Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 37 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. S. Bock und Ed. Feist ernannt. Zum Schluß dankte der Vorsitzende dem Ausschuß für seine Mühewaltung. — In der au "die Generalversammlung sich anschließenden Vor standssitz üng ward berichtet, daß im Monat August in der Poliklinik 1860 diverse Kranke, 5741 Angenkranle und in der Augenheilanstalt 6600 Behandlungen und 25 erfolgreiche Operationen stattfanden. In der Apotheke wurden 2220 Rezepte verfertigt. Köln a. Rh. Der Verein für jüd. Geschichte und Literatur hat folgendes Vortragsprogramm festgesetzt: 1) Am 11. Oktober Eröffnungsabend, Nachruf auf Dr. Karpeles vom & Vereinsvorsitzenden Rabbiner Dr. Roienthal und "Rezitationen von Fritz Richard-Berlin, Mitglied des Deutschen Theaters. 2) Am 8. November Kunsthistoriker Dr. Guido Reumann - Hagen. Gibt cs eine reine jüdische Kunst? (Mit Lichtbildern.) 3) Am, 6. Dezember Syndikus Dr. Max Witten- . berg-Hamburg: Die jüdische Auswanderung (mit Lichtbildern.) 4) Am 10. Januar, Schriftsteller Fabius Schach-München: Jüdische Kultur in Ost und West. 5) Am 13. Februar, Kgl. Bibliothekar Dr. H. Löwe-Berlin: Ein Gang durch die jüdische Geschichte (mit Lichtbildern.) 6) Am 15. März. Direktor Dr. I. Löwcnberg-Hamburg: Eigene Dichtungen (jüdischen Stoffgebiets.) Bunte Chronik. Die Juden in Oxford. .In einem Oxforder Briefe an den „Egyenlöseg", macht Dr. Josef Pattai interessante Mitteilungen über die Juden in Oxford, denen wir folgendes entnehmen: In dieser großen, herrlichen Stadt, die in der Literatur der Juden eine so wichtige Rolle spielt, wohnen im ganzen fünf, sage fünf jüdische Familien. Da Handel und Industrie in dieser Studentenstadt sich nur insoweit entwickelt haben, als sic zur Deckung (der Bedürfnisse der Studenten - erforderlich sind, unter den Studenten jedoch, von denen die ganze Stadt lebt, sich nur wenige jüdische - befinden, fühlten sich die Juden im allgemeinen nur. wenig hierhergezogen. Von Oxforder Abstammung isthier bloß eine reiche jüdische Lady, die als , Privatiere Hier ihr Leben fristet. Es ist dies ein reiches älteres Fräulein, die ausschließlich dem Sport und ihrem Schoßhündchen lebt, dem sie, wenn sie es überleben sollte, einen Grabstein stellen wird in ihrem Garten oder im Londoner Hyde-Park, woselbst bekanntlich sich Ein großer, mit mächtigen Graomälern geschmückter Hundefriedhof befindet. Die übrigen vier jüdischen Familienhaupter sind aus Rußland eingewandert. / Zwei sind Zahnärzte, einer ist Uhrmacher und der vierte ist der Schächter, die wertvollste Persönlichkeit der Gemeinde, TW. Scgall. Das ist kein Druckfehler, obgleich es ein wenig seltsam klingt. Eben deshalb - rst seine Geschichte interessant. In Rußland erzogen, verbrachte er seine jungen Jahre in den dortigen Jeschiwaus, bis er, von den Verhältnissen zur Auswanderung gezwungen, die ganze Welt durchwanderte, überall . sein Glück versuchte, bis er schließlich, nach London kam, wo er im Frumkinschen Palästinawcin-Gcfchäste als Kommis Anstellung (fand. Dieser Frnmkin,. von dem mehrere Werke erschienen sind, war Rabbiner in Rußland und verließ seine glänzende Stelle, um mit/einer von ihm organisierten. Kolontstcngruppe nach dem Heiligen Lande ausznwandcrn, in der Absicht, dort als einfacher Bauer zu leben. Er (und seine Gruppe grüirdeten seinerzeit die Kolonie Pctach Tikwah. (Der Redakteur des „Egyenlöseg" macht hierzu die folgende Bemerkung: „Frumkin und seine Gruppe haben wohl die Kolonie Pctach Tikwah gegründet, sie aber auch bald wieder verlassen, während zwei ungarische Juden, Stampfer aus Ofen und Gutmann aus Stcinamanger, die Sache wieder in die Hand genommen haben. Als Begründer dieser heute blühenden Kolonie si»»d demnach die beiden Letztgenannten anzusehen".) Ein Unglücksfall (er ließ einen Brunnen graben, wobei die Erde einstürztc und zwei Arbeiter unter sich begrub), der nach türkischem Gesetze mit mehrjährigem Kerker bestraft worden wäre, zwang ihn zur -Flucht, und so ließ er sich in London nieder, von wo er erst jetzt, nachdem die Angelegenheit verjährt ist, cs wagte, in irgend eine andere palä- ... stinensische Kolonie zurückzukchrcn. Der damals zwanzigjährige Segall heiratete eine -Tochter dieses Frumkins und war nun, da er eine Familie gründete, gezwungen, sich nach I einem selbständigen Erwerb umzuschauen. So kam er nach Oxford, das in den Sprengel der Londoner jüdischen Gemeinde gehört und - mit Hilse einer Subvention von derselben die Synagoge erhalt. Die Tore dieser Synagoge werden allerdings bloß an den zwei hohen jüdischen Festen geöffnet und dann Frankfurkcr Israelitisches Familienblatt. Rr. 37.- noch ein drittesmal, -zur Zeit, _ da die jüdischen Studenten in Oxford sind und Chief Rabbi Dr. Adler hierherkommt und die obligate Predigt hält. Scgall erhielt hierden Schächterpostcn. Als Segall nach Oxford kam, ließ er sich in die dortige berühmte Universität einschreiben und wurde bald so beri'chnrt, daß man in ihm nicht mehr den Schächter, sondern den Gelehrten sah. Hintereinander gewann er die großen Preise der Universität, so erst jüngst einen Preis von 3000 Kronen für sein Werk über das Verhältnis der Septuaginta zu den übrigen griechischen und lateinischen Bibelübersetzungen, während er -vor zwei Jahren mit einer Arbeit über die Sprache. der Mischna und zur Sprache der Bibel einen gleich hohen Preis und gleichzeitig den Doktorgrad errang. lieber diese in englischer Sprache verfaßte grammatikalische Studie, in welcher /der Autor den. Nachweis liefert, daß die Sprache der Mischna nicht, wie Geiger behauptet, ans dem aramäischen sondern unmittelbar aus einer vulgären, hebräischen Sprache sich entwickelt habe, welche die Sprache des Volkes war, und deren Spuren noch in manchen Bibelstellcn erkennbar sind, haben sich Kapazitäten wie Professor Bacher äußerst lobend ausgesprochen. Dr. Scgall ist heilte kaunr älter als 30 Jahre und Vater von vier kleinen Kindern. Diese Kinder sprechen, gleich ihrer Mutter, ein fließendes Hebräisch, und inan kann sich denken, ivclche Wirkung es ans einen jJnden übt, wenn ihn kleine Kinder in hebräischer Sprache begrüßen und in der Sprache der Propheten fragen: Me'crcz rcchokah ba'ata? (Kommst du ans fernem Lande?) Wie gesagt, Dr. Segall ist die Seele der tleinen Oxforder Gemeinde und der führende Meister der hiesigen jüdischen StilLenten. Scgall organisierte die jüdischen Studenten zu einem Verein, in welchem man sich mit jüdischer Wissenschaft beschäftigt und die hebräische Sprache pflegt. Wie es kommt, daß es unter den vielen Tausenden von Studentci» an der Oxforder Universität nicht inehr als dreißig jüdische Hochschule»: gibt, wäre schwer zu erklären. Die englisch-jüdische Jugend drängt sich im allgemeinen nicht zu den akademischen Berufen, weil die Industrie und der Handel leine bessere Existenz sichern und in allgemeiner Achtung stehen. Ucberdies ist das ' Studentenlcben in Oxford sehr teuer, da jeder Hörer in einem Kollege wohnen muß und die Vcrpflegskosten in diesen Kolleges nach dem Budget eines reichen Mannes bemessen sind. Kunst und Literatur. „Jüdische Fragen." — Sammlung von wissenschaftliche» Arbeiten aus dem Seminar des Vereins zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" in Wien. Verlag des Vereins „Theodor Herzl" in Wien, VIII, Alserstraße:7. „Der Zionismus ist in keiner Studierstube geboren worden; das Leben hat ihn hervorgerufcn," heißt cs im Geleitwort zu diesem Werkcheu, was auch vollständig wahr ist. Nicht durch das Grübeln und Brüten .über tiefsinnige Idee» ist Herzl auf den Zionismus gekommen, und nicht, um uns mit noch einem schweren Problem zu bereichern, hat er seinen „Judenstaat" geschrieben. „Die rauhe Hand des Lebens" hat ihin den Weg zum Zionismus gezeigt, und um der traurigen Wirklichkeit eine neue Gestaltung zu geben, griff er zur Arbeit. Herzl war nichts weniger als ein Grübler und Raisonneur; er war ein Genie der Tat, ein Mann der stummen Arbeit, — und das verlangte er auch von seinen Untergebenen. N u r d n r ch unermüdliche Arbeit werdet Ihr ans Ziel gelangen, klang cs durch sein ganzes Schaffen und Wirken. Das Eigentümliche bei ein großen Sache ist aber, daß sich bald die Notwendigkeit einer Vertiefung in dieselbe und eines weiteren Ausbans derselben herausstcllt. Wenn auch der ursprüngliche Plan dem Entwerfer noch so klar und deutlich scheint, so treten beim ersten Schritt zur Verwirklichung desselben gewisse Differenzen und Grundfragen auf, die ausgeglichen und beantwortet werden wollen. So geht eben der Weg von der Phantasie zur Wirklichkeit. Fast gleichzeitig mit dem genialen Praktiker Herzl, traten daher auch Theoretiker auf, die den Zionismus der Tat durch eine .feste, tiefgehende Theorie zu ililterstiitzen und zu begründen suchten. Vieles wurde seitdem auf diesem Gebiet geschaffen und versucht. Ernstes wie auch Minderwertiges. Alles dies aber reicht noch lange nicht aus, um uns in dieser Hinsicht zufriedenzustellen. Es ist traurig genug, daß es in einer Bewegung, wie der unsrigen, kein ständiges, ernstes Organ gibt, das der Behandlung aller unserer Fragen gewidmet sein sollte und wir uns mit zufälligen Produktionen dieser Art begnügen müssen. Die uns vorliegende Sammlung ist ein Versuch „dem Zionismus die wissenschaftliche Begründung zu geben." Das Merkchen erstreckt sich auf kaum 150 Oktävseiten und. enthält, außer dem Geleitwort von Dr. Hugo Zuckerinann und einen» Bericht über die Tätigkeit des Vereins von Siegfried Schnitz, nicht inehr als acht Aufsätze, die aber alle äußerst sachlich und klar gehalten find; der Buchschmuck bildet eine harmonische Ergänzung zum Inhalt. In seiner Studie: „N a t i o n u n d jüdische Ratio»ralität" sucht Dr. D. Pasmanik die Existenzberechtigung und -fähigkeit der Juden als regelrechter Nation wie die einer jeden anderen auch auf Grund wissenschaftlicher historisch-soziologischer Erwägungen zu beweisen. Wenn auch das jüdische Volk durch die Zerstörung seines politischen Zentrums zu einem zerstreuten,, zerstückelten Dasein verurteilt worden ist, so ist es doch »licht, "wie andere Nationen, die ein ähnliches Schicksal zu erdlllden hatten, zun» Untergang geführt worben, weil die nationalen Faktoren, die die Erhaltung einer Nation bedingen: das wirtschaftliche und territoriale Zusamincnlcben, die gemeinsame Sprache und Kultur, ihin nie.gefehlt haben. Freilich schließt dies »»icht die entfache logische Ueberzengn»»g ans. daß, um der jüdischen Nation eine natürlichere Existenz wie die bisherige diasporalische zu geben, auch natürlichere Bidingungen geschaffen werden »lüsscn. — Leo Goldha m m e r gibt uns in kurzen, präzisen Strichen mit Beifügung der nötigen statistischen Tabellen die Urs ach e n »»u d Formen d e r j ü d i s ch e n Wanderung an. — Dr. I. Schipper in s. A.: „Agrar ko lonisation der Inden in Polen" bringt einen Auszug aus einem größeren Werke „Ueber die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse < der Juden in Pole»» während des Mittelalters." — In einer gedrängten Abhandlung „Palästina" liefert Artur Felix ein klares, genaues Bild von der geographischen Lage Palästinas, von seinen klimatischen Bedingungen, seiner Flora und Fauna und den Kolonisationsmöglichkciten für u»»s daselbst. — Dr. E. Müller komnrt sin seinem Aufsatz: „Die Sprache der Juden in Pa fit st i n a" zu der Ucberzcugung, daß nur das Hebräische aus dem Sprachgewirr in Palästina als herrschende Hauptsprachc sich herausarbcitcn und eine Sprachvcr- »nittlung zwischen den Juden saus aller Welt bilde»» kann und cs allmählich auch wird. — In dem Essay: „Jakob W a s s e r in a n n und seine I»»d e»»" charakterisiert Oswald Lobt die Helden- und Heldinnentypen dieses bedeutenden Schriftstellers, der sich durch seine „Juden von Zirndorf" Namen und Ruhm s erworben hat.—Elias Tisch in „I. B e r s ch a d s k i" - begeht den Fehler, daß er die schwache Seite Berschadskis hervorkehrt und die Mängel, die der verstorbene ju»»ge Romanist ohne Zweifel besaß, stark betont, während er das,Positive seines Talents nur so nebenbei behandelt. — Dagegen würdigt Dr. I. M e i s e l in seinem „Moriz Lazarus" die Verdienste dieses berühmten Mannes, der einen unverdienten Ruhm und eine übertriebene Pop»»larität bei Lebzeiten genossen ha», nach ihrem wahren, objektiven Wert. — Zum Schluß folgt noch ,ein Bericht über de» Ziveck, die Arbeit und die Leistungen des Vereins, der diese Sammlung herausgab, deren Ergebnis als nicht u»»befriedige»»d betrachtet werden kann. Es ist noch fraglich,''inwieweit dieses Werkchcn der wissenschaftlichen Begründung des Zionismus gedient und überhaupt diene»» konnte. Als' ein Produkt ernster Arbeit und als Anfang ist cs aber begrüßenswert und n»acht das Nachfolgen ähnlicher Produktionen erwünscht. L. S—v. Vereins-Kalender. Montag. Zion. Vereinigung, 8% Uhr, Börsenrcstaurant: Geschlossene Mitgliederversammlung. - Arbeitsnachweis für Israeliten. Wir bitten dringend uns Vacanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit aufgeben zu wollen. Arbeitsnachweis der Frankfurt-Loge und des Isr, Hilfsvereins, Xrfrasestrasse 30,1. Telephon 3728. Wir bitte« «»sere Leser, ihre« Bedarf unter Bezugnahme auf »«ser Blatt bei ««sere« Jusereuteu z« decke«. Frankfurter Israel. Familieublatt. Der Schluß von „Frau Solymosi gestorben" erscheint in der nächsten Nummer. mit Yerschlussstangen, Schloss und Schlüssel, sehr billig. Jacob Wagener, Tilbelerstr. 25 u. Kafserlioistr. 14.