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Neue jüdische Presse · 1909-11-26 · Heft 45 (26.11.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 45 (26.11.1909)
Date
1909-11-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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" ,r p llt. 45 des Frankfurter IsmeliMm Famikmklaltes. Aus der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. In der Wahlveriamm- (iiug äiim ffongrcBi bei der 72 Schekelzahler anwesend waren, wurden zu Delegierten bezw. Ersatzdelegierten folgende Herren gewählt: I. L. Goitein, Lehrer Baruch S t e t u, Rechtsanwalt Dr. S ch, w a r z s ch i l d , Red. S. Geis und Maria H a ck e n b r o ch. Frankfurt a. M. Maierialien zu Gunsten des Nationalsonds gingen ein von Flori und Zwillingen Mainz-Sandweg, Salti Ro se n h c i m er-Feststraße und Sophie ». Grete Landsberger^ Heilbronn. Da die Bestände demnächst verwertet werden sollen, so wird um frenndl. baldigste Ablieferung von Staniol, Flaschenkapseln, Briefmarken nsw. gebeten. Ablieferungsstelle: Frankfurter Israelitisches Familienblatt, Vilbelerstr. 4. Berlin, 21. Nov. Am gestrigen Tage fand hier zwecks der Wahlen zum Kongreß eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung der hiesigen Mis - rachigruppe statt. Einleitend referierte Herr Dr. Rudolf Lcs - z i n s k y über die Tätigkeit des Misrachi im 8. Kongreß. Bor allem erörterte er eingehend die Gründung der Hebräischen Mittelschule in Jaffa. Der Misrachi hat die Tachkemonischule in Jaffa reorganisiert und zwei Herren, Oberlehrer Dr. Schlesinger und Dr. Engel nach Jaffa entsandt. Die Schule ist in Organisation und Lehrplan völlig umgestaltet worden und hat einen sichtlichen Aufschwung genommen. Die Schülerzahl hat um 60°/o zugenommen. Bon der übrigen Tätigkeit seien noch die Verhandlungen mit dem Direktorium des N. F. und des?[. C. betreffs der Subventionierung des Hebräischen Gymnasiums.erwähnt. Die aktenmäßige Darstellung dieser Korrespondenz ist seiner Zeit in der Budapester jüd. Rundschau erschienen. — Herr S t r u ck gab noch eillige Ergänzungen in Bezug der Reorganisation des Misrachi, die in einer Konferenz unmittelbar vor dem Kongreß erfolgen soll. Ferner in Bezug auf die Schctclsammlung, die bisher 4500 Schekel ergab. In der darauf folgenden äußerst angeregten D i sk u s s i o n, in der über die Grundfrage» des Misrachi gesprochen wurde, wurde der Wunsch nach einer größeren Agitationstätigkeit laut. Wie von leitender Stellung versick)crt wurde, soll auch die neu geschaffene Organisation nach dem Kongresse die Agitationstätigkeit in die Hand nehmen. Die vorgenommenen Wahlen — man wählte mit mehreren andern Misrachigruppen, Hamburg, Leipzig, Breslau nsw. gemeinsam — ergaben die Wahl des Herrn Hermann Struck als Delegierten und der Herren Joseph I. Hackenb r o ch - Frankfurt und Hugo Rothschild- Lübeck als Ersatzdelegierten. Die Versammlung ließ erkennen, daß in Berlin von einer erhöhten misrachistischen Tätigkeit viel zu hoffen ist. Teplitz-Schönau (Böhmen». Für die Kultusg e m e i n d e w a h l e n ist ein K o m p r o m i ß znstandegekommen. Die Zionisten erhalten in der Repräsentanz 10 Mandate, die Majoritätsgruppe 17 Mandate. In den Vorstand werden 3 Zionisten gewählt, darunter der Diltusgeineinde - Vorstcherstellvertreter. Die Kunstgewerbc'schule „Bezalel" in Jerusalem erhält eine Subvention von K 600 in drei Jahresraten. Wilna. Im 36. Lebensjahre verschied plötzlich Juda Löb Epstein, einer der angesehensten Juden der Stadt. Zum 0. Kongreß in Hamburg war Epstein, der ein hervorragendes jüdisches Wissen besaß und ein sehr guter Jude war, zum Delegierten gewählt worden. Paris. Samstag Abend, 6. November, wurde zwecks Wahl z n m Kongreß eine Versammlung der Mitglieder der „Französisch - Zionistischen Förderation" abgehalten. Die Sitzung sank, in dem Saal „Beiß-Sion", Rue de Bondy 80, statt. Als ich auf dem Programm den stolzen Namen „Saal Beiß Sion" verzeichnet fand, stellte ich mir vor, daß die „Französisch-Zionistische Förderation" gewiß einen Saal, wert dieses Namens, für ihre Versammlungen hat, einen Namn, der würdig ist, daß man darin von unserem hohen Ideal spricht. Als ich hinkam, war der Saal bereits gefüllt, sodaß. ich nur mit Anstrengung mich durch die dichtgedrängte Menge arbeiten konnte, um meinen Stimmzettel am Vorstandstisch abzugeben. Es waren gewiß „3 Minjonim" Menschen anwesend, welche der Saal kaum fassen konnte. Ein gcheiinnisvolles Raunen und Tuscheln ging durch die Menge. Ich glaubte mich in eine Verschwörung versetzt und nicht in eine zionistische Versammlung, in welcher jeder frei und osfen seine Meinung mit dem Nachbar austanschen kann. Von Zeit zu Zeit ließ sich eine Stimme vernehmen „wie eine Stimme in der Wüste". Es war der Vorsitzende, welcher ausrief: „Wer noch einen Stimmzettel abzuliefern hat, bringe ihn!" und wieder ward es still. Die Sitzung spielte sich in sehr parlamentarischer Weise und Ordnung ab. Als man überzeugt war, d«»ß alle Stimmen abgegeben waren, wurde ein neues Wahlbüro ernannt, in welchem auch das schöne Geschlecht vertreten, war; der Vorstand räumte dem.neu erwählten Büro seinen Platz ein, und cs wurde mit der Stimmenzählung begonnen. Eine ängstliche Spannung hatte sich inzwischen aller bemächtigt: alle Augen sind nach dem Vorstandstisch gerichtet, man wagt kaum zu atmen, und jeder ist schon begierig, das Ergebnis zu vernehme». Man atmet erleichtert auf, als der Vorsitzende seinen alten Platz einnimmt und endlich zu aller Zufriedenheit das Wort ergreift. Er teilt mit, daß in Frankreich und seinen Kolonien ganze 400 S che ko lim verkauft wurden und von den 400 Mitgliedern — einschließlich der per Post gesandten Stimmzettel — „169" gewählt hatten. Das Resultat der Wahl war: Dr. Nordau 167 Stimmen, Dr. Marmore! 163 Stimmen. — Mit dem Zionismus in Frankreich geht es leider w i e mit dem französische n I n - d e n t u m. Wohl gibt es noch die große Organisation der Alliance Jsraelite Universelle, die bis in den letzten Jahren alle jüdischen Augen hierherblicken ließ. Die Räder gehen noch ihren alten, gewohnten Gang, jedoch nicht mit der alten Elastizität: es fehlt ^>as frische, belebende Element, jemand, der frisches Oel in die knarrenden Räder gießt, — und langsam, aber sicher gibt es Rost. Es blutet das Herz eines jeden Zionisten, der cs ernst mit feinen Pflichten nimmt, weil» er sieht, mit welcher Teilnahmslosigkeit an dem großen Werke unseres unvergeßlichen, verewigten Herzl'S gearbeitet wird, wie wenig und nachlässig man den Boden besät, der doch imstande wäre, solch reiche, herrliche Frucht zu tragen. In Paris gibt es wenigstens „50000" ausländische Inden/ welche alle Zionisten sein müßten, und wenn davon nur „400" Zionisten sind und hiervon wiederum nur „169" ihre Pslicht erfüllen, so ist dieses ein sehr trauriges Zeichen für den Zionismus selbst. Wir wollen nicht nur Schkolim gezahlt haben, »ein, wir brauchen den Menschen selbst und seine 'Arbeit. Rur dadurch kann unser Werk gedeihen, und nur durch unsere treue und ausdauernde Pflicht und richtiges Verständnis für den Zionismus kann unser Werk zu Ende gebracht werden und wir in die Fußtapfen unseres großen Herzl treten. Hoffen wir, daß die neue M i s r a ch i st i s ch e S o c i ö t e mehr erreichen wird, als die Vereinigung der Zionisten, die bereits mehrere Jahren besteht. Die polnische Gemeinde in Paris, unter welcher viele und viele noch traditionelle Juden sind, werden gewiß, durch die gemeinsame Idee mit den Misrachisten verknüpft, durch dieselben in kurzer Zeit gewonnen werden. In der Tat: der erste Schritt der Misrachisten hat das bewiesen; schon heute haben sic 'Anhänger gefunden, die bis jetzt dem Zionismus fern standen, ein Resultat, das hauptsächlich dem arbeitsfreudigen Eifer des Herrn Emil Bühler zu verdanken" ist. " Sabina. Jerusalem. Gestern, den 26. d. Mts. fanden hier die misrachistischen Delegierte n- Wahlen statt. Es lvurden einstimmig gewählt: H ermann Struck- Berlin, Dr. L. Frank- Ältona und J.Holländer (ebenda).—Die Jerusalemer Wähler versprechen sich von diesem Kongreß, daß inmmehr mit der praktischen Arbeit in Palästina ernst gemacht werden wird. Wäre dies schon vor Jahren geschehen, dann hätten wir heute eine ansehnliche Anzahl selbständiger Bürger im hl. Lande, welche die Zeit kaum erwarten können, die ihnen Gelegenheit geben soll, den 'Answanderungsgedanken endlich einmal ganz loszuwerden. Und das kann nur dann der Fall sein, wenn sie der Feldarbeit, die nur noch allein den Bewohner zu ernähren vermag, Angeführt werden. Die gesetzestrcuen Kreise im hl. Lande wissen dem Misrachi nicht genug zu danken für die glückliche Wahl der Lehrer der Jaffaer T a chke m o n i-S chn le. Die beiden aus Deutschland entsendeten Herren sind wahre Muster - Jehudim. Staunend schnell haben sie sich in die Verhältnisse hineingelebt. Sie sprechen das Hebräische, das Unterrichtssprache ist, ganz flott. Der Rechen- und Geographie-Unterricht zuinal hat mich geradezu bezaubert. Dort ward Algebra gegeben und hier die spanische Halbinsel behandelt, beides in reinem „Loschon hakodesch." Wie begierig jedes Wort von den Lippen des Vortragenden Lehrers herabgelesen wird, kann man an den strahlenden Gesichtern der Schüler merken. — Leider haben zum Wintersemester über dreißig Neuanmcldungen znrückgewiesen werden müssen, nur wegen Rauniniangels. Sollte dem Uebel nicht abzuhelfen sein?. H. Aus der Lehrerwett. Limburg a. Lahn. Verein isr. Lehrer im ehemaligen Herzogtum NassauE.-V. Am 17. November fand hier die Generalversammlung statt. Erschienen waren nur 25 Kollegen und die 3 Ehrenvorsitzenden des Vereins, die Herren: Rabb. Dr. Kober-Wiesbaden, Dr.'San» dau-Weilbnrg und Dr. Weingarten -Ems. Die Tagesordnung lautete: 1. Vereins- und Kassenbericht. 2. Der liturgische Gesang, ein Unterrichtsgegenstand der jüdischen Schule. (Referent: A. Nußb a u m - Wiesbaden). 3. Der neue 'Anstellungsvertrag der israel. Lehrer Nassaus. 4. Neuwahl des Ausschusses. 5. Verschiedenes. Eine reichhaltige Tagesordnung! Nicht umsonst sind die vielen Kollegen von fern und nah zum Konferenzort geeilt, denn es war diesmal viel Interessantes und Wissenswertes zu besprechen. Nicht nur frohgemut und erwartungsvoll kam man, es kehrten auch alle voll befriedigt nach der langen und lehrreichen Beratung und gemütlichen Zusammenkunft in ihren Wirkungsplatz zurück. Wie manch wackerer Kollege lernt und zehrt für lange ans solchen Zusammenkünften! Nur schade, daß nur einmal im Jahre die nassanischen Lehrer sich zusammenfindeu. Ein Verein, in dem solches lebhafte Interesse, solche Begeisterung für alle Schul- und Standesfragen, ja für Alles Jüdische lebt, sollte der nicht zu zwei Konferenzen jährlich Zeit und Stoff haben? Der Vorsitzende des Vereins erösfnete die Versammlung mit Begrüßungsansprache und Kaiserhoch; sodann erstattete er den Tätigkeitsbericht. In seiner Begrüßungsansprache wandte sich der Präses des Vereins besonders in herzlichen Worten an S. Ehrw. Bezirksrabb. Dr. Kober-Wiesbaden, der Heuer zuni ersten Male unseren Verhandlungen beiwohnen konnte. Ebenso herzlich erwiderte Herr Dr. Kober, der versprach, die Interessen der Lehrer stets zu wahren und sich am Schlüsse seiner schönen und mit Beifall aufgenommcnen Rede das Vertrauen der ilnn unterstellten Lehrer erbat. Jeder der 'Anwesenden hatte das wohlige Gefühl, hier spricht nicht nur der Rabbiner, der Lehrerfreund, sondern auch vor allem, wie das später aus deu Debatten, an welchen sich Herr Dr. Kober mit großer Liebe und feinem Verständnis beteiligte, der praktische Pädagoge. Mit vollem Vertrauen darf der Verein auf seinen neuen Ehrenvorsitzenden blicken! — Nun gab der Bereinsrechner einen lleberblick über die Einnahmen und Ausgaben und den zeitigen Vermögensbestand, welch letzterer über 24 000 Mark betrügt. Von einem verstorbenen Ehrenmitglied ist dem Verein eine hohe Summe vermacht worden; daraus ist mit Genugtuung festzustellen, daß sich der Verein auch in pekuniärer Beziehung in erfreulicher Entwickelung befindet. Es folgte das Konferenzthema, gehalten vom Vereinsvorsitzeuden: „Der liturgische Gesang, ein Ilnterrichtsgegenstand der jüdischen Schule." An den mit Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lange und heiße Diskussion, die mit der Annahme folgender Leitsätze endete: 1. Soll sich der Gotteshausbesuch der jüdischen Gemeinden heben, so ist der einstimnrige Gemeindegesang zu empfehlen. 2. Die traditionellen Weisen sollen erhalten bleiben. 3. Der mehrstimmige Chorgesang bilde nur eine 'Abwechselung zum Gemeindegesang. 4. Für die schulpflichtige Jugend sind besondere Jugendgottesdienste einzurichten, die in nichts vom Hauptgottesdienste abweichen. 5. Die Gesänge zu diesem .Gottesdienst sind > in der jüd. Schule zu xrlernen und ist zu diesem Zwecke der liturgische Gesangunterricht einzuführen. 6. Dieser Unterricht wird erteilt a) im Anschluß an den hcbr. Unterricht, d) in einer besonderen Gesangstunde. 7. Der liturgische Gesang belebt den hebr. Unterricht, indem er a) Geläufigkeit im Lesen erzielt, b) das Memorieren erleichtert, c) die Lust am Unterricht erhöht. 3. Der liturgische Gesangunterricht soll a) bei den Schülern Interesse für den Gottesdienst erwecken, b) für den Gemeindegesang vorbilden. Es wurde somit beschlossen, den liturgischen Gesang als Unterrichtsgegenstand in den nassanischen Stundenplan aufzunehmen. — Als 3. Punkt der Tagesordnung folgte:,^)er neue 'Anstellungsvertrag der israeb Lehrer N a s s a u s." Durch einen besonderen Fall wurde die Kgl. Regierung veranlaßt, einen allgemein gültigen Vertrag aufzusetzen, der aber nicht den Beifall der Versammlung finden konnte, da bedenkliche Paragraphen darin enthalten sind. Es wurde beschlossen, bei der Kgl. Regierung für einen mustergültigen Normalvertrag vorstellig zn werden. Die B o r st a n d s w a h t, die nun folgte, ging schnell von statten, da alle bisherigen Mitglieder durch Zuruf wiedergewählt wurden. Man war beim letzten Punkt der Tagesordnung angelangt: „Verschiedene s", und wirklich wurde hier eine ganze Anzahl Angelegenheiten, mehr oder weniger wichtig» erledigt, so u. a. das Referat über die Bibel von Rahlwes mit Zeichnungen von Lilien, die Besprechung des Buches „Ewige Weisheit von Max Weinberg u. a. mehr. Für die nächstjährige Konferenz, die voraussichtlich in Ems stattfindet, hat Herr Dr. Weingarten das Thema: „Ueber Bibelkritik" übernommen. U. 4780

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