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Neue jüdische Presse · 1909-12-17 · Heft 48 (17.12.1909) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 48 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. "Seite 11. setzgeberischem Wege, der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Diesen dein jüdischen Hnmanitätsideal Hohn sprechenden Zustand zu beseitigen, versuchten zuerst in bescheidenem Maßstab auf christlicher Seite Johann R e u ch l i n und anfangs auch Luther, unter den Juden mit ihren schwachen Mitteln und in gegebenen Grenzen I o s e l aus Ros heim in Deutschland und der Holländer Marias sc b. Israel für England. Als der erste Regent, der den verfolgten Juden in seinem Lande Aufnahme uitö in staatsrechtlicher Beziehung gewisse Freiheiten vergönnte, ist der große Kurfürst zu nennen. Auf brandenburg-preußischem Boden war es auch, daß die Persönlichkeit Mendelssohns, im Kreise seiner christlichen Freunde eine aufklärende und befreiende Wirkung hervorbringend, die bahnbrechende Emanzipationsschrift des C h r. W. von D o h m;,U e b e r die bürgerliche Verbesserung der Jude lt" im Jahre 1781 erstehen ließ. Der Einfluß der Ideen eines Montesquieu, Voltaire, Rousseau hatte sich geltend gemacht; und Kaiser Josef II. erließ 1782 seine berühmten Toleranzgesetzc für die Inden, während 1783 die Vereinigten Staaten von Nordamerika die politische Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied des Glaubens anssprachen und zum ersten Mal seit ungefähr' 1500 Jahren in einem Lande christlicher Kultur im Juden auch den Menschen wieder anerkannten. Ebenso durften die französischen Juden in Verfolg der Bemühungen eines Abbe G r o g o i r e und Grafen M i r a b e a u, als die Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zur Grundlage des französischen Staatswesens gemacht worden waren, von nun an des Voltbürgerrechtes sich erfreuen. Diese Situation hat Napoleon und die durch ihn zur Lösung der schwebenden Judenfrage erfolgte Einsetzung eines jüdischen Synhedriums gefestigt. Wohl machte sich nunmehr in den europäischen, zumal den deutschen Staaten der Einfluß napolconischer Gesetzgebung zu Gunsten der Inden langsam geltend. Aber im Gegensatz zu Frankreich ging anderwärts der äußeren Befreiung eine durch die Juden selbst vorbereitete, innere Emanzipation voraus, wie sie sich niu die Wende des Jahrhunderts in der Errichtung von Schulen und in der lebhaften Tätigkeit eines Israel I a c o b s o h n und Wolf B r e i d e n b a ch zu Nutz und Fromme» ihrer entrechteten Glanbensbrüder kund gibt. Den Reigen der deutschen Fürsten, die die Juden ihres Landes emanzipierten, erösfnete 1809 Karl Friedrich, Großherzog von Baden. 1811 folgte Frankfurt a. M. und 1812, der Not der Zeit gehorchend, Preuße n. Hatten die Inden auch in den Freiheitskriegen völlig Gut und Blut fürs Vaterland geopfert, die darauffolgende Periode der Reaktion mit ihrer Tentschtümelei, ihrer judenfeindlichen Literatur beeilte sich fast allenthalben, die bereits gewonnene Freiheit wieder zu nehmen, so daß nunmehr jener mühselige Kampf um die Gleichberechtigung beginnen mußte, in dem der deutsche Jude Gabriel R i e ß e r als erster Rufer im Streit gilt. Langsam unter schwerem Ringen vollzog sich dann das Werk der Emanzipation, wie cs im Jahre 1870 bei den meisten europäischen Krilturstaaten abgeschlossen vor uns steht. Noch freilich war dort selbst der äußere Bau nicht vollendet, noch harrten wie in Rußland und Rumänien erst recht auch in Asien und Afrika die Inden der Befreiung. Aber die Zeit war gekommen, daß ihre Glaubensbrüder in glücklicherer Lage sich der Unglücklichen annahmen, allen voran der Franzose Adolphe Cremt e u x und der Engländer Moses Montefiore, bis schließlich die Alliance Jsraelite Universelle zuerst und nach ihr und mit ihr ihre Schwcsterorganisationen in weltumspannender Tätigkeit „an der Emanzipation und dem moralischen Fortschritt der Juden zu arbeiten" begonnen haben. Auch der Zionismus hat sich ein Ziel gesteckt, das an sich nichts anderes als die Emanzipation aller Judeil bedeutet. Aber selbst in Ländern, die nach Maßgabe ihrer Verfassungen die Gleichberechtigung ausgesprochen haben, fehlt vielfach die praktische Verwirklichung derselben. So in Deutschland, zumal in Preußen. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Ggaubens und der erst 1904 gegründete Verband der deutschen Juden, beide getragen von dem erwachten und erstarkten jüdischen Selbstbewußtsein, sind eifrig am Werk, um im Bereich ihrer Wirksamkeit die Emanzipation der Juden völlig zur Durchführung bringen zu lassen. Redner endigt mit dem Wunsch, cs möge die Zeit kommen, da allenthalben auf dem Erdenrund dem Inden das volle Licht des Rechtes und der Freiheit leuchtet. Karlsruhe. Am 26. ds. Mts. feiert der Verein „M a l b i s ch A r u m i m" sein 100jähriges B e st e h e n. Der Verein, der mit 13 Mitgliedern gegründet wurde, besteht heute aus 53 Mitgliedern, von denen das Vorstandsmitglied I. Weinheimer ihm bereits seit 40 Jahren angehört. Der Zweck, den der Verein verfolgt, ist, arme Familien durch Kleidungsstücke und Barmittel zu unterstützen und bei Todesfällen die üblichen Gebetsverrichtungen zu vollziehen. Zur Feier des 100 jährigen Bestehens sind größere Einladungen ergangen. Auch ist eine Stammtafel angefertigt worden, in der die Mitglieder, die dem Verein schon beim 100 jährigen Stiftungsfeste ungehört haben, bezeichnet sind. Aus der zionistische« Bewegung. Nürnberg-Fürth. Zionist. Ortsgruppe. Am Samstag veranstalteten wir unsere Chauuka- Feier, die aufs neue bewies, daß unsere Veranstaltungen gern gesehen und stark besucht werden. Das vorbereitende Komitee, unter der bewährten Leitung unserer Frau Albert Ellern, hatte sich auch diesmal erfolgreich bemüht, das Progranim so zu gestalten, daß alle Besucher etwas besonderes für sich fanden. Den ernsten Vorträgen huldigenden Besucher wird der 1. Teil des Programms entsprochen haben, der im Rahmen, der „jungjüdischen Abende" sich hielt, während die noch nicht genug zionistisch beeinflußten Kreise mehr durch den 2.» allgemein humoristisch gehaltenen Teil befriedigt worden sind. Eingeleitet wurde die Feier, durch eine vorzügliche und von Herzen kommende Ansprache unseres 1. Vorsitzenden, Herrn Albert Ellern. ES folgten dann Jnstruniental- und Gesangs-Vorträge. Ganz besonders wirkungsvoll wurde das uns vom zionistischen Zentral-Büro zur Verfügung gestellte Festspiel „Auf dem Wege," aufgeführt; auch ein zum Schlußvon 16 jungen Damen aufgeführter orientalischer Schleier-Tanz verdient besonders hervorgehoben zu werden. London. Unter der Ueberschrist »Die Intrige gegen Herrn Wolffsohn" berichtet die „Jewish World" über eine ain 2. Dezbr. stattgchabte Sitzung des Ausschusses der Engl. zion. Föderation, bei der unter Vorsitz des Herrn Greenberg die Herren R. Cohen, I. Coiven, H. Ginzbnrg, L. Eisen, B. Grad, H. K. Goldbloom, W. Nathan, I. L. Slobodinsky und H. Bentwich, letzterer als Mitglied des Aktionskoinitees, anwesend waren. Es wurde ein Brief des Zentralkoinitees der russischen Zionisten verlesen, der vorschlägt, daß die Leitung der Zion. Organisation nach Paris oder Berlin verlegt werde, daß das Kleine Aktionskomitee aus 8 Mitgliedern besiehe und daß das Kleine Aktionskomitee den Präsidenten arrs seine Mitte wähle, und es wurde daraufhin e i n st i »r in ig beschlossen, zu erwidern, das; keine Neueinrichtung gemacht werden möge, die die Organisation des Herrn Wolffsohn berauben könnte und daß der Präsident nur vom Kongreß zu ivählen sei. Personalien. Rom. Bürgermeister Nathan erhielt den Großkordvn des italien.Kronenordens. Petersburg. Der berühmte Altertumsforscher Professor Daniel C h w o l s o n, der dieser Tage seinen 90. Geburtstag feierte, ist ein getaufter Jude, hat sich aber häufig um jüd. Angelegenheiten gekümmert; es sei nur an sein Buch gegen das Ritnalmordmärchen erinnert. Sein Sohn, der berühmter Physiker an der hiesigen Universität, ist aber bereits ein ausgesprochener Antisemit. Aus der Lehrerwelt. Dürkheim. Als Nachiolaer unseres in Pension getretenen Rabbiners Dr. Salvendi wurde Dr. Ernst Steckelmacher, Sohn des Mannheimer Rabbiners u. Schüler des Breslauer Seminars, gewählt. Philadelphia. Etwa 70 Rabbiner dat.en sich zu der 8. I a h res v e rs a m m lung der „Bereinigten orthod. Rabbiner Amerikas" eingefunden, Rabb. B. L. Levinthal präsidierte. Es wurde u. a. über die Bereinigung der orthodoxen Gemeinden Amerikas, welche Vereinigung nur die Fragen, dereil Entscheidung dem Rabbiner zustehen, von ihrer Kompetenz ausschließen soll und über Erziehungsfragen gesprochen. _ Spenden. Bei der Nationalfondskommission der „Franks. Zion. Vereinigung" gingen ein: Leon Katz, Horburg 8,— Jk L. Hirsch, G. 3,20 „ L. Ettlinger 2,— „ Sammlung Stammtisch 2. 12. 1,10 „ 14,30 Jk Bei der Geschäftsstelle des „Franks. Jsr. Familienblattes gingen für den Jüd. Nationalsonds ein: Bruder Hans und Bruder 'Anton 0,50 M. Briefkasten. K. in B. Baron Siduey Sonnino, der jetzt zum zweiten Male Ministerpräsident von Italien geworden ist, wurde 1847 in Alexandria (Egypten) als Sohn eines italienischen Inden und einer protestantischen Engländerin geboren. L. M. Im badischen Landtag sitzen drei Juden: Dr. Frank, Süßkind und Kahn. Bunte Chronik. Ein Dokument zur Geschichte der europäischen Zivilisation des 19. Jahrhunderts. Der österr. - ungar. Gesandte Freiherr von Eder in B u k a r e st sandte am 8. Dezbr. 1867 an den Reichskanzler Beust folgenden Bericht: „ . . . Inwiefern mir der Sachverhalt bekannt, und ich glaube gut unterrichtet zu sein, hat die Regierung beiläufig zehn Israeliten, die ihr als Vagabunden bezeichnet wurden, außer Land schassen wollen. Da jedoch diese Israeliten fürstliche Untertanen waren, konnten sie weder nach Oesterreich noch nach Rußland gebracht werden. Es bestand hier der Brauch, Vagabunden am jenseitigen türkischen Ufer ausznsetzen. Dies geschah auch mit den zehn Israeliten. Der türkische Posten aber wollte sie, da sie nach den Fürstentümern zuständig sind, auf türkischem Boden nicht belassen und brachte sie nach Galatz zurück. Dort ließ man sie ebenfalls nicht ans Land. Der Führer der türkischen Barke entledigte sich nun dieser Israeliten an einer seichten Stelle der Donau unmittelbar ain moldauischen Ufer. Als die im Wasser Befindlichen ans Land steigen wollten, wurden sie von den fürstlichen Organen ins Wasser zurückgetrieben; zwei Israeliten, die sich an die sich entfernende türkische Barke klammern wollten, geriete» in die Tiefe und ertranken, während die übrigen noch einige Stnnden bis an die Knie im Wasser verblieben . . . Die türkische Regierung verlangte die Zusammenstellung einer gemischten Kommission, ein Verlangen, dem .die hiesige Regierung trotz aller möglichen Versuche, sie zur 'Annahme dieses Vorschlages zu bestimmen, keine Folge gab und unter dem gegenwärtigen Ministerium demselben ebenfalls keine Folge geben wird. Diese Regierung scheint nämlich rorzuziehen, die Frage _ der Schuld durch den Umstand, daß zwei widersprechende Behauptungen sich entgegenstehen, gewissermaßen in Zweifel zu lassen, als einer Kommission zuzustimmen, deren Ergebnis schwerlich znm Vorteil der Moldau - walachischen Regierung ausfallen würde." Israelitischer Stellenvernilttlunss-11. Versicherunssverein n-v Frankfart o. Main Die Versicherungs-Abteilung ist durch Beschluss des Kaiserl. Aufsichtsamtes zum Geschäftsbetrieb innerhalb des Deutschen Reiches zugelasaen. Der Verein nimmt Handlung-sg-ehilfen und Handln.ngsgA'hii-fiifWft'w . f i die in am Sabbath Beschlossenen Geschäften tätig oder am Sabbath von der Arbeit dispensiert sind, als ordentliche Mitglieder auf. 5, Klasse I Klasse II Klasse III „ §C proMonat QD Bei Stellenlosigkeit zahlt der Verein : In Die Jahresbeiträge belaufen sich Mk. 30.— auf Mk. 6.- für Mk. 45.— Mk. 9.— Mk. 60.— Mk. 12.- Klasse I Klasse II Klasse III Kostenlose Stellenvermittlung. Jedes Mitglied erhält gratis das Vereinsorgan: „Der Sabbath". Bis Ende November 1909 vermittelte Stellen: 1058. Bisher gezahlte Entschädigungen über Mk. 15000. Sicherheitsfond: Mk. 33000. —_ Man verlange Anmelde-Formnlare und Satzungen.

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