Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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*r 't i\ I 'ffl' UP U iS. ,j= »i, Seite 10. / Frrmkfurker Israelitisches Familienblatt. Rr. 2. ihre Verfechter, die sich nicht der Kircheunterworfen haben: in den Sekten. Da diese aber nur igerrng an Anzahl und Einfluß waren, da sie zudem noch grausam verfolgt wurden, so konnte sich die Friedensidee während des Mittelalters nicht allgemein verbreiten. Zu einer Frage, zu einem Problem, zu einer Losung wird die Friedensidee erst dann, als man allmählich beginnt, die Fesseln der Kirche zu sprengen, als man wieder anfängt, von der christlichen Vertröstung auf das Jenseits zum irdischen Leben zurückkehren, also in der Zeit der Renaissance und des Humanismus. Von nun ab kommt diese Idee nicht mehr in's Vergessen, und alle bedeutenderen Denker der folgenden Epoche wie Hugo Grotius, Locke, Pascal u. a. sehen sich veranlaßt, zu ihr Stellung zu nehmen. Gemäß dem konservativ-religiösen Eharakter des 17. Jahrhunderts verwerfen weder Grotius noch Locke den Krieg vollständig, vielmehr suchen sie ihn nur zu hmnanisieren und die Rechte des Eroberers genau zu bestimmen. Schärfer gegen den Krieg spricht sich Pascal aus, und erst die Quäker sind diejenigen, die die Friedensidcc als ethisches, religiöses und politisches Postulat ausstellen. Während so das 17. Jahrhundert in seiner Tendenz mehr kriegerisch gesinnt war, beginnt mit dem 18. eine pazifistische Aera. Diese wird schon eingeleitet durch Fönevlon, der gegenüber dem bekannten Kanzelreducr und Judenfeind Possnet, der den Krieg verteidigt, begeistert den Standpunkt des Friedens vertritt. Die Ideen Fenelons werden dann von St. Pierre ausgenommen und von Leibniz weiter vertreten und ausgeblldet. Diese beiden haben es auch nicht bei einer theoretischen Verteidigung der Friedensidee bewenden lassen, sondern haben auch wirllich Schritte zu ihrer Realisierung unternommen. Die Ideen St. Pierres waren cs auch, die Rousseau in seiner Stellungnahme zur Friedensidee beeinflußt haben, und auch Voltaire hat sie trotz seiner Spottverse auf St. Pierre eifrig studiert und auf sich einwirken lassen. So sehen wir auch, wie Voltaire schärfer als andere den Krieg verpönt und geißelt, und in den Spuren dixser beiden Großen wandelnd, sind auch die französischen Philosophen der Aufklärungszeit alle mehr oder minder pazifistisch gesinnt. Während aber diese den Frieden mehr theoretisch behandellen, beginnt mit Gondard und seiner Schule der ' formale und praktische Pazifismus wiüer Fuß zu fassen. Dieser wird auch größtenteils von den englischen Sozialphilosophen wie Bentham rmd Pristley vertreten, und erst in Deutschland tritt man wieder an die philosophische Erfassung der Friedensidce heran und zwar als erster und am tiefsten gehenden der Meister der deutschen Philosophie: Immanuel Kant. Dieser ist, von St. Pierre, Rousseau und Bentham beeinflußt, doch über alle drei hinausgegangen und hat der Friedensidee die tiesste rechts- und geschichtsphilosophische Begründung gegeben. Von der Auffassung des Staates als ethisches Institut auf der einen Seite, von seinen historischen und ethischen Optimismus aus der anderen Seite ausgehend, kam Kant zu der Forderung eines ewigen Friedens, an dessen Verwirllichung er unbedingt glaubte und zu dessen Realisierung er sogar praktische Vorschläge machte. In Kant hat die Fricdensidee ihren Höhepunkt erreicht, und mit ihm beginnt wieder eine Reaktion, die schließlich zu derKricgsphilosophic Hegels führt. Diese Reaktion setzt schon bei Fichte ein und zwar infolge seiner Lehre, daß es die Aufgabe des Staates ist, nicht so sehr ethische Postulate zu vertreten, als vielmehr die Glückseligkeit seiner Bürger zu fördern. Während S ch e l l i n g dann wieder mehr die Friedensidce vertritt, steht Hegel ganz auf dem Boden einer Kriegsphilosophie. Dieser geht sogar soweit, daß er ohne Krieg Mieden Kulturfortschritt für unmöglich hält und den ewigen Frieden nur als Mittel zur Degneration der Völker betrachtet. Eine neutrale Stellung inbezng auf die Friedensidce nimmt Schopenhauer ein, der ivohl die Opfer des Krieges bemitleidet, im übrigen aber den Krieg nur als einen Beweis für die Schlechtigkeit der Welt hinnimmt. Mit Schopenhauer beginnt schon die Romantik, die entschieden für den Krieg cintritt, bis endlich in unserer Leit wieder die Friedensidce jenen gewaltigen Aufschwung genommen hat, der jedem Gebildeten ja genügend bekannt ist- Soweit der Inhalt des Buchest Und nun unser Gesamturteil? Die schwierige Aufgabe, die sich der Autor gestellt hat, hat er vollständig bewältigt. Den Gefahren, die sich leicht geboten haben, nämlich der Unübersichtlichkeit bei der Fülle des Materials auf der einen Seite und der Außerachtlassung bedeutender Denker auf der anderen Seite, ist er glücklich aus dem Wege gegangen. Das Werk ist trotz - der Menge des Materials, trotz seiner verhälnismäßige» Kürze doch sehr klar und übersichtlich. Andererseits ist aber auch niemand übergangen worden und jede bedeutende Persönlichkeit, die irgend einmal nur Stellung zur Fricdensidee genommen hat, ist berücksichtigt und behandelt. Noch eine andere Schwierigkeit hat der Verfasser bewältigt. Er hat sich nämlich keineswegs — wie man es ja leicht befürchten könnte — im Einzelnen verloren, vielmehr hat er immer den allgemeinen Zusammenhang gewahrt, und so trägt das Werk trotz der oft minutiösen Nachforschung doch den Stempel des Großzügigen an sich. Die Sprache ist fließend, gefällig und überzeugend. Ueberhaupt — und das ist ein Hauptvorzug des Werkes — ist es nicht in einer für den Laien unverständlichen Form geschrieben, vielmehr kann cs jeder Gebildete mühelos lesen. Er kann es lesen und muß es lesen. Denn das Thema ist neu, noch nicht behandelt und doch von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung für die Kultur. So können wir das Werk jedem, der Anspruch auf wahre Bildung erhebt, nur empfehlen, doppelt ans Herz legen wollen wir cs aber dem jüdischen Publikum, weil das Werk eben das Erzeugnis eines begeisterten Juden ist, der seinen jüdischen Standvunkt nirgends verleugnet. Dr. N. Spende«. Für die FranzOpPenhermer sche Arberter-SiedlungsgenossenschaftiiHPal a st r n a gmgen ein: Gg. Freudcnstein 10— JL Saly Geis 20.- „ Selmar Geis 10.-. „ I. L. Goitein 10.- „ Frau Kanter 3.--,, M. Levigard 10.- „ A. Lewisohn 10.- „ I. Nußbaum S. N' — m 10— „ 20- „ Joseph L. Oppenheimer 10.- „ Joseph S. Oppenheimer 10.- „ Leop. Oppenheimer sen. 10.- „ Carl Rosenheimer 10.- „ Dr. Schwarzschild 100.- „ .Hermann Szkölnik 10.- „ Julius Weinberg 20_ , Zionist 100.- „ 373.-IL Für den I ü d. N a t i o n a l s o n d s gingen ein: Franks. Ortsgruppe der Zion. Bereinigung spendet Clara Lewisohn anl. der Makkabäer-Feier 1 Oclbanm 6.—: ’JL Jakob Nuß bäum spendet 1 Oclbaum im Hcrzlwald; 6.— „ Aus Büchsen: Frl. Sosie Horowitz 9.— „ S. N. Nr. D. 1840 4.— „ In Versammlung ' vom 11. 1. für Nationalsonds gespendet 5,3 t „ 1 Coupon Oppenheimer, Osfenbach —.50 „ 2 Coupons Carl Rosenheimer 1.— „ 1 Oelbaum im Hcrzlwald spendet Carl Schloß. Seilerstraße 6.— ., Briefmarken von Prof. Dessau, Perugia. 37.81 JL Vereins-Kalender. Samstag. „M o n t e f i o r e"-V e r c i n , 11 Uhr. Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. K. May). — Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Hörsaal Friedbcrger Anlage: Vorlesung aus Scfer Schauftiin (Prof. A. Wehl): 3Vs Uhr, Schühenstraße 2: Mikro-Vortrag (A. M. Schwarzschild). Sonntag. R.-P. Beis - Hamidrasch, Rechneigrabenstr. 1211., 5 Uhr: Hespcd auf Herrn Hermann Lehmann s. A. — Verein „T i f e r e s B a ch u r i m," 8% Uhr, Hcrmcsweg 25/27: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz. Montag. Ortsgruppe des Zentralvereinsdeutscher Staatsbürgerjüd. Glaube n s, 8i/» Uhr, großer Saal des Börsenrestaurants: Die Aufgaben der deutschen Staatsbürgerin jüd. Glaubens im Kampf um unsere Gleichberechtigung (Frau Dr. Eschelbacher, Berlin).Hatchijoh, 87* Uhr, Hermesweg 25/27: Napoleon und die Juden (Kadinsky), Die Oppenheiinersche Siedlungsgenossenschaft. Mittwoch. ■, „M o n t e f i o r e" - V e r e in, 83A Uhr, Eschersheimerlandstr. 27: Musikalisch-deklamato-. rische Vorträge.' / S < ö § g»E g Eerztlich anerkannt bei 6icbt> Rheumatismus,Blasen- und llierenleiden, sowie bei Katarrhen der Luftwegre, sowie Störungen ----=_im Darmkanal. Zu haben in sämtlichen einschlägigen Geschäften. Generalvertreter: H. Kölsch Nchf■ ouSti. KuWra 1 Mit. FrauEB o. MM, Frankfurt al vergütet seinen erkrankten Mitgliedern Krankengeld, Medikamente oder freie Behandlung im hiesigen Israelitischen Gemeindehospital. Anmeldungen, Statuten and Auskunft hei Herrn Samuel Joseph, Bergweg 30, „ Max Baer, Hermesweg 11. Wiesbaden. Hotel-Äestaiarant; Kronprinz Pracht-Heubau — Gänzlich neu eingerichtet. Lift — Thermalbäder — Vacuum 50 Zimmer und Salons —Grosse Speisesäle. 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