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Neue jüdische Presse · 1909-10-15 · Heft 39 (15.10.1909) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 39 (15.10.1909)
Date
1909-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IlrankfurLer stielitislhes fmniliFHtilntt. i ———————————-1 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Avonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— t——--- A-daKtt-rr und chefchäftsstetts Srankfurl a. ITC., vilbelerstraße 4/6, Ecke Lleichstraße «gcr efon 10507. i 3c--I Herausgeber: Kalg ^e i-s. 7"' " "" '"7 Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile.. . . 100 „ Platz» und Daten-Borschrist ohne Verbindlichkeit. , Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. - 7. Jahrgang. Freitag, den 30. 5670 (15. Oktober 1900). Rr. 39. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Freie jüdische Vereinigung. — Londoner Chronik. — Brief aus Ungarn. — Aus den Geschehnissen des Tages. — Die Tätigkeit des Hilfsvereins der deutschen Juden in Palästina. — Aus aller Welt. — Aus d en Der ein en. — F euil l eton: DieTochier des Kardinals. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. Freie jüdische Bereinigung. Eine neue Organisation. Tie ausgesprochen orthodoxen Elemente der deutschen Jndenheit auf der einen Seite und deren liberalen Antipoden ans der anderen Seite haben sich in den letzten Jahren organisiert: die vielen Tausende aber, die nach ihrer Lebensweise nicht mehr zu den ersteren gehören und doch nicht zu den letzteren gezählt werden können, blieben sich selber überlassen. Ties durfte nicht andaucrn, denn viele, die nachlässig in der Beobachtung der Forderungen des traditionellen Judentums sind, wollen dessen Bestes, sie würden in seinem Sinne leben, wenn nicht Opfer materieller Natur damit verbunden wären. In einer Zeit, in der in der besten jüdischen Gemeinde Tcntschlands, in Frankfurt a. M. nämlich, jede vierte von Juden geschlossene Ehe eine Mischehe ist, in einer solchen Zeit bedarf gerade die Masse der Halben der besondere» Anfmertsamkcit, und cs kann daher nur begrüßt werden, wenn man dies erkannt hat und an die Bildung einer entsprechenden Organisation hcrangctrcten ist. Folgendes ist der Wortläut des Aufrufs, den die neue Organisation erlassen hat: „Tie religiösen Unterschiede innerhalb der jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes, die in den letzten Jahrzehnten an Schärfe verloren hatten, haben neuerdings Formen angenommen, welche die Einheit der deutschen Jndenheit bedrohen. Ans der einen Seite haben sich Vertreter der strengsten Observanz verbunden, welche die Anwendbarkeit des Gesetzes der geschichtlichen Ent- Ivicklung auf das Judentum grundsätzlich in Abrede stellen und darum alle Zugeständnisse an die moderne Zeit abweisen und sich inimer mehr non der Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der deutschen Jndenheit abwcnden. Auf der anderen Seite hat sich unter dem Schlagwort des Liberalismus ein Verband gebildet, dessen Programni die Verbindlichkeit der Bibel und der Tradition nur insoweit anerkennen will, als diese Quellenschriften mit dem Leben im Einklang stehen. Tie Religion soll sich somit vom Leben meistern lassen und nicht mehr das heilige Ideal sein, das berusen ist, das Leben zu meistern. Vorübergehenden Zeitströmungen und wissenschaftlichen Hypothesen, die mit Unrecht als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft ausgegeben werden und überdies zumeist außerhalb des Judentums aufgetancht und gegen dasselbe gerichtet sind, soll die durch Jahrtausende bewährte Kraft unseres Religionsgesctzes geopfert werde». Selbst in die Schule und in das Gottcshaus sollen diese verhängnisvollen Lehren hincingetragen werden. Tie Jugend soll durch die Verkündigung haltloser Behauptungen über unser heiliges Schrifttum verwirrt, ja cs soll selbst der Religionsunterricht dem oft unrcligiöscn Charakter des Familienhanscs entsprechend erteilt werden. In den Synagogen soll die hebräische, die Juden der ganzen Welt vereinigende Sprache noch weiter zurückgedrängt werden. Tie Gemüter werden durch radikale Rcformplänc, über deren Unwirksamkeit die Geschichte längst ihr Urteil gefällt hat, beunruhigt: die Eintracht im Innern, deren wir heute dringender als je bedürfen, wird gefährdet; die Schar derjenigen, welche der Religion entfremdet sind, ivird durch solche, das Pietütsgefühl schwer verletzende Mittel nicht verringert, sondern vermehrt. Als in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts derartige extreme Bestrebungen sich zuerst bemerkbar machten, traten ihnen alsbald hervorragende Männer entgegen, welche Entscheidungen über Fragen des religiösen Lebens nur ans Grund sorgfältiger, historisch-wissenschaftlicher Forschung für zulässig erklärten. Sie haben dadurch die drohende Gefahr einer tiefen Zerklüftung von der deutschen Jndenheit abgewehrt und aus die Ausgestaltung ihres inneren Lebens einen maßgebenden Einfluß gewonnen. Im Geiste dieser vorbildlichen Meister wollen ivir angesichts der Erscheinungen der jüngsten Gegemvart eine Verbindung unserer Gesinnungsgenossen unter dem Namen „Freie j ü d i s che V e r e i n i g u n g" ins Leben rufen. Wir wollen danach trachten, der Religion ihre Macht über die Gemüter wieder zu gewinnen, damit sie wie in den Tagen unserer Väter das Leben tvieder heilige und verkläre. Wir wollen die Einheit in den Gemeinden erhalte» und nicht den Zwiespalt in ihnen noch erweitern; wir wollen die Autorität der Quellenschriften unserer Religion nicht erschüttern und unser Judentum nicht zum Spiclball jeder modernen Strömung machen lassen; wir wollen das jüdische Bewußtsein stärken. Bei aller Treue gegen die .Heiligtümer unserer Väter dürfen und wollen wir uns jedoch auch de» Ansprüchen der Zeit nicht verschließen, soweit diese dem Wesen unseres Bekenntnisses nicht widersprechen. Turchdrungen von der Erkenntnis, daß die Wissenschaft des Judentums das Leben des Judentums bedeutet, wollen wir sie pflegen und fördern. Sie soll uns bei den auf die Gestaltung des modernen jüdischen Lebens gerichteten Bestrebungen den Weg für unsere Wirksamkeit tveisen. Wir wollen die Partei der Versöhnung sein, die Partei, welche die durch die Geschichte bestätigte Wahrheit vertritt, das; nicht Willkür, sondern Treue, nicht Niedcrrcißen, sondern Aufbanen, nicht Trennung, sondern Verbindung in unserer Zeit uns Helsen kann; Hie Partei, die weiß, was die Gegenwart verlangt, aber auch weiß, daß die Gegenwart ihrem Wesen nach die Vergangenheit, aus der sie hervorgewachscn ist, nicht verleugnen darf; die Partei, die eine Spaltung der Jndenheit verhüten will. Wir wissen, wie schwielig cs ist, in unserer von Gegensätzen zerrissenen Zeit solche Ideale zu verwirklichen. Aber in Anbetracht der drohenden^ Gefahr, Hallen wir cs für unsere heilige Pflicht, uns zu vereinigen, um aufklärend und belehrend, mahnend und warnend zu wirken. Wir ivollen dafür sorgen, daß unsere Kinder als moderne Menschen erzogen iverden, daß ihnen aber auch das Erbe unserer Väter unangetastet übergeben werde. Wir tvollen unsere ganze Kraft dafür cinsctzen, daß Wahrheit und Frieden in den Gemeinden der deutschen Jndenheit gefördert werde. Wir wollen ein Werk des Friedens, und jeder, der an diesem Friedensmerke Mitarbeiten will, sei uns willkommen' Tr. Beer m ann , Kreisrabbiner in Insterburg. Tr. B e h r e n s, Rabbiner in Göttingen. Tr. B c rger, Rabbiner in Krotoschin. Tr. Biram, Rabbiner in .Hirschberg i. Schl. F. Blum, Rabbiner in Mühlhausen i. Elf. Tr. B r a n n, Tozent am jüdisch-thcolog. Seminar in Breslau. Tr. Deutsch, Rabbiner in Breslau. Tr. T o c t o r, Laudrabbiner in Kassel. M. Ellguthcr, Rabbiner in Ncisse. Tr. E l b o g e n, Tozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. De. I o s. Eschclbacher, Rabbiner in Berlin. Tr. Max E s ch e l b a ch e r, Bezirksrabbiuer in Bruchsal. Tr. F. F e i l ch e n f e l d, ' Landcsrabbiner in Schwerin i. M. Tr. I. Finke l s ch e r e r, Rabbiner in München. Tr. F l a s chic e r, Rabbiner in Bcrnburg. Leo F r ä n ck e l, Hcrzogl. Landesrabbiner in Meiningen. Tr. Frank, Rabbiner in Köln a. Rh. Tr. 2. F r e und, Rabbiner in Hannover. Tr. F r i e dm a n n, Rabbiner in Lnblinitz. Tr. Gra - b o w s k i, Rabbiner in Barmen. Tr. Groneiii «tut, Laudrabbiner in Hannover. Tr. Groß, Stadt- und Distriktsrabbiner in Augsburg. Tr. G r ü n t h a l, Rabbiner in Pinne. Tr. M. G u t tm a n n, Rabbiner in Culm ° a. W. Tr. H o r o - v i tz, Dozent am jüdisch-theolog. Seminar in Breslau. Tr. I a r a c z e w s k i, Bezirksraobiner in Mühringen. L. K a h n, Bezirksrabbiner in Hciibronn. Tr. K n o l l c r, Tirektor der Bildungsanstalt für jüdische,Lehrer in Hannover. Tr. K o p f st e i n, Rabbiner in Beuthen, O.-S. Tr. M. Krakauer, Stiftsrabbincr in Breslau. Tr. Th. Kro ner, Kirchcnrat und Stadtrabbiner in Stuttgart. Tr. H. K roncr, Bezirksrabbiner in Oberdorf. Tr. K u s ch n i tz k i, Stadtrabbiner in Bayreuth. Tr. W. Landsberg, Bezirksrabbinrc in Kaiserslautern. Tr. I. L e v y, Rabbiner in Brumath. M. L e v y, Rabbiner in Hagenau i. Els. Tr. Lewinsky, Landrabbiner in Hildcsheim. Tr. L o e w y, Rabbiner in Graudenz. Tr. B. Marx, Rabbiner in Westhofen i. Els. Tr. B. Meyer, Rabbiner in Thann i. Els. Tr. W. M ü n z, Rabbiner in Gleimitz. Tr. N. Nette r, Obcrrabbiner von Lothringen in Metz. Tr. P e - ritz, Rabbiner in Licgnitz. Tr. Perlitz, Rabbiner in Rakel. Tr. Pick, Rabbiner in Straß-

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