Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 50 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50. Fraitkfurker Israelitisches Familienblatt. Seite 11. Jglau (Mähren). Infolge der jüngsten Wahlen wird ein Drittel des neuen Kultnsans« s ch u s s e s unserer 1500 Seelen zählenden Gemeinde ans Z i o n i st e n bestehen. Kunst und Literatur. „Berlin" von Karl Schessler. Verlag Erich Reiß, Berlin - Westend. Schefflers Merlin" ist eines jener seltenen Bücher, die nicht nur dem Genüsse des Momentes dienen, sondern ihrem Leser etwas Bleibendes geben. Es ist ein Buch, das seinen Leser erhebt und ihn in idealere Sphären versetzt, weil es selbst bas Kind eines Idealisten ist. Und dieser Umstand läßt uns auch die Tatsache entschuldigen, daß der Autor manchmal zu weit in seiner Kritik gegangen ist. Denn bas Buch ist im wesentlichen eine Kritik, eine Anklage. In 2 Hauptteilen gibt uns Schessler ein lebendiges Bild der Geschichte Berlins, und an der Hand dieser Geschichte zeigt er uns all das Unschöne und Unästhetische, das dieser Stadt eigen ist. Und wenn er auch, wie gesagt, in seiner Kritik etwas zu schroff ist, wenn auch sein Urteil über Berlin zu hart ist, wenn er sagt, es „sei gewissermaßen die Hauptstadt aller modernen Häßlichkeit", das Wesentliche seiner Ausführungen ist richtig. Ja, es hat uns erfreut, zu sehen, wie dieser feinfühlige Idealist der modernen Hyperkultur, dem Amerikanismus zu Leibe geht, mit welch glühender Ueberzeugungskraft, mit welch geistvollem, hinreißendem Stile er das tut. Das Buch hat uns wieder gezeigt, daß es in der modernen Welt des praktischen Utilitarismus, des erschreckenden Egoismus, doch noch Menschen gibt, die ihren Idealismus und ihre dichterische Seele, auf der eineu Seite und eine nichts fürchtende Wahrheitsliebe auf der anderen Seite bewahrt haben. Eine glänzende Probe dieser seiner Wahrheitsliebe, zugleich auch seiner Vorurteilslosigkeit und seines Bestrebens, überall dort das Gute zu nehmen, wo er es findet, gibt uns Schessler in seinen Ausführungen über die Bedeutung der Juden in Berlin. Diese Stelle zeugt von solch scharfem Blick und scheint mir so glänzend, daß ich sie hier ansühren will. Im Kapitel über die Gesellschaft Berlins schreibt Schessler: „Das bürgerliche Patriziat, soweit. davon in Berlin überhaupt die Rede sein kann, ist inr wesentlichen aus dem Judentum hervorgegangen. — — Die Ursachen liegen vor Aller Augen. In einem Gemeinwesen wird iinmer die Bevölkerungsgruppe eine dominierende Stellung einnehmen, in der die stärkste familienbildendc Energie ist. . . Die vom öffentlichen Leben solange ausgeschlossenen Juden waren im Ghetto jahrhundertelang auf ihre Familien allein angewiesen gewesen, mit jedem besseren Gefühl; sie allein hatten darum wirkliche bürgerliche Familicntradition hinter sich, als sie, um 1800 etwa, offen ins Licht der Stadtgeschichte traten, erzogen von einer ihnen allgemeinen Familienform und darum bis zu gewissen Graden aristokratisch?" Diese eine Stelle wird schon dem Leser eine Vorstellung von den Vorzügen des Buches und seines Autors geben. Je mehr man aber sich in das Buch versenkt, desto mehr wird man seinen Autor achten und lieben lernen, und init einem erhebenden Gefühle wird man es zu Ende lesen. Und diese Erhebung, die das Werk seinen Lesern gibt, macht Schefflers „Berlin" zu einem Buche, das man nicht dringend genug einpsehlen kann. Dr. N. Das alttestamentliche Zinsverbot von I. Hejcl, Freiburg (Herder) 1907. Nachdem vor wenigen Wochen Pros. S o m b a r t wieder die besondere Neigung der Juden zu Geldgeschäft und Handel behauptet hat, darf die kleine Schrift eines katholischen Theologen auch bei den denjenigen auf besonderes Interesse rechnen, die den Hypothesen ihrer letzten Abschnitte über das Wer der biblischen Zinsverbote und ihr Verhältnis zu einander ablehnend gegenüberstehen. Denn der Vergleich zwischen der biblischen und der assyrischen, auch nach Egypten übertragenen Anschauung ist mit solch übersichtlicher Anordnung gewichtiger Beweisstücke durchgesührt, daß die Schrift dem Laien wie dem Gelehrten, Theologen oder Nationalökonomen, gleich warm empfohlen werden kann. Wir erfahren, daß bei allen Völkern das zinslose Darlehen das älteste ist, daß aber in Egypten im 8. Jahrhundert 30 °/o das normale, den Tempeln (!) aber der vierfache Zins gestattet war; in Babylonien waren 20°/o sehr üblich; dagegen waren die Assyrer große Wucherer: Schuldscheine mit 90°/o—150o/o Zinsen (S. 42) bei Gelddarlehen sind zweifellos entziffert; bei Getreideoarlehen zu 25°/» und 50 o/o streiten die Gelehrten, ob es sich um Jahres- oder Monatszins handle, sodaß der Jahreszins also 300«/» oder 600o/o betragen habe! Auch hier sind die Götter die ärgsten Wucherer. Man sieht, wie gründlich verfehlt cs ist, die biblischen Anschauungen aus allgemein-orientalischen abzuleiten oder aus „semitischer Eigenart" zu erklären. Auf die Frage, warum die Bibel das Zinsnehmen vom Fremden erlaube, führt - der Verfasser mehrere, teilweise recht erwägenstoerte Gründe an (z. B. 76, v). Hn. Jnselalmanach aufdasJahr 1910. 50 Pfg. Leipzig im Jnsclverlag. Dieser Almanach reiht sich würdig seinen Vorgängern an, Druck und Ausstattung entsprechen, wie man es beim Jnsclverlag nicht anders gewöhnt ist, den höchsten Anforderungen des kultivierten Geschmackes. Die literarischen Beiträge sind vorzüglich ausgewählt und dürfte jedes einzelne Stück dem Literatursreund Genuß bieten. Die Anschaffung dieses Almauachs ist sehr zu empfehlen. Bibliothek der Israelit. Religio nsschnle zu Frankfurt a. M. 270 Seiten. 1909. Buchdruckerei von M. Slobotzky. Me in diesem Kataloge verzeichnete Büchersammlung setzt sich im wesentlichen zusammen aus: 1. der Bibliothek des R. Salomon Geiger, 2. der Bibliothek des Orientalisten Raphael Kirchheim, 3. den von Prof. Dr. A. Berliner gesammelten Büchern, die als Dubletten von der hiesigen Stadtbibliothek ausgeschieden wurden, 4. aus 2500 Bänden der Bibliothek des sel. Freiherrn Wilhelm Karl v. Rothschild. r Letzte Nachrichten. Hamburg, 29. Dez. Zu Ehren des 9. Kongresses veranstalteten das „Kartell zion. Verbindungen" und der „Bund jüd. Korporationen" gestern in der Ernst Merck- Halle einen Festkommers, der von mehr als 2000 Personen besucht war. Dr. G. Rosenberg, Dr. I. Zwirn und Dr. Alfred Klee wechselten in der Führung des Präsidiums ab. Das Engere Aktionskomitee war vollzählig erschienen und wurden ihm beim Eintreten in den Saal begeisterte Ovationen zuteil. Dr. W. Unna hielt die Tendenzrede. Richard Lichtheim brachte das Gelöbnis unerschütterlicher Treue der jüd. Studenten zum Zionismus zum Ausdruck. Rcichsratsabgeordneter Dr. Mahler begrüßte den Kommers namens der jüdischnationalen Studenten Oesterreichs, Rcichsratsabgeordneter Dr. G abel namens des Jüd. Klub, L i s s a namens der Logen Hamburgs, Dr. H a l p e r n namens der zion. Ortsgruppe Hamburg/ Dr. Franz Oppenheimer brachte den Damentoast ans. Präsident David Wolfffohn gab in einer längeren Rede seiner Freude darüber 3lusdruck, daß die jüd. studentische Jugend so begeisterte Anhänger des Zionismus sei. Sämtliche Reden fanden begeisterten Widerhall. Hamburg. Redakteur Lebowitz - Budapest erklärt im Namen des Misrachi, dieser sei absolut gegen jede Trennung, die Religion sei Privatsache, doch dürfe das öffentliche Tun der Leitung nie gegen die Religion verstoßen. Das Charakteristische des Kongresses dürste eine Systemänderung sein, die darin besteht, daß der politische Zionismus der praktischen Betätigung in Palästinaweicht. Hamburg. Dr. N o r d a u verlas eine E rklärung Dr. Nossigs, die Anschuldigungen Wolffsohns gegen ihn seien nicht wahr. Wolffs o h n widerlegt die Erklärung. Dr. Adolf Friedemann-Berlin erklärt, daß Dr. Nossig bei den Sitzungen der „Ajko" beständig gegen den Zionismus sprach, er habe wohl bei seiner Abreise nach Konstantinopel versprochen, in der Türkei nichts gegen den Zionismus zu unternehmen, aber sein Wort nicht gehalten. Spende«. Bei der Geschäftsstelle des Frkstr. Jsr. Fambl. ging für den Nationalfonds ein: Selmar Geis Telegrammablösung zur Hochzeit Zahnarzt Mendel Bamberger, Kissingen — Rahel Winter, Köln 0,50 .H. Frl. Wolpe: Marken. Briefkasten. Jüd. Bolksbl.. Breslau. Wir nehmen gern davon Notiz, daß die Bezeichnung Ihrer Zeitung als antizionistisch unrichtig ist. Barmizwohs. Franz, Sohn der Frau Max Goldschmidt, Bockenheimer Anlage 2, in der Synagoge Friedberger Anlage. Vereins-Kalender. Samstag. „Montefiore"-Berein,11 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May).— Verein „M ekorEhajim," 3Vs UIjr,_ Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Abraham Rvos). Sonntag. Verein „Mekor Chajim," 6 Uhr, Schützenstr. 2: Ueber die Zeit des 2. Tempels (Dr. Bondi-Mainz). Montag. Hatchijoh, 8% Uhr, Hermesweg 25/27: der 9. Zionistcnkongreß (Geis). Mittwoch. Verein „Nachlaß Zwi,"9Uhr, Lange skr. -26: Universalismus der Thora (Provinzialrabb. Dr. Hirschseld-Gießen). — „Montesiore"- Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Die Entwickelung des modernen Stiles (Dr. I. Hülsen). i 1 über Vermögens-, ffemtiien- Ansgnnwfti »». •SWW1IMO.V i obachtungen, Ermittelungen n BtStxeu ' - an allen ElStsen der Weife Grone OeteetlT.Zentrale!!! Telephon 43S9. ■T Aalzhaas 6, X- *in Franz Etter Frankfurt a. JL, Börgerstrasse 92. Spezialist kür englische und moderne Ijeder - Sitzmöbel. - Alle Ledermöbel werden.wie neu gefärbt- Clnbsessel: Antik Leder wie nebenstehendes Modell Mk. 130.— Gaslüster aller Art und Ausführung zu den billigsten Preisen. Einige gebrauchte Lüster. Rudolf' Wirt h, Neue Taubenstr. 10. Kein Laden t Specialgeschäft in Obst, Gemfise, SBdfrttchten, _ _ MoUeboseb, Kochäpfel, Tafeläpfel in jeder Preislage, ferner Datteln, Feigen, amerikanische, deutsche und franzSsische Nü»se. Otto Gerl/ng, 4 Allerheiligonstrasso 4p Telephon 690.Ecke Langestrasse.Telephon 690. V Photographie Samson & Co. Ateliers: Zeit 46 und 3[aiserstrasse I. 12 Visltbilder von Hk. 1.80, 12 KablualhUder tob Bk. 480 an. Mattbilder in bester Ausführung sehr preiswert. 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