Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 41 (29.10.1909)
- Date
- 1909-10-29
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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?32S6Äfcss^s^3S^S5S5SS^^SHHü!SSH Ecke 10. Frankfurker Fsraelittsches Familienblatt. Nr. 41. licht fiel, daß es im Rahmen eines kurzen Referats unmöglich ist, auch nur annähernd die wichtigsten Punkte herauszugreifen. Doch hoffen wir, daß Redner seinen Vortrag, der in überaus klarer und überzeugender Weise das Thema behandelte und eine meisterhafte Beherrschung des gewaltigen Stoffes "zeigte, dem Drucke übergibt. Frankfurt a. M. Ein .Verein selbstständiger Handwerker jüd. Glaubens" hat sich hier gebildet. Sein Zweck ist: 1. Austausch von Erfahrungen, 2. Bekämpfung der bestehenden Vorurteile gegen jüd. Handwerker, 3. Einwirkung an maßgebenden Stellen, bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen tunlichst jüd. Handwerker zuin Mitbewerb hermizuziehen. Die Sitzungen des neuen Vereins finden jeden Montag Abend 9 Uhr im Restaurant Seligmaiin (Klingerstr. 28) statt. Frankfurt a. M. Die Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit 1905 veranstaltet gemeinsam mit der Frankfurter Ortsgruppe des deutschen Schillerbundes am 14. November d. I. im großen Saale der Frankfurt-Loge eine Schillerfeier, zu der die Vorbereitungen schon in vollem Gange sind. Wie uns mitgeteilt wird, soll unter Leitung des Herrn Alfred Auerbach vom hiesigen Schauspiel der zweite Akt von „Kabale und Liebe" aufgeführt werden. Für die Festrede haben die Veranstalter Herrn Professor Ernst Keller gewonnen. Auch wird eine Apotheose zur Aufführung gelangen, zu der Herr Josef Thyssen von der hiesigen Oper eigens eine Musik geschrieben hat. Allem Anschein nach, haben wir hier eine dem großen Genius würdige Feier zu erwarten. Aus -er zionistischen Bewegung. ■ Frankfurt a. M. Die Vorcrbe-ten zu einer großzügigen Makkabäerfeier sind bereits im vollen Gange. Als Saal ist wieder der große Saal des Kaufmännischen Vereins gemietet worden, und zwar für Mittwoch, den 8. Dezember. Die Rede hat Herr Dork-Steiner aus Wien übernommen. Köln. Von der Sitzung des Großen Aktionskomitees sei noch berichtet: Präsident Wolffsohn teilte mit, daß Dr. Nord au sich bereit erklärt habe, einen Vortrag außerhalb des Kongresses in Hamburg zu halten. Die jüdischen Studenten wollen in Hamburg einen Festkommers veranstalten. Ferner sei ein Schauturnen der jüdischen Turner geplant. Das Aktionskomitee erklärte sich damit einverstanden, den „Misrachi" und die „südslavische Landesorganisation" als besondere Föderationen anzuerkennen. Köln. Auf der Generalversammlung des Jüd. Nationalfonds, die hier gelegentlich der Sitzung des Nationalkomitees stattfand, sprach sich Dr. Bv/denheimer, der Vorsitzende, über das Verhältnis des Nationalfonds zum hebräischen Gymnasium in Jaffa wie folgt aus:' „Gemäß Beschluß der Generalversammlung sowie der Direktoriumssitzung vom März 1909 wurde seitens des Nationalfonds der Betrag von 30 000 Francs zur Erwerbung des Grundstücks für das von Herrn Jac. Moser zu errichtende Gebäude für ein hebräisches Gymnasium zur Verfügung gestellt. In einem mit Herrn Moser abgeschlossenen Vertrage wurde festgesetzt, daß das Gebäude samt Grundstück auf den Nationalso« d s übertragen wird. Es wurde ferner in dem Vertrage vereinbart, daß Grund und Gebäude dem derzeitigen Kuratorium des hebräischen Gymnasiums zunächst für fünf Jahre, vom Datum der Uebernahme an gerechnet, mietfrei (jedoch vorbehaltlich der Rückerstattung von Reparaturkosten des Gebäudes) zur Benutzung überlassen werden. Rach dieser Frist soll das.Mietsverhältnis von fünf zu fünf Jahren erneuert und die Höhe der Miete und der sonstigen Unkosten dann jedesmal zwischen dem Nationalfonds und den Mietern vereinbart werden. Der Vertrag enthält weiter die Bestimmung, daß das Gebäude durch 50 Jahre für die Zwecke einer hebräischen Schule benutzt werden muß. Aus den zitierten Bestimmungen dieser Vereinbarung geht hervor, daß die seitens der Misrachisraktion dieserhalb gegen den Nationalsonds gerichteten Angriffe völlig ungerechtsertigt sind. Der N.-F. hat nicht etwa dem hebräischen Gymnasium ein Geschenk gemacht, sondern von einem hochherzigen Gönner des Nationalfonds sowie des hebräischen Gymnasiums ein mit großen Kosten errichtetes' Gebäude als Geschenk erhalten, mit der Zweckbestimmung, daß dasselbe durch 50 Jahre für Schulzwecke dienen soll. Die Verwaltung des Jüd. Nationalfonds hätte pflichtwidrig gehandelt, wen» sie dieses Geschenk nicht dankbar angenommen hätte. Es darf deshalb erwartet werden, daß diese Angelegenheit nach dem geschilderten Abschluß nicht mehr Gegenstand unerquicklicher Auseinandersetzungen sein wird." London. Letzten Samstag ist im Stadtteil Whitechapel die neue zionistische Halle eingewei ht worden. Bäronet Sir Franzi s Montefio re, Ehrenpräsident der zionistischen Föderation und Präsident der sephardischcn Gemeinde, nahm die Einweihungszeremonien vor, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimcr-Köln und die lokalen Führer ergriffen das Wort, und ein Kinderchor sang hebräische Lieder. New-Aork. Die vierte Jahreskonferenz der Poalei Zion ivurde von Awranin eröffnet. Sodann sprachen Dr. S y r k i n und A. G old - b e r g, bisherige Führer der Sozialisten-Territorialistcn, über die Vereinigung der radikalen national-jüdische «Parteien (Sozialisten-Territorialisten und Sejmisten). Dr. Syrkins Rede gipfelte in der Erklärung, daß der von ihm selbst früher vertretene territorial!stische Standpunkt Zangwill s, die Juden müssen irgendwo in der Welt ein Kolonisationsgebiet suchen, aus einem Irrtum beruhe. Die historische Verknüpfung der Juden mit Palästina sei unzerstörbar. Goldbcrg sagte u. a.: „Die russische Revolution hat uns getrennt, die türkische Revolution aber hat uns wieder vereinigt. In den letzten Jahren sind europäische und asiatische Völker erwacht. Der Jude, der sowohl mit Europa wie auch mit Asien verbunden ist, handelt in bestem Sinne im Geiste der Zeit, wenn er seine wirkliche nationale Freiheit erstrebt." Dr. Schitlowsky, das geistige Haupt der sogenannten „Sejmisten" (die eine politisch-kulturelle Autonomie für die Juden in ihren gegenwärtigen Wohnländern erstreben), erläuterte in wirkungsvoller Weise seine Entwicklung zur zionistischen Anschauung. Das Vereinigungsprogramm wurde nach eingehender Diskussion a n genommen, der Name „Poalei Zion" in „Jüdische Arbeiterpartei" umgetvandelt und die Zentrale der Partei nach Palästina verlegt. Außerdem nahm die Konferenz folgende Resolutionen an: „Die nationale Arbeit in den Exilländern bleibt eines der Hauptgebiete in der Parteitätigkeit." „Der jüdisch-deutsche Jargon und Hebräisch sind beide in gleicher Weise Sprachen des jüdischen Volkes." New-Aork. N a p b t a l i Herz I m b e r, der Dichter der jüdischen Nationalhymne „Ha' Tikwah", ist nach langer Kränklichkeit g e st o r b e n. 1856 in Zloczow (Galizien) geboren, begann Jmber bereits in jungen Jahren ein Wanderleben. Er kain nach Wien und Konstantinopel und mit Laurence Oliphant nach Palästina. 1888 ging er nach England und 1692 nach Amerika. Er Ivar journalistisch tätig; in Boston gab er eine zeitlang eine Zeitschrift Uriel heraus; auch sind von ihm u. a. zwei Bände Gedichte und drei Bücher über die assyrischen Länder erschienen, welch' letztere von der Regierung auf Staatskosten herausgegeben wurden. Auf allen zionistischen Zusammenkünften war seine interessante Erscheinung eine bekannte Figur. Das Gefolge bei Jmbers Leichenbegängnis war so groß, daß 200 Polizisten Ordnung halten mußten. Aus der Lehrerwett. Cassel. Die Stadtverordneten erhöhten den Zuschuß zur israel. Schule von 180 auf 340 Jk London. L. B. Abrahams, der ehemalige Rektor der Jüd. Frcischule, feierte seinen 70. Geburtstag. New-Aork. Rabbiner Falk Bidaver, bekannt durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, ist — 65 Jahre alt — gestorben. Buute Chronik. Angela Heilprins Anteil an de.r Entdecknng des Nordpols. Im „Jewish Exponent" schreibt Louis Edward Levy über den Anteil, den Angela Heilprin an den Erfolgen Cooks und Pearys hat, folgendes: Anläßlich der Mitteilung, daß der Nordpol entdeckt worden sei, wird jetzt in Tages- und Fachblättern viel über die Geschichte der arktischen Forschungen geschrieben, aber fast gar nicht oder nur vorübergehend des Anteils gedacht, den unser Glaubensgenosse Angela Heilprin gerade an den Erfolgen der beiden um die Priorität streitenden Polarforscher Cook und Peary gehabt hat. Heilprin war es, der die erste Peary^Expedition im Jahre 1891 organisierte, mit welcher Cook seine erste Nordlandreise als Arzt mitmachte. Ebenso war cs Heilprin, der im Jahre 1892 die Expedition zur Rettung Pearys in das Eisgebict über Grönland hinaus organisierte und leitete. Mit welchem Erfolge sollte ja bekannt sein. Es gelang Heilprin die steckengebliebene Expedition Pearys zu befreien und ihn samt allen Teilnehmern inklusive Cook heil heimzubringen. Und schließlich war es Heilprin, der die Geographische Gesellschaft in Philadelphia und später die Geographische Gesellschaft für Amerika ms Leben rief, die dann das von ihm begonnene Werk fortsetzten. Die Stellung, die Heilprin in Vieser Frage gebührt, kann wohl nicht nachdrücklicher gekennzeichnet werden, als die Worte, die Kommandant Peary anläßlichdes allzusrühen Todes Heilprins am 17. Juli 1907 über ihn selbst schrieb: „Meine eigene Verpflichtung Heilprin gegenüber ist besonders groß. Mehr als jemand anderem ist Angela Heilprin der rührige Anteil Amerikas an den arktischen und antarktischen Arbeiten während der letzten fünfzehn Jahren zu danken. Nur seinem Interesse und seinem Glauben an meinen erste» Plan, den ich im Jahre 1891 der Akademie der Naturwissenschaften vorlegte, habe ich es zu danken, daß die genannte Organisation meinen Plan sich zu eigen machte und daß das Interesse für Pvlarforschungen seit dieser Zeit immer mehr anwuchs." Kunst und Literatur. Frankfurt a. M. Am -16. dss. Monats gelangte am hiesigen Opernhause „Das heiße Eis e n", Fastnachtsspiel nach Haus Sachs, in der Vertonung von Max Wolfs, zur Uraufführung. Neben dem künstlerischen führte uns auch nicht geringes persönliches Interesse in die Oper. Ist doch „Das heiße Eisen" das musikalisch-dramatische Erstlingswerk eines laum 23jährigen Frankfurters < aus angesehenem jüdischen Hause. Hat auch der Inhalt des launigen Stückes mit Judentum oder Judeuhcit absolut nichts zu tun und läßt sich auch in der Musik Wolfss beim besten Willen nichts finde», >vas inan als jüdische Eigenart bezeichnen könnte, so begrüßten wir dies Werk doch gerade als Juden mit wahrhafter Freude. Beweist doch jedes neue gute Produkt auf dem Gebiete der Tonkunst aus der Feder eines jüdischen Musikers immer deutlicher, daß das von — dem als Mensch so kleinen — Nich. Wagner propagierte und.noch heute nicht ganz behobene Vorurteil, der Jude sei zu prodilktiver Kunst ilntauglich, lächerlich und jeder Begründung bar ist. Die Musik Wolfss fand bei der Erstaufführung" reichen Beifall; aber auch die berufene Kritik der hiesigen namhaften Tagcsblätter zollte ihr wohlverdiente Anerkennung, mit der auch wir nicht.zurückhalten wollen; An der Wolff'schen Komposition hatten wir nur das Eine zu bedauern, daß sie für die einfache Handlung des Fastnachtsspieles zu bedeutsam, zu prunkvoll ist. Abgesehen davon, bot uns die Aufführung in manchen Momenten künstlerischen Genuß. Wolfs verfügt vor allem über ein in Anbetracht seines jugendlichen Alters geradezu erstaunliches musikalisches Charakterisierungs - Vermögen. Bezüglich des Stiles seiner Oper, des Arbeitend mit Leitmotiven, befindet er sich zwar noch in starker Abhängigkeit des Bayreuther Meisters, dessen „Meistersinger" es ihm augenscheinlich besonders angetan haben. Aber das Ringen nach individueller Gestaltung ist unverkennbar. Als ein Vorzug ist es entschieden zu bezeichnen, daß Wolfs nicht — gleich unseren modernsten Wagner-Epigonen — jeden melodischen Fluß ängstlich meidet, vielmehr dein nicht wegzuleugnenden Bedürfnis der großen Menge nach Ruhepunkten für das Ohr Rechnung trägt. Wenn er sich hierin von den „Modernsten" nicht irre machen läßt, so kann er in künftigen Werken auch den Weg zum Herzen des Volkes finden. Wir sehen der weiteren Entwickelung des jungen Künstlers mit Spannung entgegen. Dr. L. Spenden. Bei der Expedition gingen für den Nationalfonds ein: Sorin und Weinberg gratulieren Herrn Lehrer Schwab und Frau zur Hochzeit ihres Sohnes 1,— Jk Frau Wolpe nebst Tochter anstatt Depesche zur Hochzeit Dr. Marschak / Gottlieb 0,50 „ Vereins-Kalender. Samstag. „Montefiore"-Verein, 101/2 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May). — Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Vorlesung aus Sefer Schauftim (Prof. A. Weyl); 31/2 Uhr, Schützenstraße 2: Mikro-Vortrag. Sonntag. Hatchijoh, 51/4 Uhr: Die Juden unter Chmielnicki (Gilwein), Die sozialen Aufgaben in Palästina (Geis). — Jüd.-Deutsche Theater-Truppe aus Amerika, 8 Uhr, Rechneisaal: Bar Kochba, Oper in 4 Akten. — Verein „Tiferes Bachuri m", 83/4 Uhr, Hermesweg , 25/27': Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden im Reiche Karls des Großen (Äax Mainz). Montag. VereinfürjüdischeGeschichtc und Literatur, 83/i Uhr, Frankfurt-Loge: Gekrönte Proselyten im Judentum (Rabb. Dr. Doctor- Cassel). Mittwoch. ,.Montefiore"- Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Die Geschichte der jüdischen Wohltätigkeit (Dr. B. May). — Verein „Nachlaß Zwi" und Jüd. Frauenvereinigung, 9Uhr, Langestr. 26: Zur Geschichte der jüdischen Belletristik (Red. S. Schachnowitz).