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Neue jüdische Presse · 1909-10-15 · Heft 39 (15.10.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 39 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Leite 5 *r. 39 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. jüdische M o s ch c I" und erntete bei dem sehr zahlreich erschienenen Publikum den größten Bcisall. 0 lnik 0 Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich. Rott. (Fortsetzung). „Der Heilige Vater hat Euch sein Vertrauen ausgesprochen — das habt Ihr leicht errungen. — Ihr sprächet ihm nach dem Munde." Dunkele Glut überzog für einen Moment das ausdrucksvolle Angesicht des Arztes. „Ew. Eminenz! Nie habe ich einem Menschen nach dem Munde gesprochen! — Ich spreche immer und habe auch heute nach bestem Wissen und Gewissen gesprochen." „Und Ihr wurdet es wagen, die Behandlung des Heiligen Vaters zu übernehmen?" „Wenn mir dieselbe übertragen würde. . ." „Ihr schrecket nicht zurück vor der großen, vorder schweren Verantwortung? — Bedenket, was Ihr im Begriffe seid — die drei ersten, die drei tüchtigsten Acrzte des Kirchenstaats erklären einstimmig Aderlaß für das einzige Nettungsmittcl, — und Ihr erklärt, nicht zugeben zu wollen, daß dem Patienten auch nur ein Tropfe» Blut entzogen werde." „Weil eS ein Mord wäre, ein entschiedener Mord, davon bin ich fest überzeugt. Der alte Mann ist nicht mehr imstande, einen größeren Blutverlust zu ertragen, das fühlt er instinktiv, darum hat er sich dagegen gewehrt — zu seinem Glücke." Der Kardinal war ratlos. „Aber die hiesigen Aerzte —" „Verkennen die Situativ», ihre Diagnose ist falsch. Nochmals wiederhole ich, der Zustand des Kranken ist peinlich, doch lebensgefährlich ist er augenblicklich nicht. Lasset Ihr jedoch meine blutgierigen Kollegen walten, so kann im Handumdrehen die Katastrophe cintreten. — Ihr kennt nun meine Ansicht — und damit Gott beföhle»! — Ich habe hier weiter nichts zu tun." Er war im Begriffe das Zimmer zu verlassen, als vom Bette her ein Geräusch laut ward. Der Kranke hatte die, wenn auch leise geführte, doch erregte Unterredung der Männer beobachtet und den Inhalt derselben erraten, als er gewahrte, daß der fremde Arzt sich entfernen wollte, winkte er seinem Kammerdiener mit den Augen und dieser neigte sich zu ihm. „Der Fremde soll bleiben," flüsterte der Kranke mit sichtlicher Anstrengung, sich möglichst laut verständlich zu machen, „ich befehle cB! — er soll mich behandeln — die andern können gehen." Alle Anwesenden hatten die Worte vernommen. Fragend blickte Rabbi Jizchak den Kardinal an. Ein Achselzucken unterdrückend erwiderte der Prälat: „Seine Heiligkeit hat befohlen! — Wendet Euch jetzt nun an den Kammerdiener, daß er für alles sorge, was Euch notwendig erscheint." Dabei winkte er dem Kammerdiener, der sofort auf den Fußspitzen herbeieilte. „Was befehlt Ihr Signore? — cs wird alles schleunigst zur Stelle sein." „Könntet Ihr einen Kübel Eis hcrbcischaffen lassen?" „Warum nicht, wir habe» einen ausgezeichneten Eiskeller." „Und' dann, bitte, einige mittelgroße Leinentncher!" „Ihr werdet staunen, Signore, wie rasch das Gewünschte hier sein wird," erwiderte der Kammerdiener und eilte mit raschen, unhörbaren Schritten hinaus. Gleichzeitig mit ihm entfernten sich die beiden älter» italienischen Aerzte. Ihr haßerfüllter Blick traf wie mit magischer Kraft den des Rabbi und mahnte ihn, daß er sich in einem Lande befand, in dem Gift und Dolch mit der Staats-. gewalt um die Herrschaft stritten. Er änderte daher sofort sein Vorhaben; er war nämlich soeben im Begriffe gewesen, das Rezept zu einer Medizin für den Patienten zu schreiben, das in der naheliegenden Apotheke hätte bereitet werden sollen. Er zerriß aber das bereits beschriebene Papier und schrieb nur die Namen einiger Kräuter auf, von denen er eigenhändig einen heilbringenden Trank zu bereiten beabsichtigte. Als der Kardinal den jüngsten der italienischen Acrzte, der sich nicht mit seinen Kollegen entfernt hatte,_ erblickte, trat er zu ihm. „Ihr könnt Euch gleichfalls entierncn, Signore, Eure Hilfe wird nicht mehr gewünscht, Ihr habt doch zweifellos die Worte des Heiligen Vaters vernommen." „Allerdings habe ich die Worte Seiner Heiligkeit vernommen, aber ich wäre dankbar, wenn mir gestattet würde, hier zu verweilen, das Verfahren des fremden Arztes zu beobachten, denn seine Erläuterungen leuchten mir ein und ich stehe nicht an zu bekennen, das; ich seine Diagnose für die richtige halte und sehr gespannt bin aus das Verfahren, das er einschlagen wird." Der Kardinal atmete tief auf, wie von schwerer Sorge befreit, denn bis jetzt hatte er seine Voreiligkeit verwünscht, einen unbekannten fremden Arzt dem Oberhaupt der Christenheit empfohlen zu haben. Doch daß einer der bedeutendste» inländischen Aerzte die Diagnose des Fremden als richtig anerkannte, das war in den Augen des Prälaten bereits ein bedeutender Erfolg? Jetzt hoffte er, nichts fürchten zu müssen. „Seine Heiligkeit wird sicher nichts dagegen haben, daß Ihr hier verweilet." Das Eis war in' Wirklichkeit überaus rasch zur Stelle, und Rabbi Jizchak machte sich sofort an die Arbeit. Zuvor hatte er noch dem Kammerdiener den Zettel übergeben, auf den er die Namen der verschiedenen Kräuter geschrieben hatte und hatte ihn ersucht, jede Sorte gesondert besorgen lassen zu wollen. Dann nahm er ein Leinentuch, legte dasselbe achtfach zusammen, tauchte es in Wasser, drückte cs fest ans und kühlte cs auf dem Eise. Dann trat er zu dem Bette, „Ew. Heiligkeit wolle nicht erschrecken, ich werde ein auf Eis gekühltes feuchtes Tuch auf Euer Haupt legen, es soll demselben die übermäßige Hitze entziehen." Aber der Kranke fuhr dennoch zusammen, als die eisige Kälte seine glühende Stirn berührte. Doch schon nach einigen Augenblicken atmete er wie erleichtert tief auf. „Dank Euch!" flüsterte er, „das tut gut." Einen gleichen kühlenden Umschlag legte der Arzt dem Kranken auf die Brust, den er jedoch etwas länger liegen ließ, während er den Kopfumschlag eilte drei bis vier Minuten erneute. Die Anwesenden staunten, mit dieser Energie hatte noch keiner eine derartige Behandlung gesehen, aber das Antlitz dcö Kranken ward zusehends klarer. „Ihr müßt ermüden, Herr Kollege," sagte der heimische Arzt, näher tretend, „wenn Ihr Euch ansrnhcn wollt, wäre ich gerit bereit. Eure Stelle zu vertreten: ich weiß jetzt, wie Ihr's macht und glaube mit Euch an einen guten Erfolg, Ihr könntet Euch ans mich verlassen." „Besten Tank, Herr Kollege, ich nehme Euer freundliches Anerbieten gern an, nicht weil ich ermüdet wäre, sondern weil ich eine Medizin bereiten möchte." „Entfernt Euch mcr unbesorgt!" Ter Rabbi nahm die verschiedenen Kräuter, die der Kammerdiener ihm übergeben hatte und entfernte sich lautlosen Schrittes. Traußen im Vorzimmer ward er sofort von den dort Weilenden umringt, die ihn mit Fragen nach dem Befinden des Papstes bestürmten, denn cs war bereits bekannt geworden, daß der fremde Arzt auf ausdrückliches Verlangen des Kranken die Behandlung desselben übernommen hatte und daß wenigstens der Beginn derselben einen günstigen Eindruck mache. Er sprach die Hossnnug ans eine baldige Genesung aus und ersuchte die ihn zunächst Stehenden, ihm den Weg zur Küche anzngebcn, wo er dem hohen Kranken ein Heilmittel bereiten wolle. Sofort erklärten sich mehrere bereit, ihn in die Küche zu geleiten, und auch dort beeilten sich alle, seinen Wünschen zu entsprechen, denn man vermutete in ihm bereits den zukünftigen Günstling des mächtigsten Kirchenfürsten. Als er niit dem Heiltrank zurückkam, nahm er mit einem Zeichen des Dankes gegen den Äollegen — der Kranke schlief nämlich — seinen Platz am Bette wieder ein und setzte die kühlenden llmschläge fort, und als der Patient bald darauf erwachte, füllte er ein Gläschen bis zur Hälfte nrit der Mediziir und indem er den rechten Arm unter das Kopfkissen schob, hob er den Kopf des Kranken ein wenig und brachte ihm das Gläschen an die Lippen. „Ew. Heiligkeit, ich möchte sehr bitten —" Der Kranke schien im Begriffe, der Aufsordernng des Arztes zu entsprechen, doch plötzlich preßte er die Lippen fest zusammen und lehnte den- Kopf weiter zurück. „Woher koimnt die Medizin? wo ist sie bereitet?" fragte er hastig. „Ich selbst habe die Medizin bereitet, eigenhändig in der päpstlichen Küche Ew. Heiligkeit, ich möchte sehr bitten." Wohlwollend blickte der Papst zu ihm empor. „Zn Euch habe , ich Vertrauen." Dann leerte er das Gläschen. Rach Verlaus einer halben Stunde reichte ihm der Rabbi ein zweites Gläschen und nach abermals einer halben Stunde ein drittes, dabei wurden die Umschläge unaufhörlich fortgesetzt. Als der Abend hereinbrach, erkannte auch die Umgebung des Krauten, daß jede Gefahr vorüber, denn er sprach mit den ihm zunächst Stehende» fast wie gewöhnlich. „Wir schulden Euch größten Dank," erwiderte er dem Kardinal, der eben im Begriffe ivar, sich für die Nacht von ihm zu verabschieden. „Ihr habt uns den Retter zugesührt, der neues Leben durch unsere Adern geleitet hat. Allergrößten Dank schulden wir freilich dem Retter selbst," fügte er hinzu, indem er dem Rabbi freundlich zunickte. „Ew. Heiligkeit wolle verzeihen," versetzte Rabbi Jizchak, „aber ich kanir so großen Dank nicht annehmen; mit Nichten habe ich Euer Leben gerettet, denn dasselbe war nicht in Gefahr, nur durch Entziehung des Lebenfaftcs wäre dasselbe mutmaßlich in Gefahr geraten." „So schulden wir Euch nicht geringen Dank dafür, daß Ihr die uns angedrohte Blutentziehung nicht zugegeben habt." „'Auch dafür gebührt mir kein Dank, der Scharfblick Ew. Heiligkeit selbst hatte die Gefahr eines Aderlasses erkannt und sich dagegen gewahrt." „Das ist atterdings richtig," entgcgnete der Papst lächelnd, „aber wer weiß, wie lange ich mich noch dagegen hätte wehren können, und dann — Add io, du schöne Erdenwelt! — Alle meine Freunde haben nrich doch gedrängt, dem Dränge» der bewährten Aerzte nachzugeben. — Rein, nein, ivir werden es nie vergessen, wie Ihr, vielleicht Euch selber unbewußt. Eure Hände schützend über uns auSgestreckt. — Dafür werden wir fortan unsere Hand schützend über Euch halten — über Euch und über Euer Volk — denn wir glauben nicht zu irren, Ihr gehört dem Stamm Israel an." Rabbi Jizchak verneigte sich zustimmend. „Ich möchte aber doch kehr bitten, Ew. Heiligkeit wolle für heute nicht mehr viel reden, die Nachtruhe könnte dadurch gestört, das Fortschreiten der Genesung gehemmt werden." „Ich werde Euch folgen," versetzte der Papst huldvoll. Dann leerte er gehorsam das Medizingläschen, das der Arzt ihm wiederum an die Lippen hielt, winkte den Umstehenden »wie zum guten Nachtwunsch und schloß die Augen. Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Uoelie —: Offenbach a. Ä. - Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. | Welt-Mundwasser. Der Menschheit Wohltäter. Retorte-Flasche Mk.125 Überall erhältlich! Voiletten-Visclie in einfacher bis hocheleganter Ausführung liefert den verehr], OantBtI alsSpexialitStm Katalog gratis. f, Eiitodi, Hort sl, Biteiasse 8. Mim. H. 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Alsdann kam die alles verschlingende Flut, ein halbe- Jahr steigend, ebenso lang fallend. Roach schickt Vögel aus, den Wafserstand zu erkunden. Die Arche bleibt schließlich auf dem Berge Arrarat stehen. Roach bringt Dankopfer beim Verlassen der Arche. Gott schließt eine» Bund mit Roach und dem ganzen Menschengeschlecht. Rie mehr soll eine Wasserflut den Gang der Ratur stören. Der Regenbogen wird Zeichen des Bundes. Verbot des Mordes und Selbstmordes. (Daß Gvtt den Selbstmörder — also nach seinem Tode — strafen will, ist der biblische Beweis für die Ewigkeit der Seele!) Erlaubnis, Tierfleisch zu genießen, jedoch nicht von einem lebenden Tiere avgenommen. (Ewer min hachai.) Völkertafel der nach - noachidischen Periode. Ein machtstolzes Menschengeschlecht baut den Turm zu Babel zur Setbstverhcrrtichnng: Menschenmacht über Gottesmacht! Zerstreuung aller ist die Strafe. ES entstehen die verschiedene» Sprachen. (Babel-Verwirrung.) Roach pflanzt einen Weinberg, berauscht sich und liegt nackt im Zelte. Ham verspottet den Vater

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