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Neue jüdische Presse · 1909-12-23 · Heft 49 (23.12.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 49 (23.12.1909)
Date
1909-12-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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* " M Nr. 49 des FrEnrler FamkiMMes. * AdoMementsdrSelluWit auf das „Frankfurter Israelit. Familienblatt" nehmen sämtliche Postanstalten des Ju- und Auslandes zu MK. 1,02 (inhl. Tieferung frei ins Baus) für das erste Vierteljahr 1910 entgegen. Streifbandzusendung für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Mark 1.50, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Gegen Einsendung der Abonneincntsquittung für das erste Vierteljahr 1910 an die Geschäftsstelle des „Franks. Israel Familienblattes" erfolgt die Zusendung der noch im Dezember erscheinenden Nummern kostenlos. * Mit dieser Nummer beginnt ein neuer Roman von L. G o r d o n, in der Uebersetzung unseres Mitarbeiters Herrn Prediger M. Pnlvermann. „Auge urn Auge", so lautet der Titel' des Romans, führt den Leser in die Paläste des russischen Adels. Der Leser lernt diesen allmächtigen Adel in ^seinem Denken und Fühlen kennen, er lernt begreifen, daß es fiir die russische Judenheit nur eine Lösung ihrer Zukunft gibt, die da lautet: Hinaus aus Rußland! Welche jüdische Lebensschicksale sich in der Atmosphäre Rußlands entwickeln müssen, hat der Erzähler in den beiden Helden seines Romans meisterhaft gezeigt. Nach dem Abdruck dieses Romans werden wir eine größere Erzählung aus der Feder unserer vor einigen Monaten verstorbenen Mitarbeiterin Frau Dr. Gugenheimer (Friedrich Rott) bringen, deren letzte Erzählung „Die Tochter des Kardinals" den lebhaftesten Beifall unseres Leserkreises gefunden -hat. Verband der jüd. Jugendvereine Deutschlands. Dem auf der Delegiertenversammluug vom 30. Mai mit 21 Vereinen begründeten Verbände haben sich inzwischen weitere 19 Vereine angeschlossen. ' Neu begründet mit Unterstützung der Zentrale bezw. der Berbaudsvereine und der Vorstandsmitglieder sind.folgende 10 Vereine: Eschwege, Gleiwitz, Liegnitz M.- Gladbach, Zabrze, Mainz, Neitwied, Stolp, Oberhausen, Enlm, Wpr.; im Entstehen begriffen und bereits mit der Zentrale in Verbindung stehend, sind folgende 11 Vereine: Erefeld, Breslau, Leipzig, Straßburg, Elsaß, Kottbus, Gelsen kircheu, Stargar d, Pom., Bonn, M e tz (Jünglingsvcrein), Tilsit und H i l d e s h c i in. Mit all diesen Vereinen bezw. den Gründungskomitees hat die Zentrale in regem brieflichen und persönlichen Verkehr gestanden. Es ist daher begründete Hoffnung vorhanden, daß der Verband in nicht allzu langer Zeit einen Zuwachs von 15—20 Verbandsvereinen erhalten wird. Ebenso 'rege verkehrte die Geschäftsstelle mit den Verbandsvereinen, denen sie ein Verzeichnis der Vereine zum Zwecke des Verkehrs untereinander und zwei Rundschreiben, Rednerlisten und andere wichtige Mitteilungen enthaltend, übersandte. Das Verhältnis des Verbandes zu den jüd. Organisationen ist das denkbar beste. Der Verband der Deutschen Juden hat den Verband in den großen Ausschuß kooptiert. — Auch aus andern Ländern sind betreffs Gründungen. von Jugendvereinen Anfragen an den Verband ergangen. Die in der ersten Borstandssitzung eingesetzten Kommissionen haben rege gearbeitet^ Die Aufnahme- und Statutenkommission (R.A. Lichtenberg, Referendar Regensburger) hat die eingereichten Statuten der aufzunehmenden' , Vereine geprüft und ein Normalstatut für jüdische Jugendvereine mit eingehender Motivierung ausgearbeitet. Besonders wird darauf geachtet, daß die . neuaufzunehmenden Vereine ihre Tätigkeit nicht aus eine bestimmte gesellschaftliche Schicht beschränken. Den Bemühungen der l i t e r a r i s ch e n Kommission (Dr. Apfel, Dr. Rosenkranz) ist es gelungen,, eine Anzahl bekannter Redner zur Abhaltung von Vorträgen in den Berbandsvereinen zu gewinnen; außerdem hat sie mit Hinzuziehung won Bibliothekaren einen Bücherkat a l o g zur Begründung von Jugendvereinsbibliotheken ausgearbeitet, der so angelegt ist, daß er auch als literarischer Wegweiser für jedes einzelne Mitglied dienen soll. Außer der Herstellung dieses Katalogs wird i auf Anregung des Herrn U.-A. Dr. Brodnitzl nach dem Muster des Dürer-Bundes ein Flug-f blatt, in welchem die wichtigsten Bücher verzeichnet sind, die jeder junge Mann sich selbst anschasfen kann, hergestellt werden. Dem Kataloge wird auch ein Merkblatt von empfehlenswerten Büchern für Geschenkzwecke beigegeben werden. Durch die in der letzten Vorstandssitzung angeregten hebräischen Sprachkurse mußte die Geschäftsstelle sich mit der Prüfung der Lehrmittel auf Anfragen einiger Vereine beschäftigen. Leider konnte sie trotz vieler Mühe nur wenige Bücher empfehlen, da die in Rußland und Palästina verfaßten Lehrbücher für das schulpflichtige Kindesalter geschrieben sind. Um die F i n a n z v e r h ä l t n i s s e — über die Herr Felix Meyer, Frankfurt, referierte — zu stärken, wurde beschlossen, hochherzige Persönlichkeiten für die materielle Förderung des Verbandes zu gewinnen. Bei dieser Gelegenheit wurde von verschiedenen Seiten bemerkt, daß dies nur dann möglich sein wird, wenn nicht nur der Verband, sondern auch die Einzelvereine die neutrale Basis, auf der sie aufgebaut sind, streng beachten und Parteiungen irgend welcher Art in ihrer Mitte nicht dulden. Eine B e z i r k s t a g u n g der s ü d w e st d e u tschen und rheinischen Vereine wird am 26. Dezember a. c. mit reichhaltiger Tagesordnung in F a n k f u r t a. M. stattfinden. Bei dieser Gelegenheit sollen die Delegierten die rühmlichst bekannten sozialen Einrichtungen des dortigen Montefiorcvereins kennen lernen. Zum Herbste 1910 läßt der Verband ein eigenes Organ für seine Zwecke erscheinen. Der Verband der deutschen Juden soll um Ueberlassung von 5000 Abzügen der Rede des Herrn R a b b. D r. G n t m a n n - Breslan über „Die Idee der Versöhnung im Judentum" für die Mitglieder der Verbandsvereine ersucht werden, damit die Jugend aus dieser vortrefflichen Rede lerne, wie sie das Judentum mannhaft zu verteidigen habe. Ans Anregung des Geschäftsführers wird den Verbandsvereine» die Abhaltung gemeinschaftlicher Sederabendc empfohlen. Im Anschluß hieran wird auf Anregung des Herrn Dr. Apfel beschlossen, auch gemeinschaftliche Freitagabende, wie sie im Frankfurter Montefiore - Verein seit jeher abgehalteu werden und jetzt sich auch in Cöln bewähren, den Verbandsvereinen angelegentlichst zu empfehlen. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Berlin 81V., Wilhelmstr. 118, III. Zuschriften sind zu richten an den Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands, zu Händen des Herrn Rabb. Dr. E. Finkel. Personalien. Berlin. Wenige Tage nach Vollendung ihres 79. Lebensjahres, wenige Tage nach ihrer gewohnten Beteiligung an der Dienstboten-Prämierung im Rafhause ist Lina M o r g e n st e r n, eine der hervorragendsten Frauen Deutschlands auf dem Gebiete sozialen Wirkens, verschieden. Mit ihr ist eine Frau dahingegangcn, auf deren Wirken wir Juden stolz sein dürfen. Lina Morgenstern wurde in Breslau als Tochter des Fabrikanten Albert .Bauer geboren. Bereits als 18 jährige trat sie in das öffentliche Wirken ein, denn an ihrem 18. Geburtstage begründete sic den „Pfennigverein zur Unterstützung armer Schulkinder," der noch heute besteht. Ein weiteres Feld für ihre Bestrebungen eröffnete sich ihr aber erst, als sie 1851 — nach ihrer endlichen Vermählung mit dem Gewählten ihres Herzens — nach Berlin übersiedelte. Ihr erstes Werk in Berlin war die Gründung des „Frauenvereins zur Förderung der Fröbelschen Kindergärten," von dessen Leitung als Vorsitzende sie 1866 zurücktrat, um sich ganz dem von ihr ins Leben gerufenen „Verein für Volksküchen" zu widmen. Im Anschluß an diesen Verein wurde sie auch Vorsteherin der „Unterstützungskasse zur Speisung Notleidender in den Volksküchen," woourch sie zugleich praktisch in die Armenpflege eintrat. 1868 schuf sie daun den „Kinderschutzverein", ein Jahr später die „Akademie zur wissenschaftlichen Fortbildung junger Mädchen." Ihr Organisationstalent bewies sie, als sie während der Kriegsjahre 1870/71 die Verpflegung durchziehender Truppen und Gefangener auf zwei Berliner Bahnhöfen unter den oft schwierigsten Umständen leitete. Ebenfalls ini Jahre 1871 wurde sie Vorstandsmitglied des „Allgem. Deutschen Frauenvereins," vorher schon Mitbegründerin des ersten „Arbeiterinnenbildnngsvereins" und der ersten „Krankenkassen und Fortbildungskurse für Arbeiterinnen." An die weitesten Kreise der Berliner Frauenwelt wandte sie sich 1873. Als nämlich nach dem Kriege die Lebensmittel unverhältnismäßig im Preise stiegen, begründete sie den „Berliner Hausfrauenverein," degsen Leitung bis zuletzt in ihren Händen lag, und dem sie 1878 durch die Angliederung einer „Kochschule" und der „Prämienkasse für treudienende Dienstboten" noch eine besondere Bedeutung verlieh. 1887 eröffnete sie „Kurse der häuslichen Krankenpflege und Gesundheitslehre", und 1895 gab sie durch einen Bortrag über „Entbiudungsasyle für notleidende Wöchnerinnen" den Anstoß zur Gründung solcher Anstalten. Aber nicht nur mit Wort und Tat, sondern auch durch die Feder wirkte sie für ihr Lebensideal. Anfangs hatte sie sich nur als belletristische Schriftstellerin versucht und einige Märchen- und Kinderbücher verfaßt, später aber widmete sie ihre Feder fast ausschließlich den großzügigen Ideen, die sie vertrat, und um sie zu unterstützen, begründete sie 1871 die „Deutsche Hausfrauenzeitung." lieber Lina Morgensterns Familienverhältnisse sei erwähnt, daß ihr Gatte, der aus Kalisch stammende Theodor Morgenstern, Kaufmann war, daß von ihren fünf Kindern zwei in jugendlichem Alter starben und daß ihre Tochter Olga, die als Rezitatorin bekannt ist, den bekannten Führer der Freikonservativen Reichstagsabgeordneten Dr. Otto Arendt, einen getauften Juden, heiratete. Berlin. Landtagsavgeordneter Landgerichtsrat Peltasohn erhielt Titel Geheimer Iustizrat. Nürnberg. Bei der Wahl der Mitglieder der Verwaltung der israel. Kultusgemein de wurden gewählt: Kaufmann Hermann Erlanger, Justizrat Emil Fosephthal, Kaufmann David Oberndorfer, Kaufmann Ludwig Rosen zweig und Kaufmann Max T u chm ann. Konsul Bernhard Lang erhielt vom König von Schweden den Titel eines Generalkonsuls. Wien. Anläßlich seines 5üj ährigenDoktorjubiläums hat Hosrat Professor Dr. Adam Politzer seine Bibliothek über Ohrenheilkunde, die größte und vollständigste ihrer Art, der Universitätsbibliothek und 10 000 Kronen der Ge sells chaft d er Aerzte gestiftet. — Hofrat Ignaz Konta, Generaldirektionsrat der Staatsbahnen, erhielt das Kamt hur kreuz des Franz Josef-Ordens! Stockholm. Bei der Einweihung der ne neu Universität war Bankdirektor Eduard H e ck s ch e r, der diesem Institut eine halbe Mill. Kronen zugewendet hat, der Gegenstand besonderer Ovationen. Paris. Zum Dekan der juristischen Fakultät ist Professor Lyon-Caen für die Dauer von drei Jahre wiedergewählt worden. Aus der zionistische» Bewegung. Berlin. Der bekannte palästinische Agronom A a r o n s o h n machte voriges Jahr zum Zwecke der Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina eine Studienreise nach den BaunOvollstaaten Amerikas und nahm bei dieser Gelegenheit an dem „Dry-Farming-Congreß" teil, der in einer Resolution die geplante Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina für sehr wünschenswert erklärte, da sie auch für die Landwirtschaft der ähnliches Klima aufweisenden Teile Amerikas von großer Bedeutung sein könnte. Es gelang ferner dem palästinischen Forscher, auch das Interesse der amerikanisch-jüdischen Hautefinance für das Projekt zu gewinnen, so daß sich Jakob Schiff, der bekannte Kupferkönig Guggenheim, Rosenwald in Chicago u. a. bereit erklärten, die gesamten Kosten der Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation inPalästina, sowie die Kosten des Betriebes für die Dauer von fünf Jahren sicher zu stellen. — Damit hat der.von Prof. Marburg -Berlin seit Jahren propagierte Plan endlich seine Verwirklichung gesunden. Und es jst klar, daß, wenn es der Versuchsstation unter der Leitung Aaronsohns innerhalb der fünf Jahre gelingen wird, den Beweis zu erbringen, daß sie für die Kolonisation Palästinas von wirklichem Nutzen ist, die genannten Mäzene das Unternehmen mit noch größeren Mitteln unterstützen werden. „N. J.K." Hamburg. Der 9. Zionistenkongreß wird Sonntag früh 10 Uhr. im Konzerthaus (St. Pauli — Millerntorplatz) eröffnet. Während des Kongresses findet im Kongreßgebände eine Ausstellung der Erzeugnisse der palästinensischen Kunstgewerbeschule Bezalel, sowie des Verbandes jüd. Frauen für Kulturarbeit in Palästina pnd des Jüd. Nationalfonds.'statt. Das Schauturnen der Jüd. Turner-' schaft ist auf Sonntag abend 8 Uhr in der Ernst Merck-Halle des Zoologischen Gartens und der öffentliche Bortrag von Dr. Max Nordau über „Aas Judentum im 18. und 48 ^56264

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