Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 36 (15.9.1909)
- Date
- 1909-09-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692614-2692650--04929-2699789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Leite 10. Frarckfuckr JsraÄitisches Familienblatt. itr. 36 Heidelberg 12, 56; Königshütte 35, 110; Messingwerk 156, 271; Regcnsbnrg 40, 103; Straßbura 80, 269; Tilsit 18, 49; Zabrze 79, 254; Dessau 337, 1259; Frankfur t (M a i n) 8,50, 539;*) Gleiwitz 41, 196; Halbcrstadt 217, 359; Jeßnitz 2, 53; Mannheim 277, 980; München 316, 641;' Rybnik 9, 87; Stuttgart 14, 63; Wongrowitz 4, 16 Mark. Einige wenige Orte nur brachten bereits in den 6 Monaten verhältnißmätzig Mehrcrgebnisse. Weit überschritten .haben in den 6 Monaten das früher 10 - Monats - Ergebnis Hamburg und (nach früheren Mindcrerträgen besonders erfreulich) Posen. Berlin wird in der Jahressumme voraussichtlich ein Mehrcrträgnis aufweisen. Wenn man aber seine Judenzahl, seine Schekclzahl und seine Nationalfonds-Eingänge mit denen Breslaus vergleicht, so hat Berlin noch sehr viel einzuholcn. Es erreicht im Verhältnis zu Breslau beiweitem nicht dessen Gesamtsumme. Es mühte, aber dock das dreifache von dem in Breslau Erzielten aufbringen. Und bei systematischer Arbeit, Ausnutzen aller gebotenen Möglichkeiten ist cs auch zu erreichen. Daß der vorliegende Semesterbericht kein falsches Bild giebt, zeigen die Statistiken unseres . Hauptburcaus. Deutschland ,stand in der ersten Periode des Nationalfonds 'an 6. Stelle, kam dann an die 5. Stelle und erreichte im ersten Halbjahr 1908 die dritte Stelle, sank im zweiten Halbjahr 1908 an die 4. Stelle, die es auch im ersten Halbjahr 1909 innehatte. Nach den Leistungen pro Kopf der jüdischen Bevölkerung steht Deutschland aber erst an achter Stelle mit Jk 6,38, während Südafrika an erster Stelle mit Jk 53,69 steht. Dabei ist nicht die Leistungsfähigkeit der jüdischen Kreise berücksichtigt. Täte man dies, so - würde Deutschland noch tiefer rangieren. Bei den Vergleichen der erste» Halbjahre 1908 4909 zeigt sich, daß Deutschland im Gegensatz, zu einer Zunahme in den meisten Ländern fast den größten Rückgang aufweist, über 2200 Jk Woran liegt das? Ich vermag nur eine Antwort auf diese Frage zu geben: Es zeigt sich überall unter den' deutschen Zionisten eine große und unverzeihliche Gleichgiltigkeit gegenüber den finanziellen Institutionen der Bewegung. Ihr Interessebetätigcnsichpraktischminimal,— um so weniger, je mehr sie in die Lage kommen, cs betätigen zu kö'nnen. Das ist meine Ueberzeugmig, die ich allerdings nicht mathematisch beweisen kann. Allenfalls an der Hand einzelner Beispiele von allerorten. Die Ausnahmen sind spärlich gesät... Vergleicht man die Ergebnisse der cinzeluen Sammelmittel nach den Semesterausweisen des Hauptburcaus, so zeigt sich zunächst, daß selbst die in Deutschland so beliebte „Oclbaumspcndc" in den Erträgen um etwa 1800 Jk zurückging. Die Büchsensammlungen haben ein Mchrcrgebnis, sie können zweifellos viel mehr bringen. Am meisten gingen aber die „Allgemeinen Spenden" zurück, um 2100 Jk Das sollte doch zu denken geben. Auch die Sclbstbesteuerung zeigt noch einen Rückgang, — was man eigentlich kaum für inöglich halten sollte. Dabei ist ihr Ausbau von besonderer Wichtigkeit für den Nationalfonds. Die Behauptung, „ich gebe bei andern Gelegenheiten", ist in 9 von 10 Fällen eine faule Ausrede, nur ein Zeichen der allgemeinen Drückebergerei. Zugenommen haben die Erträge für Marken und Telegramm-Formulare, sie haben aber noch lange nicht den Stand erreicht, den sie haben, mühten, wenn beider Verwendung nur bei Zionisten allgemein würde. Für die Telegrckmni-Formularc ist es aber leicht, auch bei Nichtzionisten Interesse zu erwecken. Und wieviel würden die Marken bringen, wenn die deutschen Zionisten, nur etwa so wie die österreichischen Juden jeden Privatbries mit einer „Freien Schule"-Marte versehen, ihre Briefe mit Herzl- oder Nordau-Marien beklebeti würden, gleichviel wer der Enipfänger ist. Unsere Zionisten sind aber vornehm: den Gegner darf man mit so etwas nicht belästigen, — der Gesinnungsgenosse kennt die Marke schon. Daß die Marke einen propagandistischen - Wert haben lann, abgesehen von der damit verbundenen Sclbstbesteuerung, liegt ihrem Gedankengang fern. Ein Beispiel: „Ich habe zufällig längere Zeit Gelegenheit gehabt, Kuverts zweier Briefwechsel zwischen je einem Zionisten und je einer „Freien Schule"-Anhängerin zu sehen: Die Briefe der Damen hatten stets Marken der „Freien Schule" als Verschluß, die Briefe der Zionisten sah ich nie mit Nationalsouds-Markeu. Der eine der beiden Zionisten siegelt sic aber in neuester Zeit mit Kai- - serin Elisabeth-Marken". Und solche Leute kommen dann und sagen bedauernd: Es geht mit dem Zionismus doch nicht recht vorwärts. Wie sehr in Deutschland das Interesse der Zionisten für den Nationalsonds nachgelassen hat, hat mir noch eine Kleinigkeit bewiesen: Die J.-R. brachte eine Abrechnung der Materialien-Sammelstellc. Gesamtergebnis für 10 Monate: 75,50 Jk *) Die Differenz ist nur durch zu späte Verrechnung entstanden. Die Redakt. Die ersten 6 Monate unorganisierter Matcrialicn- Samineltätigkeit in D. hatten schon 107 Jk gebracht, — das darauffolgende Jahr (abz. des Ertrages für Briefmarken) 315 Jk Die Zahlen für das dritte und vierte Jahr fehlen mir. Das fünfte Jahr bringt nun 75,50 Jk Ein schöner Fortschritt. Leider ist der Bericht der Sammclstelle recht kurz und enthält nicht die früher übliche Liste der beteiligten Orte (was vielleicht nachgeholt werden kann) Ein Ort fehlt bei diesem Endergebnis: Breslau. Breslau pflegt das Staniol und die Zinnfolie direkt, zu verwerten. Für das letzte Jahr ergab dies auch nicht viel, 22,65 Jk Immerhin: was müßte ganz Deutschland bringen, wenn Breslau allein das erzielt? Aber, ich höre ja schon, wie man sich nur mit solchen Kleinig- und Kleinlichkeiten abgeben kann. . . . Merkwürdig nur, daß das immer dieselben Leute sagen, deren Name» mau auch sonst in den Ausweise» so selten oder gar nicht findet. Und noch merkwürdiger ist, daß das vielfach gar die Leute sind, die sonst alle Weisheit gepachtet haben und allein wissen, wie der Zionismus am besten vorwärts komint. . . Gehet hin und tut Buße . . . durch die Tat. D i b a r t i. „Ein neues Licht". Eine Literarische Würdigung. Das schönste und beste in der Philosophie, wie in der Dichtkunst hat der jüdischen Literatur die spanisch-arabische Periode geliefert. Die herrlichen Werke eines M a i m o n i d e s, I e h u - da H a l e v i, I b n G a b i r o I,. Jb u Esra usw. strahlen uns aus jener Zeit wie leuchtende L-onnen entgegen, die ihr Licht über die Erkenntnis Gottes und somit auch über das Judentum für alle Zeiten ausgegossen haben. Ein großer Teil der Geistesschätze jener produltiven Zeit blieb uns aber verschlossen, und zwar aus Mangel an Kommentaren. Was wäre z. B. das Los des „More Nebuchim", des „Jkkarim" oder sogar des leichter abgefaßten „Kusari" gewesen, wenn sie nicht die richtigen Erklärer und Erläuterer gefunden hätten? Und gerade die grundlegendsten, d. i. originellsten Schöpfungen sind es doch, die am meisten solche Erläuterungen benötigen. Wir müssen daher mit Freude jeden Schritt begrüßen, der unternommen wird, um unsere alten Schätze ans Tageslicht zu fördern. Ein solcher Schritt nun ist jüngst mit vollem Erfolg gemacht worden. Das bekannte philosophische Buch „A u r ha'schem" (das Licht Gottes) des berühmten Religionsphilosophen R. Chisdai Kreschkesch war bisher für die sogar in die philosophische Literatur Eingeweihten ein „Sefer hcchoßum" — ein versiegeltes Buch. Auch dieser Philosoph hat endlich seinen Erläuterer gefunden. Es ist das Verdienst des Herrn R a b b. C h. Flensburg aus Sch aki (Gouv. Suwalki, Rußland), daß dieses hochwichtige und lehrreiche Werk den wetteren Kreisen zugänglich und verständlich gemacht worden ist. Daß der Herr Rabb. Flensburg der richtige Mann für eine solche Arbeit ist, dafür bürgt sein bisheriges Wirken, welches ihm in rabbinischen, wie auch sonstigen gebildeten Kreisen Namen und Ruhm vcrschafst hat. R. Flensburg gehört zu den ersten russischen Rabbinen, die das Vorurteil vom Gegensatz zwischen „Lehre" und „Bildung", Glauben und Wissen, das über der russisch-polnischen Judenheit jahrhundertelang schwer und düster lastete, durchbrochen haben. Ausgerüstet mit tiefem, durchgreijendem talmudischen Wissen und geschützt durch eine» unbescholtenen Stuf, der seinem Namen überall voranging, trat er in die ersten Reihen der gebildeten Rabbinen, die zu jener Zeit in der profanen hebräischen Literatur tätig waren, was danrals natürlich eine seltene Erscheinung war. Seine Aussätze in dem damaligen Organ der frommen Kreise: „Lewonaun" zeichneten sich durch , ihre gediegene rein-hebräische Sprache, durch ihren klaren, ausdrucksvollen Stil und ihren Reichtum an Gehanten und Anschauungen über alle temporären und allgeineinen Fragen aus. Manche von ihnen machten seinerzeit großes Aufsehen und hinterließen einen gewissen Eindruck. Auch in der späteren Presse beteiligte er sich öfters mit Aufsätzen über verschiedene Zeitfragen. Nicht weniger Popularität brachten ihm seine Werke, die er auf dem Gebiete der Bibel- und Talmuderklärung verfaßte, wie er überhaupt als hervorragender „Darschon" überall gilt. — Alles dies gibt uns die Gewähr, daß Chisdai Kreschlcsch's „Aur ha'schem" in gute Hände gekommen ist. Denn der eindringende Blick, das richtig abwägcnde Urteil, die leichte.Sprache und klare Ausdrucksweise, — alles, was den geschickten Erläuterer ausmacht, findet sich bei Rabbiner Flensberg. Er begnügte sich aber nicht mit einer bloßen Erklärung, die an und für sich eine. Riesenarbeit ist, sondern — wie es einem „Talmid chocham, scheöinau mauzi mitachaß jodau dowor scheeinau messukon" ziemt — er beleuchtet zugleich die Person des großen Verfassers des „Aur ha'schem" allseitig. In einer langen Einleitung behandelt er in systeinatischer Weise die Biographie .Rabbi Ch. Kreschkesch's, soweit dies der wenige Stoff, der darüber vorhanden ist, es ihm möglich gemacht hat, bespricht die Größe dieses hervorragenden Mannes in der talmudischen Literatur, seine hohe Bedeutung als religiöser Denker und Philosoph, die Stellung, die er in der Judenheit eingenommen, und den Einfluß, den er auf seine Zeitgenossen und zahlreichen Jünger ausgeübt hat. Dann gibt er uns einen klaren Ueberblick über die Entstehung dieses wunderbaren Kapitalwerkes, über die Absichten und Ziele des Meisters und den Wert und die Eigentümlichkeit seines Werkes. Rabbi Chisdai Kreschkesch habe die^ griechische Philosophie, die bis dahin in den Hallen der Weisheit alleinherrschend war und vor der sogar der große Maimonides allen Respekt hegte, in ihren Grundfesten erschüttert, indem er dieHaltlosigkeitder aristokratischcn Theorien nachwies. Sodann bespricht er die Art und Weise seiner Erläuterungen und welcher Prinzipien er sich dabei bedient hat. Nicht eine einfache, zusammenhanglose Wort- oder Satzertlärung sollte sein „Auzar Chaim", wie die unter dem Text gedruckte Erläuterung heißt, werden, sondern eine vollständige, inhaltsreiche, vielleicht erschöpfende Interpretation, wie sich sowohl aus dem Buche selbst als auch vielen Parallelstellen aus der reichen religionsphilosophischen Literatur ergibt. — Außer der Einleitung hat der Erläuterer noch einen Anhang halachischcr Natur und Erklärungen zu verschiedenen talmudischen Stellen gebracht, soweit sie mit dem Texte im Zusammenhang stehen; abgesehen von mehreren kleinen Anmerkungen, die in der Interpretation mitgedruckt und die mitunter sehr geistreich gehalten sind. So liegt vor uns ein Werk, das in mancher Beziehung ..ein Muster des Schasfensgeistes darstellt und .eine Bereicherung unserer religions-philosophischen Lektüre bedeutet. Es ist aber das Produkt einer mehrjährigen unermüdlichen Arbeit, wie es ein solches eigenartiges Werk auch verlangt. Es muß dem unermüdlichen Arbeiter zur Genugtuung gereichen, wenn keine geringeren als die Altmeister auf dem Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie und Bibliographie wie A. E. H a r k a - w i - Petersburg und Professor Dr. A. Berliner, nrit Anerkennung von dieser Arbeit sprechen. So schreibt Harkawi unter anderem: „Und über- Haupt sind wir Ihren Ehrw. zu Dank verpflichtet für die schwere Arbeit, die Sie übernommen haben, die keine Arbeit, sondern eine Kunst ist, die Worte des R. Ch. Kreschkesch zu erläutern und uns näher zu bringen nach den Schriften der jüdischen Weisen, die ihm vorangegangen sind. Vielleicht gelingt es mir, unter meinen Büchern etwas (Stoff über die Biographie des Verfassers) zu finden; nachdem der erste Teil erschienen ist, werde ich meine Anmerkungen dem zweiten Teile beifügen." — Prof. Dr. Berliner äußert sich in seinem Anerkennungsschreiben wie folgt: „Ich habe Ihre Worte in manchen Stellen augenerleuchtend und herzerquickend gefunden. Gebe Gott, daß Sie Ihre heilige Arbeit zu einem guten Schluß bringen; dann schicken Sie mir, bitte, fünf Exemplare von dem Buche komplett usw. Auch schicken Sie mir Ihre Werke: „Sch'elaß chajim" und „Diwze Jirmjohu" usw. Ihr Werk „Neser hanizochanu" ist bereits bei mir vorhanden" usw. L. S—o. Aus der ziouifttscheu Bewegung. Frankfurt a. M> Bei der Expedition des Israelit. Familienblattes gingen ein: Auf den.Namen von Familie Moritz Hirschberg zum Jahreswechsel von einigen Verehrern 7 6,— Jk Schneher, Rees a. Rh. 0,50 „ 6,50 Jk Bei der Nationalfondskommission gingen ein aus Büchsen: Nr. 558 1,08 Jk Weil, Fricdberger Anlage 30' 1,80 ,, Restaurant Straus - Schmitten 7,84 „ 11,72 Jk Posen. Nach der mehnnonatlichen Sommerpause trat am Sonnabend, den 4. ds. Mts. die Ortsgruppe zu einem Mitgliederabend zusammen. Nachdem der Vorsitzende Dr. Köllens ch er dem verstorbenen Gesinnungsgenossen Manasse einen Nachrufgewidmet, gab er ein ausführliches Expose über die Lage im Zionismus. Im Anschluß daran gab Herr Lehrer Auerbach ein sehr eingehendes Palästinareferat mit vielen interessanten Details. Nach einer anregenden Debatte wurde die Versammlung durch einen Apell zur eifrigen Propaganda mit dem Hinblick auf den bevorstehenden Kongreß geschlossen. Personalien. Frankfurt a, M. Im 84. Lebensjahre v erchied Herr Beit Wohlfarth, Begründer und -eniorches der Firma Beit Wohlfarth, eines der