Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 43 (12.11.1909)
- Date
- 1909-11-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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N.- 43 Die vorstehenden Zeilen ergeben ein Bild der Leistungen des Vereins, dessen Sitz bekanntlich Frankfurt ist. Soll der Verein aber sein gewiß segensreiches Wirken auch in Zukunft vollbringen können, so muß man die Bitte wiederholen, daß in den weitesten Kreisen das Interesse für ihn geweckt werde. Afrika. Tunis. Hier fand ein großes jüdisches Meeting statt, den: mehr als dreitausend Personen beiwohnten, während noch gegen zweitausend an den Toren des Hippodroms standen, in dem die Versammlung abgehalten wurde. Zweck des Meetings war ein lauter P r o t e st gegen die Zuweisung der Juden an die Eingeborenengerichte und die Forderung auf Unterstellung der Juden unter die französische Gerichtsbarkeit. Der Erfolg des Meetings war ein unbestrittenerdie gesamte Presse anerkennt — ohne Unterschied der Nationalität und der sonstigen Anschauung — daß noch nie in Tunis eine so gewaltige Versammlung ihre Forderungen in so würdiger und maßvoller Weise zur Geltung gebracht habe. „N. I. K." G FMelon. © Die Tochter des Kardinals. -Historische Erzählung von Friedrich Rott. tFortsetzung). Gras Arnulf fuhr sich wiederholt mit der Hand über die Stirn, als wolle er einen häßlichen Gedanken verscheuchen, dann atinete er, den Kopf schüttelnd, tief auf. „Was war Euer Plan? — Weicn Ihr nun frei wäret und der Kardinal das Zeitliche gesegnet hätte, was hättet Ihr getan?" Rabbi Jizchak wechselte die Farbe, sein lebhaftes Auge erglänzte noch feuriger als gewöhnlich. Noch leiser flüsternd erwiderte er. „Ich hätte ein Schiff gemietet und hätte sie entführt bei Nacht iutb Nebel; vor Tagesanbruch wäre ich mit ihr im Hafen gewesen und dann hinaus in's Meer." „Und ihr Vermögen?" „Das bedarf sie nicht, ihre Mutter hat mir genügend für sie übergeben." „Ihr meint also, daß, salls Ihr selbst verhindert sein solltet, ich statt Eurer —" Rabbi Jizchak blickte prüfend zu ihm hinüber, ivährend er die Lippen aufeinander preßte. „Ich weiß denn doch nicht — sie ist ein junges Mädchen — Ihr seid ein junger Mann —" „Alt bin ich allerdings noch nicht," versetzte der Graf lächelnd, „aber das, was man eiir junger Mann sein nennt, das bin ich doch auch nicht mehr, denn seit sechs Monaten befinde ich mich bereits in dem heiligen Stand der Ehe. Meine Reise nach hier geschah nur, um meinem Weibchen die „ewige Stadt" zu zeigen." „Jetzt bin ich ruhig. — Ihr und Eure Frau Gemahlin werdet über sie wachen, werdet sie schützen, werdet sie nicht allein hier lassen." „Daß wir unser Möglichstes für sie tun werden, das könnt Ihr Euch versichert halten; aber ich möchte .Euch um möglichst genaue Verhaltnngsmaß-1 regeln bitten, denn ich weift nicht, ob und lvann I cs mir wieder gestattet werden wird —" . „Vermutlich nie wieder, es ist heute schon ein Wunder, für das ich Gott nicht genug danken kann." Er ward unterbrochen, in seiner lautlosen Weise war der päpstliche Kanunerdiencr wieder eingetretcn und hatte einen Leuchter mit einer brennenden Wachskerze aus den Tisch gestellt, an dem die Herren sich niedergelassen hatten. „Ah, unser treuer Enrico vergißt uns nicht," sagte Rabbi Jizchak, dem Diener zunickend. „Wie könnte ich an Euch vergessen," flüsterte dieser, „nach dein, was Ihr für ineine Mutter getan habt." „Dasselbe, ivas ich für Eure Mutter getan habe, das habe ich auch für die Miltter des Pater Sylvester getan, und doch hat er kein Wort für mich gefunden, doch haben sie einstintmig den Stab über mich gebrochen." ,,£>, über die ungerechten, die blutdürstigen Männer!" Enrico knirschte mit den Zähnen und ballte die Faust. Dann, näher zu den: Arzt tretend, flüsterte er noch leiser: „Wenn ich etwas für Euch tun könnte, Signore — verfüget - über mich." „Dank Euch, Enrico^ aber ich habe meiii Wort gegeben, ohne ausdrückliche Zustimmung Sr. Heiligkeit, dieses Zimmer nicht zu verlassen, und Se. Heiligkeit hat sein Wort verpfändet, dem geistlichen Gericht nicht weiter hindernd in den Weg zu treten. Ich fürchte, cs kann kein Mensch mir helfen." „Ueberlegt es Euch dennoch Signore, und wenn Euch ettvas einfällt, was Euch nützen könnte, so klopft mir leise dort an die Tür; so fern ich nicht dienstlich beim heiligen Vater beschäftigt bin, werde ich mich dort in der Nähe aufhalten." „Und Ihr haltet Euch in Wirklichkeit durch das jedenfalls doch in einer Zwangslage gegebene graitlfurfer JfraeMfches FamilieMatt. Seite 3. Wort gebunden?" fragte Graf Turnek, nachdem der Diener sich entfernt hatte. „Selbstverständlich, um so mehr, als der Großinquisitor darüber gespottet hat, daß der Papst dem Wort eines Juden Wert beilegt. Wir Juden müssen uns doppelt und dreifach hüten, auch nur ccm Haaresbreite von dem graden Weg abzuweichen, denn für jedes vermeintliche Unrecht eines Einzelnen machen unsere Feinde unsere Gesamtheit verantwortlich. — Doch nun, bitte, wollt Euch merken, auf was ich Euch im Interesse der Contessa aufmerksam machen möchte. — Ich setzte voraus, daß Ihr in Verbindung init ihr bleiben, sie möglichst täglich sehen werdet." . „Das ist meine Absicht, gestern, sehr bald nach unferer Ankunft, habe ich sie aufgesucht, konnte sie aber nur sehr flüchtig sprechen, da der Kardinal nach ihr verlangt hat. Heute war ich aber nahezu zwei Stunden bei ihr und beabsichtige, ihrer Aufforderung entsprechend, ihr morgen meine Gemahlin zuzuführen." „Das ist recht, das ist das Beste, was Ihr tun könnt, dadurch wird im vorhinein jeder Verdacht eingeschläfert/ — Was nun den Kardinal betrisft, so glaube ich kaum, daß sein Leben noch nach Tagen zählt, es wird sehr, sehr bald mit ihm zu Ende sein. Dann — besitzet Ihr das- Vertrauen der Contessa? — Ich meine, ihr volles, rückhaltloses Vertrauen?" «Ich glaube, daß sie mir gut ist," erwiderte der Graf, „sie hat mich sehr herzlich ausgenommen und freut sich, meine Gemahlin kennen zu lernen. Ob ich aber ihr volles Vertrauen besitze, das zu beurteilen, fehlte.mir bisher jede Gelegenheit." „Sie-muß Euch unbedingt vertrauen, sonst seid Ihr außerstande, sie mit Erfolg zu schützen. Wartet einen Augenblick." Er nahnc acc-s der Tischlade eine kleine Schiefertasel und schrieb mit einem Schiefersplitter einige Zeilen in jüdisch-deutscher Kurrentschrift darauf. „Zeiget dieses der Contessa, Herr Graf, sie wird Euch dann rückhaltlos alles Mitteilen, was Ihr wissen müsset und ich glaube, sie wird auch Eueren Ratschlägen folgen." „Und wenn sie nach Euch fragt, Ivas soll ich ihr sagen?" „Das müsset Ihr selbst wissen, die Wahrheit wird ihr ohne Euer Zutun nicht lange verborgen bleiben; ich bin eine stadtbekannte Persönlichkeit, und dem süßen Pöbel wird es ein Gaudium sein, den Teuselsgenossen brennen zu sehen." Den Grasen überfiel ein kalter Schauer, er drückte die Zähne in die Lippen, daß diese bluteten, aber er schwieg. Der andere fuhr fort: „Wie ich den Worten des Kardinals entnommen, dürfte der Graf Bkkrghese die Heirat der Contessa mit seinem Sohne sehr bald in Anregung bringen, und sobald sie dieselbe entschieden abgelehnt haben wird, ist sie in Gefahr, da bleibt ihr nichts anderes übrig als die Flucht. Meiner Ansicht nach tut ihr am besten das, was ich geplant hatte, mietet ein Schiff und reiset mit ihr ab. Ihr könnt ihren Leuten sagen, daß Ihr mit ihr eine Vergnügungstonr machen wollt und vor Abend wieder daheim sein werdet. Dann wird sie vorher nicht vermißt werden und keiner wird ahnen, wohin Ihr Euch gewendet haben werdet." „Das ist in der Tat eine ausgezeichnete Idee. Und wohin sollten lvir uns. Eurer Ansicht nach, wenden?" „Ich setze voraus, daß Ihr meine Ansicht nur im Interesse der Contessa kennen möchtet." „Selbstverständlich, einzig und allein in ihrem Interesse." „Dann kommt cs darauf an '— ich bitte sehr, Herr Graf, wollet Ihr der Contessa in meinem Namen nochmals ernstlich vorstellen, was ich ihr bereits wiederholt gesagt habe, daß sie des ewigen Heiles ihrer Seele vollkominen sicher ist, wenn sie nur alle diejenigen Gebote stets halten wird, die Gott allen Menschen gegeben hat, und daß ihr Uebertritt zuin Judentum durchaus nicht notwendig wäre. Würde es Euch gelingen, sie dem erwähnten Vorhaben abwendig zu inachen, dann könnte sie bei Euch bleiben, dann stände, außer dem Kirchenstaat, die ganze Welt ihr offen." „Das wäre in der Tat das Richtigste, was sie tun könnte. Meint Ihr nicht, daß ich sie dazu bewegen könnte?" „Ich zweifle, zweifle sehr; ich habe doch schon wiederholt mit ihr darüber gesprochen, konnte sie jedoch nicht dazu bringen, den lange gehegten Plan aufzugeben." „Dann werde auch ich sie' nicht davon abbringen, denn Euer Einflußauf sie ist größer als meiner. Wenn sie also darauf beharren wird, zum Judentum überzutreten, dann —" „Dann müßt Ihr sie vor allem warnen, in meinem Namen sie ernstlich warnen, ihr Vorhaben in irgend einem Lande irgend jemanden nritzuteilen, außer in den Niederlanden. Meines Wissens ist der Uebertritt zum Judentum in keinem anderen Staate gestattet und könnte sowohl sie selbst als auch diejenigen, die ihr dazu behilflich waren, ernstlich in Gefahr bringen. Es wäre am richtigsten, sie in die Hauptstadt der Niederlande zu geleiten und dort zu einem der Vorsteher her israelitischen Kultusgemeinde zu führen. — Das weiter» —" Die Sprache versagte ihm, es hatte ihn plötzlich übermannt. — Wie oft, o, wie oft in den letzten Jahren, hatte er sich die nun herannahende Zeit ausgemalt, in der die über alles Geliebte übertreten werde zu der Religion, für die sie begeistert war und wie er dann nach ihrem Uebertritt die Trauungsformel zu ihr sprechen werde: „Siehe, durch diesen Ring bist Du mir geheiligt nach dem Gesetz Mose und Israels." Und nun! und nun! — Ein Aechzen entrang sich seiner Brust, er hätte laut ausschreien mögen in namenloser Qual. — Statt, daß er die Geliebte als Braut umfangen sollte, sollten ihr die lodernden Flammen des Scheiterhaufens umfangen! — Rasch erhob er sich und trat zum Fenster, dem andern sein schmerzzuckendes Antlitz zu entziehen. Alles in ihm schrie ans um Hilfe zu Gott, doch seine Lippen blieben lautlos geschlossen. — Wie oft, o, wie oft hatte er dem Tod furchtlos ins Antlitz geschaut, in Epidemien, oder auch sonst bei schweren ansteckenden Krankheiten, — nie hatte er gezittert, nie hatte ihm gebangt, nie hatte sein Herz auch nur angstvoll gepocht. Und nun! — Flehend hob er die gerungenen Hände: „Hilf! o. hilf! o hilf mir, Gott!" Dann ließ er schwer die Hände sinken: „Mein Gott, dein Wille geschehe!" — Langsam trat er ^zum Tisch zurück und ließ sich wieder auf den '«esset nieder. „Beleihet! — Es hat mich überwältigt. — Trotz der mir angedichteten Teufelskünstc bin ich ja doch nur ein Mensch." „Mer was für ein Mensch!" sagte der Graf, tief erschüttert durch den sichtlichen Seelenkampf des Unglücklichen. „Nein, nein Doktor, Ihr dürft Euch nicht solch grauenvollen Gedanken hingeben, das kann der allgerechte Gott unmöglich zugeben, das ist nicht denkbar." Rabbi Jizchak zuckte die Achseln. „Der Ratschluß des Allliebenden ist unerforschlich. Bessere, größeres frommere Menschen als ich sind zu Tode gemartert worden." „Aber Ihr habt deni Heiligen Vater das Leben gerettet." „Das hat er mir längst mehr als hundertfach vergolten durch das Wohlwollen, durch die Güte, die er meinen Stammesgenossen erwiesen hat." lFottsetzung folgt.). Kaiser Friedrich Quelle - Offenbaeh tu X. - Gegen Gicht and Rhenmatlsmns bewahrt. 89“ Damenbart -MU dentactaes Reichspatent So. 196817 entfernt viel and schneller als mit Elektrolyse sofort Mhmenlos jeden unerwünschten Haarwuchs. AUein-Hiederlage der Kosm. l'abrlk KI. Wagner: Karl Ed. Ungstein, Kalsentr. 50, Franklhrt a. K i v i n Wett-Mund wasser Der Mensch heit Wohltäter. Retorte-Flasche Mk.L25 Überall erhältlich! Toiletten-Visclie in einfacher bis hocheleganter Ansführong liefert den verehrl. Dämon als SpozialltSt* Katalog gratis. F. QnM, FranSfnt a. H.. Bilm 8. Miau. 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