Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 37 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ieitage p ilt. Z7 des Jttmkfncfet IftaeEitifdien, fflmitienfitftttes. »M- Die nÄchstwüchentliche Dummer erscheint bereits Mittwoch; Inserate müssen bis Dienstag Mittag in unserm Besitz sein._. , Polemiker und Ariedensphilosoph. Unser langjähriger Mitarbeiter, Herr Maxime Le Maitre (Dr. S. M. Mclamed), der mit den heutigen Vertreten! des nichtzionistischen Judentums auf schlechtem Fuß steht und der schon des östcrn in den Spalten unseres Blattes aus die schädlichen Auswüchse unserer „Pari,essim - Kultur" hingewiesen und die Schäden im öffentlichen jüdischen Leben gegeißelt, stellt sich jetzt mit einem preisgekrönten Buche einer grüßen, Oeffcntlichkeit vor. In einigen Tagen erscheint im bekannten philosophischen Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart der erste Teil seiner Geschichte des Friedens, Geschichte der Friedensidce, der eine Geschichte der Friedensbewegung folgen wird. Das jetzt erscheinende Buch ist im Sommer 1907 vom internationalen FricdenSbureau in Bern mit dem Betrage von 1500 Franken preisgekrönt worden. Es führt den Titel „Theorie, Ursprung n n d Geschichte der Friedensidee, kulturphilosophische Wanderungen" und enthält neben einer aus drei Kapiteln bestehenden philosophischen Begründung der Friedensidce, die Geschichte der Idee des politischen Völkerfriedens von den Propheten bis und mit dem Abschluß der idealistischen Philosophie in Deutschland. Wir sind jetzt schon in der Lage, einige nähere Angaben, die speziell uns Juden interessieren, über dieses Friedensbuch eines Polemikers zu machen. - Die geschichtsphilosophische Konzeption des Verfassers ist folgende: An der Schwelle der Kultur (auch der Zivilisation) standen sich zwei Vertreter des Geistes mit radikal entgegengesetzten Tendenzen und Idealen gegenüber; der Jude und der Hellene. Der Jude, resp. dessen Vertreter des Geistes, der Prophet, die Einheit im Chaos der Erscheinungen, das Konstante in den Variationen und das beständige Sein im Strudel des Werdens erkennend, stellt der Natur das Ideal entgegen, der Hellene mit seiner heiteren Sinnlichkeit und mit seiner Freude an dem Wechselspiel der Kräfte nimmt die Natur zum Ausgangspunkt und setzt der Natur kein Ideal entgegen. In der Politik ist das Individuum vorherrschend, die Kraft, die Macht.. . . Seine Jdeallosigkeit personifiziert der Mythos, der keine Zukunft,-sondern nur eine Vergangenheit hat. Sein „historisches Bewußtsein", seine Politik und Gesellschaft personifiziert der Heros, der brutale, leidenschastsgewaltige, kampflustige Gewaltmensch. Der Heros, die individuelle Fassung des naturalistischen Bewußtseins bestimmt die griechische Politik, denn die Polis sind mit und durch ihn entstanden. Das stoische Ideal „des Weisen" ist eine sozial-intellektuelle Substitution des Heros, die Vorstellung Gottes in einer individuellen Gestalt, mit einem Worte, die Berst e r s ö n l i ch n n g Gottes ist nichts anderes als das stoische Ideal des Weisen im Religiösen potenziert. Die Geschichte des Krieges und der Idee des Krieges ist identisch mit der Geschichte d e s Einflusses des „Heros" aus die Kultur der Völker des grecorömischen Umkreises. Die Geschichte der politischen Friedensidee ist identisch mit der Geschichte des Prophetismus, ist identisch mit der Geschichte des Ideals in der Politik und in der Ethik und ergo auch im Recht. Dieses Ideal ist von der Idee des Guten getragen, die nicht Platon, sondern die Propheten entdeckt haben. „Man kann es aus den letzten Darstellungen der griechischen Geschichte heranslescn, in welchem Maße die Politik des alten Griechenlands vom Geiste des Heros durchtränkt war. Welche sind die Eigenschaften dieses heroischen Menschen? Wilde, zügellose Leidenschaft, Selbstsucht, Ehrgeiz, Urwildheit, Wunsch nach elviger Jugend und Götterglcichheit, Kampflust, Freude an Mordwaffen, List unk ranbritterlicher Großmut. Nicht nur in der Burckhardtschen Konzeption der Antike, erscheint uns so der Heros, sondern man kann diese Schilderungen des heroischen Menschen in jeder größern Darstellung der griechischen Geschichte wiederfinben. An diesem Heroenideal ist noch heute die christlich politische Menschheit orientiert. Die Polis' sollen, neueren Forschungen zufolge, auf dem Heroismus und durch ihn begründet worden sein. Wer den inneren Zusammenhang der politischen Geschichte der europäischen Menschheit zu fassen vermag, der wird wahrnehmen, daß der heutige Begriff von „politisch großen Männern" im Sinne des Heros konzipiert ist. Die Religion, d. h. „ihre" Religion hat in dem Jndividnuni ihren Quell .... die Politik ist an dem Heroismus orientiert und was sich nur geändert hat, ist die Form... So ist die griechische Politik, die nicht an dem Geiste, sondern an der Natur orientiert war, zum Fluch siir die später» Generationen geworden." (Literaturnachweis zum Kap. Griechenland.) Oder eine andere, noch markantere Stelle: „Die Stoa selbst ist aber an der Natur orientiert. Wenn sie auch eine idealisierte Natur konzipierte, Natur ist eben nicht Geist nnd man kann aus der Natur keine Ethik ableiten, es sei denn, man stelle die Bestie als Muster hin. In gewissen Augenblicken hat die Stoa nur den universalistischen Moment der Stoa hcrvorgekehrt, aber bald trat eine Reaktion ein ... Der ganze nenn zehn hundertjährige religiöse Irrtum, der zu so vielen Kriegen nnd Blutvergießen geführt, ist zum größten Teil auf Rechnung der Stoa zu setzen." Zum besseren Verständnis sei mitgetcilt, daß es sich um ein geschichtphilosophisches Werk handelt, in dem die Idee des Völkerfriedens im Zusammenhang mit der Geschichte des G c i st e s behandelt wird. Unseres Wissens geschieht es zum ersten Mal in der modernen Literatur, daß es ein Jude unternimmt, in einein großangelegtcn wissenschaftlichen Werk an der Hand des national-jüdischen K u l t u r b e w u ß tseins einen großen Teil der Menschheitsgeschichte zu beleuchten. Da das Buch durch die Preiskrönung seine offizielle Sanktion erhielt, dürfen wir Juden auf dieses Werk doppelt stolz sein. Indem wir schon jetzt unsere Leser ans dieses Werk ansmerksam machen, behalten wir cs uns noch vor, eine genaue Analyse des Werkes nach seinem Erscheinen zu geben. 25 jähriges Jubiläum der Kattowitzer Konferenz. Im November d,s. Js. fährt sich zum 25. Male die Zeit, in welcher in Kattowitz die erste Beratung der jüdischen Kolonisationsvereine über die Besiedlung Palästinas stattgesunden hat. ^'Diese Konferenz bildete den Ausgangspunkt für alle modernen Bestrebungen zur Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatsland, an welche späterhin der Herzl'sche Zionismus angeknüpft hat. Es ist darum eine Ehrenpflicht, die 25jährige Wiederkehr jener Tage durch eine würdige Gedenkfeier zu begehen. In dieser Erwägung hat der Ausschuß -des Verbandes der zionistischen Ortsgruppen Oberschlesiens beschlossen, am 7. November er. in Kattowitz eine Erinnernngsf e i e r abzuhalten, deren Einzelheiten der Oeffcntlichkeit noch bekanntgegeben werden. Wir laden schon jetzt alle Glaubensgenossen, sowie alle diejenigen, denen die Erfüllung des Palästinaideals teuer ist, zur Teilnahme an der Festlichkeit ein, und wir würden es namentlich mit Freude begrüßen, wenn diejenigen Herren, welche vor 25 Jahren an der Kattowitzer Konferenz teilgcnommen haben, bei unserer Feier sich wieder zusainmenfinden möchten. Wir bitten alle, welche an , der Mhaltung dieser Gedenkfeier Interesse nehmen, uns ihre Adressen mitznteilen, damit wir ihnen eine Einladung übersenden können. Es liegt auch in unserer Absicht, die Erinnerung an die Kattowitzer Konkerenz publizistisch zu behandeln, und wir bitten daher alle diejenigen, die im Besitze von Material über diesen Gegenstand sind, uns solches für einige Zeit leihivejse unter Zusicherung unversehrter Rückgabe zu überlassen. Wir würden namentlich den Konferenzteilnehmern, die noch am Leben sind, für Mitteilung persönlicher Erinnerung dankbar sein. Mit Zionsgruß Der Vorstand des zionistischen Gruppenverbandes Oberschlesien, Arnold Wiener, Kattowitz, Karlstraße 1. Personalien. München. Der beim bayerischen 8. Feld artillerie- Regirnent seiner Militärpflicht genügende Referendar Robert K a tz e n st e i n von E s ch w e g e rettete während des Kaisernianövers einen beim Pferdeschwemmen in den Main gefallenen Kameraden nrit großer Anstrengung unter eigener Lebensgefahr vorn Ertrinken. In Anerkennung seines mutigen Verhaltens ist er zur sofortigen Befördern ngznmUnterosfizier vorgeschlagen worden. Hamburg. Frau Anna Italiener geb. Embden, eine Tochter Charlotte Embdcns und Nichte Heinrich Heines, feierte in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Breslau. Der seit seiner Jugend gelähmte Schachmeister Arnold Schottländer — geboren 1854 in Münsterberg — starb nach längerem Leiden. Im Haupttnrnier in Frankfurt a. M. 1878 gewann er die Meisterschaft, die er seitdem in zahlreichen Turnieren bewährte. (L.) Posen. In Strelno wurde Rentier Lippm a u n zum Magistrats Mitglied gewählt. In P l e s ch e n erhielt der Beigeordnete S t r e hlitz den Roten Adlerorden 4. Klasse. — In Gostyn verschied im Alter von 70 Jahren der Gctreidegroßkaufinann R. Golds ch m i d t. Lichtenfels «Bayern). Hier verschied der in allen Kreisen wegen seiner Tüchtigkeit und seines edlen Charakters angesehene Arzt Dr. Ehrlich. Er war in Schopfloch geboren und machte den Feldzug von 1866 als Einjährig-Freiwilliger mit. Wien. Unter außerordentlich großer Teilnahme fand das Leichenbegängnis des im 78. Lebenswahre verblichenen Regierungsrates und Eisenbahngeneraldirektors a. D. Ingenieurs Moritz Morawitz statt. — Amsterdam. 81 jährig verstarb hier der Philanthrop George Baron Rosenthal. Der Verstorbene bewies stets ein lebhaftes jüdisches Interesse und war ein stets hilfsbereiter Spender, wenn cs galt, jüdische Rot zu lindern. London. Lord Swavthiing, der bekannte Führer der orthodoxen Jndenheit Englands, ist als Senior-Chef der Firma Samuel Montag» u. Co. z n r ü ck g e t r e t e n, wird aber als stiller Teilhaber mit 600 000 Pfund beteiligt bleiben. Aus der LehrerweU. Breslau. Wegen Vergehens gegen 8 71 ' des Gesetzes vom 23. Juli 1847, in welchem es ausländischen Juden versagt wird, ohne ministerielle Genehmigung eine Stellung als Synagogenbeamte in Preußen anznnehmen, hatte sich der russische Untertan Hermann Paglin vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Beschuldigte ist Mitglied des Stadttheaterchors und hat seit dem Jahre 1906 stets an den drei hohen jüdischen Festtagen als Vorsänger bei Gottesdiensten mitgewirkt. Darin erblickte die Behörde eine Tätigkeit als Synagogenbcamter, nnd Paglin wurde schließlich unter Anklage gestellt. Das Gericht hielt jedoch ein Vergehen des Angeklagten nicht für erwiesen, 'da er nur als Sänger zur Verschönerung deS Gottesdienstes beigetragen hatte, nicht aber die Funktion eines Kultusbeamten ausübte. Das Urteil lautete deshalb auf Freisprechung. Stratzburg i. Elf. Die Jsr. Gewerbeschule, die seit 100 Jahren jüdische junge Leute dem Handwerk zuführt, verösfentticht ihren Bericht über die Jahre 1906—1908. Znr Widerlegung des Borwurfs, daß die meisten Zöglinge sich später anderen Berussarten zuwenden, wurde eine Umfrage veranstaltet, die ergab, daß von 151 Zöglingen, die von 1896 bis 1907 ausgebildet wurden, 112 in ihrem Handwerk arbeiten; 24 sind zu anderen Bernssarten übergegangen, 3 gestorben und von 12 konnte der Aufenthaltsort nicht ermittelt werden. Das neue Heim in der Julianstraße hat sich praktisch bewährt und hatte sich zahlreicher Besuche zu erfreuen, so auch von der deutschen Kaiserin am 11. Mai 1908. Ein Brüsseler Besucher schenkte 800 Jk znr Anbringung einer Turmuhr. Doch hat die Anstalt Geldsorgen, da die Ausgaben ständig znnehmen. Prag. Im 87. Lebensjahre verschied der ehemalige Leiter der hiesigen Talinudthvraschule Herr Barnch B e n e d i k t D o n a t. Aus Le» Vereinen. Frankfurt a. M. In der am 12. September stattgehabten Generalversammlung des Vereins „L c m a a n Zion," der — wie der Name sagt — seine Segnungen den Juden Jerusalems zu teil werden läßt, gab der Vorsitzende des Vereins, Herr Rabbiner D r. M. H o r o w i tz einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im Verlaus der jüngsten drei Jahre. Aus dem Bericht entnehmen wir, daß in den Sprechstunden' der Klinik insgesamt 97 018 Konsulationen stattfandeu. In der Apotheke wurden 48 959 Rezepte ausgefertigt. In der im Mai 1908 erösfneten Augenklinik wurden bis Ende des genannten Jahres 33 674 Behandlungen, 85 kleine und 39 große Operationen vorgenommen. Auch waren daselbst ständig 20 Betten belegt. Alljährlich fanden vor Pesach Verteilungen von größeren. Quantitäten Mazzos statt, wozu auch der für andere Tätigkeiten des Vereins eifrig wirkende Herr Rabbiner Dr. Salvendi jeweils die Mittel zur Verfügung stellte. 'Die Unterstützungen russischer Emigranten erstreckte sich auf 129 Personen der verschiedensten Berufe; Lehrgelder erhielten 97 Lehrlinge. An 958 Personen wurden Brillen, Gürtel nsw. zur Verfügung gestellt. 1066 Personen erhielten leihweise Krankenutensilien und 88 Handwerker Darlehen und Werkzeuge. Der Bericht über diese außerordentlich reiche Tätigkeit des Vereins fand allseitige Anerkennung. In der darauffolgenden Neuwahl der Berwaltungsmitglieder wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes einstimmig wiedergewählt. Zn Revisoren wurden die Herren