Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 45 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45. Leite 4 Alle reckten di» Hälse, der Jammergestalt des Delinquenten ansichtig zu werden. — Ja, ja, Hochmut kommt vor dem Fall, er, der bisher mit stolz emporgerichtetem Haupte durch die Straßen gewandelt war, wäre jetzt ohne Hilfe der Henkersknechte schwerlich imstande gewesen, sich aufzurichten, so fest hatten sie ihm Hände und Füße zusammengeschnürt. Und damit der Redegewandte sich nicht - an die Umstehenden wenden konnte, sie nicht erinnern konnte an alles, was er für so viele von ihnen getan, deshalb hatten sie ihm einen Knebel in den Mund geschoben, und zwar so tief, daß sich nur hin und wieder ein halblautes Aechzen seiner Brust entringen konnte. Die schaulustige Menge kam nicht auf ihre Rechnung. Der Teufel erschien nicht, um seinem Bundesgenossen zu helfen, und dieser schien schon nach wenigen Minuten vermutlich durch den Knebel, der allzu tief in seinem Halse stak, erstickt zu sein, noch bevor die Flammen des Scheiterhaufens hoch emporloderten und sein Gesicht erreichten, denn der Kopf war ihm auf die Brust gesunken. — Als die Stricke, durch die er an dem Pfahl gebunden war, verkohlt waren, brach er vollends zusammen, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Nein, dieses Autodafe war durchaus nicht interessant gewesen, und man hatte doch so viel des Interessanten davon erwartet. Der Papst war während des ganzen Tages von einer nervösen Unruhe gradezu gefoltert worden, die feine Umgebung ernstlich um ihn sorgen machte, voneinem Rauin begab er sich in den andern, ball» war er hier, bald dort, schließlich hatte er sich dem Bibliothekzimmer zugewandt. In möglichst unauffälligerweise folgte ihm sein Kammerdieher überall hin, aber er mußte sehr vorsichtig sein, denn wenn sein Herr gemerkt hätte, daß er ihm beständig auf dem Fuße folgte, so hätte er ihn in seiner gegenwärtigen Verstimmung^ vermutlich hinausgewiesen. So kam es, daß der treue Diener nicht gewahrte, daß der Papst auf einen Schemel steigen wollte, um aus einem höhergelegenen Regale ein Buch herunter zu nehmen. Doch der Schemel glitt zurück, und der alte schwere Mann stürzte vornüber zu Boden. Zu Tode erschrocken, war Enrico sofort an seiner Seite und bemühte sich, ihm aufzuhelfen, doch er war selbst kein Jüngling mehr und zitterte wie Espenlaub. „Ew. Helligkeit wolle sich nur einen Moment gedulden, ich werde den Frater Antonio —" „Nicht! nicht!" fiel der Papst heftig xin, „kein Mensch darf erfahren, daß der Heilige Vater gestürzt ist — merkt Euch das, Enrico, kein Mensch!" „Aber ich fürchte nur, ich werde Ew. Heiligkeit nicht genügend stützen können!" — - „Ach, Unsinn! es wird schon gehen." Es ging in der Tat, aber die beiden alten . Leute mußten sich sehr, sehr anstrengen, und sie mußten sich noch mehr anstrengen, damit der Heilige Vater, auf den Arm seines Kammerdieners gestützt, sein Arbeitszimmer erreichen konnte. Hier aber mußte er sich sofort auf die Chaiselongue legen, sonst wäre er abermals zu Boden gestürzt. Denn nicht nur, daß sich auf der Stirn eine Schramme zeigte, auch das rechte Schienbein war verletzt und nolens volens mußte ärztliche Hilfe herbeigerufen werden. Der Papst war überaus verdrießlich, murmelte unverständliche Worte in sich hinein. Enrico glaubte . lateinische Flüche und Schimpfworte zu vernehmen, doch nicht um die Welt hätte er solche einen andern hören lassen mögen. Er begab sich daher in ein anstoßendes Zimmer, um sich zu überzeugen, daß dort niemand anwesend, der die unziemlichen Worte des Oberhauptes der Christenheit vernehmen könnte. Kaum hatte Enrico die Tür hinter sich geschlossen, als durch die Hauptür ein anderer Diener eintrat, der den Abgesandten des geistlichen Gerichtes meldete, der dem Heiligen Vater eine Mitteilung zu überbringen habe. „Er soll hereinkommen," versetzte der Papst, und gleich darauf trat der Angemeldete in das Zimmer. „Ach, Ihr seid's, Pater Sylvester! — Dtuii, was ist los? was habt Ihr mir zu berichten?" Pater Sylvester verneigte sich tief. „Ich komme im Auftrag des hohen geistlichen Gerichtshofes. Ew. Heiligkeit gebührend in Kenntnis zu setzen, daß der des Verkehrs mit dem Bösen überwiesene Judendoktor mü Namen Jizchak Halevi seinen grauenvollen Frevel bereits gebüßt hat, indem er auf Befehl der heiligen Inquisition und mit Zustimmung Ew. Heiligkeit durch den Feu —" Das Wort erstarb ihm im Munde, denn im Rahmen der gegenüberliegenden Tür erschien grade in diesem Moment die hohe Gestalt desjenigen, dessen Tod er dem Heiligen Vater anzumelden im Begriffe war. Sich bekreuzigend, stieß Pater Sylvester einen gellenden Schreckenslaut aus und wollte zur Tür hinausrennen, aber Enrico war ihm znvorgekommen, rasch hatte er den Schlüssel, der im - Schloß der Tür stak, umgedreht, abgezogen und in der eigenen Tasche geborgen, und eben so rasch, bevor noch der andere sich besinnen konnte, hatte er auch die beiden andern Türen verschlossen. Sich unablässig bekreuzigend und an allen Glieder bebend, war Pater Sylvester in die Knie gesunken: „Alle guten Geister —" Frankfurier Israelitisches Familienblatt. Langsam, um die Medikamente in seinen Händen nicht zu verschütten, näherte sich Rabbi Jizchak dem Papst. „Ew. Heiligkeit wolle gestatten —" Der Kniende hatte die Worte nicht verstanden, aber er wähnte, der vermeintliche Tote wolle auf ihn zukonimen, schreiend sprang er auf, rannte schreiend von einer Tür zu der andern und rüttelte an allen mit aller Kraft, während der Papst in ein schallendes Gelächter ausbrach. Verständnislos blickte Rabbi Jizchak von dem einen auf den andern, bald auf den schreienden Pater, bald auf den lachenden Papst. „Ew. Heiligkeit, dürste ich bitten —" „Gleich, Rabbi, gleich, wir müssen nurzuvor den Schreier dort zur Ruhe bringen, sonst wird der ganze Vatikan wach. Silentiuin!" rief er mit Stentorstimme, „Pater Sylvester, wir gebieten Ruhe!" Das Schreien verstunlmtc sofort, aber der abergläubige Mönch schien sich mit Gewalt in die Wand hineindrängcn zu wollen, während er sich noch immer unablässig bekreuzigte und sein starrer Blick noch immer auf den Arzt gerichtet war. Der Papst hatte Mühe, nicht auf's neue in Lachen auszubrechen, mit erzwungen grimmigem Ton wandte er sich an den Pater: „Tor! Tor! dreifacher Tor! — Ihr wisset, was wir diesem Manne schulden, Ihr wisset, daß wir geschworen haben, schützend unsere Hände über ihn zu halten, — und Ihr konntet glauben, daß wir zulafsen würden, daß ihm auch nur ein Haar gekrümmt werde?" „Aber ich habe doch gesehen, daß er verbrannt worben ist," stannnelte der Mönch zitternd. Abermals lachte der Papst hellauf. „Daß ein Mensch verbrannt worden ist, könnt Ihr gesehen haben, aber daß dieser nicht verbrannt worden ist, davon sollet Ihr Euch schon überzeugt haben." „Gerechter Gott!" ries Rabbi Jizchak, die Hände zusammen schlagend, ein anderer Mensch ist statt meiner verbrannt worden!" „Beruhiget Euch, Rabbi," begütigte ihn der Papst, „wir wissen auch, was recht ist. Derjenige, den wir statt Eurer den Scheiterhaufen haben besteigen lassen, hatte den Tod siebenfach verdient, denn sieben Menschenleben hatte der Ruchlose vernichtet. Also Ihr könnt ruhig sein. — Doch nun zu Euch Pater Sylvester. Ihr wisset jetzt, wie die Sache sich verhält. Doch wir warnen Euch, warnen Euch, daß kein Sterblicher durch Euch den Sachverhalt je erfährt. Der Tag, an dem Ihr, sei cs durch Wort oder durch Schrift die Wahrheit verlaute» lasset — wird Euer letzter sein," fügte er mit erhobener Stimme hinzu. „Und Kraft unserer Macht als Statthalter Christi würde unser Bannstrahl Euch hinabschleudern in die tiefste Tiefe des Höllengesuhls." — Seine Stimme ward noch lauter, noch drohender. „Von wo nicht hunderttausende von Messen Euch erlösen könnten; — bis in alle Ewigkeit müßtet Ihr -Euren Frevel dort büßen." Namenloses Entsetzen verzerrte das aschfarbene Angesicht des zitternden Mönches. „Ich werde schweigen," stammelte er. „Ew. Heiligkeit — gewiß — ich Iverde schweigen — und wenn es mein Leben kosten sollte. — Aber — aber — wenn das hohe geistliche Gericht fragen würde —" „So antwortet Ihr, der Wahrheit gemäß, daß Ihr den Euch gewordenen Auftrag vollzogen habt — könnt sogar hinzufügen, daß Ihr den Heiligen Vater auf dem Ruhebette getroffen habt, anscheinend tief ergriffen von den Ereignissen des heutigen Tages." - Eine Handbewegung des Papstes war das Zeichen, daß die Audienz beendet. Enrico schloß die Türen wieder auf, und mit wiederholter tiefer Verneigung und rückwärts schreitend, verließ Pater Sylvester das Zimmer. „Und nun zu Euch, Rabbi." (Schluß folgt.) Manu und Weib.") Der Mann kann, säend, Weizen wohl gewinnen, Das Brot daraus bereitet ihm das Weib; Er baut den Flachs, sie wirkt daraus das Linnen Und schmückt damit die Truhe wie den Leib; Kurz, was der Mann dem Hause auch beschert. Das Weib gibt allem Weihe erst und Wert. * Das Weib ist ein geborener Soldat, Das stets die Waffen bei sich hat. * Ein zänkisch Weib ist ärger Plag' Als Regenguß den ganzen Tag. *) Proben aus „Ewige Weisheit, Spruchpoesie des Talmud übersetzt von Max Weinberg, Verlag Otto Hendel, Halle (Preis geb. 1,35 Jfe)," einem Buche von dem wir wünschen, daß es Stätte finde in jeder jüdischen Familie. Nach einem Schatz forscht ihr und fragt, Der auch dem Aermsten nicht, versagt? Treulieb, das mll ihm sorgt und lacht Und ihin das Haus zum Eden macht. Kaiser Friedrich Quelle —7— Offenbach a. M. - Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Institut für Massage Karl Ed. Augstein, Kaiserstrasse 60. Teilmassage 0,30 Mk., Ganzmassage 1,— Mk. Beste Zeugnisse und Empfehlungen von Aerzten und Patienten z. D. Damen werden von Dame bedient. Toiletten-Tische in einfacher bis hocheleganter Ausführung liefert den verohrl. Damen als Spezialität* Katalog gratis. F. Einbeck. Hfort a. MJitasasss 8. Austfm 91k. 1.25. H. 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Die Begleitung durch Esau .schlägt Jakob aus, offenbar aus Mißtraueu. — In der Nacht vor der Zusammenkuuft mit Esau kämpft Jakob mit einem Engel, der ihm die 'Hüfte verrenkt, ohne ihn indes zu Fall zu bringen. Beim anbrechenden Morgen endet der Kampf. Jakob erhält den Namen Israel. (Jisroel Gotteskämpfer.) Dieser Kamps ist nach der Tradition ein Bild für iallc Leiden, mit denen Israel im Laufe der Zeiten.heimgesucht wird. Es fällt nicht, bleibt stets siegreich als „Gotteskämpfer." In Schechem wird Jakobs Tochter Dina verunglimpft, entehrt. Simon und Levi nehmen Rache dafür. — Jakob schafft alle Götzen aus seiner Umgebung ab und baut in Bet-El einen Altar zur Erinnerung an seine erste Ruhestätte bei der Flucht vor Esau. — Rebekkas Amme stirbt unterwegs. Jakob begräbt sie unter einer Eiche, Traucreiche genannt. —Rachel stirbt bei der Geburt Benjamins. Jakob begräbt sie unterwegs und stellt einen Denkstein auf ihr Grab. Dann zieht er weiter. Jsak stirbt, 180 Jahre alt. Esau und Jakob begraben ihn in die Höhle Machpela. — Die Sidra schließt mit der Aufzählung von Esaus Stammsürsten, die im Lande Säir regierten. Offtnbaebtr Druckluft - Hnlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewahrtest* Tepplohrslnlgung.