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Neue jüdische Presse · 1909-12-23 · Heft 49 (23.12.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 49 (23.12.1909)
Date
1909-12-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49. ZSKckfurier Jfraeli rsr.-es FamMnblatt. Seite L. „Er besitzt aber auch noch etwas anderes," unterbrach Niman den schwärmerischen Lobredner des Präfekten. „Was meinst Du denn?" „Seine Instruktionen von oben." Jetzt war es Baruch, der sprachlos dastand. ,Mlle seid ihr beiin Senat gewesen," fuhr Niman mit bitterem Lächeln fort, „und alle habt ihr euch mit leeren Redensarten, mit Zuckertörtchen abspeisen lassen. Wirklich," Nieman besaß eine Ironie, die Herz und Seele mit eiserner Zange erfaßte, „wirklich, ihr verdient vollkommen die Bezeichnung, die der Senat euch beilegt. Wie heißt es doch in jenem famosen Schriftstück? „In Anbetracht der übcrmäßigen Anforderungen an die Lehrkräfte, sehen wir uns veranlaßt, einige der weniger begabten jüdischen Studenten vom Besuche der hiesigen Universität auszuschließen." Ihr seid nicht nur „weniger begabt", wie cs dort heißt, sondern geradezu beschränkt, wenn ihr dieses plumpe Manöver nicht zu durchschauen vermöget. Begreifet ihr es denn nicht, daß auch diese niederträchtige Verordnung im vollen Einklang mit der Kuechtungspolitik steht, die die Regierung schon lange gegen uns Juden treibt? Nur möchten sie so gern das Prestige vor dem Auslande wahren, dessen Hilfe sie doch nicht entbehren können, und darum wird dem Barbarisinus das Mäntelchen der Notwendigkeit mngehängt. Heute hat man euch noch init Höflichkeitsphrasen geködert, doch morgen wird mau euch mit der Tatsache aufwarten, daß unsere Ausweisung nicht widerrufen werden kann. — Pah, der Präfekt! Freisinnig, fortschrittlich! Ich sage euch, es ist alles Tünche, Schein, Flitter! Er wird euch sicherlich höflich empfangen, aber zugleich außerordentlich bedauern, daß er den Beschluß des Senats nicht zu ändern vermag, da er es nicht wagen darf, die akademische Freiheit anzutasten. Mit blutigen Köpfen werdet ihr dann wieder zum Senat lausen, dieser wieder wird sich auf die höhere Instanz berufen, und so schiebt man euch eine Weile hin und her, bis man euch nach — nach dem Ansicdelungsrayon abgeschoben hat." (Fortsetzung folgt.) Eine kleine Erinnerung ans der Geschichte des Zionismus. Zu den eigentümlichsten Erscheinungen des werdenden Zionisnms gehörte ein jüdischer Student sefardischer Herkunft aus Konstantinopel namens Josef Marcou-Barouch, der sein ganzes kurzes Leben ausschließlich der intensiven Propaganda des Zionismus weihte. Er, der unter dem Namen Ben-Zellah besonders in französischer, aber auch spagnolischer Sprache vorzügliche Gedichte hinterließ, ist zu früh und zu schnell vergessen worden. Mit einem Mute ohne gleichen durchzog er alle Länder des Orients und Okzidents und pflanzte die ersten Keime zionistischer Gedanken und glühender Zionssehnsucht. In Algier, wo er den arabischen und französischen Haschofet herausgab, in Bulgarien, wo er den spagnölischen Monte de Synah erscheinen ließ, in Egypten, in Italien hat er die zionistische Bewegung begründet, und wo er auf seiner Wanderung in der Schweiz, in Deutschland oder der Türkei rastete, hat er Keime verstreut, die nicht unfruchtbar geblieben sind, ein Wanderer in der bitternsten. materiellen Armut und dem größten ideellen Reichtum. In seinem auferstandenen Sem in der Wiener „Neuen Revue" beschreibt Clemens Sokal (S. Clemens) das Wanderleben des „Fanatikers", und die Leser haben wohl gemeint, daß es sich um ein Phantasiegebilde handelt. Aber er hat die Wirklichkeit lange nicht erreicht. Auf den ersten beiden Kongressen hat Marcou geschwiegen und sich nur innig gefreut, daß so viele,, die er erst mit dem nationaljüdischen Zionsgedanken in Berührung gebracht hat, als Zeugen für Israel austraten in der Geltendmachung seiner ewigen unverjährbaren Rechte. Bald aber nach dem .zweiten Kongresse vermochte er das Unglück, das ihn sein ganzes Leben lang persönlich verfolgte, nicht mehr zu ertragen, und in einem Anfalle von krankhafter Schwermut, von Zwangsvorstellungen befangen, die ihn die Macht über seinen Geist verlieren ließen, erschoß er sich auf offenem Markte in Florenz. Aufmerksame Freunde hatten in den letzten Jahren bereits gefürchtet, daß er in einem Anfalle von solcher Verzweiflung Hand an sich selbst legen könnte. So starb der junge jüdische Dichter, dessen Gedichte und Gedanken über den größten Teil der von Juden bewohnten Erde verstreut sind,- und von denen kaum jemand weiß, daß er der Urheber ist. Warum ich grade jetzt auf Marcou-Barouch zurückgreise, hat seinen Grund darin, daß soeben eine Broschüre erschien, die man in einem gewissen Sinne ebenfalls als ein posthumes Merkchen von Marcou ansprechen darf. Unter den Anhängern, die er für den Zionismus begeisterte, war ein junger gelehrter evangelischer Theologe, der in inniger Freundschaft an dem einzigartigen Juden hing, nicht wegen seiner unvergleichlichen Kenntnisse und Fähigkeiten — er sprach ein Dutzend Sprachen gleich fließend und dialektfrei —, sondern wegen seines kristallklaren Charakters. Der Mann ist längst in Amt und Würden und hat die alte Freundschaft gehalten und hält sie nach dem Tode des Freundes dem Zionismus, seinem Ideale. Die Broschüre, die soeben dieser Pfarrer unter dem Namen I o h a n n e s W a l t h e r hat erscheinen lassen, nennt sich „Israels Heim kehr,einWunderGottes in unfern Tagen" und will den Christen in Deutschland die Größe und Wichtigkeit des Zionismus nähe führen und ihnen ans Herz legen, dem Jiwenvolke ohne Nebengedanken behilflich zu sein, das große so wunderbar begonnene Werk zu vollenden. Bon echter Religiosität durchglttht, will. der Verfasser nur seine christlichen Glaubensgenossen dem Zionismus freundlich stimmen und am liebsten dafür, begeistern, aber, weil jeder auch noch so fenie Gedanke völlig fehlt. — mit dem uns ja solche Sympathiekundgebung gewöhnlich vergiftet werden, die Juden direkt oder indirekt dainit zu bekehren —, so ist diese fromme christliche Schrift, die nur eine solche sein will, eine vorzügliche Propaganda für den Zionismus schließlich auch bei Juden. Gewiß hat der Pfarrer guten Grund und volles Recht, sein Neues Testament heranzuziehen, um seine Ideen zu entwickeln, aber bas sogar geschieht in solcher Weise, daß kein noch so konservativer Jude daran Anstoß nehmen kann. Es sind Keime hier aufgegangen, die in unseres Dichters Josef Marcou-Barouch glühendem Herzen zuerst geschlummert hatten. Die glänzende Parallele, die Johannes Walther zwischen unserm großen Lehrer Moscheh Rabbenu und Theodor Herzl zieht, ohne die beiden gleichzusehen, ist von packender Wirkung. Die Darstellung des Zionismus mit seinen Zielen, seiner Geschichte und seinen neuen Phasen kann von keinem Anhänger des Zionismus im Judentum besser entwickelt und mit mehr Feuer dargestellt werden, als von diesem christlichen Freunde Marcous, dessen Herzensglut auf dem Altar des Freundesherzen heilig weiter flammt. Es ist die gläubige Schrift eines herzlich gläubigen Christen und kann jeden Juden erbauen, obwohl sie sich ausschließlich an Christen wendet und nur die frohe Botschaft den Juden, die von alledem nichts wissen, bringen will, „daß die Bewegung, die seit dem Auftreten Theodor Hcrzls im Jahre 1897 durch ihr Volk geht, nicht Menschenwerk, sondern ein Werk des lebendigen Gottes ist, dem sie sich getrost anschließen dürfen, ohne die bange lärmende Furcht, es möchte am Ende doch wieder alles zu Nichte werden." Der einzige Zweck des Pfarrers Dr. K., der sich hinter seinen Vornamen Johannes Walther verbirgt, ist der, auf diese Weise einen Beitrag zur Förderung der ihm so sehr am Herzen liegenden großen Sache zu liefern. Es ist sein Freundeserbteil von Marcou-Barouch, dem Max Jungmanu in einem Privatdruck,' seinen prächtigen „Irrfahrten," folgende Verse gewidmet hat: „Gedenk ich trauernd jener Stümperscharen, Dann armer Marcou-Barouch denk ich dein. O mußtest du in deinen jungen Jahren Dem schwarzen Tartar deine Seele weihn! Wer gab den Rat dir, dich aus den Gefahren Des Daseins eigenmächtig zu befrein? Wer hieß dich dieser Erdenlast entfliehen Und einen Dichter deinein Volk entziehen? Dein Lied war schön und glich dem Wirbelwinde, Der zornig geißelt die verwegne See. — Als ob er in des Volkes Herzen stünde. Ich weiß nicht, wo ich seinesgleichen finde t . : Er ward dem Judentum ein Beranger. Bon Hoffnung jauchzte sein erhabner Sang, Bon Kampfesmut und kühnem Freiheitsdrang. Verfolgt, gehaßt, verfocht er unverdrossen Der jüdischen Nation ihr heilig Gut; Er hat des Lebens Bitterkeit genossen. Er hat gelernt, wie weh' der Hunger tut . . . — Und hat sich schließlich zu Florenz erschossen. Dort floß auf freiem Markt sein edles Blut. Wenn nie ein Grabstein seinen Namen nennt. Er schuf aus Liedern sich ein Monument." Diese Broschüre, die soeben vor dem neunten Kongresse erscheint, möge uns das Gedächtnis eines Unglücklichen, eines Dichters zurückrufen, der dazu beigetragen hat, daß cs Zionistenkongresse giebt. Heinrich Loewe. HaiM«r t rieurlcn Vueue - Ottenbach a. M. —— Gegen Weht and Rheumatismus bewährt, Institut für Massage Kar« Ed. Augstein» Kaiserstrasse Sv. Teilmassage 0,30 Mk., Ganzmassage 1,— Mk. Beste Zeugnisse und Empfehlungen von Aerzten and Patienten z. D. Damen werden von Dame bedient. H. Schmidt Sandweg 85 akack. jKtnnfiftiuiifem. Reparaturen prompt n. billig. Anzug aafbttgeln Mk. 1.20. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 28. Speztal-Gesehäft für Haiu. Zelehen-Blenslllin. flolzbrantf-,Ier bse(inUl-,Ttrsoa. BaHfc-irtifceL XBaqjeiisitiucttocr« (Zeitangaben nach dem l-naab.) SmnStag, den 25. Dezember l—13. Tewes): Labbat-Anfang tu Frankfurt a. M. 4 Uhr — Mt». Labbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 lchr 20 Min. in Berlin 4 Uhr 46 Min. ' .Wächenabschnitt: W aj e ch i. — Jakob will nach dem Lande Kanaan begraben werden. Joses muß dies dem Bater eidlich versprechen. Jakob segnet seine Enkel Efraim und Menasche, die Söhne Josefs. §>abei der bekannte Satz: Hamalach Hagauel usw.) akob segnet vor dem Tode seine sämtlichen Söhne. Es sind Poetische und prophetische Worte, deren tiefe Bedeutung ohne näheren Kommentar unverständlich bleibt. Hier sei nur soviel bemerkt, daß Vergangenheit Md Zukunft der 12 Stämme sich darin wie in einem Spiegel zeigen. — Jakob stirbt, 147 Jahre alt, und wird in großen Ehren nach Kanaan begraben. Er hatte 1? Jahre in Egypten gelebt. Am Leichenbegräbnisse beteiligt sich auch das Land und die königliche Familie. Unterwegs wird in der Tenne Atad eine Tranerfeier veranstaltet^ In der Höhle Machpela wird Jakob beigesetzt. — Die Brüder argwöhnen bei Josef Rachegelüste, da der Bater nicht mehr lebt. Sie bitten um Verzeihung ihrer Schuld. Josef weint und weift die Befürchtung als grundlos zurück. Das Ganze sei GottÄ Fügung gewesen. Josef verpflichtet seine Brüder, dereinst seine toten Gebeine mitnehmen zu wollen, wenn sie aus Egypten ziehen. Er stirbt, 110 Jahre alt, wird einbalsamiert und in einem Sarge ausbewahrt. Oftenftacber Druckluft»Jtalagc Telefon 123. Offonbach 1. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TapplchralnldUIig. K»mttle*»»Hrikyre». Geburten. Einen Sohn, Herrn B. Süßkind Marx), Saarbrücken. Eine Tochter, Herrn William Lachs (Ehrenberg), Posen. Einen Sohn, Herrn Paul Königsberger (Meyer), Aachen. Sctblltc. Blanka Rosenblatt, Frankfurt, Bäckerweg 30 — Eugen Gnndelfinger, München-Jchenhausen. Israelitischer stellenvermiMsu. Versicheraiftsvereln Frankfurt a. Hain Die Versicherungs-Abteilung ist durch Beschluss des Kaiser]. Anfsichtaamtes zum Geschäftsbetrieb innerhalb des Deutschen Reiches zugelassen. 1 Der Verein nimmt Handlung'sg'eliilfen und Handlung'sg'ehilfmii.eu, f die in am Sabbath geschlossenen Geschäften tätig oder am Sabbath von der Arbeit dispensiert sind, als ordentliche Mitglieder auf. §. — . .. , . . Klasse I Klasse II Klasse III .. ® Bei Stellenlosigkeit zahlt der Verein: In “Mk-45^”” Mk~60 — ~ k" Monat Die Jahresbeiträge belaufen sich Mk. 30.— anf Mk. 6.— für Mk. 9.— Mk. 12.— Klasse I Klasse II Klasse III Kostenlose Stellenvermittlung. Jedes Mitglied erhält gratis das Vereinsorgan; „Der Sabbath“. Bis Ende November 1909 vermittelte Stellen: 1058. Bisher gezahlte Entschädigungen über Mk. 15000. Man verlange Anmelde-Formulare und Satzungen. Sicherheitsfond: Mk. 33000.

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