Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 46 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr- 46. Hand nnd einer Stirn, die von einer Weisheit jener alten Meister Israels, von denen der Vater häufig ihren Brüdern erzählte, erstrahlte, vorgespiegelt . . . Es kann ja sein . . . man muß ja nicht durchaus eine Prinzessin sein, um von Glück zu träumen . . Glück! Quel animal est-ca! könnte Chaje heute, wenn sie französisch verstünde, sagen. Aber sic versteht nicht französisch, und so beginnt sie täglich frühmorgens vor dem Fenster stehend in ihrem Jargon das Gebet mit den Worten: „Herr der 3Mt!. ich danke dir, daß du mich so erschaffen hast, wie es dein Wille war!" (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, in Ihrem Blatte auf eine Bemerkung der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" aufmerksam zu machen, die vielleicht nicht viel beachtet werden wird, die cs aber sicherlich, verdient, daß auf sie hingewicsen wird. Wie allen bekannt ist, hielt in den letzten Tagen der berühmte Nationalökonom Professor Werner Sombart in Berlin zwei glänzende Vorträge über: „Die Juden und der Kapitalismus," Vorträge, in denen dieser vorurteilslose Forscher einen förmlichen Lobeshymnus auf das jüdische Volk anstimmte. Diese Vorträge sind sicherlich dazu angetan, eine gewisse Genugtuung in der jüdischen Welt hervorzurufen, weil es das erste Mal ist, daß ein europäischer Gelehrter von Ruf, dazu Professor an der Berliner Universität, in die Ocffentlichkeit hinaustritt und die Bedeutung der Juden voll und ganz anerkennt. Bisher waren wir nur gewohnt, zu sehen, wie deutsche Professoren sich die größte Mühe gaben, uns „etwas von unserem Nimbus zu nehmen," daß ein deutscher Gelehrte aber zum Verkünder unseres Ruhmes wird, das ist sicherlich neu und erfreulich. Und so hat denn auch die gesamte jüdische Presse diese Vorträge Sombarts mit Freude ausgenommen und vermerkt; die einzige Ausnahme bildet eben die „Allgcm. Zeitung des Judentums." Sie ist die einzige Zeitung — mit Ausnahme der Antisemitenblätter:—, die die Reden Sombart verurteilt und sie in ihrer letzten Nunimcr als wenig wissenschaftlich hinstcllt. Diese Bemerkung ist höchst charakteristisch für den Geist, der in dieser Zeitung herrscht. Nicht nur, daß sie es selbst niemals wagen wird, die Ucberlcgenheit der Juden über andere Nationen zu betonen, will ' sie cs sogar nicht zulassen, wenn dies von anderer, durchaus objektiver und zuverlässiger Seite aus geschieht. Und was sind die Gründe, die chie „Allgem. Zeitung des Judentums" veranlaßt haben, Sombarts Behauptungen inbezug auf die Bedeutung der Juden im Handel anzuzweifeln? Rein wissenschaftliche doch wohl nicht, denn ein Forscher wie Sombart darf doch wohl verlangen, daß Laien seinen wissenschaftlichen Behauptungen trauen. Oder passen die Vorträge Sombarts, der durchweg von einer jüdischen Volksseele sprach und damit also die Existenz eines jüdischen Volkes bejahte, nicht in die Politik dieser Zeitung, die in Jubel ausbricht, wenn jüdische Prediger bei Leichcnverbrenn- . ungen amtieren, und die das Heil des durch sie zur Konfession herabgewürdigten Judentums von dem Sieg der liberalen Protestanten oder von der Gründung einer Burschenschaft, die auch jüdische Studenten aufnimmt, erwartet? Ich weiß nicht recht, auf wessen Rechnung ich diese Assimilationspolitik, der Zeitung setzen soll. Ich möchte nicht die Leser beschuldigen, denn viele Symptome — ich erinnere nur an den Judentag zu Breslau — deuten grade darauf hin, daß die deutsche Judenheit in der letzten Zeit immer mehr zmn Judentumc zurückkehrt. Eher würde ich für diese Auflösungspolitik, de» neuen Chefredakteur der Zeitung verantwortlich machen, dessen assimilatorische Gesinnung ja genügend bekannt ist (man denke nur an seine famose Forderung, den Zionisten die deutschen Bürgerrechte zu entziehen). Wie dies auch sei, jcden- .falls. halte ich es für notwendig, daß größere Kreise auf die Tendenz der „Allgem. Zeitung des Judentums" aufmerksani gemacht werden, denn nur, wenn die deutsche Judenheit wirklich klar crerkennt, welchen Auffassungen diese Zeitung huldigt und energisch dagegen protestiert, nur aus diesem Wege ist eine Besserung vielleicht möglich. Dr. N. Kunst und Literatur. Eine neue Hamlet-Auffassung von S. M. Perlmann, London, 1906. Kein Buch, niit Ausnahme der Bibel, hat so viele Ausleger gefunden wie Shakespeares Hamlet. Der Verfasser der mir vorliegenden 16 Seiten starken Schrift, der vor ein paar Jahren ein sehr interessantes Merkchen „The Jews in China" veröffentlicht hat, liefert uns einen neuen Kommentar zu diesem größten Meisterwerk des größten Meisters aller Zeiten. Nach seiner Auffassung enthält diese erhabene Dichtung eine strenge Selbstkritik, mit der der große Shakespeare seine eigenen Leistungen als Schauspieler, in der Gestalt eines Helden, schonungslos beurteilt. Diese Auffassung, welche ganz neu und interessant ist, macht die Lektüre dieser kleinen Schrift, in der an der Hand von vielen Zitaten diese Theorie begründet wird, sehr anziehend und angenehm. Der Verfasser sucht seine Theorie nicht als absolntc Wahrheit hinzustellen „ und ist des den Bibelexcgeten erteilten Rates Goethes eingedenk: „Im Auslcgcn seid frisch und munter! Legt Jhr's nicht aus, so legt was unter." Dr. I. M. S—d, London. Die Gebote des I u d e n t n m s von I e h u - da Halevi. Kommissions-Verlag: Hans Kaptuller, Tilsit. In seinem Vorworte sagt der Verfasser: „Das vorliegende Schriftchen, vas wir hiermit der Oeffentlichkeit übergeben, enthält Gedankensplitter unserer jüdischen Denkungsart, unserer jüdischen Weltanschauung, die die Ausübung der „Gebote des Judentums" in uns geweckt hat. Es ist eine „Herzensblume", die ein jüdischer Vater aus das Grab seiner Tochter legt, und soll eigentlich nur als Ernncnterung für Gesinnungsgenossen dienen. Vielleicht aber zeigt es auch manchem irrenden oder irregeleiteten Jude» und mancher Jüdin den richtigen, lvahren Weg, „den Weg des Judentums!", das Recht, dieses zu hoffen, haben wir, denn „Worte, die aus dem Herzen "kommen, dringen ins Herz", so lehre», unsere Weisen." „Worte, die aus dem Herzen konimen," — das ist's, was den Leser dieses Büchleins so sympathisch berührt. Es spricht da ein Mann, der jüdisches Wissen mit warmer Liebe für Tradition und Gesetz des Judentums in sich vereint. Leicht geschriebene kurze Kapitel behandeln zwanglos die einzelnen Fragen. Freilich mit allem, was der Verfasser sagt, werden auch Gesinnungsgenossen nicht übereinstimmen. ttalser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. ■ Gegen Gicht und ßheumatismus bewährt. Institut für Massage Karl Ed. Augstein, Kaiserstrasse 50. TeilmassBge 0,30 Uk., Ganzmassage 1,— Mk. Beste Zeugnisse nnd Empfehlungen von Aeizten nnd Patienten z. D. Damen werden von Dame bedient. Toiletten-Tische in einfacher bis hocheleganter Ansfahrnng liefert den verehrL Damen als Spezialität* Katalog gratis. F. Eislieeh. Mfort a.M„ Iwsse 8. Aisstellmg. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial-GesebSn für Hain. Zeieben-Utensillen. Holzbrand-,KerbsebnlU-,Tarsou. Batik-Artikel. ' Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 4. Dezember (= 21. Kislew): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Mn. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min in Berlin 4 Uhr 45 Min. Wochcnabschnitt: Wajeischew. — Jakob hatte Josef einen bunten Rock machen lassen. Dies erregte Bruderhaß, der sich noch mehr durch Josefs Träume steigerte: Die Garben der Brüder bückten sich vor Josefs Garben, Sonne Mond und Sterne beugten sich vor ihin. Das legten die Brüder als Stolz und Hochmut aus. Jakob sendet Josef aufs Feld, um sich nach den Brüdern umzusehen. Diese wollen Josef umbringen, verkaufen ihn aber schließlich an eine nach Egypten ziehende Karawane und senden dem Vater den in Blut getauchten Rock Josefs. — Josef wird Diener bei dem Hofbeamten Potiphar, der ihn liebgewinnt und ihm sein ganzes Haus anvertraut. Die Herrin aber will lüstern Josef zur Sünde verführen, nnd da er widersteht, zeiht sie ihn der Verführung. Durch diese Verleumdung komint Josef unschuldig ins Gefängnis. Doch auch dort ist Gott mit ihm. Er wird Aufseher über alle Gefangenen. Im Gefängnisse weilen auch der Oberschenk und Oberbäcker des Königs wegen Vergehens im Amte. Sie haben aufregende - Träume. Josef deutet sie. Die Deutung lvird Wahrheit. Der Schenk wird wieder iir sein Amt eingesetzt, der Mundbäcker aufgehängt. Der undankbare Mundschenk vergißt in seinem Glücke, den unschuldigen Josef der königlichen Gnade zu empfehlen. — C h a n u k a. Dienstag Abend beginnt das Chanukafest. Geschichte. — Die Geschichte des Festes spielt ungefähr 200 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, die Zeit der eigentlichen Kämpfe von 167—64. — Es stand damals der 2. Tempel. Die Juden waren mit den schöngeistigen Griechen in Berührung gekommen. Geblendet durch deren schöne Künste und Wissenschaften wurden sie Assimilationsjuden in des Wortes vollster Bedeutung. Sie schämten sich, Juden zu sein, verleugneten ihr Volkstum und ihre Religion, verspotteten beides, drängten sich den Syrern auf und vcranlaßten deren König Antiochus Epiphanes, gegen die fromnicn Juden vorzugehen. So wurden Sabbat-, Fest- und Neumondfeier, Miloh, Speisegesetze, Thoxastudium üsw. untersagt, Gottes Heiligtum durch Schweinefleisch entweiht. Viele starben den Märtyrertod, andere flohen. — Da sandte Gott durch die fromme Priesterfamilie der Makkabäer Hilfe und Rettung. Mattisjahu und seine 5 Söhne sammelten um sich alle wahren Juden, kämpften siegreich gegen große Uebermacht und zogen zuletzt nach Jerusalem, den Tempel neu zu weihen. Er wurde gereinigt und der goldne Leuchter neu angezündet. Nur ein kleines Krüglein heiligen Oels war vorhanden, auf einen Tag hinreichend. Durch Gottes Fügung speiste es den Leuchter 8 Tage, bis neues Oel bereitet war. Daher der Weisen Anordnung, Lichter anzuzünden. Zeremonien. — Man zündet allabendlich Lichter an, Oel- oder Kerzenlicht, und zwar frühestens beim Nachtwerdcn. Doch kanns die ganze Nacht noch geschehen, in später Stunde ohne Brocho. Am ersten Abend ein Licht und so fort bis zur Zahl 8. Am ersten Abend drei BrochayD: Lehadlik Ner, Scheoso uissim, Schehechijonu. An den anderen Abenden kein Schehechijonu. Man stelle das Licht ans Fenster. Es muß mindestens Vs Stunde brennen, Nachschüttcn nicht erlaubt. Die Brocho unmittelbar vor dem Anzünden sprechen. Auch in Synagoge anzünden. Dennoch bleibt das häusliche Anzünden Pflicht. Man zündet am ersten Abend das rechts am Leuchter - befindliche Licht, dann stets das neue linke zuerst an, nach rechts schreitend. Nichts dabei lesen oder arbeiten. — Am Freitag Abend erst Chanukadann Sabbatlicht. Sabbatausgang erst Hawdoloh. Das übrigbleibende Oel nebst Dochten nach Chanuka verbrennen. Gebete. — „Al-Hanissim" im Tischgebet und Schmono-Esrei. Ganz Hallet nach Schachris-Schmono-Esrei. Inhalt von Al-hanissim: im ersten Teil die Leiden, Kämpfe und Siege Israels, im zweiten Teil die Tempel-Wiederweihe und das Oel-Wunder. — Thora-Vorlesung: Im 4. Bch. M. von der Einweihung der Stiftshntte, entsprechend der Tempelweihe. — Moaus-Zur ist beliebtes Festlied. Fünf Strophe», Verfasser unbekannt, tztwa 600 Jahre alt. Akrostichon: Mordechai. Spricht außer von Chanuka auch von der Knechtschaft in Egypten, der babylonischen Gefangenschaft, dem Ausbau des 2. Tempels, der Purimgeschichte. — Chanukapsalm: Psalm 30. — Kein Tachanun, kein Zidkoscho Zedek zu Mincho, kein Zidduk - haddin bei Beerdigung. — Offtnbacbtr Druckluft »Anlage Telefon 123. Ottenbach a. n. Telefon 123. Unübertroffene bewahrtest« TepplChrelnl0Un0. Spenden. Für den Jüd. Nationalfonds ginge» ein: Klcinmann anläßlich Jahrzeit 1,— JL Dem jungvermählten Paar Dr. Mar- .. schal und Frau Lina, geb. Gottlieb in - Pethach Tikwah pflanzen einen Oelbaum; Abr. Mobensohn, Dr. Jac. Klatzkin, Sechus, S. Perlmanu, S. Berlowitz, I. Gottlieb, Familie Goldmanu, Beermann, Geis 6,— „ 1 Packet. Materialien Dr. Goldberg, Heddernheim. Stäniol: Seppl in Hockenheim. Vereins-Kalender. Samstag. „Alontcfiore"- Verein, 11—12 Uhr, Scilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May). — Verein „M ckor C h a j i m ," 12 Uhr, Hörsaal Friedberg. Anlage: Sefer Schauftim (Prof. A. Weyl); 3Vs Uhr, Schützenstr. 2: Mikro- Vortrag (Nathan Eschwege). Sonntag. Verei-n „Me kor Chajim," 7 Uhr, Schützenstr. 2: Sium-Feier. — Verein „Tiseres Bachuri m," 83/i Uhr, Hermes? weg 25/27: Die Festgesetze nach Hossmann's Leviticus (Dr. B. May). Montag. Hatchijo, 83/,. Uhr, Hermesweg 25/27: Die Sombart'schen Vorträge (Dr. Forschmann). Mittwoch „M o u t e f i o r c" -V e r e i n, 9 Uhr, Scilerstr. 22: Geschichte der Juden-Emanzipation (Rabb.Dr.Lazarns). — V e r e i n „N a ch l a ß Z >v i": Wegen" des Chanukafcstes findet kciueu Bortrag statt. — Zionistische Ortsgruppe, 8Vs Uhr, Kaufmännisches Bereinshaus: Makkabäer-Feier.