Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 42 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2692297-2692614-2692656--05006-2699879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
«Feite 4. Trotz mancher Schwierigkeit, der sie in der ersten Zeit begegnete, gelang es ihr, nicht nur die. Daseinsberechtigung, sondern auch Notwendigkeit, Wichtigkeit und hohe Bedeutung der Schule glänzend zu dokumentieren. Man kann ruhig und ohne jede Uebertreibung sagen, daß die Tachkemonischule nicht blos in Jaffa, sondern in ganz Palästina die populärste ist. In der Tat ist sic eine wirkliche jüdisch-demokratische Anstalt, die unbekümmert um Freund und Feind keine anderen Jntensionen kennt, als die, der hiesigen Jugend eine gründliche und gediegene Ausbildung zu geben. Die Tachkemoni verspricht daher mit Recht, die eigentliche jüdische Volksschule Jaffas zu werden. Zu bedauern ist nur, daß diese Anstalt auch nicht äußerlich das repräsentiert, was sie in Wirklichkeit ist. In erster Reihe mangelt es ihr an einem geeignetem Gebäude. Das gegenwärtige Schulgebäude ist wenig einladend und schon wegen des Raummangels für diesen Zweck nicht geeignet. Ucbcr 30 Kinder mußten zurückgewicsen werden, weil für sie kein Platz vorhanden ist. Es wäre wirklich zu wünschen, daß diesem Uebel in Bälde abgcholfen werde. 0 feuiffetoa. 0 Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. lFortsetzung). Dämmerung war bereits hercingebrochcn, als die Tür seines Zimmers sich lautlos in den Angeln drehte und der Kammerdiener des Papstes, ohne wie sonst zuvor anzuklopfen, geheimnisvoll cintrat und mit dein Zeigefinger seine geschlossenen Lippen berührend, auf den Fußspitzen näher schlich. „Rabbi," flüsterte er, „draußen ist ein Herr, es scheint ein Deutscher, der zu Euch verlangt. Wer Ihr dürft Euch nicht laut mit ihm unterhalten, denn der Großinquisitor hat mir auf die Seele gebunden, keine menschliche Seele zu Euch zu lassen. — Aber er ist nicht mein Herr, er hat mir nicht zu gebieten. Mein Herr ist der Heilige Vater, der Euch wohl will, und darum kümmere ich mich nicht um das Verbot des Kardinals. — Aber seid vorsichtig! — Ihr würdet mich und Euch in Ungelegenheiten bringen." „Seid unbesorgt, es wird kein lautes Wort hier gesprochen werden, und nehmet meinen Dank, daß auch Ihr mir wohlgesinnt seid. — Doch wollet nun den Fremden zu mir führen." Der Kammerdiener verließ schleichend, wie er gekommen war, das Zimmer. Gleich darauf ward die Tür abermals geöffnet, ein Herr trat ein, den Rabbi Jizchak bei dem bereits herrschenden Zwielicht im ersten Augenblick nicht erkannte; doch als er mit ihm näher zum Fenster kam, flüsterte er froh erregt: „Graf Turnek! — seid willkommen, Herr Graf! — Noch find es keine zehn Minuten, seit ich mit Sehnsucht Eurer gedacht habe." „Wirklich?" cntgegnete der Graf in demselben Flüsterton, „mit Sehnsucht habt Ihr meiner gedacht? — Das hätte ich nicht geglaubt, aber es freut mich um so mehr." „Woher kommt Ihr jetzt?" „Zunächst von meiner Schwester, der Contessa Graziella — Himmel! ist die schön geworden! — Mensch, was habt Ihr für ein Glück, daß Ihr sie täglich sehen könnt." „Was ich für ein Glück habe?" wiederholte Rabbi Jizchak schwer aufatmend, „das ist in Wirklichkeit eine Frage — «teilt Glück ist derart, daß ich Tirza schwerlich je ivicdersehen werde, denn Ihr stehet einem zum Feuertod Verurteilten gegenüber." Ein Laut des Entsetzens entfuhr den Lippen des Grafen. „St! st! um's Himmels willen, daß kein Laut aus diesent Zimmer hinausdringt! — Dem Machtspruch des Papstes verdanke ich es zwar, daß ich bis zum letzten Augenblick hier in seiner unmittelbaren Nähe weilen darf, aber der Großinqusitor hat Ordre gegeben, daß keine menschliche Seele zu mir gelassen werde. Nur der Güte des mir wohlgesinnten Kammerdieners Sr. Heiligkeit verdanke ich es, daß ich Euch hier bei mir sehe." „Aber der Euch wohlgesinnte Kamni erd jener wird Euch auch entfliehen lassen, in finsterer Nacht, wenn alles schläft, ich bleibe an Eurer Seite." Rabbi Jizchak schüttelte den Kopf. „Es ist unmöglich! Ich habe mein Wort gegeben, ohne ausdrückliche Zustimmung des Papstes diesen Raum nicht zu verlassen." „Herrgott im Himmel! dann seid Ihr verloren. — Aber nein, Ihr seid doch der anerkannte Günstling des Heiligen Vaters, er wird Euch sicherlich die Flucht gestatten —" „Wenn er das könnte, würde er es sicherlich tun. Wer er hat dem geistlichen Gericht sein Wort verpfändet, dessen Vorgehen mir gegenüber nicht weiter entgegen treten zu wollen." „Entsetzlich! >vie hat er das tun können?" „Ihn trifft keine andere Schuld, als die, mir frankfurter Israelitisches Familienblatt. keine solche Duminheit zugetraut zu haben, wie ich sie tatsächlich mir zu Schulden habe kommen lassen." „Ihr hättet eine Dummheit begangen, Doktor? Das glaube ich nicht, das halte ich für unmöglich. Wessen seid Ihr denn angeklagt?" „0, nur einer Kleinigkeit; daß ich mit dem Teufel im Bunde stehe, der mir bei meinen Operationen helfe." „Wahnwitziges Gesindel! — Aber ich wollte eigentlich nur wissen, welcher Dummheit Ihr selbst Euch anklagt." „Von der werdet selbst Ihr mich nicht freisprechen können. Der Euch bekannte Pater Ansclmo, der uns auf der Herreise begleitet, hat sich nämlich unterwegs bemüht. Euere Schwester italienisch zu lehren. Ich habe zugehört, und da ich der lateinischen Sprache mächtig bin, war es mir selbstverständlich sehr bald ein Leichtes, mich ziemlich korrekt im Italienischen auszudrücken. Das hat der Pater nicht begreifen können, er hat behauptet, ich hätte längst italienisch sprechen können, hätte mich nur ihm gegeiiüber unwissend gestellt, und da — vermutlich in Erinnerung dessen, ivessen man Tirza damals beschuldigt hat — habe ich, ich erinnere mich nicht mehr genau, ob ich, selbstverständlich im Scherz — nur zugegeben oder, angedeutet habe, daß der Teufel mir dabei behilflich gewesen wäre." ,^Herr Gott im Himmel! Das war in der Tat eine gewaltige Dumntheit; der hätte ich Euch nie fähig gehalten!" „Ihr habt mich für zu gescheidt dazu gehalten? — Wer Ihr vergesset, daß es eine bekannte Tatsache ist, daß, wenn ein Gescheidter einmal eine Dummheit begeht, dann begeht er auch eine rechte." „Schrecklich! schrecklich! — Und dieses eine unbesonnene Wort solltet Ihr mit dem entsetzlichsten Tode büßen müssen? — Grauenhaft! — Und Ihr habt alle Hoffnung aufgcgeben?" „Keineswegs, wir Aerzte hoffen, so lange wir atmen. Und ich glaube auch mit Äestitnmtheit, daß der Papst sein Möglichstes tun wird, mich zu befreien. Aber er hat der Inquisition sein Wort verpfändet, und ich habe ihm mein Wort verpfändet. — Von Flucht, oder überhaupt von krummen Wegen kann daher keine Rede sein. — Ob man aber unter den obwaltenden Verhältnissen auf gradem Wege etwas erreichen könnte, — das erscheint mir zum mindesten sehr zweifelhaft.'" „Großer Gott! großer Gott!" Der Gras preßte beide Hände gegen die Stirn, „ich kann es nicht fassen! ich kann's nicht! — Saget mir doch, Doktor, Ihr seid doch sonst ein so gescheidter Mann, warutn seid Ihr nicht längst geflüchtet, wo Ihr längst gewußt habt, daß Ihr von Gefahren umgeben seid. Die Contessa hat mir geklagt, daß sie in beständiger Angst und Sorge um Euch ist, und daß sie Euch schon wiederholt dringend gebeten hat, diesem unglückseligen Lande den Rücken zu kehren. Warum habt Ihr das nicht getan?" „Warum ich das nicht getan habe?" wiederholte der Rabbi, indem eine leichte Röte sein ausdrucksvolles Angesicht überzog, „weil ich schon seit länger als einer Woche die Auflösung des Kardinals täglich erwartet habe und noch erwarte, — und weil ich mich in diesen! Falle verpflichtet gehalten hätte, der Contessa stützend zur Seite zu stehen. — Darum, ich sagte es Euch doch vorhin, habe ich erst in Dieser Stunde mit Sehnsucht an Euch gedacht, daß Ihr, wenn ich es nicht könnte, sie schirmen und schützen möget." „Habet Dank für das Vertrauen, das aus Euern Worten spricht und seid überzeugt, daß ich mich glücklich schätzen würde, ivenn ich der Contessa von Nutzen sein könnte. Wer glaubet Ihr denn, daß sie in Gefahr wäre, wenn der Kardinal nicht mehr da wäre?" Rabbi Jizchak zuckte die Achseln. „Es koinmt darauf an, was man unter dem Wort Gefahr versteht. Die Contessa ist Universalerbin eines ungeheuren Vermögens. Der Kardinal hat seinen Vetter Don Conte Borghese zum Vormund seiner angeblichen Nichte ernannt, und der Sohn des Conte Borghese hat sich schon längst um die Gunst der jungen Erbin bemüht." „Mit Erfolg? — Ist die Contessa ihm gut?" Rabbi Jizchak zögerte einen Moinent mit der Antwort, dann sagte er: „Ich glaube, ich darf Euch volles Vertrauen schenken." „Das dürft Ihr, seid überzeugt, ich werde dasselbe zu rechtfertigen suchen." „Nun denn, vernehmet! Die Contessa hat die feste Wsicht, so bald sic selbständig sein wird, zu dem Bekenntnisse überzutreten, in dem sie erzogen worden ist. — Sie hat es längst wollen, bisher habe ich sie zurückgehalten —" „Was? Ihr, Ihr habt sie zurückgehalten, zu Eurem Glauben überzutreten?" „Gewiß, im Hause des Kardinals hätte sie doch ihren Pflichten als Jüdin vielleicht nicht Nachkommen können." »Ja so, davon verstehe ich freilich nichts. Wer wenn nun der Kardinal nicht mehr da sein wird, in welcher Beziehung ig laubet Ihr, daß ich ihr von Nutzen sein könnte?" „Genau weiß ich das selbst nicht. Wer ich glaube, der Vormund wird alles mögliche aufbieten, die Erbin zu bewegen, seinen Nr. 42. Sohn zu heiraten. Du ihm dieses voraussichtlich nicht gelingen wird, wird er das große Vermögen, das er von jeher als zu seiner Familie gehörend betrachtet hat, für verloren halten, so lange die angebliche Nichte des Kardinals am Leben ist. — Begreift Ihr jetzt? — Die Verhältnisse dieses Landes werden nur allzu oft durch den Dolch oder durch Gift geregelt." — Aschfarbene Blässe hatte das sonst frische Angesicht de» Grafen überzogen, einige Augenblicke war er sprachlos vor Entsetzen. Dann aber schüttelte er abwehrend den Kopf. „Ihr geht zu weit, Ihr sehet'zu schwarz." „Möglich, daß ich zu weit gehe und zu schwarz sehe. Aber wenn man den Wehrlosen schützen will, muß man alle erdenklichen Möglichkeiten in Betracht ziehen." lFortsetzung folgt.). Hateer!*'rtetfrlc& Quelle - Offeubach a. M. > Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Damenbart "Bfi deutsches Keiclispalent Xo. 196617 entfernt viel einfach und schneller als mit Elektrolyse sofort schmerzlos jeden unerwünschten Haarwuchs. Allein-Niederlage der Kosm. Fabrik 11. Wagner: Karl Ed. Augstein, Kaiserstr. 50, Frankfurt a. H. Toiletten-Tische in einfacher bis hocheleganter Ausführung liefert den verehrl. Damen als Spezialität. Katalog gratis. F. EioM, Fiaifmta Utas» 3. Ausstellung. Wocheu-Saleirver. (Zeitangaben nach dem l,nach.) Samstag, dm 6. November (— 22. Cheschwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 40 Min. .in Berlin 5 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Chaje-Soro. — Der Tod Saras, die 127 Jahre alt wurde. Der Kauf der Höhle Machpela. Abraham erwirbt diese Höhle von den Chitern. 400 Schekel zahlt er Efraun, der sich anfangs den Anschein gab, als wollte er die Höhle schenken. Die Höhle wird Familiengruft Abrahams. Sie befindet sich zu Hebron. (Die Türken bewachen sic heute noch als Heiligtum.) — Jsaks Heirat. Nicht von den heidnischen Mitbürgern Kanaans soll Jsaks Frau sein. Um in Abrahams Familie zu passen, soll sie an ihrer Gastfreundschaft erkannt werden. Abrahams Knecht Elicser zieht mit zehn Kamelen, beladen mit kostbarem Gut, nach Mesopotamien. - Seine Sendung ist beglückt in jeder Art. Er betet, und Gott schickt ihm Rebekka zu, die Tochter Betuels, eines Verwandten seines Herren. Sie ist sehr gastfreundlich, will unaufgefordert alle Kamele tränken. Eliescr übernachtet in Betuels Haus. Am anderen Morgen zieht er mit Rebekka ab. Jsak komint entgegen. Er führt die junge Frau in Saras Zelt und findet in ihr tröstenden Ersatz für seine Mutter. — Abraham nimmt ein zweites Weib, Ketura. (Der Tradition nach Hagar!) Deren Nachkommen werden ausgczählt, darunter Fürstengeschlechter. Abrahams Tod. Er stirbt im Alter von 175 Jahren. Jsak und Jischmael begraben ihn in die Höhle Machpela. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial-Gesebäft für Haiu. Zeiehen-Utensilien. Holzbrand-.Kerbsebnilt-,Tarso-a. Batik-Artikel. Ottent>ac»<?r DrucRluft - Unlage Telefon 123. Ottenbach a. 18. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Topplchrolnlgung. FamUiermachrichte«. Seburte«. Einen Sohn, Herrn Rechtsanwalt Dr. H. Frank (Jonas), Köln. Einen Sohn, Herrn Alfred Katz (Lehr), Frankfurt, Lindenstr. 15. Eine Tochter, Herrn Julius Emsheimer (Maier) Karlsruhe. Eine Tochter, Herrn Joseph Sänger (Hirsch), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Hermann Frankenthal (Meyer), Frankfurt. Einen Sohn, Herrn Rechtsanwalt Dr. Neu (Gutmann), Metz. Eine Tochter, Herrn Rabb. Dr. Wolf (Auerbach), Köln. Eine Tochter, Herrn Dr. Max Arndt (Jastrow), Nicolassee.