Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 44 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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U r Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. AuS den Vereinen. Frankfurt a. M., 17. Nov. „Montefiore"- Berein. Den heutigen „Musikalisch-Deklamatorischen Abend", der einen sehr zahlreichen Besuch aufs Trefflichste unterhielt, zeichnete eine eigene, einheitliche Note aus: Vorwiegend jüdische schaffende Künstler, jüdische Interpreten und jüdische Süjets. Gesprochene Worte, Gesang und Musik ivußten so in gleicher Weise aus uns zu wirken und unser jüdisches Mitempfinden zu wecken. Die Wiedergabe des reichhaltigen Programms gelang den damit betrauten jugendlichen Künstlerinnen und Künstlern in glänzender Weise. Wir wollen nur kurz erwähnen, daß die vollendeten Klaviervorträge der Damen Mina Wisloch und Alice Rosenbaum uns ebenso einnahmen, wie der ausdrucksvolle Gesangsvortrag des Fräulein Clara L e w i s o h n oder die vielversprechende Stimme des Herrn Adolf Girdisky; daß Herr Siegfried Oberndorfer die lyrische Stimmung der von ihm rezitierten Gedichte ansprechend zu übermitteln wußte und die gehaltvollen Gedichte von Löwen- 6erg und Morris Rosenfeld durch Fräulein Clara Bauer mit dramatischem Schwünge vorgetragen wurden. Einen eigenen Vermerk veänent die stark aktuelle Satyre auf Assimilationssucht: „S amfonCohnchristlicherKonfessio n", die Herr Julius Pohle fein auszugestalten verstand und schließlich noch die vorzügliche Begleitung der Komponistin Fräulein Clara Mayer und des Herrn Siegfried Würzburger. Perl. Berlin. Der Verband der Sabbathfreunde hält seinen 4. Delegiertag am 26. Dezember in Breslau ab. . Mainz. Unter lebhafter Beteiligung fand hier imKötherhofsaale eine Versammlung zwecks Gründung eines jüdischen Jugendvereines statt. Der Vorsitzende des vorher gebildeten.Komitees, Herr Dr. jur. Simon hier, wies in seiner beifällig aufgenommenen Begrüßungsrede auf den Zweck und die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses hin, indem er u. a. ausführtc, daß gerade die jüdische Jugend dazu berufen sei, durch Befestigung uttd Erweiterung ihrer Anschauungen sich zu den — im späteren Lebenskämpfe unbedingt notwendigen .— Persönlichkeiten zu erziehen. Er schloß mit der Erwartung,. daß die Bestrebung auch hier in Mainz auf fruchtbaren Boden fallen möchte. HerrDr. Löffler — Referent des Abends und Vorstandsmitglied des Montefiore - Vereins, Frankfurt — konnte wohl kein passenderes Thcina gewählt haben, als die Einrichtungen und Erfolge des vorbildlichen Frankfurter Vereins zu schildern. Mit Spannung folgre ein Jeder seinen Worten, die einen glänzenden Beweis erbrachten, wie nach jeder Richtung hin segensreich und ideal ein derartiger Verein sich betätigen kann. Die darauf folgende Diskussion, in welcher von den verschiedenen Seiten lebhaft eingegriffen wurde, führte nW zu dem schönen Ergebnis, daß 86Herren ihren Beitritt er klärten, welche Zahl ungefähr 75 »o der Erschienenen ausmachte. ' In. seinem Schlußwort erkannte Herr Dr. L.ößsler lobend die Begeisterung der Bersammlüng und den großen Erfolg an und schloß mit dem Wunsche, daß der Mainzer Verein recht bald zu den führenden gezählt würde. Köln a. Rh. Der konservativ-jüdische Verein beschloß in seiner Generalversammlung, in die Wahlpropaganda einzutreten und wählte zu diesem Zwecke eine Wahlkommission. Die Repräsentantenwahlcn der jüdischen Gemeinde — dieselbe hat bekanntlich infolge der „liberalen" Majorität in ihrer Leitung das preußische Dreiklassenwahlsystem — sind auf den 6., 7., 9. und 13. Dezbr. festgesetzt. _ Aus der Lehrerwelt. Königsberg, N.-M. Im Alter von 38 Jahren verschied Herr HermannGoldschmidt, seit 13 Jahren mit hervorragender Pflichttreue Lehrer und Prediger unserer Gemeinde. Fanden. Zu Haus eitern an dem hiesigen neuen Israelitischen Waisenhause ivurde das Hauptlehrer Schloß' sche Ehepaar aus A u t e n h a u s e n gewählt. Budapest. In Sagujhely verschied der 88jährige Rabbinatsvorsteher S. H. Stricker, ein Schüler des Chäsam - Sofer. — Dr. Ignaz Gerstl wurde zum Rabbiner in Nagy-Szentmiklos gewählt. Ans -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Wir werden daraus aufmerksam gemacht, daß die Kartenbestellungen zu der Makkabäerfeier, die am 8. Dezember im 'großen. Saale des Kaufmännischen Vereinshauses stattfiirdet, bereits eine überaus rege ist. lieber das Programm der Feier siehe das heutige Inserat. Hamburg. Mitteilung deL Bureaus des DL Zionisten-Kongresscs. — Wir bitten alle . Landmannschaften, Fraktionen und JnstitütioneN, die am Sonnabend, den 25. Dezbr. Sitzungen abzuhalten gedenken, uns davon umgehend unter Angabe der ungefähren Teilnehmerzahl Mitteilung zu machen, damit für Sie ein entsprechender Raum reserviert werden kann. Wir ersuchen die Delegierten und Gäste nochmals dringend, möglichst umgehend Ihre Wohnung s b e st e l l u n g c n unter Benutzung der wiederholt veröffentlichten Formulare an uns gelangen zu lassen. In den Tagen vor dem Kongreß werden wir einen ständigen Bahnhofsdienst auf dem Hauptbahn Hof Hamburg einrichten, worüber noch nähere Mitteilungen erfolgen. Da aber wegen der Weihnachtstage .ein sehr starker Reiseverkehr zu erwarten ist, so liegt es im Interesse jedes Ankommenden, auf jeden Fall schon vorher sich ein Zimmer zu sichern und über die Lage seines Hotels orientiert zu sein. Der Vortrag von Max Nordau über „Die Juden im 19. und 20. Jahrhundert" wird am Mittwoch, den 29. Dezember, abends 9 Uhr im großen Saal des Conventgartens stattfinden. Am Sonntag, den 26. Dezember, pünktlich abends 8 Uhr, findet das Schauturnen des Verbandes jüdischer Turnvereine in der Ernst-Merckhalle des Zoologischen Gartens (Eingang 'Tiergartcnstraße) statt. Die Delegierten des Zionisten - Kongresses als Ehrengäste haben auf Grund ihrer Delegierten - Karte ohne weiteres Zutritt. Außerdem werden unentgeltlich Eintrittskarten in größerer Menge abgegeben. Bestellungen auf Karten wolle nran rechtzeitig an das Kongreß- Bureau unter Angabe von Namen und Adresse richten. Vom 20. 12. ab können Karten an den Schaltern des 'Kongresses, Eckernförderstr. 42, entgegengcnommen werden. Nach dem Schauturnen findet für die Turner, deren Angehörige und einige Gäste ein gemütlicher Kommers in einem Saal des „Zoologischen-Gartens" statt. Kattowitz. Die Feier der 25jährigen Wiederkehr der Kattowitzer Konferenz. Zur akademischen Feier waren weit über 400 Dgme» und Herren erschienen. Arnold Wiener begrüßte namens des Oberschles. zionistischen Gruppenverbandes vor allen Generalsekretär N ah u m S o k o l o w als Vertreter des erkrankten Präsidenten und die beiden Jubilare D a v i ds o h n - Warschau und P i n e s - Rosano. Er gedachte der anderen noch lebende» Mitglieder der Konferenz, die' durch herzliche Briefe ihre Anteilnahme ausgedrückt hatten — unter besonderer Hervorhebung der Herren I. B. Rabbinowitsch früher in Warschau, jetzt in Frankfurt a. M. wohnhaft, des Herrn Dr. Karpel Lippe in Jassy und der Herren Chasanowitsch und Jasinowsky aus Rußland — und der Toten, besonders des Präsidenten der Konferenz Leo Pinsler und des Kattowitzer Moris Moses. Nach ihm sprachen S o k o l o w (Aktionskomitee), Dr. JosefKlansner (Odessaer Palästinakomitee), Rechtsanwalt Dr. Leczynsky (Zentralkomitee der zion. Bereinigung f. Deutschland), Farbstein - Warschau (Rufs. Zentralkomitee) und Dr. E m i l M a r g u l i e s (Organisation der österr. Zionisten). Daraus ergriff Dr. Sandler -Breslau das Wort zu dein Festvortrag „Die historische Bedeutung der Kattowitzer Kon seren z". Er würdigte die Tatsache, daß noch vor den großen Judenversolgungen Männer mit dem historischen Scharfblick erstanden waren, die eine zionistische Lösung der Judenfrage für unabweisbar erklärten. Aber sie blieben vereinzelt, und erst die schrecklichen Judenverfolgungen in Rußland und Rumänien, die Blutmärchen aus Ungarn mid Deutschland, die antisemitischen Bewegnirgen in allen Mutterländern weckten die jüdischen Massen aus ihrer Lethargie und erzogen sie zur Selbsthilfe. Mit Absingnng eines zionistischen Liedes schloß die Feier, die Oberkantor Singer- Kattowitz durch Gesangs- und Harmoninnrvortrag würdig cingeleitet hatte. — An dem darauffolgenden gelneinsamen M i ttagsmahl im Grandrestauration nahmen gegen 300 Menschen teil. Eine Sammlung zur Eintragung des verdienstvollen Leiters der oberschlesischen Organisation, Arnold Wiener, in das goldene Buch des I ü d. N a t i o n a l f o n d s ergab eine Summe von 300 ,IL — Den Festteilnchmern war keine Mittagsruhe gegönnt; denn pünktlich füllte sich der große Saal des „Deutschen Hauses" zu der um 4*/» Uhr angesetzten öffentlichen Versammlung. Längst vor Beginn war der Saal gesperrt, und auch die oberen Räunie wiesen beängstigende Fülle auf. Als erster sprach Rabbiner Dr. Thon- Krakau. Sein Thema lautete: „Von Kattowitz bis Basel". Von Kattowitz bis Basel ist ein weiter Weg. Andere Völker pflegen solche Distanzen in Jahrhunderten zu durchschreiten: das jüdische Volk hat den Weg in nicht ganz 13 Jahren znrnckgelegt. Es ist das kein Wunder. Das jüdische Volk muß sich beeilen, wenn es mit halbwegs geraden Gliedern und »»verkrüppelter Seele an das Ziel gelangen will . . . Kattowitz war eine Idee, . Basel ist ein Programm geworden. I» Kattowitz kamen 36 einzelne zusammen, hinter denen niemand stand außer ihrem eigenen Idealismus, außer ihrer großen Begeisterung; hinter den Delegierten von Basel standen Hnnderttansende von Juden. Immerhin ist die ganze zionistische Jdeelögie i» Kattowitz geprägt 5ir. 44 worden, so wie sie bis auf einiges unwesentliches bis auf den heutigen Tag für uns bindend ist. Nach ihm ergriff Dr. Witkowski-Berlin das Wort zu seinem Bortrage „Der Zionismus und die deutschen Juden." Es ist ein mühevolles Unternehmen, 'dem Wege nachznspüren, den die Psyche der deutschen Judenheit von Kattowitz nach Basel, von dem verborgenen Winkel, in dem die Grenzen der beiden großen Strömungen im Judentum, des Ost- und Westjudentums zusammenläufen, in das Helle Licht der europäischen Oeffentlichkeit geführt hat. Bon der Kattowitzer Konferenz nahm das offizielle Judentum keine Notiz; ein Bild herzbeklemender Sinnlosigkeit breitet sich vor unserem Auge aus, das gequälte Suchen, zwischen Leben und Tod noch eine dritte Erscheinungsform ausfindig zu machen. Nur eine Einwirkung von außen konnte das deutsche Judentum aufrichten, und sie " kam durch das Wirken der Treitschke, Stöcker, Schopenhauer. Auch dieser Vortrag erntete vielen Beifall der Versammlung. Darauf sprach das Mitglied des österr. Reichsrat Adolf Stand-Wien. „Es ist eine erwiesene Tatsache, daß in der Gegenwart gewöhnlich geschichtliche.Ereignisse überschätzt und geschichtliche Ideen unterschätzt werden. So ging es auch der Kattowitzer Idee. Während die Gegenwart diese fast ganz ignorierte, nahni sie die nächst Generation mit gewaltiger Begeisterung auf. Die Losung der Gegenwart ist Rückkehr zum Judentum. Es gibt heute noch keine Juden. Wir finden nur zwei große Gruppen: Israeliten und Ghettojuden. Die ersteren haben weder Form noch Inhalt; die Form ist erborgt, erstohlen bei anderen Nationen. Dem Ghettojuden wieder fehlt die europäische Form. Wir fordern c vom Bolljuden europäische Form und jüdischen Inhalt. Das erfordert viel Arbeit. Was 20 Jahrhunderte gesündigt haben, das kann in 20—30 Jahren nicht gut gemacht werden. Es gibt für einen modern geschulten Menschen kein höheres Ideal, als sich ganz und "voll zu erhalten zum Heile seines Volkes, zum Heile der Kultur." Nach ihm ergriff Sokolow das Wort. Er untersuchte, ob die Zionisten. die Bedingungen erfüllen, genügenden Vorrat an Energie und die Fähigkeit diese Energie in richtiger Weise zu verlvenden und bejahte diese Fragen. Um 8 Uhr war die Versammlung zu Ende, und nun folgte der letzte Teil des offiziellen Programines, der Festabend. Wieder war der Raum zu klein, um den Andrang zu fassen. Die Vertreter Breslauer, Berliner und Wiener zion. Stndcntenvereine uberbrachten die Grüße ihrer Vereine. Dr. 5t l a u s n e r sprach ' noch einmal hebräisch und deutsch zu der Versammlung, und auch A d o l f Stand fesselte noch einmal die Hörer. Künstlerische Darbietungen und Tanz bildeten sodann den Schluß des glänzend verlaufenen Festtages. Pretzburg (Ungarn). Am 7. November hatte Redakteur L e b o w i t s ch aus Budapest im hiesigen „Ahawat Zion-Verein" einen Bortrag über den M i s r a ch i gehalten, dessen eifrigster Propagandist in Ungarn Herr Lcbowitsch ist. Hierdurch veranlaßt, kritisierte Oberrabbiner Schreiber in seinem Vortrage gelegentlich der Eröffnung des Wintersemesters der Jeschiwah in abfälligster Weise die m i s r a ch i st i s ch e n B e st r e b u n g e n und rief damit bei seinen Zuhörern den peinlichsten Eindruck hervor. Kunst und Literatur. Ein Lied der Freifrau von Rothschild. Freifrau Wilhelm von Rothschild in Frankfurt am Main, die Koniponisti» des von Adelina Patti oftmals gesungenen Liedes: „Si vous n'avez rien ä me dire," welches in unzähligen Auflagen erschienen ist, hat ein neues Lied komponiert, welches sich „Die Nachtigall" betitelt. Das Lied ist der Wiener Hofopernsängerin Selma Kurz gewidmet und ist zu gleicher Zeit in Wien, Paris und London erschienen. Licht, Schauspiel in einem Auszug von Friedr. Porges. Jüd. Buch- und Kunstverlag Max Hickl, Brünn. Die Sehnsucht nach dem Lichte, der Erleuchtung macht wie so viele andere auch eine Wormser Judenfamilie des 17. Jahrhunderts unglücklich. Der Vater sieht das Licht für die Juden in so weiter Ferne, daß er daran verzweifelt; der Sohn, ein Gelehrter muß blutenden Herzens seine Lebensarbeit vernichten, weil er als Jude auch das Licht der Wissenschaft nicht pflegen darf; die Tochter endlich wird vom Strahle des Lichtes verblendet, sie ergibt sich einem Christen, vielmehr einem getauften Juden. 8. Von j ü bischer K u n st (Josef Israels) von Max Eisler. 68 weiten. Zahlreiche Abbildungen. Jüdischer Verlag, G, »r. b. H., .Köln und Leipzig. Stille Andacht umspannt mit seinen Fäden die Seele schon bei den ersten Worten dieses Buches und hält sie noch umfangen, wenn längst sein Meister, aufgehört hat zu sprechen. Ein Dichter ward zum Interpreten eines -Malers. . Doch nicht