Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 38 (29.9.1909)
- Date
- 1909-09-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SÖ zwei jüdische Arbeiter, Chaim Friedemann und Samuel Rrlbeshin, verhaftet, nach dem Polizeibüro geführt und dort a u f s g r ö b l i ch st e mißhandelt. Friedemann wurde voin Pristaw an den Haaren gefaßt und zu Boden geworfen und darauf von mehreren Polizisten in schrecklicher Weise mit Peitschen und Füßen geschlagen, während ihm der Pristaw fortwährend zuries: „Ruhig, nicht schreien!" Als Friedemann vor Schmerzen keinen Laut mehr hervorbringcn konnte und völlig ohnmächtig wurde, kam sein Lcidcnsgenosse an die Reihe, der ebenfalls blutig geschlagen wurde. Amerika. New-Uqrk. Der verstorbene Kaufmann Louis Starsbürger h i» t e r l i e ß sieben hiesigen jüdischen Wohltätigkeits-Anstalten je 1000 Dollars und der jüdischen Gemeinde in Hohebach (Württemberg) 500 Dollars. Wapella (Kanada). Die jüdischen Ansiedler der benachbarten Kolonie Prosperith haben seit ihrer Niederlassung, also seit 20 Jahren, stets den Samstag gefeiert und am Sonntag gearbeitet. In der letzten Zeit aber haben sie seitens fanatischer Christen, die sie an der Sonntagsarbeit hindern wollen, viel auszustehen. Die „Wapella Post" hat bereits einen scharfen Artikel gegen diese ungerechte Verfolgung verösfentlicht. G FeMetm. G Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). „Das war notwendig, ich mußte Euch Mitteilen, was Ihr nicht wissen konntet, daß ich mich nämlich schon gestern bemüht habe, ihr klar zu machen,- daß die Speiscgesetze, nach denen sie bisher bei uns gelebt hat, für sie nicht verpflichtend sind." ^Herrgott im Himmel! das habt Ihr ihr erst klar machen müssen? — Nun, hoffentlich ist es Euch gelungen!" Der Rabbi zuckte die Achseln. „Jedenfalls dürfte es zweckmäßig' sein, vorläufig keine Notiz davon zu. nehmen, wenn sie keine Fleischspeisen genießen will?" Der Kardinal nickte zustimmend und erteilte dann dem Diener, der den Wagen meldete, einige Befehle, während dessen Tirza mit ihrem Pflegevater flüsterte. Sie hatte seinen Arni umklammert und blickte wie Hilfe suchend zu ihm empor. Er streichelte ihr liebkosend die Wangen und flüsterte ihr Schmeichelworte zu. „Tirza, Liebling, sei nicht unvernünftig; ich weiß wahrhaftig nicht, was Du fürchtest." „Ich weiß es selber nicht und den Oheim habe ich anch wirklich schon ganz lieb, — aber er will doch mit Dir sortgehen, und dann bin ich hier ganz allein —" „Aber Kind, kleines unvernünftiges Kind, wie kannst Du so unvernünftig reden! — Bin ich denn daheim immer bei Dir geblieben?" „Nein! — Zlber hier . . ." „Hier bin ich, wie daheim, zu einem Kranken gerufen worden, das heißt. Dein Oheim hat mich anfgeforöert, mit ihm zu dem erkrankten Papst zu kommen." „Dil sollst den Papst untersuchen!" rief sie staunend, „Du, Vaterle, Du? — Wie freue ich mich! Jetzt weiß ich, daß Du hier bleiben wirst, denn wenn Du den Papst behandelst, dann wird er gesund werden, — und dann wird er Dich nicht fortlassen." „Aber Kind, wer —" Sie hörte nicht auf ihn, sie eilte zu dem Kardinal und ergriff dessen Hand. „Oheim, Oheim!" — und in ihrem gebrochenen Italienisch suchte sie ihn zu überzeugen, daß er für den Kranken, den ihr Vater behandele, nichts zu fürchten habe, denn ihr Vater wäre der geschickteste Arzt in der ganzen Welt, das sagten alle, die ihn kennen. Rabbi Jizchak winkte ihr wiederholt abwehrend, doch sie ließ sich nicht unterbrechen, sondern plauderte frisch drauf los. Und sie war so überaus lieblich in ihrem Jubel und in ihrem Eifer, sich dem Kardinal verständlich zu machen, daß es diesen gradezn Selbstbeherrschung kostete, sie iricht zu umarmen und zu küssen. Er nahm ihr rosiges Gesichtchen zwischen seine beiden Hände und drückte es sanft an sich. „Der Herr segne Dich, meine teure, holde Kleine, und verleihe Deiner Voraussage Gewährung!" Dann machte er abermals das Zeichen des Kreuzes über sie, sie zog abermals seine Hand an ihre Lippen, aber ihr inniger leuchtender Blick galt dem andern. „Pietro," wandte sich der Prälat an den Bedienten, „geleite die Contessa in ihre Gemächer und sorge,- daß bald aufgetragen wird;" dann zu dem Rabbi: ,-Kommt Signor, lasset uns gehen!" Frattkfurker JfraekAWes Frmilienblatk. Seite-3. Als der Kardinal und der Arzt in den Vorrannr traten, der zu dem Krankenzimmer des Papstes führte, erhoben sich die dort Anwesenden ehrfurchtsvoll. Der Kardinal winkte grüßend und wandte sich dann an seinen Begleiter: „Verweilet hier einige Augenblicke, ich muß vor allem seine Heiligkeit von Eurem Hiersein in Kenntnis setzen und seine Zustimmung zu erlangen suchen, bevor ich Euch hineinführen kann." Er begab sich in das anstoßende Zimmer. Rabbi Jizchak ließ sich auf einem Sessel nieder und blickte mit begreiflichem Interesse um sich. Es war ein ziemlich großer, düsterer Raum, ringsum an den Wänden standen Holzsessel, in der Mitte ein großer Tisch von Eichenholz, sonst waren keine Möbel vorhanden. In dem Raume befanden sich nngefähr dreißig Menschen, von denen die meisten sich mit einander unterhielten, aber inan vernahm keinen Laut. Jetzt ward die Tür des Krankenziminers geöffnet, Kardinal P. erschien auf der Schwelle und winkte dem Rabbi, dieser erhob sich und trat ein. „Seine Heiligkeit ist geneigt. Euch zn empfangen und sich von Euch untersuchen zn lassen," sprach der Kardinal in halblaut gedämpftem Tone, „aber die behandelnden Aerzte sind eben anwesend, da dürfte es doch wohl geraten sein. Euch vor allem mit diesen in's Einvernehmen zn setzen." Obgleich Rabbi Jizchak wenig Wert legte auf die Mitteilungen der italienischen Aerzte, entsprach er doch der Aufforderung und trat zu den drei Aerzten, die rechts an: Fenster leise berateten, während das Bett des Kranken an der linksseitigen Wand dem Fenster gegenüber aufgestellt war. Der Kardinal stellte die Herren einander vor, bezeichnet« den Rabbi als „den berühmten österreichischen Arzt," der sich vereint mit den Kollegen bemühen wolle, seine Heiligkeit ju bewegen, das Unerläßliche rechtzeitig geschehen zn lassen. Die Kollegen verneigten sich gegeneinander, dann begann der älteste der italienischen Aerzte die Krankheit des Heiligen Vaters möglichst eingehend zu schildern, während der zweitälteste Arzt den eingehenden Schilderungen noch eingehendere hinzuzufügen verstand. Rabbi Jizchak lauschte aufmerksam ihren Worten, stellte hin und wieder einige Fragen, die bereitwillig beantwortet wurden. Als am Schlüsse der Erörterungen der Wortführer der Italiener jedoch die Ueberzeugung aussprach, der österreichische Kollege werde ihnen zustimmen, daß Blutentziehung das einzige Rettungsmittel sei, da erwiderte Rabbi Jizchak, es iväre ihm unmöglich, sich darüber auszusprechen, bevor er sich von dem Zustand des Patienten überzeugt habe. Das wollte den italienischen Aerzten zwar nicht gefallen, ihrer Ansicht nach war ihre Schilderung vollauf genügend, sich von der Krankheit ein Bild zn entwerfen, aber sie konnten den schwerfälligen Kollegen doch nicht znrückhalten und traten mit ihm zu dem Krankenbett. Der Kardinal stellte auch hier den sremden Arzt vor, und die Untersuchung begann. Rabbi Jizchak stand an der linken Seite des Bettes, ihn: gegenüber an der rechten Seite desselben die beiden ältern italienischen Aerzte, während der jüngste am Fußende des Bettes stand. Unweit von ihm erhob sich, alle überragend, die hohe Gestalt des Kardinals, während, der Kammerdiener des Papstes sich zum Fenster hin zurückgezogen hatte. „Ew. Heiligkeit wolle gestatten —" sagte Rabbi Jizchak, indem er den Finger an das Handgelenk des Papstes legte, den Pulsschlag zn beobachten, dann neigte er sich und lehnte das Ohr gegen die Brust des Kranken usw. Den italienischen Aerzten währte die gründliche Untersuchung zu lange. „Ich danke, Herr Kollege," sprach der älteste. „Ihr habt Euch jetzt überzeugt, daß mit,dem Aderlaß nicht länger gezögert werden darf." „Keineswegs," erwiderte der Rabbi, sich hastig aufrichtend, „der Zustand des Patienten ist gegenwärtig nicht gefahrdrohend, durch Blutentziehung könnte jedoch gar leicht Herzschwäche eintreten, und — Ihr wisset, was das sagen will." Doch die Italiener gaben nicht nach, vor vier Wochen wäre ein ähnlicher Anfall gewesen und nur durch Aderlaß wäre Genesung erzielt worden, darum müsse jeder Unbefangene zugeben, daß dal bewährte Heilmittel abermals angewendet werde. Rabbi Jizchak schüttelte verneinend den Kopf. Um Geschehenes wolle er nicht streiten und wenn es sich um einen jungen Mann handeln würde, so würde er Blntentzichung zwar auch nicht als unerläßlich bezeichnen, aber er würde vielleicht nicht mit dieser Entschiedenheit dagegen eifern, doch bei dem Alter des gegenwärtigen Patienten werde er alles aufbieten, daß demselben auch nicht ein einziger Tropfen Blut entzogen werde. Er hatte im Eifer der Diskussion bei diesen Worten unwillkürlich die Hände wie schützend über das Bett ausgestreckt. Da fühlte er die Linke mit einem Male gefaßt, der Kranke hatte dieselbe ergriffen und mit zwar überaus matter Stimme, doch allen Anwesenden vernehmlich, sprach er: „Ihr seid mein Mann. — Ihr sollt mich behandeln — zn Euch habe ich Vertrauen." Betroffen starrten die Italiener einander an . - und wichen zurück, der Aelteste jedoch, außerstande seinen Zorn zu meistern, sprach zum Kardinal'. „Ew. Eminenz! — wenn diesen: Ignoranten die Behandlung des Heiligen Vaters übertragen wird, so könnt Ihr in der nächsten Woche das Conclave ein- / berufen. Wir aber waschen unsere Hände in Unschuld." ' Der Kardinal erblaßte. Es wäre ihm zwar überaus angenehm gewesen, wenn durch den von ihm empfohlenen Arzt die Genesung des Papstes •' herbeigeführt worden wäre. Aber wer gab ihm , dafür Sicherheit? wenn nun das Gegenteil ein-; trat? — Es überrieselte ihn kalt. — Er winkte - dem Rabbiner und trat mit ihm zum Fenster. t (Fortsetzung folgt.) < Kaiser Friedrich Quelle — Offenbach a. M. - Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt» d ivi n Welt-Mund wasser. Der Menschheit Wohltäter. Rehorhe-Flasche Mk.L25 Überall erhältlich! H. Schmidt Sandweg 85 «Kais. Kerreilslkneiilerei. r- Reparaturen prompt u. billig, s Anzug aufbfigeln Mk. 1.20.; J. EMMEL & SOHN j Schillerstrasse 26. '? Spezlal-Gesehäft für Hain. Zeiehen-Ulensilien. i Holzbrand-,Kerbsehnitt-,Tarson. Ballfc-Arllfcel. | Wochen-«ale«der. (Zeitangaben nach dem l-naed.) - Sukkaus. -> Fest-Anfang: Mittwoch Abend 6 Uhr (in Frankfurt), ' 5 Uhr 40 Min. (in Berlin). ,4 Da auf die ersten beiden Tage Sukkaus sofort, ein 1 Sabbat folgt, macht man vor Beginn des Festes „Eruw tawfchilin."; Sabbat-Ausgang: 6 Uhr 50 Min. (in Frankfurt),? 6 Uhr 25 Min. (in Berlin). (Fortsetzung aus voriger Rümmer). Die Sukko. Wände und Dach seien nach Bor-, ch schrift. Mindestens 10 Tefach (Handbreiten) hoch. 8 7 Quadrat-Tefach Raum fassend. Bedachung aus L Pflanzenwuchs, der vom Boden abgeschnitten sein muß. So dicht gedeckt, daß man noch Sterne durchsieht. Während der Sukkaustage sei die Sukko unsere sönnliche Wohnung. Schöne Ausstattung derselben. Essen, - ( Trinken, Unterhaltung. Schlafen. alles in der Sukko. £ Beim Eintritt die Brocho „Leischef basukkoh" sprechen. -j Dies wiederholen, sobald man länger abwesend war. In der ersten Nacht auch „Schehechijonu." Frauen haben anch zu „entzünden" in der Sukko. Die erstem - Abende ist es besonders Pflicht, in der Sukko zu i speisen. Selbst wenn's regnet, mindestens eine Oliven- : grüße Brot. Nebensächlicher Genuß, wie z. B. einmal Wasser trinken, eine Frucht essen u. dal. ist auch außerhalb der Sukko gestattet. Kranke, Leidende dispensiert, wenn ihnen beschwerlich. Ebenso deren Bedienung. Das Lulos. Man nehme es beim Schütteln { ln die Rechte, mit dem Rückgrat vorm Gesicht. Esrog .; links. Brocho „al netilas Lulos". am ersten Tage? auch „schehechijonu." Mcht zu kräftig schütteln, da das "f Lulof sonst unbrauchbar (poßul) wird. Am Jomtauv .-Ji zum Lulof Wasser nachschütten; am Halbfeiertag neues -1 nehmen. Am Schabbos wird nie Lulof geschüttelt, i Wer morgens nicht geschüttett, kann's noch bis zum Abend nachholen. :j, Die Gebete. Ganz Sukkaus Schmono-Esrer. der drei Wallfahrtsfeste, ebenso Mussaf und Ganz- Halle!. Rach Massuf täglich Umzug mit Thora und Lulof um den „Almemor" beim Beten der „Hoschaano." Dies Gebet während der 7 Tage. — Am Chaul- Hamaued wie am Werktag beten bis nach Schmono- Esrei. In letzterem: Jaale wejowau. Dann Ganz- Hallel, Thoravorlesung. Mussaf der Wallsahrtsfeste. die „Hoschaano" mit Umzug. — Mincho und Maariv wie sonst werttags, nur Jaale wejowau einschalten. Der fünfte Halüfeiertag ist Hoschaano» Rabb o. (Mittwoch, 6. Ott.) Ernstheiligen Charakters, in Beziehung gedacht zum Bersöhnungstag. (Weltgericht I) Dienstag (5. Ott.) Nachts das sogen. „Lernen *. Mittwoch Morgen vermehrte Hoschaanogebete, daher „Hoschaano-Rabba" genannt. Es find Bitten um Fruchtbarkeit durch Wasser, vieles auch geschichtlichen Inhalts. Sieben Umzüge mit Thorarollen. Synagoge gewöhnlich wie Jaum-Kippur weiß dekoriert. Auch wünscht man noch , Chafimo-tauwo." Drei oder S Weidenstengrkchen abschlagen. Dieselben, ausberen.