Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 49 (23.12.1909)
- Date
- 1909-12-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692614-2692663--05123-2700003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elijah 1× ep/1004307
OCR text
Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 49. 20. Jahrhundert'" auf Mitwoch abend 9 Uhr im Kvnzertgarten (Frchlentwiete 29) festgesetzt. Eine Restauration unter Aufsicht des Oberrabbiners und ein P o st a in t (Postamt „IX. Sionistenkongreß" im Konzerthaus) befinden sich im ongreßgcbände. Aus der Lehrerwett. Halle a. Saale. Dr. Albert Kahlberg aus Uslar, ein Schüler des Breslauer Rabbiner- Seminars, ist zum Rabbiner der hiesigen jüd. Gemeinde gewählt worden. Dr. Kahlberg ist ein Vetter Professor Frcudenthal's, des Rektors der Frankfurter Akademie für Sozial- und Handels- Wissenschaften. Würzburg. Dem Rechenschafts-Berichte der Israel. Lehrerbildungs-Anstalt für das 45. Jahr ihres Bestehcirs sei entnommen: Die Anstalt hatte im abgelaufcncn Schuljahre 32 Schüler, von welchen 4 extern war. 18 Schüler bezahlten ganz, 13 teilweise die Verköstigung. Unterricht, Wohnung, Beheizung, Beleuchtung usw. wird für alle Schüler unentgeltlich gestellt. Für den zum .Rabbiner der Ados; Israel in Nürnberg gewählten Dr. Klein trat Dr. Joseph Wohlgemuth- Hamburg in das Lehrerkollegium ein. Am 27. Oktober starb nach 40jähriger aufopfernder Tätigkeit in der Anstalt Lehrer Jacob Weisbart im 73. Lebensjahre. Die Rechnung schließt leider auch 'in diesem Jahre mit einem Defizit ab, sodas; sich der Fehlbetrag der letzten Jahre auf 0803 Ml. beläuft. iL.) Schwerfen;. Letzte Woche starb in Brrlin Hauptlehrer Moritz G r ü »f c I d im Alter von 75 Jahren. ■ Seine Leiche ist hierhcrgebracht und auf dem hiesigen Friedhöfe beerdigt worden. Länger als ein Menschcnaltcr hat der Dahiiigcschiedene seine erfolgreiche Tätigkeit an unserer Volksschule ausgeübt. Insbesondere hat er nicht nur hiesige Schüler, sondern auch nach Hunderten zählende auswärtige Zöglinge für das praktische Leben und für höhere Schulen vorbereitet. In Anerkennung seiner Leistungen wurde ihm der Adler der Inhaber oes Kgl. Hausordens von Hohenzollern und der Kronenorden verliehen. - Die Liebe und Achtung, die sich der Verstorbene bei allen Mitbürgern erworben hat, zeigte sich an der regen Teilnahme bei der Beerdigung. Bei der Leichenfeier in der Synagoge richtete Gemeinderabbiner Dr. M. L e w i n aus Wrcschcn tief empfundene Worte der Trauer an die Anwesenden. Von der Synagoge aus bewegte sich der stattliche Lcichenzug nach dem Friedhöfe, Ivo abermals Herr Dr. Leivin das Wort ergriff und den Verstorbeiicii als bewährten Jugcndbikdncr rühmte. Budapest. JosefKeller, dec gelehrte Vorbeter der Rombachsynagogc, v c r s chi c d im 70. Lebensjahre: ... Aus dev Vereinen. Frankfurt a. M. Zu dem Bericht über die Versammlung - des Eentralvercins tfracl. Gemeindemitglieber und seine Stellungnahme zur „Freien jüdischen Vereinigung" sei noch nachgekrägen, daß von einigen Diskussionsrednern bei aller Anerkennung der scharfen Kritik, die der Programmausrns an der liberalen Vereinigung übt, doch auch, auf solche Stellen des Aufrufs hingewiesen wurde; welche cs gcsctzestrcuen Glaubensgenossen unmöglich machen, sich der Vereinigung anzuschließen. Frankfurt a. M. Das «.Heim des jüd Frauenbundes in Neu-Isc n b u rg" (Vorsitzende: Bertha Pappenhcim) blickt aus das zweite Jahr seines Bestehens zurück. Der Grundgedanke der Familienerziehung hat sich bewährt, und so werde» gleichzeitig Zöglinge der verschiedensten Altersstufen im Heim vereint. Es fanden 18 Nenanfnahmcii im Alter von 4—22 Jahren statt; 4 Kinder sind unter 'FUrforgc der Anstalt geboren und während der ersten Wochen mit der Mutter behalten worden. Die Erfahrungen, die das Heim mit seinen Schützlingen machte, kömicii als durchaus günstig bezeichnet werden. Das Heim bedarf einer stärkeren materiellen Förderung als bisher, damit cs seinen wichtigen Aufgaben im vollen Umfang gerecht werden kann. Frankfart a. M. Der Verein .Weibliche Fürsorge" (Vorsitzende: Bertha Pappen heim ) hat in seinem abgelanscnen Vercinsjahre wiederum in seicren verschiedenen Abteilungen eine überaus rege Tätigkeit entfaltet. 147 Säuglinge unterstanden der regelmäßigen Aussicht des Vereins, 123 Kinder erhielten ihre Nahrung aus der Säugliiigsmilchküche. Die aus 12 Dame» bestehende Kindcrschutzkommissioii war, da die Zahl der unehelichen Kinder fortgesetzt . zuninmrt, sehr stark in Ansvrnch genommen. Bei dem Stellennachweis für Mädchen und Frauen sind 516 offene Stellen und 596 Stellengesuche angcineldet worden. Als neue Abteilung wurde eine Wohnungskommission ins Leben gcrufcii, die die Aufgabe hat, . eine statistische 'ileberjicht über die Wohiiungsverhältnisse der von verschiedenen Stellen unterstützten Familien zu. schaffen und durch persönlichen Einfluß und im Falle größerer Armut durch Lieferung von Pichmaterialien eine, größere Reinlichkeit in den Wohnungen hcrbcizuführen. Auch in Galizien wirkte der Verein weiter sozial, und zwar durch Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern, sowie durch Bekämpfung des Mädchenhandels. Frankfurt a. M. Der in der Generaweisammlung der „Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute (g e g r. 1893)" gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: B. Blumenthal (1. Vors.), I o s. M a y e r (2. Vors.), N a t h. K a u f - manii (Kassierer), Alb. Struch (Schriftsührcr), Adolf O s ch c n b r a n d t und M. H e r z. Frankfurt a. M. Die Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit hat beschlossen, neben der fortgesetzten Lektüre Vortrüge, die in den Rahmen des Vereins fallen, seitens der Mitglieder halten zu lassen, damit die Mitglieder auch den freien Bortrag beherrschen. Altona. Im hiesigen ,Isr. Wissenschaft!. Verein" sprach Herr Dr. Jac. Klatzkin über das Thema: „Meine Eindrücke in New Bork, verbünd e'n mit Erörterung des Emigrationsproblem s." In seinem lehrreichen und interessanten Bortrage schilderte Herr Dr. Klatzkin ans Grund persönlicher Studien die Aus- und Einwanderungsrerhältnisse, den sozialen und moralischen Stand der imigricrtcn Juden in New Park und legte das Emigrationsproblem in kurzen, markanten Zügen dar. Redner sprach auch über die Verdienste des „HilfSvcreins der deutschen Juden" auf dem Gebiete der Emigration und über mehrere jüdische Institutionen in Amerika. Basel. SSt gangenen Sonntag, am sechsten Tage des Chaiiukafestes veranstaltete der „S ch o m r e T h o r a I ü n g l i n g s v e r e i n" eine E h a n n k af e i e r. Es war ein wahres Volksfest. Mehr als 300 Personen füllten den Fcstsaal, der sich, als zu klein erwies, sodaß viele wegen Ucbersüllung der Räume abgewiesen iverdcn mußten. Alle Darbietungen im einzelnen auszuführen, würde zu weit führen. Erwähnt seien der von Frl. Anna A p p c l b a n m wirksam vorgetragene Prolog, ebenso die gesanglich. vortrefflichen Darbietungen des Herrn Obcrkantor D r u j a n, dessen „Moans Zur" und „Dort wo die Zeder" einen esfektvollcn Eindruck hervorgeriifen haben. Außerdem brachten zwei Herren ein Flötcnsolo künstlerisch zu Gehör. Zwei Theaterstücke kamen an diesem Mcnd zur Aussnhrnng. Das erste Theaterstück Die Frage an das Schicksal" wurde von drei jungen Damen, Frl. Eamille H e h m a n n, Frl. Lotte A p P c l b a n m und Frl. F r i e d a Bollag mit viel Verve gespielt und fand allgemeinen Beifall. Das'zweite Theaterstück „Bon Bcrditschew nach Basel" stellt ein jüdisches Äiilturbild der Gegenwart dar. Es zeigt uns, wie sich im Kopfe eines russischen Talmudjüiiglings die westeuropäisch jüdische Welt malt. Im letzten Bild dieses Theaterstückes werden wir in eine Sitzung des „Schomre Thora Jünglingsvercins" eingesührt. Der Generalredner in dieser Sitzung, Herr sind. jur. Marens lio h n , schildert in begeisterter und vortrefflicher Weise die religiöse Bedeutung des Channkascstes. ' Das Fest, das ohne jeden Mißton verlief, darf als ein in jeder Beziehung wohlgelungencs bezeichnet werden. H. Knust «ud Literatur. Israel in Italien. Eindrücke und Erlebii i s s e. Zwölf Skizzen von Israel Cohen. Autorisierte Ucbersetzniig aus dem Englischen von Noömi Baneth. 112 Seiten. Preis 2.— JL, elcg. geb. 3.— JL Berlin C 2, Louis Lamm. Eine Reise durch Italien! Wir wandeln auf geschichtlichen Boden, der auch uns Inden so vieles aus der Vergangenheit unseres Volles zu erzählen weiß. Freilich sind es meist trübe Bilder. Doch wir. vermögen nicht aiisziiatmcii, wenn wir sie mit Bilder» der Gegenwart vergleichen. Nur der Grund unseres Schmerzes ist heute ein anderer actvorden. Heute sind wohl Juden die höchsten Regicriingsbeamten in Italien, eine uiigctriiblc Sonne der Gleichberechtigung scheint uns gerade in diesem Lande. Doch, Ivo einst die Worte der Thora eine Stätte hatten, ist heute Oedc, wo einst jüdisches Leben pulsierte, ist es heute geschwunden. Und in stiller Nachdenklichkeit legt der Leser das Buch bei Seite; — da kämpfen wir für unsere Gleichberechtigung, doch haben wir sie errungen befahlen wir den Sieg mit dem Schwinden alles Jüdischen.! __ So geben denn die Skizzen nicht. nur einen Ueberblick über Vergangenheit und Gegenwart der italienische» Juden und sind nicht nur ein vorzüglicher Führer durch die jüdischen Sehenswürdig, keilen Italiens, sondern sie regen auch zum Nach, denken über die Zukunst der italienischen Juden und der Inden überhaupt an. Palästinas Erdgeruch in der Israeli tischen Religion. Von Lic. Dr. H. Gretz mann, Prof, der Theologie zu Berlin. Preis JL 1,80. Verlag von Karl Eurrtius, Berlin IV. 35. Das vorliegende Buch stellt im wesentlichen einen Beitrag dar zuder modernen Lehre von den Beziehungen, die zwischen den geographischen und klimatischen Verhältnissen eines Landes und den Geisteserzeugnisseit seiner Bewohner bestehen. Bevor jedoch der Autor im zweite» Teile seines Buches zur Behandlung dieser Lehre, 'angewandt auf die jüdische Religion, kommt, schickt er einen Abschnitt voraus, in' dem er von dem heutigen Volksglauben der Araber in Palästina aus die Religion Israels vor dem Auftreten der Propheten schließt. Den Ausführungen dieses ersten Abschnittes können wir nun nicht zustimmen. Und zwar liegt der Grundfehler schon in der Methode; der Autor behauptet nämlich, „daß die alten Araber und alten Israeliten eine ähnliche Religion gehabt hätten und die Disserenzen zwischen beiden Religionen erst mit dem Auftreten der Propheten in Israel und mit dem Mohammeds in Arabien größer wurden." Mit diesen Worten stellt, sich der Verfasser also auf den Boden jener Bibelkritiker, die das Judentum als ein Erzeugnis der Propheten erklären wollen. Zu welchen falschen Schlüssen eine solche Uebertragung der Verhältnisse führen muß, zeigt uns der Verfasser selbst. Er schließt nämlich, konsequent seiner Methode, von den heutigen Derwischen der Araber auf die Prophetenscharen der alten Inden zur Zeit Elijas und behauptet demgemäß, daß diese alten Propheten ebenso wie die Derwische heute sich in Ekstasen und Bacchanalen ergingen. Als Beweis für diese befremdende Behauptung führt er die Schilderung des Gottesurteiles am Karmel .im 1. Buch der Könige an. Wenn schon die Behauptung an sich verwundern niuß, so versetzt der Beweis noch mehr in Staunen. Ja, hat denn der Verfasser übersehen, daß die Schilderung von diesen wilden Verzückungen sich doch nur auf die falschen Propheten bezieht, die doch immer von Elija als »»jüdisch, als fremdländisch bekämpft und verfolgt wurden? Elija und seine Schüler bilden doch gerade den Gegensatz zu diesen falschen Propheten. Nein, niemals haben sich jüdische Propheten gleich den heutigen Derwischen in Verzückungen und Ausschweifungen ergangen, sondern immer war grade die Mäßigung, die Selbstzügelung das Ideal des Judentums gewesen, dem alles Wilde und Bacchanalische fremd ist. Man ersieht aus diesem Beispiel, zu welchen Behauptungen diese Methode des Verfassers schließlich führen kann und führen muß. Seinem Inhalte und seinen Behauptungen nach, hat mir das zweite Kapitel, in dem der Autor das eigentliche Thema des Buches behandelt, viel mehr gefallen. Da bietet er viel Interessantes und Annehmbares, wenn er auch hier in seiner Sucht, alles. rationell und natürlich zu erklären, manchmal zu weit geht. Doch ist diese Sucht nach rationeller Erklärung nicht allein der Fehler des Autors, sondern der aller protestantischen Theologen, so daß man diesen Mangel wohl eher entschuldigen wird. Auch hier sind die Fehler meistens nur da, wo der Verfasser von seinem eigentlichen Thema abstreift. Ueberall jedoch, wo er das. nicht tut, bietet er wie gesagt, viel Anregendes und Neues, aus welchem Grunde auch das Büchlein zu empfehlen ist. _ Dr. N. Spenden. Bei der Geschäftsstelle des Franks. Familienbl. gingen ein: Israelit, Aus Büchsen: Franks. Israel. Familienbl. 1,50 JL Noßbaum Wtv., Kantstr. 1,- „ Bäckerei Noßbaum, Sandweg 1- Dr. Weinberq's Kinder 3,10 „ Roscnheimer, Feskstrahc 8,20 „ B. Jsaacsohn 4,80 „ Dr. Grünbaum 2,84 „ S. H. Goldmaiin 4,10 „ 26,54 JL Zu Ruth Noßbaum's ersten Geburtstag Oelbaum 6,— JL Im ,«Hatchijoh" 20. 12. gesammelt —,70 „ Aphorismen. (Nachdruck verboten.) Von E. K., Frankfurt a. M. Ein Mensch ohne Stammesbewußtsein ist ein Baum ohne Wurzel. * Dein Glaube» ist der rechte, wenn dich die Liebe zum eigenen Stamme dermaßen beseelt, daß du in diesem dein erweitertes Ich und in jenem die Existenzbedingung von diesem gefunden hast. Vereins-Kalender. Samstag. „M o n t e s i o r e" - V c r e i n, 11 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May). — Verein „M e k o r C h a j i in," 3Vs Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (E. Gottlieb). Sonntag. Synagogen-Geineinde „Israelit. R el i g i o ns g e se l kscha ft," 5.Uhr, Tiergarten 8: Generalversammlung. — Verein „Tifercth Bachurim," 8% Uhr, Hermeswcg 25/27: Ordentliche Hauptversammlung. . In dem Aufsatz „Hebräis ch" in der vorwöchentkicheu Nummer muß cs Seite 2, Zeile 18 heißen: „und diese Bequemlichkeit machte mitunter" und Zeile 56t „darf nur im Verhältnis."