. Januar 1910). Nr. 8. -—! Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petttzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile. 100 .. Platz- und Daten-vorschrist ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunst. - - i .. .“i 1 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. AbonnementSpreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (ein» schließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1,50, / sonstige Länder Mk. 2.— c-—-——» Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Literaturbrief. — Nachtleben auf den Pariser Boulevards. — Chanucka in Petach-Tikwah. — Aus aller Welt. — Aus der Lehrerwelt. — Feuilleton: Auge um Auge.— Kunst und Literatur. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. Literatnrbries. Verehrte Frau B.! Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen einige Herrschaften vorstelle: Herr Schalom Asch, Herr Scholaum Aleichent, Herr Perez, Herr Spector, Herr Abramowitz, Herr Pinsky usw. Sie meinen, das sei ein Purimscherz, Sie rümpfen ein wenig Ihre Nase, werfen ein wenig mehr Ihre Oberlippe auf, als fen an erzählenden Werken jüdischer Herkunft, seit uns die beiden prächtigen aus dem Jargon übersetzten Sammlungen „Aus einerstillen Welt" in der trefflichen Verdeutschung von Th. Zlocisti*) geschenkt wurden. Jüdischer Herkunft — das ist erstes und oberstes Gpräge und ihr schönster Zierrat. Sie sind auf jüdischem Boden gewachsen, sind ans jüdischer Seele gequollen, aus einer Seele, die zuweilen demütig fromm gestimmt ist, die mit dem Weltall verwebt und verschlingt feinste, köstlichst gesponnene Gefühlsfäden, die ein ander Mal in breitem, gesättigtem Humor all das kleine, winzige Erdentreiben unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit betrachtet, die dann wieder wehmütig oder herb ausschöpft oder auspreßt dieses oder jenes Menschenschicksal, das sich unwillkürlich erweitert und vertieft zum Schicksal ganzer Gruppen duldender Menschen. Sehen Sie sich nur einmal diesen Schalom A s ch an, Madame, diesen Poeten von blauem Blut! Bcsich empor an den taubedeckten Himmel. Und der feuchte Himmel senkt sich nieder zur Erde und sie fließen ineinander und werden zu einer Welt, zu einer Gotteswelt. Und leis betonen sich die Gräser im Wind und sicher. S» wie ein Kind, das auf dem Schoße der Mutter sich wiegt, stillvergnügt spielend." Uni» dann, vor dem Regen: „Und die Felder dehnen sich und blicken zum Himmel und rufen: Geheiligt seist Du, Ewiger, wir sind bereit, die Gaben zu empfangen, die Du uns sendest." Oder: „Nun ist der Himmel dunkel. Kleine Sternchen leuchten wie helle Fensterlein zu den Stuben der Englein. Und der Mond wie ein großes Fenster in unseres guten Herrn Palast." Sie werden mir zugeben — reiner gestimmte und vergeistigtere Schilderungen kennen Sie nicht! Und im selben Dichter mächtige schwarze Kraft. Wie Schattenrisse, Zug für Zug erkenn-» bar, Glied für Glied greifbar, so treten die Trauernden eines Tischo b'ab auf. Der finstere Aus dem unterirdischen Jerusalem. Krämer in Buchara. -/LMM. :bv T3ST-: ob sich das Wort darauf formen wolle: Pi äono! Solche, hm — solche fremdländisch klingende, solche nach Polen und Galizien schmeckende Namen, Ihnen, Ihnen, der feingchisdeten, wohlbelesenen Dame, der die besten deutschen Schriftsteller gute Vertraute sind, die sich ergötzt an dem Humor eines Raabe, eines Reuter, eines Wolzogen, die ihre Seele weihevpll versenkt hat in die Natnrbilder eines Stifter und Jensen, Ihnen diese Bekanntschaft! Ja. Madame, wir kennen uns doch von altersher, chir haben doch schon manchesmal miteinander geschwärmt von dem und jenem Dichter deutscher Zunge, und Sie wissen daher genugsam, dgß, ich nicht eben ein Kostverächter bim Aber rmn, nun, Frau B., können wir in . unserem fisgenen Gehege jagen, können uns Labsalruhige Herzenserqüicküng, Heitere Äeisteserfrischung schaftrachteu Sie das Auge, dieses sinnende Auge mit dem süßen, seligen, gotterfüllten Blick, der da immer einherpendelt und umherschweist zwischen Himmel und Erde, der der Erde, wenn er auf ihr weilt, ihre verborgensten Schönheiten abguckt, der eindringt in die Geheimnisse von Feld, Wald und Dorf, und in dem sich dann der Glanz des Himmels, wie er sich liebend unleuchtend der Erde zuwendet, hell wiederspiegelt. Sie wissen — ich bin nicht leicht enthusiasmiert, aber hören Sie nur: „Kein Haus im wetten Umkreis. 4tur Gottes Welt. Und die taubedeckten Felder schmiegen *) Aus einer, stillen Welt. Erzählungen aus der modernen jüdischen Literatur. Ins Deittsche übertragen und eingelettet von Zcheodor Zlocisti. 1910. Verlag Winz äb Co., G. m. b. H-, Berlin. Rabbi mit dem Jahrzeitlicht in der Stube, der und jener Jude mit verhärmtem AnÜitz, mit erloschener Seele, der sich in seinen Sandale« an den spitzen Steinen der Straße — ach, an wie viel spitzen Steinen haben wir Juden uns schon stoßen müssen! — stößt, die gelahrte, bebrillte Rebbezen, die ihrem andächtigen Frauenkreis aus dem Zeno Ureno vorliest. Und alles in ttefdunkle Farbe getaucht, die ein Meister gemischt hat, und alles in tiefdunklesDüster hineiuzieherü» und mü eiserner Gewalt darin festklammernd. Wie mild und mttleidig sich dann der Poet dem Dorfjungen zuwendet, dem unverstandenen Sinner und Erschauer, der Gott erkennt, der sich seine hohe und herrliche Vorstellung von Gott bildet aus dem Weben und Wirken der Natur, aus der handgreiflichen Schwere irdischen Geschicks und der an Heiligstem Tage, am

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